Krankenversicherung goes digital: Sind Versicherte bereit für den Wandel?

Von Charlotte Malz und Dr. Jens Haarmann

Von der elektronischen Krankenakte über die Video-Sprechstunde bis hin zur Health-App: Digitale Technologien verändern Dienstleistungsangebote von Krankenkassen und das Kundenerlebnis nachhaltig. Nicht immer sehen die Versicherten in diesen Innovationen einen Mehrwert: Eine vergleichende Studie zu «Digital Health» in Deutschland und der Schweiz, die der CRM-Hersteller BSI in Kooperation mit dem ZHAW Institut für Marketing Management durchgeführt hat, liefert eine aussagekräftige Gegenüberstellung der Einstellungen und Bedürfnisse von Versicherten und dem Digitalisierungsangebot ihrer Krankenkassen – sowie kontrastreiche Momentaufnahmen zur Akzeptanz digitaler Dienste und risikoadjustierter Tarifmodelle im Gesundheitssektor.

Homogene Kundenerwartungen im Ländervergleich

Stark negative Befragungswerte zeigen: Sowohl in Deutschland als auch in der Schweiz besteht eine insgesamt hohe Unzufriedenheit mit den Versicherungsmodellen der gesetzlichen Krankenversicherung. Genauso einheitlich wie das negative Stimmungsbild sind die geäusserten Erwartungen von Kunden an ihre Krankenkassen: 72 % der Befragten in Deutschland und 70 % in der Schweiz verlangen von ihrer Kasse an erster Stelle die Kostenübernahme regelmässiger Vorsorgeuntersuchungen, gefolgt von der Erstattung von homöopathischen Leistungen (D: 44 % in vs. CH: 40 %). Als am wenigsten interessant wurde die Behandlung in Privatkliniken bewertet (D: 21 % vs. CH: 30 %) – dagegen ist in beiden Ländern das Einbettzimmer ein häufig angeführter Wechselgrund zur privaten Versicherung. Um die Leistungen attraktiver zu gestalten und grössere Wechselbewegungen zu Wettbewerbern oder eben in die Privatversicherung zu verhindern, sollten Kassen also ihr bestehendes Angebotsportfolio digital überarbeiten.

Gründe für ein Versicherungsupgrade

Digitale Services polarisieren

Insgesamt ist die Nutzung digitaler Services durch Krankenversicherte in der Schweiz stärker verbreitet als in Deutschland. Datenschutzrechtliche Bedenken verhindern jedoch eine breite Akzeptanz – vor allem in Deutschland, aber durchaus auch in der Schweiz. Zwar lassen sich mit einem Anteil von rund 50 % zahlreiche Befürworter der digitalen Services ermitteln – vorausgesetzt, dass diese Dienste einen entsprechenden Mehrwert bieten. 30 % der befragten Versicherten sind als Digitalisierungsgegner einzuordnen, die Bedenken anmelden, ihre Versichertendaten würden zum persönlichen Nachteil erhoben – und sie dadurch von Leistungen ausgeschlossen würden. «Rund 10-20 % der Befragten sind nach wie vor unentschlossen, was sie von digitalen Gesundheitsdiensten halten sollen. Dabei spielt Unkenntnis eine grosse Rolle: Fast die Hälfte der Versicherungskunden kennt bestehende Services, wie Zweitmeinungsdienste oder den Arztrechnungsscan per App nicht. Hier ist Vertrauensarbeit seitens der Versicherer gefragt», kommentiert Prof. Dr. Frank M. Hannich, Stellvertretender Institutsleiter am Institut für Marketing Management der ZHAW School of Management and Law, die Ergebnisse.

Verbraucher sehen in simplen E-Dienstleistungen den grössten Nutzen

Von den verfügbaren digitalen Versicherungsservices ist in Deutschland die digitale Versicherungskarte am populärsten (33 % vs. CH: 25 %, siehe Graphik unten), gefolgt von Online-Versicherungsportalen (D: 18 % vs. CH: 40 %) und Fitness-Trackern (D: 18 % vs. CH: 17 %). Angesichts der hohen Verbreitung von Smartphones – 87 % der Deutschen besitzen ein mobiles Endgerät – besteht hier Aufholbedarf und viel Potenzial. Denn gerade die scheinbar simplen administrativen Erleichterungen führen bei den Versicherten zur höchsten Zufriedenheit: Die Reduktion von Verwaltungsaufwand, schnelle Rückvergütung von Vorleistungen durch Versicherte und beschleunigte, tageszeitunabhängige Digitalprozesse sind häufig genannte Bedürfnisse.

Erfahrungen mit digitalen Services

Hälfte der Befragten signalisiert Offenheit für risikoadjustierte Tarifmodelle

Grundsätzlich sind in beiden Ländern rund 50 % der Befragten für risikoadjustierte Tarifmodelle offen – nur fair müssen sie sein. Das heisst für viele: positives Verhalten belohnen, riskantes Verhalten jedoch nicht über Gebühr abstrafen. Incentivierungen müssen zudem verhaltensbasiert ausfallen und dürften keine erblichen Veranlagungen oder nicht beeinflussbare Erkrankungen anrechnen. Positiv fällt demzufolge die Resonanz auf ein vorgeschlagenes Tarifmodell aus, das Prämienrückerstattungen an tägliche körperliche Bewegung koppelt, die mittels einer App über Schrittzahlen dokumentiert wird. Rund 58 % der Befragten in Deutschland und 53 % in der Schweiz können sich eine Teilnahme daran grundsätzlich vorstellen, während das Modell von nur rund 30 % in beiden Ländern abgelehnt wird. Die Mehrheit der potenziell Interessierten fände dies ab einer Prämienreduktion von etwa einer Monatsprämie ausreichend attraktiv. Auch nach den meist genutzten Gesundheits-Apps wurde in der Studie gefragt, bei denen unter den Gesundheits-App-Nutzern klar die Fitness-Apps dominieren (28 % in der CH), gefolgt von Ernährungs- (18 %)  und Gewichts-Management-Apps (14%, siehe unten).

Meist verbreitete Apps

Die beste Versicherungs-Customer-Journey entscheidet

Die Studienergebnisse zeigen, dass ein signifikanter Anteil der Bevölkerung in Deutschland und der Schweiz bereits vor der Coronakrise bereit war, digitale Services zu nutzen. Die Massnahmen zur Eindämmung der Krise dürften diesen Trend noch verstärken. «Nach mehrjähriger Erfahrungen mit digitalen Diensten und teilweise eindeutigen Präferenzen der Versicherten, stellt sich für Krankenversicherer die Frage: Welche digitalen Services generieren die höchste Kundenzufriedenheit je eingesetztem Budget bzw. wo können Versicherer komplementäre Services schaffen, die reine App-Anbieter nicht bieten können?», merkt Dr. Jens Haarmann, Dozent für New Product und Healthcare Marketing, Institut für Marketing Management an.

Untersuchungen zeigen, dass Kunden ihre Versicherungspartner basierend auf ihren individuellen Bedürfnissen und Erwartungen wählen; Alter und soziodemographische Hintergründe spielen eine nachgelagerte Rolle. Eine bedürfnisbasierte Segmentierung scheint daher bei der Ausgestaltung von Angebot und Kunden-Kontaktpunkten zukünftig das Mittel zum Erfolg. Gleichzeitig ist jedoch die Orientierung an den Bedürfnissen der Versicherten mit den Geschäftszielen in Einklang zu bringen. «Die Konsolidierung der IT-Landschaft, Touchpoints und Kundendaten sowie die Automatisierung von Prozessen bieten enormes Potenzial für Effizienzsteigerungen, Kosteneinsparungen und gleichzeitig eine höhere Kundenzufriedenheit. Darüber hinaus erlaubt es der Einsatz von CRM-Systemen in Kombination mit Marketing Automation, Kundenverhalten verlässlich zu tracken, Kundenbedürfnisse zu ermitteln und Kunden verhaltens- und bedürfnisbasiert individuell zu betreuen», fasst Adrian Bucher, Community Manager Health, bei BSI die Learnings der Studie zusammen.

Zum Studiendesign

In Zusammenarbeit mit dem Marktforschungsinstitut Bilendi wurden im Zeitraum Oktober / November 2019 für die Studie im Rahmen einer repräsentativen Befragung 1069 Krankenversicherte in Deutschland und 569 in der Schweiz befragt. Die Erhebung basiert auf der Beantwortung eines Interviews mit 58 Fragen per Online-Panel. Zusätzliche qualitative Ergebnisse wurden aus 11 Tiefeninterviews (5 in Deutschland, 6 in der Schweiz) sowie 22 Spontaninterviews (10 in Deutschland, 12 in der Schweiz) mit Krankenversicherten gewonnen.

Studiendownload: https://services.bsi-software.com/studio/public/e/l/health-studie-download-webseite-web

MAS Product Management – Prämierung der besten Masterarbeiten

Von Dr. Helen Vogt

Welche digitalen Technologien erhöhen am meisten das Einkaufserlebnis im stationären Handel? Können Private Label Brands eine Umsatzsteigerung im Automobil Ersatzteilmarkt bewirken? Diese und viele andere Themen beschäftigen die Studierenden im MAS Product Management (PDM) welche als Abschluss der zweijährigen Ausbildung ihre Masterarbeit geschrieben haben. Die MAS Teilnehmer stammen aus den verschiedensten Industrien und Branchen, dementsprechend fanden sich sehr viele unterschiedliche und höchst spannende Themen im Mastermodul. Von den Chancen der Digitalisierung für Messen, über Kundenfluktuation und Erfolgsfaktoren der Kundenzusammenarbeit im B2B, Rückgewinnungmassnahmen im Versicherungswesen, neue Pricing und Servitization Konzepte, Cross-Device Tracking für ein Medienunternehmen, die Neupositionierung eines Produktsortiments im Healthcare Bereich bis zur Entwicklung einer neuen Value Proposition oder strategisches Lifecycle Management im Maschinenbau, das ganze Spektrum des Product Managements wurde eingehend beleuchtet.

14 Teilnehmer haben dieses Jahr den MAS Product Management mit der Masterarbeit abgeschlossen. Wir gratulieren allen sehr herzlich zu ihrer hervorragenden Leistung!

Teilnehmer des MAS Product Management, welche im Januar 2018 abgeschlossen haben:
Marc-Pieter Blanck, Peter Bornhauser, Christof Fehr, Daniel Hauenstein, Jonas Honegger, Simon Honegger, Marco Huber, Alexander Leutenegger, Patrice Molnar, Andrea Mühleis, Yvonne Müller, Sascha Kropf, Daniel Stoffner, Rolf Zaugg.

Hervorragende Arbeiten wurden ausgezeichnet

Die besten Masterarbeiten werden traditionell an der Diplomfeier bekanntgegeben und gewürdigt. So hat Yvonne Müller in ihrer Arbeit den Einfluss und Erfolgsfaktoren von neuen digitalen Technologien am Point-of-Sales bei Schweizer Einzelhandelsunternehmen untersucht. Mit einer qualitativen und quantitativen Erhebung konnte sie die erfolgversprechendsten Ansätze identifizieren, wie der stationäre Handel das Einkaufserlebnis erhöhen und somit gegenüber dem online Handel wieder attraktiver werden kann. Rolf Zaugg beleuchtet den Autoersatzteilhandel in der Schweiz und untersucht die Frage, ob durch die Einführung eines Private Labels mit einer Fighting-Brand-Strategie neue Kundensegmente und damit höheres Umsatzwachstum generiert werden kann. Beide Arbeiten zeichnen sich durch eine fundierte und differenzierte wissenschaftliche Arbeitsweise und durch eine hohe Praxisrelevanz aus.

Die Vielfältigkeit der Masterarbeiten spiegelt auch das breite Anforderungsspektrum an moderne Produktmanager. Die Teilnehmer des MAS Product Management haben in den vier CAS, welche den MAS bilden, ein fundiertes Wissen und die notwendigen Fähigkeiten erworben um die vielfältigen Markt- und Kundenbedürfnisse strukturiert zu ermitteln, ein Leistungsportfolio gezielt zu entwickeln, erfolgreich am Markt zu etablieren und langfristig gewinnbringend zu managen. Damit haben die MAS Absolventen die notwendigen Grundlagen um ein modernes Product Management zu betreiben.

Haben Sie Fragen zum MAS Product Management? Dann wenden Sie sich bitte an Helen Vogt via mail vogh@zhaw.ch oder via Telefon 058 934 66 99. Zahlreiche Information zu diesem Studiengang finden Sie auch online.