Morgensünden im Leckerli-Land

Von Urs Ambühl

Die Gottlieber Spezialitäten AG eröffnete in den letzten Monaten drei verschiedene “Sweets & Coffee” Shops in Orell Füssli Buchläden. Den ersten “Shop in Shop” eröffneten sie in Basel. Weitere folgten in Aarau und Pfäffikon SZ. Mit der Expansion verfolgt das Traditionsunternehmen das Ziel den Bekanntheitsgrad schweizweit zu steigern und den Direktverkauf zu fördern.

Steigerung der Produktevielfalt als Basis für ein erfolgreiches Marketing

Als Ostschweizer sind einem die Gottlieber Hüppen aus dem 300-Seelendorf Gottlieben am Bodensee ein Begriff. Nicht wenigen wurden die feinen Hüppen von den Grosseltern auf Weihnachten geschenkt. Weihnachten ohne die rot, grünen und blauen Hüppen wären eine Enttäuschung gewesen. In den letzten Jahren erweiterte Gottlieber kontinuierlich sein Produktportfolio. Neben den klassischen Hüppen wurden neue Premium Sorten wie Cappuccino, Amaretto oder Noix de Coco ins Sortiment aufgenommen. Dazu kamen weitere Schokoladenspezialitäten wie der Brotaufstrich “Morgensünde”. Gemäss Dieter Bachmann, Geschäftsführer der Gottlieber Spezialitäten AG, war die Produkterweiterung der erste notwendige Schritt um an eine Expansion mit Kaffees zu denken. “Ein Kaffee mit Shop ohne breite Produktvielfalt hätte nicht funktioniert” so Dieter Bachmann im persönlichen Gespräch.

Morgensünde beim Frühstück © Urs Ambühl

Erfolgreiche Mund-zu-Mund Werbung dank Kaffee Erlebnis

Umgesetzt wird mit der Expansion in der Deutschschweiz eine Strategie, die lange vorbereitet wurde. Bachmann erweiterte mit der Übernahme der Gottlieber Spezialitäten AG vor zehn Jahren das “Gottlieber Kaffee” in Gottlieben mit einem Manufakturladen. Dort probierte die Firma Verschiedenes aus bevor sie 2012 den Flagshipstore im Zentrum von Winterthur eröffnete.

Der Flagshipstore in Winterthur © Gottlieber Spezialitäten AG

2013 folgte in Guangzhou (China) das erste ausländische Gottlieber Sweets & Coffee. In den letzten Monaten nun die Eröffnung von drei Sweets & Coffee in drei Orell Füssli Buchhandlungen. Diese Sweets & Coffee sind deutlich kleiner als der Flagshipstore in Winterthur. Trotzdem werden sie rege besucht und Orell Füssli Kunden trinken einen Kaffee, geniessen feine Hüppen und stöbern in den Büchern. Damit erreicht Gottlieber neue Kunden, die ansonsten kaum in Kontakt mit der Thurgauer Spezialität treten würden. Als kleiner Player im schweizerischen Schokoladenmarkt wäre eine umfassende Werbekampagne für die Gottlieber Spezialitäten AG zu aufwendig. Deshalb setzen sie auf direkten Kundenkontakt und fördern damit die Mund-zu-Mund Werbung aktiv.

Der Sweets & Coffee in Basel © Gottlieber Spezialitäten AG

Steigerung des B2C Absatzes als Folge der Expansion

Wir verfolgen so unseren Direktverkauf zu steigern und stärker im B2C zu werden”, erklärt Dieter Bachmann. Gottlieber verkaufte früher fast ausschliesslich B2B. Mit den Shops, insbesondere dem Online-Shop, steigerte Gottlieber den Absatz im direkten Kundenverkauf stark. Zur Marketingstrategie der Gottlieber gehört neben den Shops die digitale Werbung auf den verschiedenen Sozialen Medien. Unabdingbar für Bachmann sei es aber ebenso auf die klassischen Verkaufsbroschüren zu setzen, wie auch Auftritte an ausgewählten Veranstaltungen. An diesen möchte sich die Gottlieber Spezialitäten AG als Premium Produkt etablieren. Schliesslich genoss schon bereits Königin Hortense Bonaparte sogenannte “Gaufrettes” aus Gottlieben, als sie von 1817 bis 1837 auf dem nahen Schloss Arenenberg lebte. Ob ihr berühmter Sohn, der spätere Kaiser von Frankreich Napoleon III., schon damals auch Morgensünden aus Gottlieben vernascht hat, kann hingegen nur vermutet werden.

Weitere Infos zur Gottlieber Spezialitäten AG

https://www.gottlieber.ch/de/

https://www.facebook.com/GottlieberHueppenhttps://www.instagram.com/gottlieberhueppen/

https://www.instagram.com/gottlieberhueppen/

Über den Autor

Urs Ambühl arbeitete nach dem seinem Studium als Raumplaner an der Fachhochschule Rapperswil sechs Jahre in einem privaten Beratungsbüro im Bereich des öffentlichen Verkehrs. Seit 2013 leitet der heute 38-jährige den Stadtbus Frauenfeld und ist dort unter anderem für das Marketing verantwortlich. Neben dem Stadtbus ist er zudem Projektleiter für die Umsetzung von Stadtentwicklungsprojekten im Bereich Mobilität. Zurzeit bildet er sich an der ZHAW im Bereich Marketing und Kommunikation weiter. Der Thurgauer liebt die Gottlieber-Hüppen seit seiner Kindheit und erfreute sich an Weihnachten immer über das Geschenk seiner Grossmutter.

Best Practice des Omnichannel Marketings am Beispiel der Paul Ullrich AG

Von Carmen Oswald und Dr. Darius Zumstein

In einem schweizweit einzigartigen Omnichannel-Marketing-Projekt lancierte der Getränkehändler Paul Ullrich AG einen Spirituosen- und Wein-Onlineshop für Endkunden. Vier Zürcher Digital-Agenturen bauen auf grüner Wiese nun eine grosse Marketing-Maschinerie auf, um den B2C-Onlineshop zum Fliegen zu bringen.

Der diesjährige Omnichannel Marketing Tag (OMT.19) fand vergangene Woche im Metropol in Zürich statt. Eröffnet wurde der Event durch den CEO von Mayoris, Urs Thürig. Er war vor sieben Jahren derjenige, der die halbtätige Konferenz ins Leben gerufen und damit einen Nerv der Zeit getroffen hat. Das Wort «Omnichannel» ist wortwörtlich omnipräsent in aller Munde. Handelt es sich dabei um ein weiteres Marketing Buzzword oder widerspiegelt es vielmehr den Zeitgeist? Der diesjährige Fall des Digitalisierungsprozesses der Paul Ullrich AG zeigt auf, wie wichtig es ist, dass sich auch Schweizer KMUs den digitalen Herausforderung stellen.

Einen B2C-Onlineshop bei einem Weinhändler forcieren: Lohnt sich das?

Ist es für KMUs zu spät, erst heute mit einem Onlineshop live zu gehen und ihn im Digital Marketing zu bewerben? Auch dem Team von Paul Ullrich wurde diese Frage gestellt und die Antwort war ein klares «nein». Sie sehen sogar einen grossen Vorteil darin, von den Best-Practice-Beispielen zu lernen und von den bereits gemachten Erfahrungen zu profitieren. Um das Projekt ullrich.ch in Angriff zu nehmen, wurden vier Agenturen engagiert, dieses Projekt der digitalen Transformation zu begleiten. Dies sind namentlich Mayoris, SEMSEA, Converto und Brain & Heart Communication.

Am OMT.19 vertreten war auch das Institut für Marketing Management. Carmen Oswald schreibt eine Masterarbeit zum Projekt, die Dr. Darius Zumstein betreut. Sie begleiten diese spannende Fallstudie – wie sie im Lehrbuch steht – aus Sicht des Digital Analytics und aus der angewandten Forschung. Die vier spezialisierten Agenturen wurden nicht zufällig ausgesucht, sie bearbeiten die wichtigsten Marketinginstrumente des Digital Commerce.

Die relevanten Marketinginstrumente des Digital Commerce © D. Zumstein

Der grosse Schritt offline zu online und von B2B zu B2C

Der CMO von Paul Ullrich AG, Stefan Huwiler, zeigte auf, wie das Omnichannel-Projekt zustande gekommen ist. Dabei geht es darum, dass das vormals im B2B Geschäft tätige Unternehmen seit Januar 2019 einen B2C-Onlineshop lanciert hat. Das «Corpus Delicti» soll nun ab Mitte April intensiv beworben werden. Denn nur wenn der Onlineshop bei Gin-, Whisky- und Weinliebhabern bekannt ist und genug trink- und bestellfreudige Kunden in den Onlineshop kommen, kann der Onlineumsatz in fünf Jahren verfünffacht werden. CEO Urs Ullrich betonte die Wichtigkeit der digitalen Umrüstung. Paul Ullrich AG wird durch die vier Agenturen auf dem Laufenden gehalten, die Konsequenzen der Massnahmen werden aufgezeigt und internes Know-how aufgebaut. Für den digitalen Wandel wurden im Marketing zusätzlich 250% Stellenprozente geschaffen und die Distribution resp. Logistikneu aufgestellt, um die zusätzlichen Onlinebestellungen abzuhandeln.

Warum vier spezialisierte Agenturen und keine Full-Service-Agentur?

Aufgrund des operativen Geschäftes und dem jahrelangen Wachstum wurde die Digitalisierung und das Onlinemarketing von der Paul Ullrich AG vernachlässigt. Mit Hilfe von vier spezialisierten Agenturen soll nun das Feld von hinten aufgerollt werden. Vier Agenturen verfügen über profunderes Fachwissen als eine einzelne, sie sind agiler, sie können schneller reagieren und die Komplexitäten sowie Abhängigkeiten werden auf die unterschiedlichen Partner verteilt.

Dank dem Print Magazin «Liquid» und «Genuss» ist bereits sehr viel und hervorragender Content vorhanden. Dieser konnte von Brain & Heart in die Content und Social Media Marketing Strategie aufgenommen werden. Mit dem Feed Based Advertising Tool von Converto ist es zudem möglich, sämtliche Produkte von Paul Ullrich im Backend abzubilden und im Digital Advertising flexibel und dynamisch zu bewerben. Es ermöglicht eine manuelle und programmatische Auswahl der Produkte, die auf externen Werbeplattformen in der Schweiz als Werbeformat zielgruppenorientiert ausgespielt werden.

Mit SEMSEA Suchmaschinenmarketing hat das Unternehmen einen Profi im Bereich Google Advertising ins Boot geholt. Neben den Strategien für die Suchmaschinenwerbung (SEA) und Suchmaschinenoptimierung (SEO) zeigten sie die Relevanz des Suchmaschinenmarketings und des Targetings für Paul Ullrich auf. Zudem erläuterte SEMSEA neue Google-Trends, wie zum Beispiel Visual Search und Voice Search, das global bereits 20% der Suchanfragen ausmacht. Dort wo Paid Media aufhört zu wirken, greifen die Owned Channels, in diesem Fall das E-Mail und Newsletter Marketingvon Mayoris.

Last but not least zeigte Dr. Darius Zumstein alle Touchpoints auf, die von Paul Ullrich in der Customer Journey bedient werden, sowie die Komplexität der Datenanalyse und -integration der einzelnen.

Mögliche Kontaktpunkte in der Customer Journey der Paul Ullrich AG © D. Zumstein

Für KMUs mit knappen Ressourcen stellt es in der Schweiz eine Herausforderung dar, die Kunden über die wachsende Anzahl an Marketinginstrumente sowohl offline sowie online abzuholen und die Vertriebskanäle abzustimmen. Stichwort sind die nachgewiesenen ROPO-Effekte (Research online, Purchase offline) und der Beratungs- und Degustationsklau (Degustationen offline, Einkauf online). Der Omnichannel-Ansatz in diesem Projekt bedeutet vor allem, dass es wichtig ist kein Silodenken entstehen zu lassen und dass die verschiedenen Informations-, Kommunikations- und Vertriebskanäle orchestriert werden müssen.

Aus den Präsentationen kam hervor, dass die Integration, Verarbeitung und Nutzung der Daten die grösste Herausforderung darstellt. Zum Schluss wurde eine Blitzumfrage im Saal gestartet, um zu sehen, mit welchen Tools bei den Teilnehmern gearbeitet wird. Erstaunlich ist, dass die meisten heute immer noch mit Excel-Lösungen arbeiten, da Alternativen entweder zu wenig existieren oder zu teuer sind.

Das Video und die Fotogalerie zum OMT.19 findet man hier.

Die Pendlerzeitung 20 Minuten und das Marketing

Der tägliche Griff zur 20 Minuten Box gehört mittlerweile für viele Pendler zum Alltag. In Zeiten der Digitalisierung, ist die gedruckte Ausgabe aber immer noch ein wichtiger Bestandteil. Trotzdem muss auch 20 Minuten im hart umkämpften Markt bestehen. Wie 20 Minuten das Marketing einsetzt, das erklärt Annina Flückiger (20 Minuten Marketingleitung):

Frau Flückiger in Zeiten von Smartphone und Tablets, sind die Inhalte 24 Stunden online abrufbar. Warum braucht es trotzdem noch die gedruckte 20 Minuten Ausgabe?

Die Printausgabe von 20 Minuten erreicht täglich 1‘917‘000 LeserInnen und Leser in der ganzen Schweiz (MACH Basic 2017-1). Dies zeigt, dass auch im digitalen Zeitalter die Zeitung sehr beliebt ist. Die News sind im praktischen Tabloidformat kompakt aufbereitet. Im Gegensatz zur Onlineausgabe ist die Lektüre endlich, was von vielen LeserInnen und Lesern zum Start in den Tag geschätzt wird.

Der Zeitungsmarkt ist seit einiger Zeit einem Wandel unterworfen. Welche Schritte unternehmen Sie, um sich von der Konkurrenz zu unterscheiden?

Das Versprechen von 20 Minuten „jeden Tag zu informieren und unterhalten und damit für Gesprächsstoff zu sorgen“ versuchen wir laufend auf innovative Weise weiter zu entwickeln. Gerade kürzlich erst wurde das 20 Minuten Radio lanciert. Mit diesem möchten wir unsere Zielgruppe über einen neuen Kanal ansprechen und die Medienmarke 20 Minuten weiterführend als jung, trendy und innovativ positionieren.

Die Ausgabe ist stets auch als E-Paper verfügbar (c) 20 Minuten

Auch 20 Minuten muss Marketing betreiben, da es Leser und Werbekunden gewinnen will. Welche Marketinginstrumente setzen Sie ein und welchen Stellenwert hat das Marketing bei 20 Minuten?

Im B2C Bereich setzt das Marketing bei 20 Minuten dort an wo die Redaktion an ihre Grenze kommt und fungiert sozusagen als verlängerndes Glied der Inhalte. Insbesondere mit Verlosungen, Eigenevents und Sponsorings bieten wir unserer Leserschaft in Sachen Musik, Film oder Lifestyle, ergänzend zu den redaktionellen Inhalten, das Live-Erlebnis an und sorgen für Gesprächsstoff. Auch die Eigenkommunikation und Imagewerbung hat eine bedeutende Rolle. Für die Werbekunden ist 20 Minuten Teil von Tamedia Advertising welches für sich und seine Produkte im B2B Bereich wirbt.

Viele Unternehmen setzen beim Thema Werbung auf digitale Kanäle. Welche Möglichkeiten bieten Sie und wie sehen Sie die zukünftigen Entwicklungen im Werbemarkt?

20 Minuten bietet eine Menge an digitalen Werbemöglichkeiten:

  • Klassisches Display & Video advertising
  • Performance advertising
  • data driven advertising (intent-targeting, interest-targeting, socio-demographic targeting, contextual targeting) 
  • Content-Marketing mit Native Advertising und Branded Content 

Alle Details zu den diversen Werbemöglichkeiten auf 20 Minuten findet man unter: https://www.tamedia.ch/de/marken/details/20-minuten/tab/werbung?sectionId=mediadatatabs&tabId=1

Die zukünftige Entwicklung sieht man bei 20 Minuten positiv, da die technische Entwicklung es immer besser ermöglicht, die richtige Botschaft, im richtigen Umfeld, zur richtigen Zeit dem richtigen User auszuliefern.

20 Minuten spricht eine breite Leserschaft an. Welchen Stellenwert nimmt die junge Generation in der Marketingstrategie ein und wie erkennen Sie die Bedürfnisse der jungen Zielgruppe?

Die junge Generation ist unsere Kernzielgruppe und entsprechend sehr wichtig. 20 Minuten erreicht in der Deutsch- und in der Westschweiz täglich rund 50 Prozent der 14- bis 29-Jährigen und unterhält sich auf Augenhöhe mit ihnen. Im Rahmen der neuen Imagekampagne wird dieser Generation über unterschiedliche Massnahmen ein Gesicht gegeben. Unter dem Claim «Dein Leben. Deine Storys.» zeigt die Kampagne auf authentische Art und Weise, wie Jugendliche in der Schweiz 20 Minuten in ihrem Alltag nutzen. Über die Kampagne hinaus wird das Thema «Generation Z» auch von der 20-Minuten-Redaktion vertieft aufgenommen. So werden thematische Felder wie Lifestyle, Fast Food, Fashion und Ausbildung, die in der genannten Zielgruppe von besonderem Interesse sind, intensiver bearbeitet und speziell aufbereitet.

Die Produktpalette (c) 20 Minuten

Wie wichtig ist die Reputation von 20 Minuten in Bezug auf die Marketingstrategie? Nur trendy zu sein reicht nicht, schliesslich will man als ein solches Medium auch einen seriösen Journalismus pflegen.

Wie schon gesagt ist das Marketing das verlängernde Glied der Redaktion und nicht umgekehrt. Die redaktionellen Inhalte sind bei 20 Minuten das A&O. Die Redaktion und das Marketing arbeiten eng zusammen und unsere Marketingaktivitäten sind auf das journalistische Produkt abgestimmt.

Gibt es etwas, das Sie gerne im Marketing umsetzen würden, aber noch keine Möglichkeit dazu gehabt haben?

Da gibt es nicht nur etwas, sondern viele Umsetzungen von denen ich träume: Think big! Meistens scheitern diese Ideen am nötigen Budget.

Welchen Rat würden Sie angehenden Marketingfachleuten geben, einerseits in Bezug auf das Marketing, andererseits in Bezug auf die Zusammenarbeit mit Medien?

Die Möglichkeiten im Marketing entwickeln sich laufend weiter. Man kann sich nach abgeschlossener Weiterbildung nicht einfach ausruhen. Wichtig ist, dass man stets offene Ohren und Augen für neue Trends hat und diese auch ausprobiert.