Co-Creation oder gemeinsam fortschreiten

Von Silvana Ulber

Ganz grundsätzlich werden Menschen gerne um ihre Auffassung der Dinge gefragt. Sie fühlen sich dadurch in eine Entscheidung, einen Ablauf oder einen Umstand einbezogen. Akzeptieren die Situation dadurch nicht nur viel eher, sondern setzen sich höchstwahrscheinlich auch gegenüber Dritten dafür ein. Weiter gesteigert wird diese Wahrscheinlichkeit, wenn Mitmenschen, Mitarbeitende oder Kunden ihre Vorstellungen nicht nur kundtun, sondern mitarbeiten, mitgestalten und mitentscheiden dürfen. Von Co-Creation ist dann die Rede.

Werden Verbraucher oder Mitarbeitende aktiv um deren Erwartungen, Erfahrungen, Vorstellungen und Optimierungsmöglichkeiten gefragt und um Mitarbeit gebeten, kommt oftmals ein grosser Fundus an Inputs zusammen. Nicht alle davon sind umsetzbar. Doch ergibt es Sinn, die Rückmeldungen zu prüfen. Kann Produkt oder Dienstleistung XY mit den eingegebenen Kommentaren, Ideen und Erarbeitungen optimiert werden? Der Profit ist nicht nur ein besseres Produkt bzw. eine bessere Dienstleistung. Dieses entspricht nun viel eher dem Kundenbedürfnis, was Produkt bzw. Dienstleistung beliebter machen kann. Die Folge: Zufriedene Kundinnen und Kunden oder Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter – je nach Stakeholder, den man für den Einbezug gewählt hat. Ihnen hat man durch Zuhören und die Möglichkeit der Partizipation die Wertschätzung gegeben, dass ihre Vorstellungen und Ideen wichtig sind und zählen. Ihre Haltung zum Unternehmen wird damit positiv beeinflusst.

Starke Verbindung zur Zielgruppe

Als Best Practice dient die LANDI Schweiz AG. Sie bezieht mit dem Programm Farm-Erfa Geschäftsführer von LANDI Läden in ihre Wertschöpfungskette mit ein. In Arbeitsgruppen und Workshops wird gemeinsam an Produktverbesserungen oder -entwicklungen gearbeitet sowie über mögliche neue Services mit nationaler Strahlkraft beraten. Entscheidend für die Teilnahme bei Farm-Erfa: ein landwirtschaftlicher Hintergrund mit sehr starker Verbindung zur Zielgruppe «Landwirte», die aufgrund dieses ausgeprägten Bezugs durch die am Programm teilnehmenden Geschäftsführer miteingebunden ist. Simon Gfeller, Leiter Marketing & Verkauf bei LANDI Schweiz ist überzeugt: «Gemeinsam erarbeitete Ideen führen zu einer höheren Identifikation mit dem Produkt, dem Konzept und auch der Marke LANDI an und für sich». Gemessen werde der Erfolg des Einbezugs anhand von KPI (Key Performance Indicator) zu Indikatoren wie beispielsweise dem Umsatz pro Warengruppe oder der Reduktion von Abschreibern. «Auch wenn der Aufwand für den Austausch in den Arbeitsgruppen beträchtlich ist, der Mehrwert dieses gezielten Vorgehens ist enorm», sagt Gfeller weiter.

Farm-Erfa-Vertreter mit Marketing- und Verkaufsleiter Simon Gfeller (7. v. l.) ©LANDI Schweiz AG

Nur für die grossen Player?

Dass Co-Creation auch bei KMU funktionieren kann, zeigt ein unspektakuläres aber erfolgreiches Beispiel des Akademischen Sportverbands Zürich (ASVZ). Auch der ASVZ möchte seine Zielgruppe – die Studierenden der Zürcher Hochschulen – bei der Ausgestaltung seines Sportprogramms vermehrt ins Boot holen. Im Gespräch mit Vertretern dieser Zielgruppe erkannte man das Bedürfnis nach einem Sportangebot, das das Spielen des Turnunterrichts der Primar- und Oberstufe ermöglicht. Der ASVZ unterstützte einen entsprechenden Pilotversuch mit Beratung, Equipment, Räumlichkeiten sowie Kommunikationsmassnahmen. Was aus einem Bedürfnis und einer Idee der Zielgruppe entstand, gemeinsam zum Pilotversuch «FätzBall» entwickelt wurde, wurde im Frühjahr 2019 aufgrund der grossen Beliebtheit schliesslich als Sportart «Burner Games» ins ASVZ-Sportprogramm aufgenommen. Ob der ASVZ damit um eine Kult-Sportart reicher ist, wird sich weisen.

Die ASVZ-Sportart «FätzBall» ist im Gespräch mit der Zielgruppe entstanden ©ASVZ

Fürsprecher gewinnen und an sich binden

Beide Beispiele haben eines gemeinsam: Gewonnen haben mit Co-Creation alle Beteiligten. Die eingebundenen Stakeholder ihrerseits fühlen sich ernst genommen und wertgeschätzt, weil sie durch den Meinungsaustausch und ihre Mitarbeit Produkte und Dienstleistungen optimieren und davon – sei es als Verkäufer/Dienstleister oder auch als Endkunde – direkt profitieren können. Das Unternehmen seinerseits erhält wichtige Einblicke zu Interessen, Verhalten, Vorstellungen und Gedanken der eingebundenen Stakeholder. Es kann das Angebot der Nachfrage und den Bedürfnissen entsprechend aufbereiten und erhält aufgrund dieser Vorgehensweise zufriedene und loyale Fürsprecher und Multiplikatoren für Produkte, Dienstleistungen und die Marke. Mitmach-Marketing mit den besten Voraussetzungen für optimale Kunden- und Mitarbeiterbindung.

Über die Autorin

Silvana Ulber ist Leiterin Kommunikation beim Akademischen Sportverband Zürich (ASVZ) und mag an ihrem Berufsalltag ganz besonders, dass ein grosser Bestandteil aus Austausch und gemeinsamem Erarbeiten von Ideen besteht. Denn sie ist ein grosser Fan von Miteinander und Teamarbeit, und auch wenn der Ausdruck etwas ermattet, so lebt sie ihn doch: gemeinsam sind wir stark. Zur Zeit absolviert sie an der ZHAW innerhalb des MAS Marketing Management den CAS Marketing- und Corporate Communications.

«Jedes Unternehmen kann das Potenzial der ‹Crowd› für sich nutzen»

Jan Biller

Jan Biller,
Dozent im CAS Digital Marketing

Immer mehr Unternehmen versuchen, Kunden in Support- und Produktentwicklungs-Communities einzubinden, um von ihrem Wissen zu profitieren. Jan Biller, Business Owner Social Media bei Swisscom, ist Dozent im neuen Zertifikatsstudiengang (CAS) Digital Marketing und erläutert kurz, welche Rolle Crowdsourcing und Gamification im Digital Marketing spielen, und was die Teilnehmenden im Unterricht von ihm lernen werden.

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Crowdsourcing statt Outsourcing

Seit Jeffe Howe den Begriff des Crowdsourcings 2006 im Computermagazin Wired prägte, ist er omnipräsent. Wer an den Schwarm auslagert (Begriffskombination aus Crowd und Outsourcing) gilt als innovativ. Selbst der Bund hat auf seinem KMU Portal Crowdsourcing zum Thema des Monats Mai 2012 gemacht. Ist Crowdsourcing ein eigenes Konzept oder „nur“ eine Kombination von bereits bestehenden Konzepten wie  Social Media, Open Innovation, Open Source und User Innovation?

www.bbc.co.uk

Um diese und ähnliche Fragen zu ergründen, befasst sich das Zentrum für Marketing Management (ZMM) der ZHAW intensiv mit dem Thema Crowdsourcing. Ziel ist zu eruieren, ob die Kompetenzen im Bereich New Media und Innovation weiter ausgebaut werden sollen.

Doch was ist Crowdsourcing eigentlich? Diese Frage lässt sich nicht in einem Satz beantworten, denn die Formen von Crowdsourcing sind sehr unterschiedlich und die gemeinsame Bezeichnung verwundert zuweilen. Deshalb werden nachfolgend die wichtigsten Formen von Crowdsourcing vorgestellt, um dann zum Schluss nochmals zusammen zu fassen, was gemeinsame Nenner des Crowdsourcings sind.

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Schwärmen vom Schwarm…

Crowdsourcing

Quelle:Cooltown Studios

Die Abteilung General Management (AGM) hat das Innovationspotenzial von Crowdsourcing erkannt und führt deshalb mit Zweifel Pomy-Chips AG als Praxispartner ein Pilot-Projekt auf der Innovationsplattform Atizo durch, um Erfahrungen im Umgang mit der „Schwarmauslagerung“ zu sammeln.

Machen Sie mit, denn es gibt nicht nur Erfahrung zu gewinnen sondern auch Prämien für die besten Ideen!

Crowdsourcing, zu Deutsch die Schwarmauslagerung, ist eine Wortkombination aus „Crowd & Outsourcing“, also das Auslagern von Arbeiten an einen Schwarm. Im Kern geht es darum, Stakeholder einer Unternehmung in Lösungsfindungs- und Innovationsprozesse einzubinden. Crowdsourcing kann in kleinerem Umfang projektbezogen angewendet werden, wobei eine einmalige Fragestellung durch eine Community beantwortet wird. Umfassender ist Crowdsourcing, wenn es langfristig installiert wird, als Kultur der offenen Innovation und Ideenfindung.

Bleibt für den Moment zu sagen: Crowdsourcing ist ein spannendes und relativ neues Gebiet. Wer mehr darüber erfahren möchte ist herzlich eingeladen, sich bei Salome Müller oder Michaela Simeon, Zentrum für Marketing Management, zu erkundigen. Die AGM hält Sie auf dem Laufenden!