Prävention durch Kommunikation

Von Janine Diem

«Vorsicht ist besser als Nachsicht.» Ob Gesundheit, Sicherheit oder Wohlbefinden, das Sprichwort lässt sich auf viele Lebensbereiche anwenden. Entsprechend gibt es auch zahlreiche Situationen, in denen erfolgreich kommunizierte und umgesetzte Präventionsmassnahmen einen Unterschied machen. Welche kommunikativen Möglichkeiten gibt es dafür und was ist weiter hilfreich, um die Zielgruppe für wichtige Themen zu sensibilisieren?

Gesundheit, Sicherheit, Wohlbefinden. Je nach Thema, für das eine Sensibilisierung stattfinden soll, sind das Kommunikationsobjekt, die Zielgruppen und die Botschaft naheliegend. Neben dieser Frage, wer wem gegenüber was kommuniziert, sind auch die Kommunikationsmassnahmen und das Kommunikationstiming zentrale Elemente einer Kommunikationsstrategie. Das richtige Timing trägt wesentlich dazu bei, den Sinn hinter den Präventionsmassnahmen zu vermitteln und dadurch Akzeptanz zu verschaffen. Diese Akzeptanz der Zielgruppe wiederum ist eine Voraussetzung, damit Präventionsmassnahmen umgesetzt werden.

Sicherheit im Strassenverkehr als Anliegen

Neben dem richtigen Timing ist auch die Wahl der eingesetzten Kommunikationsmassnahmen und -mittel relevant. Dies zeigen Beispiele der AXA Versicherungen, die sich als grösster Schweizer Motorfahrzeugversicherer für mehr Sicherheit im Strassenverkehr einsetzt und Präventionsmassnahmen gegenüber der Bevölkerung kommuniziert.

Dem Sensibilisierungsthema ein Gesicht geben

Seit 1973 setzt sich die AXA mit der Stiftung für Prävention dafür ein, dass der Strassenverkehr sicherer wird. Die Figur «Max der Dachs» steht bildlich für dieses Sensibilisierungsthema. Während Max das richtige Verhalten zeigt und Hintergrundwissen vermittelt, geben ihm das rote Halstuch und der Bündnerdialekt den nötigen Wiedererkennungswert. Ein Beispiel für Timing und Kommunikationsmittel: In einer Lern-App unterstützt Max der Dachs Kinder dabei, das richtige Verhalten auf dem Schulweg zu erlernen. Die App wurde rechtzeitig zum Schulanfang in der Schweiz lanciert.

Max der Dachs gibt Tipps und Tricks für mehr Sicherheit im Strassenverkehr. © AXA Stiftung für Prävention

Das Sensibilisierungsthema erlebbar machen

Die Unfallforschung der AXA analysiert zahlreiche Unfälle im Strassenverkehr und führt jährlich eigene Crashtests durch. Eine Auffahrkollision in einer Stausituation mit einer Geschwindigkeit mit 60 km/h kann verheerende Folgen haben. Um dies aufzuzeigen, stattete die AXA beim Crashtest ein Fahrzeug mit einer 360-Grad-Kamera aus. Das Video macht die Kollision aus unterschiedlichen Perspektiven erlebbar. Mit Geräten wie Desktop-Computer, Smartphone oder Virtual Reality-Brille lässt sich die Auffahrkollision durch klicken, bewegen und drehen aus sämtlichen Blinkwinkeln betrachten. Bettina Zahnd, Leiterin Unfallforschung & Prävention der AXA, erklärt in der Medienmitteilung zum Video: «Dank Virtual Reality fühlt sich der Zuschauer in die Situation hineinversetzt – er erlebt den Unfall sozusagen mit. Ein zentraler Faktor in der Präventionsarbeit, wie unsere Erfahrungen zeigen». Betreffend Timing: Einmal im Jahr finden Crashtests der AXA vor Publikum statt. Bei dieser Gelegenheit hatte das Publikum neben dem Crashgelände die Möglichkeit, den soeben gesehenen Crash zusätzlich im 360-Grad-Video mit einer Virtual Reality Brille zu erleben.

Durch das Sensibilisierungsthema Mehrwert schaffen

Den Sinn einer Massnahme zu verstehen fällt leichter, wenn Vorteile für die eigene Situation erkennbar sind. Die AXA verknüpft die Kommunikation von Präventionsmassnahmen mit Mehrwert für die einzelne Person. So finden sich auf dem Blog der AXA unterschiedliche Checklisten und Tipps, wie beispielsweise im Beitrag zum sicheren Beladen des Autos vor einer Reise. Der Blogbeitrag informiert neben der Verwendung von richtigen Sicherungsmaterialien auch über rechtliche Gegebenheiten beim Transport von Sperrgut wie zum Beispiel ein Kajak. Bezüglich Timing: Der Blogbeitrag wurde während der Feriensaison publiziert.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass neben dem richtigen Timing und der Wahl des Kommunikationsmittels ein Botschafter / eine Botschafterin für das Thema, Anschaulichkeit und individueller Mehrwert zur erfolgreichen Kommunikation von Präventionsmassnahmen beitragen können.

Über die Autorin

Janine Diem arbeitet bei der AXA im Angebots- und Trendmanagement. In dieser Tätigkeit entwickelt sie Produkte und Services rund um Sachversicherungen. Nach dem Betriebsökonomie-Studium absolviert sie derzeit den CAS Marketing- und Corporate Communications an der ZHAW School of Management and Law.

Die Migros und die Teddys: Ein erfolgreiches Marketing für einen guten Zweck

Obwohl schon bald Ostern ist, gibt es einen kleinen Flashback in die Weihnachtszeit und zwar zur letzten Migros-Weihnachtskampagne. Ein Beispiel wie man eine gute saisonale Marketingaktion durchführt und noch den guten Zweck damit verbindet. Die Migros überrascht immer wieder, sei es mit den Osterhasen, oder eben zu Weihnachten mit speziellen Teddys. Wie es dazu kam, erklärt Marion Ammann, Senior Projektleiterin Gesamtkampagne Weihnachten.

Weihnachten ist für viele Menschen mit Erinnerungen und Emotionen verbunden. Ein gutes „Weihnachtsmarketing“ ist nicht einfach. Die Migros hat bereits in den Vorjahren gezeigt, wie man Marketing und den guten Zweck verbinden kann. Für die letzte Kampagne setzte man auf spezielle Teddys und ein emotionales Video. Wie kam es zu dieser Idee?

Nachdem wir zwei Jahre lang mit den beiden „Künstler-Weihnachtsvideos“ grossen Erfolg verbuchen konnten, wollten wir wieder zurück zu unseren Wurzeln und Geschichten, mit und von Menschen wie „Du und ich“ erzählen. Wir suchten nach einer Geschichte, die man gerne weiter erzählt, die berührt und einem auch ein wenig zurück in die eigene Kindheit bringt.

Wir wollten bewusst auf das in der Werbung geläufige Schema „Mensch in Not“ verzichten. Wir wollten einen Charakter, der Alt und Jung gefällt. Bald kamen wir auf den Teddybär – das beliebteste Plüschtier der Schweiz. Fast jeder verbindet damit seine eigene, emotionale Erlebniswelt. Daran wollten wir anknüpfen und haben mit unserem Plüsch-Protagonisten aufgezeigt, dass arme Menschen in der reichen Schweiz oftmals keine Beachtung finden und vergessen gehen.

Max, Mira und Miko hiessen die Teddys und konnten über Sammelsticker erworben werden. In den Läden sah man aber, dass wohl nicht nur Kinder, sondern auch Erwachsene die Teddys sammelten. Eignet sich ein Teddybär besser als andere Figuren für eine solche Aktion?

Die Teddybären waren nicht die ersten Plüschtiere, die es in der Migros zum Sammeln gab. Bereits Ostern 2015 und Ostern 2016 gab es unsere drei Hasen zum Sammeln. Diese kamen ebenfalls bei Jung und Alt gleichermassen gut an. Der Teddybär ist aber vor allem zur Weihnachtszeit sicher ein emotionales Symbol, mit dem viele Personen etwas aus ihrer Kindheit verbinden.

Die Teddys der letzten Weihnachtskampagne © Migros-Genossenschafts-Bund

Marketing soll die Bekanntheit und natürlich auch die Umsätze steigern. Dennoch, wie wichtig ist auch ein sozialer Bezug? Durch die Weihnachtskampagne konnte die Migros über 3.5 Mio. CHF an Spenden sammeln, ein Erfolg für beide Seiten?

Wir führen schon seit einigen Jahren Spenden-Sammelaktionen durch, daneben leisten wir regelmässig Soforthilfe und mit dem Kulturprozent geben wir einen grossen Betrag an die Bevölkerung weiter. Diese Spendenaktion ist also kein Werbegag sondern liegt tief in der DNA der Migros verankert. Selbstverständlich haben wir aber auch Geschäftsziele, die wir erreichen müssen. Es ist uns gelungen: Wir konnten viele Mitmenschen für das Thema „Bedürftige in der Schweiz“ sensibilisieren und den Wettbewerb auf emotionaler Ebene zu schlagen – ohne dabei den wirtschaftlichen Erfolg in Form von Marktanteilen zu vernachlässigen – im Gegenteil.

Links Désirée Strassmann, Leiterin Dachkampagnen & Rechts Marion Ammann Senior Projektleiterin Gesamtkampagne Weihnachten © Migros-Genossenschafts-Bund

Unsere Gesellschaft ist überflutet von Werbeanzeigen. Aufzufallen ist deshalb wichtig. Die Migros ist sehr innovativ und betreibt erfolgreiches Marketing auf diversen Kanälen. Was machen Sie anders als die Konkurrenz?

Wir haben dieselben Kommunikationsmittel zur Verfügung wie alle anderen Werbetreibenden auch. Aus diesem Grund muss der Mediamix perfekt auf die Zielgruppe zugeschnitten und ausgesteuert werden, damit wir überhaupt gesehen werden. Damit man aber schlussendlich nicht übersehen wird, muss man mit relevanten Botschaften aber auch Originalität und Charme die Aufmerksamkeit gewinnen.

Wir überraschen, indem wir Regeln brechen. Während der umsatzstärksten Zeit, an Weihnachten, fokussieren wir uns kommunikativ unter anderem auf die Not in der Schweiz und sammeln Spenden. Bei Generation M erzählen wir nicht, wie viel Gutes wir schon getan haben, sondern welche neuen Ziele wir uns mittel- und langfristig setzen. Wenn wir trotz allen Anstrengungen ein Ziel nicht erreichen, wird das offen kommuniziert. In der „schöngefärbten“ Kommunikationswelt braucht es dann schon etwas Mut, hinzustehen und diese „Niederlage“ einzugestehen.

Es gilt Menschen emotional zu berühren © Migros-Genossenschafts-Bund

Gibt es Tipps, die Sie angehenden Marketingfachleuten geben würden?

Wenn es Tipps oder Regeln für gute Kommunikation gäbe, dann würden wir nur erfolgreiche Werbung sehen. Auch wenn es klischiert kling: Wenn Sie für Ihren Job brennen und mit dem Herzen dabei sind, wenn Sie die Zielgruppe respektieren und positive und ehrliche Gefühle ansprechen, dann besitzen Sie die besten Grundlagen, um mit guten Kampagnen zu begeistern.

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