Natur mal anders: Warum Rüebli plötzlich bei der Biotta AG arbeiten

Gesundheit in Zusammenhang mit der Ernährung ist momentan Trend. Auch im Bio-Bereich gibt es eine grosse Auswahl. Was Säfte anbelangt, so ist die Biotta AG ein Pionier. Seit 1957 bietet diese Firma biologische Säfte an und sieht eine nachhaltige Produktion, sowie eine hohe Qualität als bedeutend an. Gemäss der Biotta AG gilt: Mehr Natur geht in keine Flasche. Nun wurde der Slogan sogar auf die eigenen Mitarbeiter ausgeweitet. In einem Facebook Video zeigt die Biotta AG, passend zur Fasnacht, dass ihre Mitarbeiter das Motto gleich selbst vorleben und als verkleidete Rüebli ihren Arbeitsalltag absolvieren. Wie es dazu gekommen ist, erklärt Eva König von der Biotta AG.

Ein ganz gewöhnlicher Arbeitstag

Schmutziger Donnerstag – ein ganz gewöhnlicher Arbeitstag in Tägerwilen! #ahoi #helau #honarro #fasnacht

Posted by Biotta on Donnerstag, 23. Februar 2017

 

Frau König, die Biotta AG war schon immer sehr naturbewusst. Wie kamen Sie auf die Idee Ihre Mitarbeiter als Rüebli zu verkleiden und ein Video zu drehen?

Wir sind ein interdisziplinäres Social Media Team. Da entstehen immer viele verschiedene Ideen. Für den Fasnachts-Post wollten wir etwas Witziges machen, das aber auch gleichzeitig einen starken Bezug zu Biotta hat. Und da es den Biotta Rüebli-Saft schon seit 1957 gibt, musste das Rüebli eine Hauptrolle spielen.

War es schwierig intern die Verantwortlichen und vor allem die Mitarbeiter zu überzeugen, oder macht das Team jeden Spass mit?

Wie bereits erwähnt ist das Social Media Team recht kreativ und setzt sich aus verschiedenen Bereichen zusammen. Wenn die Idee alle überzeugt, macht auch jeder mit. Wir identifizieren uns sehr stark mit unserer Marke und dem Unternehmen Biotta. Da macht man gerne auch mal einen Spass mit.

Teamfoto (c) Biotta AG

Biotta ist ein Pionier im Bio-Bereich. Wie wichtig ist die Integration der digitalen Medien und auf welche Kanäle setzen Sie?

Die Integration der digitalen Medien ist uns enorm wichtig. Wir haben verstanden, dass es ohne diese kaum eine Zukunft für ein Produkt geben kann. Dennoch stehen wir hier erst ganz am Anfang. Momentan konzentrieren wir uns auf Facebook, Instagram, Newsletter und natürlich eine zeitgerechte Website.

Wie verbindet Biotta Tradition und Moderne?

Das kann ich gerne an einem konkreten Beispiel erläutern. Bereits seit 60 Jahren arbeiten wir vertrauensvoll mit Bio-Bauern aus unserer Nachbarschaft zusammen. Sie liefern bestes Bio-Gemüse für unsere Säfte. Und so wie wir, gehen auch die Bauern mit der Zeit. So haben wir erst kürzlich ein Video mit einem Bio-Bauern gedreht, in diesem erklärt er was er im Winter macht. Das Video haben wir für Facebook & Instagram genutzt und es war ein grosser Erfolg. So können wir unsere Tradition auch einer jüngeren Zielgruppe zeigen. Darüber hinaus sind natürlich neue, innovative Produkte das A und O. Dabei werden wir unsere Kernwerte (100% Bio, ohne Konzentrate, ohne Zusätze) immer bewahren. So wie wir dies bei den Biotta Veggies oder den Biotta SMOO`TEAs getan haben.

Welchen Stellenwert hat das Marketing bei der Biotta AG und wie nutzen Sie die Marketinginstrumente?

Das Marketing nimmt einen grossen Stellenwert bei uns ein. Dabei werden verschiedenste Marketing-Instrumente intensiv genutzt.

Biotta Produkte (c) Biotta AG

Wie wichtig sind die Mitarbeiter für den Unternehmenserfolg und welche Unternehmensphilosophie liegt der Biotta AG zugrunde?

Bei Biotta hat jeder einzelne Mitarbeiter eine Schlüsselrolle – vom Saftmischer über das Marketing bis zum Kundendienst. Jeder trägt einen wichtigen Teil zum Erfolg der Marke bei. Es liegt in unserer Natur, dass das Engagement jedes Mitarbeiters gleichwertig geschätzt wird. Denn nur so schaffen wir es weiterhin der Schweizer Bio-Pionier zu sein. Wir sind ein kleines, familiäres Unternehmen, das aber auch innovativ ist und überrascht. Darauf sind wir ganz besonders stolz.

Wenn Sie angehenden Marketingfachleuten einen biologischen Tipp geben könnten, was würden Sie raten?

Gutes Marketing basiert nicht nur auf Theorien, Systemen oder Lehrbüchern. Oft sollte man auch auf seine Intuition hören und sich immer wieder aufs Neue in Kundensicht versetzen. Das bedeutet manchmal auch einen unkonventionellen Weg zu gehen und Mut zu zeigen. Und dabei sollte man natürlich immer fleissig Biotta Säfte trinken. 🙂

Mehr über die Biotta AG:

www.biotta.ch

https://www.facebook.com/biottaCH

 

Daimler und die Kantinenkommunikation

Kommunikation und Marketing gehen Hand in Hand. Oft wird der Fokus auf die externe Kommunikation gelegt, wie man aber auch mit einer effizienten internen Kommunikation erfolgreich sein kann, erzählt uns Tobias Just, Director Executive & Digital Media von der Daimler AG. Sein Team schafft es immer wieder, mit speziellen Videos, den Vorstandsvorsitzenden Dr. Dieter Zetsche in ein neues Licht zu rücken.

Herr Just, zum Jahresende 2016, gab es ein Video der Daimler AG, wo der Vorstandsvorsitzende Dr. Dieter Zetsche in der Kantine das Jahr Revue passieren lässt. Eigentlich etwas für die interne Kommunikation, doch es hat dank YouTube auch weitere Menschen überrascht und begeistert. Wie kamen Sie auf die Idee, Dr. Zetsche in die Kantine zu setzen?

Die Analogie mit der Ketchupflasche wird bei Daimler im Zusammenhang mit E-Mobilität schon seit längerem gebraucht. Das hat uns auf die Idee gebracht, unsere Strategie einmal komplett mit „Food“-Beispielen zu erklären. Zudem wurde 2016 eine neue Daimler-Kantine eröffnet und unser Vorstandsvorsitzender geht dort tatsächlich öfter essen. Deshalb lag die Kombination nahe.

Wie entstehen die Ideen zu den Videos und zu weiteren Aktivitäten? Arbeiten Sie mit speziellen Agenturen zusammen?

Idee und Skript entsteht grundsätzlich bei uns im Team. Für die Umsetzung ist natürlich externe Unterstützung erforderlich.

Dr. Dieter Zetsche, Vorsitzender des Vorstands der Daimler AG und Leiter Mercedes-Benz Cars (c) Daimler AG

Welchen Stellenwert hat die Executive Communication innerhalb der Daimler AG? Warum ist es so wichtig, den Chef auch kommunikativ zu begleiten?

Auch wenn klassische Hierarchien bei Daimler nicht mehr den Stellenwert früherer Jahre haben – der CEO ist in puncto Motivation und Orientierung für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter immens wichtig. Insbesondere in einem Unternehmen mit über 280.000 Kollegen auf 5 Kontinenten sind kommunikative Klammern entscheidend für den Zusammenhalt.

Falls Sie etwas aus dem Nähkästchen plaudern dürfen, braucht es viel Überzeugungsarbeit oder macht der Vorstandsvorsitzende alles mit?

Wir haben das grosse Glück, dass unser CEO für kommunikative Belange sehr offen ist, sofern dabei eine Grundvoraussetzung gilt: Im Vordergrund muss immer eine inhaltliche Botschaft stehen. Personenkult ist tabu.

Mercedes-Benz E-Klasse Coupé; C 238 (c) Daimler AG

In Ihren Verantwortungsbereich fallen auch die digitalen Medien. Welche Trends sehen Sie und wie kann man die diversen Kanäle erfolgreich nutzen?

Klassischer Journalismus wird bekanntlich immer öfter von Content Marketing durchsetzt. Das ist – sofern es kenntlich gemacht wird – auch nicht verwerflich. In der globalen Kommunikation bei Daimler gehen wir aber zukünftig einen anderen Weg: Wir setzen verstärkt auf unsere eigenen digitalen Medien. Der Vorteil: Auf diesen Kanälen können wir Denkanstösse bieten, ohne Verkaufsimpulse setzen zu müssen. „Owned Media“ bieten für uns zudem nicht nur Flexibilität und Kontrolle, sondern auch grosse Reichweiten. Allein mit einem Social Intranet erreichen wir täglich mehr als 280.000 Menschen. Hinzu kommt ein Millionenpublikum über Websites und Social Media. Wir sind überzeugt: Im Zusammenspiel bieten diese Kanäle weit mehr als die Summe ihrer Teile.

Gibt es einen Ratschlag, den Sie angehenden Marketingfachleuten geben würden?

Egal ob Text, Bild, Video oder Audio: Produziert nichts, was ihr nicht auch selbst gern konsumieren würdet.

Mercedes-AMG GLA 45 4MATIC (c) Daimler AG

Zoro Brautmode: Marketing zwischen Tattoo und Spitze

Bald beginnt sie, die Heiratssaison und viele Paare hoffen auf den schönsten Tag ihres Lebens. Die Hochzeit ist längst nicht mehr nur ein kleines Fest, eine ganze Industrie hat sich entwickelt, doch das wichtigste Accessoire bleibt, zumindest für die Damen, das Brautkleid. Wie schwierig es ist, in diesem Bereich zu bestehen, darüber berichtet Katia Zoro, von ZORO Brautmode in Zürich.

Frau Zoro, zusammen mit Ihrer Schwester Milena, leiten Sie eines der bekanntesten Brautmodehäuser in Zürich. Ihre Mutter, Seniorchefin Agata Zoro, hat den Grundstein dazu gelegt. Welche Erfolgsfaktoren waren entscheidend, um Zoro Brautmode zu dem zu machen, was es heute ist?

Es ist das Resultat einer konsequenten Haltung. Wir haben uns von Anfang an dazu entschieden, uns von der Masse abzuheben. Qualität und Design standen für uns an erster Stelle und uns war immer wichtig, den Kunden ein unvergleichliches Einkaufserlebnis zu bieten.

Das Geschäft in Zürich (c) Zoro Brautmode

Wie schwierig ist es, im hart umkämpften Markt der Brautmode, zu bestehen?

In den 30 Jahren unseres Bestehens haben sich die Bedürfnisse der Konsumenten immer wieder verändert. Wichtig ist, dies frühzeitig zu erkennen und sich ständig zu erneuern, niemals stehen zu bleiben. Auf den Lorbeeren ausruhen, gibt‘s bei uns nicht. Und immer wieder, das Ziel nicht aus den Augen verlieren.

Sie müssen Ihre Kollektionen früh zusammenstellen. Ein Risiko, schliesslich könnten Sie den Geschmack der Kunden verfehlen. Wie spüren Sie die Kundenbedürfnisse heraus, damit dies nicht geschieht?

Da wir in engem Kontakt mit unseren Kunden, sowie unseren Verkaufsberaterinnen sind, spüren wir sehr schnell heraus, was Kunden wollen und was sie berührt, daraus ergeben sich Tendenzen. Durch unsere langjährige Zusammenarbeit mit Designhäusern und Ateliers, sind wir in der Lage, spezifisch auf unsere Bedürfnisse Kleider und Kollektionen mitzugestalten und einzukaufen. Wir arbeiten mit vielen renommierten Designhäusern, die ihr Handwerk sehr gut kennen, hören beim Einkauf aber auch immer wieder auf unser Bauchgefühl, wagen Experimente – und sind dann glücklich zu sehen, wie gut dies jeweils bei unserer aufgeschlossenen Kundschaft ankommt.

Ein Galia Lahav Brautkleid (c) Zoro Brautmode

Wie nutzen Sie das Marketing, um Ihre Kunden zu erreichen?

Heute informieren sich Brautpaare über das Web, wir sind auf den gängigsten Plattformen wie Facebook, Instagram etc. vertreten, erneuern unsere Webseite in regelmässigen Abständen und verschicken unseren Bräuten Newsletters.

Die Digitalisierung kann Fluch und Segen zugleich sein. Sie haben einen Facebook Account und nutzen somit Social Media auch beruflich. Welche Erfahrungen haben Sie mit den digitalen Kanälen gemacht und welche Gefahren sehen Sie?

Was früher mühsam mit Papierkram erledigt wurde, kann man heute quasi per Knopfdruck ausführen. So sind Kunden rasend schnell darüber informiert, dass z.B. die neue Kollektion im Hause ist, das der Sample Sale angefangen hat etc. Schön ist es, mit Kunden gleich interagieren zu können und mit ihnen die Liebe zum Schönen zu teilen.

Die Kehrseite ist, dass die meisten verlernt haben, miteinander anständig zu kommunizieren. Heute lassen auf dem Netz viele Menschen ihrem Frust freien Lauf mit zum Teil unwahren Behauptungen und regelrechten Hasstiraden – eben auch nur auf Knopfdruck.

Kunden sind über neue Kollektionen informiert (c) Zoro Brautmode

Man hört immer wieder von Kunden, die sich Kleider günstig nachschneidern lassen, oder Kopien aus dem Internet bestellen. Welchen Mehrwert bietet Zoro Brautmode für ihre Kunden?

Es gibt inzwischen im Netz genug negative Beispiele von furchtbaren Brautkleidern die da geliefert wurden; ganz zu schweigen davon, dass es sich meist um illegale Raubkopien handelt und man sich sogar strafbar macht.

Wir sind noch nie auf der Welle „Geiz ist geil“ geritten, da kommt die Qualität einfach zu kurz. Unsere Kunden legen seit jeher einen grossen Wert auf einen sogenannten „Rundum- Service“, wir begleiten sie bis zum Schluss und stehen für alle Fragen beratend zur Seite. Das Einkaufserlebnis vom eigenen Brautkleid, begleitet von Familienangehörigen und Freundinnen wird bei uns zum Happening, ist eine bleibende Erinnerung und ist nicht mit einem anonymen Internet-Kauf zu vergleichen.

Die Brautkleider stehen im Fokus, dabei gerät der Bräutigam etwas ins Hintertreffen. Wie überzeugen Sie die männliche Kundschaft?

Bei uns war der Bräutigam noch nie im Hintergrund, im Gegenteil, der Bräutigam unterstützt mit seinem Outfit die Ausstrahlung der Braut und rundet die Aussage des gewählten Stils perfekt ab. Der Mann ist heute selbstbewusst genug, weiss was er will und drückt dies auch mit einem gepflegten Anzug aus. Zoro-Brautpaare zeichnen sich dadurch aus, dass sie auch stilmässig perfekt harmonieren wollen.

Tattoo-Spitze und tiefer Rücken (c) Zoro Brautmode

Welche Trends sehen Sie aktuell im Bereich der Hochzeitsmode?

Heute gestalten Paare vermehrt ihre Hochzeit individuell und nach Thema, dementsprechend ist die Vielfalt an Stilrichtungen enorm. Alles ist möglich: vom Boho-Kleid für die Stadt-Party oder der wildromantischen Tüllrobe für die Outdoor-Hochzeit usw. Ein wichtiger Trend, der sich in den letzten vier Jahren herauskristallisiert hat, und in fast allen Stilrichtungen zu finden ist, sind tiefe Rückenausschnitte und Tattoo-Spitze. Hier ganz klarer Vorreiter, weil sie die erste Designerin war, welche diese Art Kleider auf den Markt gebracht hat, die Haute Couture Linie von Galia Lahav. Sie ist exklusiv in der Schweiz bei uns erhältlich.

Welchen Rat würden Sie angehenden Marketingfachleuten geben?

Enger Kontakt zum Endverbraucher und zum Verkaufspersonal, um zu wissen und spüren, was der Kunde will und es schnell umsetzen. Die gesetzten Ziele kompromisslos verfolgen.

 

Mehr über Zoro Brautmode:

www.zoro.ch

https://www.facebook.com/zorobrautmode/

https://www.instagram.com/zorobrautmode/

 

 

Vom „Wurzelbunker“ zum Vegi-Tempel: Die Hiltl Erfolgsgeschichte

Von Dr. Adrienne Suvada

Ambrosius Hiltl haben wir es zu verdanken, dass das erste vegetarische Restaurant der Welt, zum erfolgreichen Hiltl wurde. Das damalige „Vegetarierheim und Abstinenz-Café“ (1898 in Zürich eröffnet) war nicht sehr angesehen und wurde als „Wurzelbunker“ verspottet. Ambrosius Hiltl, der deutsche Schneidergeselle, litt an Gelenkrheuma und musste daher zwangsläufig zur vegetarischen Kost wechseln. Diese heilte sein Leiden und Ambrosius wurde zum Gastronom und konnte 1907 das Haus an der Sihlstrasse sogar erwerben.

Hiltl in der Luft

Auch die zweite Hiltl Generation war vom erfolgreichen Innovationsgeist geprägt. Leonhard Hiltl, dem Sohn von Ambrosius Hiltl, haben wir es zu verdanken, dass das Hiltl die erste voll elektrische Grossküche in Zürich besass. Auch wenn sich das ehemalige Vegetarierheim gemausert hatte, so richtig gut angesehen, waren die Vegetarier immer noch nicht. Ein Mann ohne Fleisch, das ging einfach nicht. Dank Margrith Hiltl, der Ehefrau von Leonhard, wurde die indische Küche nach Zürich exportiert. Viele indische Gäste trotzten der zürcherischen Skepsis, bis sogar die Swissair anklopfte. Schliesslich sollten auch die indischen Passagiere in der Luft ein solches Essen geniessen dürfen. Aktuell und seit über 6 Jahren, serviert SWISS vegetarische und vegane Hiltl Gerichte an Bord in allen drei Reiseklassen.

Historische Aufnahme (c) Hiltl AG

Vegetarische Unternehmensphilosophie

Heinz Hiltl übernahm die Geschicke in der dritten Generation und versuchte ein jüngeres Publikum für die vegetarische Küche zu begeistern. 1973 konnte dann das neue „Hiltl Vegi“ eröffnet werden, inklusive einem innovativen Salatbuffet und frisch gepressten Fruchtsäften. Heinz Hiltls unternehmerische Philosophie war Gewinnoptimierung vor Gewinnmaximierung. Die Ziele mussten vor allem für ihn als Mensch übereinstimmen, denn der geschäftliche Erfolg war nur ein Teil der persönlichen Ambitionen.

Das Hiltl Vegi (c) Hiltl AG

Mittlerweile herrscht über den Vegi-Tempel Rolf Hiltl (geb. 1965). Eher amerikanisch inspiriert lebt er nach dem „Trial and Error Prinzip“. Der Vorteil, mittlerweile ist Vegi „in“ geworden. Das Haus Hiltl wurde zu einem Trendrestaurant, einfach mit dem Unterschied, dass hier kein Fleisch zu finden ist. Rolf Hiltl ruht aber keinesfalls auf den vegetarischen Lorbeeren aus. 1998 gründete Hiltl zusammen mit den Gebrüdern Frei „tibits“ mit acht Betrieben in der Schweiz und einem in London. Das Stammhaus an der Sihlstrasse wurde renoviert und um die Hiltl Akademie mit Kochschule, Seminarräume, die erste vegetarische Metzgerei der Schweiz und den Hiltl Club erweitert. Mittlerweile betreibt die Hiltl AG neben dem Stammhaus fünf weitere Betriebe in Zürich: Die Hiltl Dachterrasse an der Bahnhofstrasse, die Hiltl Pflanzbar im Blumen Krämer, die Hiltl Sihlpost und im Sommer die Restaurants der Badis Mythenquai und Kilchberg.

Den gesamten historischen Abriss, finden Sie hier.

Mit Poulets nach Dakar

Wer das Hiltl betritt, dessen Nase wird von vielen Gerüchen umspielt. Ein besonderes Flair umgibt diesen Ort und die Kundschaft lässt sich auch nicht pauschalisieren. Da steht der Öko-Typ neben dem Businessman und beide lassen es sich am riesigen Buffet gutgehen. Rolf Hiltl geht schon fast ein bisschen unter zwischen den vielen Gästen, aber seine Persönlichkeit ist spürbar. Die Hiltl Tradition lebt in ihm weiter und das spiegelt sich auch in seiner Unternehmensphilosophie. „Create a better World, ist sozusagen unser Motto, wir wollen dazu beitragen die Welt ein bisschen besser zu machen und unsere Arbeit soll einen Sinn ergeben„, meint der Gastroprofi. Das Hiltl sei nicht nur einfach ein Business Case, es hat immer das „Why“ hinter der Tätigkeit verfolgt und sich auch ökologisch verhalten. „Hätte das Hiltl seit 1898 Poulets anstatt vegetarischem Essen serviert, à la KFC (Kentucky Fried Chicken), und hätte man diese aneinandergereiht, so ergäbe das eine Strecke von Zürich nach Dakar„, kalkuliert der Chef gleich selbst vor. Dennoch, es geht um gesunden Genuss, man will nicht missionarisch agieren und Fleischesser verdammen. Im Gegenteil, es gibt viele so genannte Flexitarier, die ins Hiltl kommen und viele Touristen wissen nicht einmal, dass sie in einem Vegi-Restaurant sind.

Das Hiltl in Zürich © by Adrian Bretscher/Hiltl AG

Unternehmerischer Marketingtyp

Im Hiltl Leitbild befindet sich Innovation ganz zuoberst. „Wir versuchen etwas sehr Schwieriges, nämlich Innovation und Tradition zu vereinen. Es gibt bei uns bekannte heimische Sachen und gleichzeitig waren wir zum Beispiel, das erste Restaurant in der Schweiz mit einer Website„, erklärt Rolf Hiltl. Die Leidenschaft ist klar spürbar und ein Stillstand ist nicht zu erkennen, gleichzeitig betont der Hiltl-Chef, dass er immer auch seine eigenen Wege sucht, ein Herdentierli zu sein, das läge ihm nicht. Nicht immer war es einfach Innovation und Tradition in Einklang zu bringen, denn sein Vater war kein Marketingtyp und vielleicht gerade deshalb, hat sich dann Rolf Hiltl in die Nische gesetzt. Ihm war schon während seiner Kochlehre im Dolder Grand bewusst, dass es nicht reicht gut zu kochen, man muss es auch kommunizieren. Bei aller Kreativität, ist natürlich die unternehmerische Verantwortung wichtig. Misserfolg sei nicht negativ, sondern helfe sich zu verbessern. Wichtig sei, sich nicht von jedem Wind irritieren zu lassen.

Rolf Hiltl © by Adrian Bretscher/Hiltl AG

Google und Hiltl

Rolf Hiltl geht mit der Zeit, ist aber auch fest überzeugt, dass auch in 20 Jahren noch gegessen wird. Die Menschen suchen die Geselligkeit und noch kann man Lebensmittel nicht digitalisieren. Digitales Marketing nutzt aber auch der Vegi-Tempel, sogar sehr innovativ. „ Wir Menschen tratschen ja gern„, meint Rolf Hiltl schmunzelnd. „auf unseren Social Media Walls kann man das in Echtzeit tun und wir sehen gleich, was die Menschen beschäftigt.“ Angst vor Bewertungsportalen hat er keine, denn Social Media ist für ihn selbstregulierend. Wenn einer eine extrem schlechte Bewertung abgibt, sind zehn andere da, die das anders sehen. Er lässt die User gern diskutieren, auch beim letzten grossen Medienrummel, wo der Hiltl Club, Pelzträger nicht hineinliess. Hiltl zieht sein Ding durch und ist authentisch, das ist sicherlich ein grosser Teil des Erfolgsrezeptes. Auch als Chef bevorzuge er die offene Diskussion und Kritik, so beuge man Unstimmigkeiten vor und er wolle einfach keine Angstkultur in seinem Betrieb. Gemäss seinem „Trial and Error Prinzip“, vergleicht sich der Hiltl-Chef auch mit Google: „Wir sind uns recht ähnlich, denn Google probiert viel aus, wirft Dinge einfach mal auf den Markt, so ticken auch wir, zum Beispiel bei unserem Buffet.“

Das Buffet (c) Hiltl AG

Schockierende Veganer

In Zeiten von Laktoseintoleranz und Glutenunverträglichkeiten, wird das Essen nicht mehr nur zum Genuss. Rolf Hiltl sieht das durchaus kritisch, obwohl sein Restaurant schon seit zehn Jahren rund 15 Allergene deklariert: „Manchmal frage ich mich, wie sich die Leute vor 100 Jahren ernährt haben, die haben die Zeiten ja auch überlebt. Aber heutzutage ist es für die Jungen schwierig, anders zu sein, die Erwachsenen hören die gleiche Musik, ziehen dasselbe an, womit kann man die Eltern noch schockieren? Sich zum Beispiel von heute auf morgen als Veganer zu deklarieren, löst starke Reaktionen aus.“ Die kritische Sicht wird bei Rolf Hiltl auch beim Thema Kleidung spürbar, schon seit einiger Zeit kaufe er aus Prinzip keine Kleider mehr, die „Made in China“ sind. Mehr grundsätzliche Achtsamkeit also, die er gleich selber vorlebt.

Gesunder Genuss (c) Hiltl AG

Ziel New York?

Wer so erfolgreich ist, der könnte sich auch mal zurücklehnen. Nicht so Rolf Hiltl. Er eröffnet bald ein neues Restaurant mit Club an der Langstrasse und sein grosser Traum wäre in New York ein Hiltl Flagship zu haben. Bei seiner Umtriebigkeit wird wohl auch das eintreffen. Angehenden Marketingmenschen rät Hiltl: „Eine gute Basis ist wichtig, aber man soll dann nicht nur nach dieser arbeiten. Es ist wichtig seinen eigenen Weg zu gehen und Dinge zu hinterfragen. Man muss das Weitwinkelobjektiv aufsetzen und beobachten.“ Sagt’s und geht auch schon wieder weiter, denn schliesslich sollen die Gäste „ehrlich begeistert“ werden.

 

Mehr über Hiltl:

http://hiltl.ch/de

https://www.facebook.com/hiltl

https://www.instagram.com/hiltlzurich/

https://twitter.com/hiltl

Das Essen spielt die Hauptrolle (c) Hiltl AG

Fremde Lippen auf Donald Trump und Wladimir Putin? Die Facial Reenactment Software

Bildbearbeitung ist mittlerweile allen bekannt, weniger gut kennen die meisten die Möglichkeiten von Veränderungen an Videos. In Hollywood wurden mit grafischen Programmen schon diverse Filme animiert, aber aus dem Bereich der Forschung kommt nun eine völlig neue Software. Justus Thies ist Doktorand an der Friedrich-Alexander Universität Erlangen-Nürnberg (FAU) am Lehrstuhl für Graphische Datenverarbeitung, und hat die Facial Reenactment Software entwickelt. Damit ist es möglich Mimik und Lippenbewegungen eines Menschen zu erfassen und – das ist geradezu revolutionär – das Ganze in Echtzeit auf das Videobild einer anderen Person zu übertragen. Entstanden ist die Technologie in Zusammenarbeit mit Forschern der FAU, der Universität Stanford und des Max-Planck-Instituts für Informatik.

Herr Thies, Ihre Facial Reenactment Software mutet geradezu unglaublich an. Was leistet diese Software und wie funktioniert sie?

Im Mittelpunkt unserer Entwicklung steht bzw. stand die Weiterentwicklung von Gesichtstrackern, also Software die die Mimik einer Person verfolgen kann. Dabei wurde darauf geachtet das keine speziellen Kameras von Nöten sind und stattdessen eine gewöhnliche Webcam benutzt.

Um die Mimik einer Person zu verfolgen, wird das Gesicht einer Person dreidimensional erfasst. Dazu verwenden wir ein statistisches Modell, das auf einer Datenbank von ca. 200 Personen besteht, die mit Hilfe eines Laserscanners dreidimensional erfasst wurden.

Nach der Rekonstruktion der Gesichtsform und Gesichtsfarbe wird ein Ansatz der Analyse durch Synthese verwendet, um die Mimik einer Person in einem Bild zu schätzen. Das heisst das Gesichtsmodell wird solang verformt, bis jedes Pixel des synthetischen Bildes mit dem originalen Bild bestmöglich übereinstimmt.

Als Demonstration für die Genauigkeit unseres Gesichtstracker haben wir das Facial Reenactment gewählt. Dabei demonstrieren wir einerseits die Geschwindigkeit unseres Trackers, aber auch andererseits die erreichte Rekonstruktionsqualität.

Um das Facial Reenactment zu ermöglichen werden zwei Videos benötigt. Ein Video mit dem „Source Actor“, also dem treibenden Schauspieler, und einem zweiten Video mit dem „Target Actor“, also dem Schauspieler, dem eine neue Mimik gegeben wird. Beide Personen werden mit unserer Software dreidimensional erfasst. Nun wird die Mimik des „Source Actors“ auf den „Target Actor“ übertragen. Das neue Gesicht des „Target Actors“ wird anschliessend mit Standard Computergraphik- Techniken auf das Ursprungsvideo gezeichnet.

Worin unterscheidet sich die Software von Filmproduktionen, wo animierte Filme bereits gang und gäbe sind?

Unsere Software benötigt keinen komplizierten Aufbau von Spezial-Kameras und auch keine Marker die in das Gesicht geklebt werden müssen.

Wir benötigen lediglich eine gewöhnliche Kamera oder Webcam, um die Gesichtszüge einer Person zu erfassen.

Wo liegen die Schwierigkeiten bei der Software? Wo gibt es noch Entwicklungsbedarf?

Die Software kann nur solche Mundbewegungen wiedergeben, die in dem Video des „Target Actors“ vorhanden sind. Das liegt vor allem daran, dass der Mundinnenraum nicht dreidimensional rekonstruiert wird. Anstelle dessen wird eine Datenbank von Mundinnenräumen aufgebaut.

Wenn nun der Mund eine bestimmte Pose einnehmen soll, wird in dieser Datenbank nach einem passenden Mundinnenraum gesucht und dieser in das Bild eingefügt.

In Zukunft planen wir auch den Mundinnenraum dreidimensional zu rekonstruieren, dadurch wird es möglich sein auch Mundposen zu synthetisieren, die nicht in dem Beispielmaterial vorhanden sind.

(c) Justus Thies

In unserer digitalisierten Welt sind manipulierte Bilder und Fake Videos sehr verbreitet. Ihre Software könnte auch missbräuchlich genutzt werden, indem man z.B. Politikern oder Konzernchefs falsche Worte in den Mund legt. Wie sehen Sie diese Problematik und was tun Sie gegen Missbrauch?

Unsere Software ist zurzeit nur in der Lage die Mimik einer Person zu verändern. Sie ist nicht fähig Sprache einer Person zu synthetisieren. D.h. die Software kann so noch nicht eingesetzt werden um jemanden ein falsches Wort in den Mund zu legen.

Uns ist bewusst, dass die Synthese von Stimmen auch grosse Fortschritte macht, in gleichem Masse wird aber auch an Programmen entwickelt, die Fälschungen erkennen. Dieses Teilgebiet der Informatik nennt sich digitale Forensik. Dabei werden Spuren von Manipulationen gesucht. Dies kann zum einen durch falsche physikalische Effekte (insbesondere Beleuchtung, Schatten) in einem Bild erkannt werden, aber auch durch statistische Effekte (insbesondere Rauschverhalten einzelner Kameras). Wir arbeiten auch an solcher Software, da unser Tracking-Algorithmus nicht nur die Mimik und Gesichtsform, sondern auch die Beleuchtung in einem Bild schätzen kann.

Könnte diese Software auch für das Marketing genutzt werden, wo gerade Augmented und Virtual Reality ein grosses Thema sind?

Die Anwendungsgebiete sind zahlreich. Marketing gehört sicherlich auch dazu. Ich hatte bereits interessante Anfragen von Sozialwissenschaftlern, die analysieren möchten, wie Menschen auf bestimmte Nachrichten reagieren, wenn sie visuell von verschiedenen Personen vermittelt werden.

Im Bereich Augmented und Virtual Reality haben wir unsere Forschung bereits weitergebracht, siehe dazu unser aktuelles Projekt FaceVR.

Ein Verkauf dieser Software würde sicherlich einen hohen finanziellen Gewinn generieren. Sind Pläne angedacht, die Software auch kommerziell zu vermarkten? Sehen wir Sie nach erfolgreichem Abschluss der Doktorarbeit als zukünftigen Geschäftsführer, oder wollen Sie sich weiterhin der Forschung und Entwicklung widmen?

Zu dem Projekt wurden von dem Max Planck Institut Informatik (MPII) Patente eingereicht. Eine Kommerzialisierung steht aber zurzeit nicht auf der Tagesordnung.

In Zukunft werde ich mich vorerst auf Forschung und Entwicklung konzentrieren.

 

Mehr Informationen zur Facial Reenactment Software

http://lgdv.cs.fau.de/publications/publication/Pub.2016.tech.IMMD.IMMD9.face2f/

Friedrich-Alexander Universität Erlangen-Nürnberg (FAU)