Smart Waste Management mit dem Hai-Auge von ANTA SWISS

Von Tania Kaya

Nicht erst seit Greta Thunberg, kommt immer mehr die Diskussion auf, was eigentlich mit dem Müll passiert. Die Abfallberge sind auch für die Städte und Gemeinden ein Problem. Dagegen versucht ein Schweizer Unternehmen mit ihrem Abfallhai vorzugehen. Dank einem Studentenprojekt, konnten in einem Pilotversuch wertvolle Daten und Erkenntnisse gewonnen werden, um das sogenannte Waste Management auf „smart“ zu trimmen.

Der zunehmende Abfall wird auch in den Städten deutlich, gerade an schönen Sommertagen an beliebten Ausflugplätzen. Man möchte etwas in den Mülleimer werfen, doch dieser ist bereits überfüllt oder verstopft. Damit dies in Zukunft nicht mehr passiert, will ANTA SWISS AG mit ihrem «Hai-Auge» durchgreifen. Dieses überwacht den Füllstand der «Abfallhai» genannten Abfalleimer und übermittelt die Daten per Funk an die Online-Plattform «Hai-Insel». So können die Werkhofmitarbeiter bereits aus der Entfernung erkennen, ob es Zeit ist den Mülleimer zu leeren oder ob er bei der nächsten Tour ausgelassen werden kann, denn auch bei der Routenplanung wird die Effizienz hinsichtlich ökonomischer und ökologischer Faktoren immer wichtiger.

Eine weitere Erfindung von ANTA SWISS AG ist der «Solar-Presshai». Dieser enthält eine elektronische Presse, die das Abfallvolumen um das drei- bis siebenfache verdichten kann und seine Energie dazu aus einem eigenen kleinen Solarmodul auf dem Deckel bezieht. Am Flughafen Zürich ist dieses Zukunftsszenario bereits Realität und läuft seit vielen Monaten erfolgreich.

Der smarte Abfallhai ©ANTA SWISS AG

Überzeugungsarbeit bei den Gemeinden

Nun steht für ANTA SWISS AG der nächste Schritt an, es gilt die Gemeinden vom Smart Waste Management Konzept zu überzeugen. Um die nötigen Argumente griffbereit zu haben, hat eine Studentengruppe der ZHAW ein Pilotprojekt begleitet und umfangreiche Analysen und Berechnungen der Mehrwerte in einer Seminararbeit festgehalten.

Während einer zehnwöchigen Testphase in Zusammenarbeit mit der Gemeinde Münchenbuchsee und dem privaten Werkhofunternehmen Schwendimann AG konnte nachgewiesen werden, dass die Haie eine lohnende Investition, sowohl aus ökonomischer als auch ökologischer Sicht sind. Die Gemeinde Münchenbuchsee zählt 10’191 Einwohner auf einer Fläche von 880 Hektaren. Es wurden 101 Abfalleimer mit dem Hai-Auge ausgerüstet, die von der Schwendimann AG bewirtschaftet wurden. Fünf Wochen wurden die Mülleimer wie zuvor ohne Hai-Auge bewirtschaftet und weitere fünf Wochen wurden die Abfalleimer mit Hilfe der Daten des Hai-Auges und der Hai-Insel bewirtschaftet.

Dabei konnte festgestellt werden, dass die Investitionen für die Hai-Augen bereits nach weniger als einem Jahr amortisiert sind. Dies ist möglich durch eine Einsparung der Arbeitszeit um 14%, durch die optimierten Leerungsrouten und den daraus resultierenden Kosteneinsparungen. Zudem konnten durch die Einsparungen bei Sprit und Abfallsäcken CO2-Einsparungen von 17% erreicht werden. Diese bereits beachtlichen Resultate dürften mit der Zeit sogar noch besser ausfallen, wenn die Smart Waste Management Prozesse nach der Einführungsphase noch besser abgestimmt sind.

Die Resultate im Überblick ©ANTA SWISS AG

Weitere Einblicke ins Projekt gibt uns Kim Bolleter, Masterstudentin an der ZHAW und Projektmitarbeiterin im Pilotprojekt mit Schwendimann AG und ANTA SWISS AG.

Kim, wie war es für Dich an einem so praxisbezogenen Projekt zu arbeiten?

Es war sehr spannend und interessant einmal in ein komplett neues Themengebiet bzw. Arbeitsumfeld als gewohnt einzutauchen. Zudem konnten wir unsere erlernte Theorie in die Praxis transferieren, was die Motivation extrem gesteigert hat.

Hattest Du bereits etwas mit Abfallmanagement zu tun vor dem Projekt, oder kanntest Du den Abfallhai von ANTA SWISS AG bereits schon vorgängig?

Zuvor kannte ich die Firma ANTA SWISS AG nicht, den Abfallhai kannte ich aber vom Sehen. Spätestens beim Sichten der Firmenpräsentation kam dann der Aha-Effekt. Danach habe ich jeden Abfalleimer auf dessen Marke überprüft und musste dann schnell feststellen, dass das Design hie und da kopiert wurde.

Kim Bolleter, Masterstudentin an der ZHAW und Marketing Managerin

Was sind aus Deiner Sicht die grössten Herausforderungen für eine erfolgreiche Digitalisierung des Abfallmanagements in der Schweiz?

Ich denke die grösste Herausforderung ist, dass die Gemeinden die Relevanz dieses Themas erkennen und dann zusammenarbeiten. Vielleicht könnte der Staat mit Subventionierungen für CO2-Reduktionen belohnen oder die Digitalisierung voranbringen – ist aber schwierig zu beantworten.

Welches sind die Erfolgsfaktoren gewesen für die Durchführung des Pilotprojekts mit der Gemeinde Münchenbuchsee?

Die hohe Kooperationsbereitschaft der gesamten Belegschaft wie auch die Offenheit der Mitarbeitenden gegenüber neuen Technologien. Das war nicht unbedingt zu erwarten, darum haben wir zusätzlich mit den Mitarbeitern, welche die Abfalleimer tagtäglich leeren, qualitative Interviews geführt. Dabei haben wir festgestellt, dass eine gewisse anfängliche Grundskepsis schnell von den guten Resultaten und der Freude über die Aufwertung des Arbeitsplatzes überwogen wurde.

Was waren Deine überraschendsten Erkenntnisse aus dem Praxisprojekt?

Dass die Firma unsere Erkenntnisse 1:1 in die Praxis übernommen hat, was uns sehr erfreut hat. Wir sind stolz, dass die ANTA SWISS AG so zufrieden mit den aufbereiteten Kennzahlen ist, dass sie direkt eine kleine Broschüre zum Pilotprojekt mit unseren Resultaten erstellt hat und für ihr Marketing verwendet.

Next Level Marketing: Das Marketing Turngerät richtig nutzen

Mit dem Format «Next Level Marketing» bietet das Institut für Marketing Management der ZHAW die Möglichkeit für Unternehmen, Massnahmen zu identifizieren und die Frage nach der zukünftigen Stossrichtung zu beantworten, welche ihr Marketing auf ein neues Level bringen. Die Premiere des Next Level Marketing Workshops fand bei ANTA SWISS AG in Knonau statt. Wir haben mit dem Geschäftsführer Marcel J. Strebel über die Erfahrungen und Erkenntnisse aus dem Workshop gesprochen.

Warum haben Sie sich für den Workshop entschieden?

Wir haben uns für den Workshop entschieden, da wir genau in dieser einen Ecke sind, wie viele KMUs. Heute sind zahlreiche, vielleicht auch zu viele Möglichkeiten für das Marketing vorhanden. Da stellt sich für uns die Frage, was sollen wir heute machen, das am wirkungsvollsten ist? Zusätzlich wollen wir auch dahinter sehen und die gesamte Datenflut, die wir selber bereits produzieren, clever nutzen. Man weiss, dass man etwas machen sollte, kann es jedoch nicht anpacken. Daher eignete sich dieser Workshop ideal, um einen ersten Einblick zu erhalten.

Geschäftsführer Marcel J. Strebel © ANTA SWISS AG

Wer war alles beim Workshop dabei von ANTA SWISS AG?

Wir haben geschaut, dass wir alle dabeihaben, für die das Thema wichtig und nützlich ist: Verkaufsleiter, IT, Marketing und ich als Geschäftsführer. Das Thema ist in vielen Bereichen der Firma von grosser Relevanz und beeinflusst diese.

Workshop Durchführung © ZHAW

Wie lief der Workshop ab?

Der Workshop war sehr entspannt. Es gab eine klare und einfache Einleitung zu Beginn des Workshops. Danach ist man sehr schnell in zwei Gruppen in Aktion getreten. Wir hatten genügend Zeit unsere Ideen spriessen zu lassen. Dabei wurden wir sehr gut von den ZHAW-Vertretern unterstützt. Sie haben in den beiden Gruppen mitgeholfen und spannende Inputs geliefert. Fragen konnten sofort gestellt werden. Alles in Allem lief der Workshop sehr geschmeidig ab. Mit einem Punktesystem haben wir die Ideen gerankt und daraus haben sich gewisse Themen herauskristallisiert, die für uns sehr relevant sein können.

Gab es irgendwelche Impulse aus dem Workshop, die für Ihr Unternehmen für neue Erkenntnisse gesorgt haben?

Es hat uns zu allererst aufgezeigt: Wir sind grundsätzlich auf dem richtigen Weg. Das was wir bisher produziert haben und worauf man sich herangetastet hat, ist schon grösstenteils richtig. Aber wir haben gesehen, dass wir durchaus auch sehr viel breiter und vertiefter an die Sache rangehen können und mit dem was wir aktuell haben (relevante Daten mit Historie), noch viel mehr anfangen können. «Das Turngerät ist da, aber wir wissen noch nicht genau wie wir damit auch noch turnen können».

Familie Strebel am Firmensitz © ANTA SWISS AG

Wie war die Zusammenarbeit mit der ZHAW?

Die Zusammenarbeit mit der ZHAW war sehr gut: Angenehm, überschaubar, motiviert, locker und eine sehr kameradschaftliche gute Stimmung, sodass wir auch kreativ werden konnten. Der Workshop hat echt Spass gemacht.

Für wen lohnt sich ein solcher «Next Level Marketing»-Workshop? Wem würden Sie diesen empfehlen?

Ich empfehle ihn grundsätzlich für KMUs die zwischen 20 und 150 Mitarbeitende haben, die aber bereits schon im Marketing-strategisch und operativ tätig sind. Diese haben den grössten Nutzen daraus, da sie die Basics bereits haben und einen Schritt weitergehen wollen und können. Andere müssen vielleicht erst noch ihre Hausaufgaben machen, bevor sie das nächste Level sinnvoll anstreben können.

Wie geht es nun weiter?

Wir haben das Projekt mit dem IMM gemeinsam geschnürt und unterschrieben und gehen nun unseren definierten Schwerpunkten nach. Es geht gleich los.

Die ANTA SWISS AG, mit Hauptsitz in Knonau, wurde 1968 gegründet und beschäftigt aktuell rund 50 Mitarbeiter. Als Mechatronik-Unternehmen verfügt ANTA SWISS AG über profundes Know-how und langjährige Erfahrung in der Entwicklung und Ausführung verschiedenster Projekte. Neben Einzelanfertigungen auf Mass werden auch Produktserien (z.B. der weltberühmte Abfallhai) hergestellt. Als neuestes Geschäftsfeld betätigt sich die ANTA SWISS AG im intelligenten Abfallmanagement.

https://www.antaswiss.ch

Für mehr Informationen besuchen Sie unsere «Next Level Marketing» Seite oder kontaktieren uns direkt:

Prof. Dr. Frank Hannich

frank.hannich@zhaw.ch

+41 (0) 58 934 68 65