Smarte Uhren, Müslüm, Werte und Awards – was ist da los, in der Marketing Welt?

Neulich am SDV Award wurden die Dialog Marketeers der Deutschschweiz für ausserordentlich kreative, konzeptionell herausragende und oft auch messbar erfolgreiche Kundendialoge prämiert. Business as usual. Oder auch nicht, denn die auch in diesem Jahr überaus geglückte Inszenierung wurde im Wesentlichen durch ein besonders unästhetisches, aber uneingeschränkt unterhaltsames Gesicht geprägt: Müslüm.

Der Berner Komiker und Satiriker Semih Yavsaner legte den gewohnt spitzen Humor zu Tage sowie eine ordentliche Portion Polarisierungspotenzial. Die Parodie des Gastarbeiters missglückte nur dann, wenn die scharfsinnige Gesellschaftskritik im Wortschatz eines  sprachlich (zu) Ungebildeten daher kam – dies aber missfiel den schlürfenden Werbern im Saal nicht. Vielmehr offenbarte die penetrant sozialkritische Note seiner Sprüche den aktuellen Zeitgeist einer mit dem Thema Migration oft überforderten Zivilgesellschaft. „Ja, war das jetzt lustig oder nicht?“

Hubelot CEO Biver live (zugeschaltet) am Markenkongress 2016 im Dolder

Hubelot CEO Biver live (zugeschaltet) am Markenkongress 2016 im Dolder

Diese Frage stellte sich zumindest am Markenkongress neulich im bekanntermaßen besten Hotel Zürichs nicht. Denn hier inszenierte der Beratungsarm der Hochschule St. Gallen htp im exklusiven Dolder Campus die aktuelle Schweizer Markenwelt – nicht als Award Night sondern als instruktiver Bildungstag aber mit obligater Preisverleihung. Und siehe da: auch hier wieder ein sozialkritische Note und dies sogar aus dem Munde des Swiss Academy of Marketing Science Awards Gewinners Jean-Claude Biver: „Ethik gehört zum Erfolg und das bedeutet teilen, Respekt und verzeihen“. Der Applaus eines durchaus aufgeklärten Plenums war ihm sicher.

Das Thema Werte, Ethik und insbesondere, deren konkrete Umsetzung in der Praxis von Marketeers ist eine brandaktuelle Fragestellung. „Respekt ist, wenn Sie in ihrem Unternehmen eine Frauenquote von über 40% haben und deshalb einen Kinderhort einrichten“ meinte Biver. C’est bien claire. Es geht darum, wie sich Unternehmen angesichts einer schnell drehenden Technologiezahl und daraus resultierenden Marktpotenziale verhalten und kommunizieren aber auch verhalten. Die Diskussion ist damit (ein weiteres Mal) eröffnet.

 

bruhn+partner@ZHAW – garantiert „integriert“

Der Lehrstuhl für Marketing von Manfred Bruhn – Zögling des Deutschen Urvaters des Marketing Heribert Meffert – war Brutstädte zahlreicher Dozenten, die heute insbesondere die Lehre der Integrierten Kommunikation aber auch Markenpolitik  und Dienstleistungsmarketing an Universitäten, Fachhochschulen vermitteln und in der Praxis anwenden. Aber nicht nur: mit der  Beratungsboutique bruhn+partner gastiert demnächst ein Unternehmen an der ZHAW, das sich u.a. konsequent auf die Exzellenz  in der Markenführung konzentriert.  Und dies mit Erfolg.

Mareike Ahlers_farb1_klein

Dr. Mareike Ahlers, Beraterin, Trainerin, Dozentin und geschäftsführende Gesellschafterin von bruhn + partner

„Noch einen Kaffee?“ – die Nespresso Maschine grummelt leise vor sich hin und spendet bald einen wohligen Duft im Raum. Wir befinden uns in der Innenstadt Basels auf der Lyss am Heuberg in den Räumlichkeiten von bruhn+partner. Mareike Ahlers, geschäftsführende Gesellschafterin von bruhn+partner hat in Basel promoviert und war vor der Gründung des Unternehmens im Brand Management von Hugo Boss für die Umsetzung verantwortlich. Hier in Basler Office sei sie eher selten, fährt sie fort, nachdem sie uns beiden Kaffee aufgetischt hat: „Meistens sind wir beim Kunden, also vor Ort. Die Nähe zu unseren Auftraggebern ist uns wichtig.“ Nur so gewinne man auch einen echten Eindruck über die Menschen und das Unternehmen und das sei  für das Management, also die Analyse und Steuerung von Identitäten essentiell. „Eine gute Marke ist wie eine Persönlichkeit und verfügt über eine Geschichte, eine Herkunft und über Werte.“

bruhn+partner wurde ursprünglich als Spin-off der Universität Basel gegründet. Die Teams in Basel und Stuttgart bauen auf ein breites Forschungsnetzwerk und verbinden neueste wissenschaftliche Erkenntnisse mit einem breiten Methodenspektrum und einem Track-Record aus innovativen Lösungen. Seit 2001 hat Mereike Ahlers gemeinsam mit Falko Eichen und Unternehmenspartner Karsten Hadwich sowie Manfred Bruhn als Gründer, Gesellschafter und Präsident des Verwaltungsrates bereits über 80 Kundenprojekte in den Bereichen Social Media und Kommunikation erfolgreich abgewickelt – Markenpolitik zählt hierbei zur Königsdisziplin.

bruhn+partner haben eine Methode entwickelt, die insbesondere für global organisierte Unternehmen mit häufig mehrstufig organisierten Vertriebsstrukturen das Management der Markenarchitektur vereinfacht. Im Rahmen eines Praktiker Vortrages bei den Bachelor Studierenden wird Mareike Ahlers das Produkt anhand eines Praxis Cases vorstellen. „Ich bin gespannt, wie die Studierenden reagieren werden!“ meint Ahlers mit einem leichten Augenzwinkern. Das sind wir auch. Für weitere Informationen zum Vortrag kontaktieren Sie mich bitte via Email.

Dialogmarketing-Praktiker unter sich: Treffpunkt am MeetingPoint der DMM 2016

Die Dialog Marketing Messe 2016 bietet unter der Schirmherrschaft der ZHAW das Format MeetingPoint an: Praktiker unter sich tauschen im kleinen Kreis Erfahrungen und gemeisterte Herausforderungen aus. Ein vorausschauender Erfahrungsbericht.

„Dialog ist wichtig“ sagt der Herr mit Kravatte und dem adretten Anzug mit klassischem Schnitt. Ist es ein Berater? Oder vertritt er eine Agentur? Will er mir etwas verkaufen? Dieser Frage werde ich nie beantworten, denn unmittelbar darauf spricht mich eine nette Dame mit hochgestecktem Haar an – ganz offensichtlich eine ambitionierte Messen-Hostesse – und meine Aufmerksamkeit richtet sich auf den Plastikbehälter, den Sie mir entgegen streckt, und darin sehe ich viele bunte Lose. „Ein Wettbewerb?“ frage ich etwas perplex. „Was gibt es denn da zu gewinnen?“ – „ Eine Gratis-Google-AdWords Schulung – und das bei Ihnen im Unternehmen! Also wir kommen zu Ihnen …“

Yeah. Great, denke ich mir und kratze mich etwas verlegen am Nacken. Was wollte ich hier eigentlich an dieser Messe?

Szenenwechsel.

Etwas abgeschirmt vom Trubel sitze ich am MeetingPoint. Da sind Praktiker unter sich. Der Mensch vor mir erzählt über seine Erfahrungen mit Dialogmarketing Agenturen und wie er seine letzte Kampagne erfolgreich gemeistert hat. Cooler Typ. Er verkauft E-Bikes und Zubehör. Wir sitzen nahe zusammen. Das Ganze wirkt wie eine erweitere Runde am Lagerfeuer – aber ohne Gitarre. Und anstelle einer Büchse Bier halte ich Stift und mein Moleskine in der Hand. „Wie hiess nochmals der Mensch, der Dich da beraten hat?“ frage ich den Referenten während er seine Geschichte erzählt. Dankend zwinkere ich ihm zu und notiere mir den Namen. Nach 20 Minuten ist die Präsentation zu Ende und wir unterhalten uns in der Runde. Zum Schluss stellt der Moderator des MeetingPoints noch ein paar kritische Fragen, die mich zum Nachdenken animieren.

„Das hätte ich Dir gleich sagen können, dass das mit diesem Tool nicht geht …“ weiss mein Nachbar zu erzählen. Er hat offenbar ähnliches erlebt. Ein Sympathischer. Wir tauschen später unsere Kontakte aus. Ich notiere mir noch ein paar Gedanken und gehe weiter. Das war gut hier, dieser MeetingPoint.

DMM MeetingPoint Logo Schweiz

MeetingPoint Dialogmarketing Messe – Treffpunkt für Praktiker

Welche Herausforderung hast Du in deinem Praxisalltag gemeistert? Welchen Case möchtest Du Kollegen aus anderen Unternehmen aufzeigen und dazu deren Meinung einholen? Das neue Format MeetingPoint startet erstmals an der der DMM 2016 mit Cases aus der Praxis des Dialogmarketing. Hier kannst Du Dich ausschliesslich unter Kollegen aus anderen Unternehmen ohne Anbieter und Dienstleister austauschen.  Anmeldungen hier.

Der Dialog im eigenen Haus: Total Marketing Integration

Neulich hat die Geschichte der vier Könige die vier Hauptperspektiven im Strategischen Marketing, nämlich das Customer Experience Management, Customer Relationship Management und das 7-P-Marketinginstrumentarium einmal analog und einmal digital aufgezeigt.  

Orchestrieren Total Marketing Integration

Die Geschichte ist – ganz unter uns gesagt – wahr! Die vier Jungs gibt es wirklich. Und aufmerksame Blogleser haben in diesem Zusammenhang sogar den Kaiser Marke mit ins Spiel gebracht … Nun, long story short: vor dem Hintergrund der Geschichte des Orchstrierens der Marketingaktivitäten geht es natürlich um Dialog. Und zwar um den internen Dialog im Unternehmen.

Das in diesem Jahr erschienene Marketing Grundlagen Buch der ZHAW baut auf dem Marketing Managementprozess auf und zeigt erstmals auf, wie das Konzept des Total Marketing Integration Modells zu verstehen ist. Einfach ausgedrückt geht es darum, dass die vier „Könige“, also Vertreter der vier Perspektiven, sich an einen Tisch setzen können und dabei die gleiche Sprache sprechen, wenn sie über ihre Aktivitäten abstimmen. Ein wesentliches Konzept ist das Denken im Marketing Mix, also der Abstimmung der 7 Marketing Instrumente „Product, Price, Placement, Promotion, People, Processes &  Physical Evidence“. Hiebei überwinden Marketingfachleute eine erste Dialogbarriere, in dem Sie den Marketing Mix sowohl in analoger als auch digitaler Sicht abstimmen.

Marketing Mix analog digital

Quelle: Lucco/Rüeger/Ergenzinger/Thommen 2015, S. 160ff.

Die Abstimmung analoger und digitaler Instrumente sowie etwaiger Mischformen erstens innerhalb des Instrumenten-Mix und zweitens über sämtliche 7 Marketinginstrumente ist Teil des Total Marketing Integration Modells. Dieser erste Schritt hilft, die rein instrumentelle Sicht im Unternehmen abzustimmen. Der analog-digital Marketingmix liefert wiederum die Grundlage für die Abstimmung mit Verantwortlichen von Kundenerlebnissen und -beziehungen. Dazu aber mehr im nächsten Blog oder – für ungeduldige Wissengierige –  im aktuellen Standardwerk  Marketing Grundlagen des ZHAW Marketing Management Instituts. Stay tuned!

 

Opt-In Kampagnen: das Permission Marketing und Datenteilbereitschaft in Zeiten von Big Data

Sind Opt-In Kampagnen von heute die Weiterentwicklung des Permission Marketings der 2000er Jahre? Wie gehen Unternehmen vor, wenn Sie im Rahmen neuer Geschäftsmodelle persönliche Kundendaten abrufen wollen? Und würden Sie wollen, dass Ihr Arbeitgeber weiss, wann und wie lange Sie nachts schlafen und wie es ihnen gesundheitlich geht?

Das klassische Permission Marketing aus den 2000er Jahren ist durch die Verbreitung des Internets als Kommunikationskanal in wesentlichem Masse getrieben worden. Es geht dabei primär um den Versand von Werbung, Newsletter oder Produktinformationen, und zwar mit der ausdrücklichen Erlaubnis (Permission) des Kunden.

Im benachbarten Deutschland ist beispielsweise die Einwilligung für E-Mail- und Telefonwerbung von Gesetzes wegen notwendig, wenn Unternehmen Kunden ansprechen wollen. Die so genannte Kunden-Einwilligungsklausel ist  für beispielsweise Versicherungsunternehmen oder aber insbesondere für Telekommunikationsunternehmen unlängst zu einem Standard KPI im Outbound-Geschäft. Das heisst, zum Kampagnenerfolg zählt, wenn der angesprochene Kunden weiterhin einwilligt, kontaktiert zu werden. Ähnliche Szenarien könnten sich auch in der Schweiz anbahnen.

Permission Marketing Lucco

Lag „gestern“ der Fokus des Permission Marketings auf der Einwilligung zur Ansprache von Kunden, geht es in Zeiten von Big Data und vernetzten Sensoren einen Schritt weiter: um das Teilen von persönlichen Daten. Kann ich Ihre Misfits-Gesundheitsdaten verwenden? Darf ich in Ihren Einkaufskorb schauen? Wo geben Sie überall Geld aus? Wo Sind Sie im Urlaub gewesen? Darf ich mir Ihre Kontakte anschauen? Die Durchdringung der Privatsphäre durch kommerzielle Unternehmen ist ein Phänomen der technologischen Entwicklung und damit auch Digitalisierung von Produkten, Services, Kommunikation und Prozessen.

Wie überwinden wir diese Hürde der Privatsphäre? Die Einwilligung von Kunden, persönliche Daten zu teilen, lässt sich im Dialog bewerkstelligen. Die Kunst, das Opt-In geschickt und nachhaltig abzuholen, wird in Zukunft ein wesentlicher Erfolgsfaktor sein, insbesondere für Kleinunternehmen (KMU). Denn diese verfügen  in der Regel nicht über eine grosse Plattform, wie Google, Amazon aber auch Coop und Migros, die es sich leisten können, die Einwilligung in den kleingedruckten AGBs zu platzieren (die dann meist ungelesen angenommen werden).

Wohin geht die Reise in einem abstrakten 2030? Wer weiss. Wenn sich die Sensorik in dem Masse weiterentwickelt, wie bisher, werden wir in Zukunft auch unsere Wahrnehmung über unsere Sinne technisch messbar, speicherbar und wieder-erlebbar machen können. „Magst Du meinen Surfurlaub auf Hawaii oder mein letztes Konzert am Openair erleben?“ Ja, wie wäre es, wenn Sie Ihr Leben immer und immer wieder im Replay erleben könnten?

Es gab einmal vier Marketing Könige…

Die vier Könige des Marketings (Quelle: mit freundlicher Genehmigung, Mattiello, 2009)
Die vier Könige des Marketings (Quelle: mit freundlicher Genehmigung, Mattiello, 2009)

Es gab einmal vier Könige: den König des Kundennutzens, den König der Kundenbeziehungen, den König der Digitalisierung und den König der 7 Marketinginstrumente. Allesamt regierten sie im selben Unternehmen und waren der Meinung, dass Sie im Recht waren, wenn es um die Wahrheit über Geschehen und Erfolg am Markt ging. Der König des Kundennutzens äusserte sich stets lauthals: «Es geht doch um die Customer Experience – unsere Kunden müssen begeistert werden! Wir müssen unseren Kunden eine grossartige Leistung mit einem unübertrefflichen Nutzen schaffen – mit Erlebnischarakter!». «Aber nein doch, werter Hofkollege, es geht doch um das grosse Ganze. Sie greifen hier einmal wieder viel zu kurz… » meinte der König der Kundenbeziehungen und fuhr fort «…wir sind doch einfache Dienstleister. Es geht doch um den Menschen. Die Kundenbeziehung steht im Mittelpunkt!». «Ach was! Alles wird digital!» posaunte der König der Digitalisierung in das Gespräch rein und meinte: «Vom E-Mail, Web über den Social Bereich bis zum letzten Kundendatenbit, das gespeichert wird – selbst die Steuerung der Kampagne läuft doch digital. Wir vom Online und der IT sind das wahre Marketing, denn ohne IT wärt ihr doch alle verloren…!». «Ach», stöhnte der König der Marketinginstrumente: «eine Pizza ohne Oregano, ist halb so gut, wie mit. Es geht doch darum, wie wir meine 7 Ps ausgestalten, liebe Königkollegen! Und wenn ihr da oben auf der Erlebnis und Beziehunswelle nicht so viel Geld rausballern würdet, könnte man hier endlich einmal wieder schöne Kommunikation machen und etwas Ästhetik in den Service bringen….!!!». Und plötzlich waren alle vier Könige still. Schliesslich wurden sie sich einig, dass das Glück auf Erden nicht vollkommen genug sein würde, niemals. Es würde immer und immer noch eine Möglichkeit geben, noch glücklicher zu werden, als jetzt. Und so entschliessen sie, sich an einen Tisch zu setzten, und allesamt, ihre Geschichte des Marketings zu erzählen. Einer nach dem anderen. Jeder seine Perspektive.

In vielen Unternehmen ist es Realität: CRM-Strategen reiben sich mit den Digital-Marketing-Menschen, den Kommunikationsleitern und «Heads of Customer Experience». Aktivitäten zum Leistungs- und Experience Management, dem Customer Relationship Management, der Digitalisierung von Services sowie der Ausgestaltung der Marketinginstrumente wird oftmals individuell, also im Sinne von «jeder für sich» entwickelt. Unsere Denke ist: die oftmals historisch gewachsenen Organisationseinheiten müssen an einen Tisch sitzen. Ein Denken im Total Marketing Integration Modell bedeutet die Abstimmung der einzelnen Perspektiven der Marketing Player untereinander und das Aufzeigen, an welcher Stelle sich die Konzepte von der Denke her berühren oder sogar überschneiden.

Dialogmarketing in der Schweiz – quo vadis?

Das helvetische Dialogmarketing befindet sich im Spannungsfeld zwischen Marketing Automation, den so genannten «Sozialen» Medien und letztlich dem Verständnis, was Dialog wirklich ist.

http://dialogreisen.me/2014/03/07/dialogschreiben/; Zugriff am 21.06.2015

http://dialogreisen.me/2014/03/07/dialogschreiben/; Zugriff am 21.06.2015

Wie wird Dialog in der Schweizer Marketingpraxis gelebt und wohin führt die Reise des Dialogmarketings? Diese Frage beschäftigt derzeit die Fachstelle für Integrated Communication und Digitales Marketing am Institut für Marketing Management an der ZHAW School of Management and Law. Der inflationäre Gebrauch (oder besser Missbrauch) von Hashtags in Werbebotschaften und der steigende Drang, alles zu digitalisieren polarisiert die Praxis von Kommunikationsschaffenden: Einerseits drängt das progressiv denkende Lager der «anything-anytime-anywhere»-Apostel in Richtung eines vollständig digitalisierten Marketing-Mixes. Andererseits beharrt das in diesem Sinne konservativ denkende Lager der Traditionalisten auf die in der Vergangenheit bewährten analogen Medien für die Kundenansprache. Die beiden Perspektiven überscheiden sich beim so genannten Cross-Channel Marketing, also der Berücksichtigung unterschiedlicher – analoger und digitaler – Kanäle in der Interaktion mit dem Kunden.

Und dennoch bleibt der Eindruck, dass sich mit zunehmender Nutzung von Marketing Automation die Dinge in der Marketingwelt scheinbar unkontrolliert verändern. Auch wenn über klassische Direkt Mailings in physischer Form weiterhin Erfolge gefeiert werden – und dies ganz zu Recht, wie die meisten Dialogmarketing-Agenturen verlauten lassen – sind zwei Dinge zu tun: erstens Fakten zu schaffen und zweitens sich bewusst zu werden, was wir eigentlich tun wollen: nämlich zu «Dialogieren» (und bei Bedarf und Gelegenheit natürlich zu verkaufen).

Fakt ist, dass der physische Brief weiterhin das meistgeöffnete Medium ist. Der Brief bleibt – selbst ungeöffnet – in der Regel auf dem Küchentisch oder auf der Ablage unter dem Hausschlüssel liegen, nachdem wir ihn aus dem Briefkasten genommen haben. Und er landet nicht mit einem Mauslick im Papierkorb – oder würden Sie ein Rubbellos «ungerubbelt» wegwerfen? Zweifelsohne sind aber auch Social Medias und das Smartphone mit Push-Notification-Funktion und natürlich auch das Tablet als vorübergehender und in Zukunft vielleicht vollständiger Ersatz des Personalcomputers und des Laptops (also die Dinger, die man auf den Schoss setzten kann) als Elemente eines Kundendialoges nicht mehr wegzudenken. Und schon sind wir erneut in der technisch geprägten Diskussion, wenn es um Dialogmarketing geht. Da wollten wir doch gar nicht hin, oder?

Und wie war das mit dem Dialog? Wenn wir den guten alten Duden fragen, was er zu Dialog meint, lautet seine Antwort: «Dialog ist eine von zwei oder mehreren Personen abwechselnd geführte Rede und Gegenrede». Es geht also um Interaktion und möglicherweise auch um Nachhaltigkeit. Denn wir denken ja in Beziehungen und nicht in Interaktionen, oder? Das Verständnis, dass Unternehmen mit Kunden Beziehungen und nicht Transaktionen zu führen haben, hatten wir doch bereits in den 1990er Jahren. Der Anspruch an die heutige Kundenkommunikation sollte ja darin liegen, dass uns technische Hilfsmittel beim «Dialogieren» helfen. Also ich erzähle dir etwas über mich und du erzählst mir etwas über dich – ja, und dann? Antworten auf diese und noch weitere Fragen liefern in Bälde die Ergebnisse einer Kurzstudie zum aktuellen Stand des Dialogmarketings in Schweizer Banken des Instituts für Marketing Management. Und für alle, die sich vertieft mit dem Thema Kundendialog auseinandersetzen möchten: im Herbst startet der neue CAS Kundendialogmanagement Lehrgang.  «Let’s stay tuned, folks.»

Youtube, Youporn, Younow – Gedanken zum heutigen Zeitgeist

Alles ist «you». Alles ist «i»: die digitale Transformation peitscht das Unternehmertum regelrecht an: in fünf Minuten eine Domain reservieren, in 20 Minuten als Web-Kämpfer eine Landingpage aufschalten und mit Produkten verknüpfen – wohl bemerkt, das mit der Online Bezahlung geht (noch) nicht ganz so geschwind. Aber das Business funktioniert im Internet schnell. Und der Begriff Big Data (besser: Multi Sensor Daten Fusion) hat den Weg aus den Unterhaltungsmedien, wie Youtube oder 20 Minuten in die wissenschaftlichen Journals gefunden.

Younow vereinfacht die Selbstdarstellung aber damit nicht zwingend den persönlichen Erfolg. Bildquelle: blog.younow.com/post/

Younow vereinfacht die Selbstdarstellung aber damit nicht zwingend den persönlichen Erfolg. Bildquelle: blog.younow.com/post/

Der Motor des «alles, jederzeit und überall» Zeitgeistes ist eine zunehmend innovative und effektive Entwicklung von Technologie. Ja, richtig gelesen: Zunehmend weil – so will es der US Chemiker und Physiker Gordon Moore wissen – Prozessoren und damit auch Rechenleistung und folglich auch künstliche Intelligenz (AI) oder Empathie in Zukunft weniger kosten und besser sein werden. Das klingt verrückt. Ist aber mit grosser Wahrscheinlichkeit tatsächlich so.

Wie gehen der Mensch und die Gesellschaft damit um? Nun, gläserne Kunden sind nicht selten und völlig natürlich mit der erhöhten Transparenz überfordert. Der Einblick in die jüngste Plattform Younow legt offen, dass Umgang und Dosierung mit sozialen Medien schwierig sind. «Sag mir bitte, was ist ok und was ist nicht ok?!» schreit es bildlich aus den jungen Menschen heraus. Oder interessant ist der aktuell medial aufgeschaukelte Aspekt, dass sich die Jungen Sozialisten in der Schweiz die Auseinandersetzung mit Pornographie im Klassenzimmer wünschen. Alles in Allem ein erneutes Indiz, dass der Wegweiser überdeutlich in Richtung Wertediskussion zeigt.

«IF … THEN…, ELSE…» – wie soll ich mich entscheiden, und was ist gut und was ist schlecht? So wie Algorithmen die Grundlage für Entscheidungen intelligenter Börsenhandelssysteme sind, die täglich Milliarden von Transaktionen auslösen, so sind Wertesysteme und -normen die Heuristiken unserer Gesellschaft. Vor dem Hintergrund des Vormarschs von Technologie, wird das Evolutionspendel auch wieder in die nicht-technologische Richtung ausschlagen. Wie funktionieren wir? Wie muss, soll und darf Kommunikation gestaltet sein? Wie werden Dialoge geführt?…

Da waren wir doch schon einmal, oder? Also ran an den Diskussionstisch und ab in die Schulzimmer!