Stefan Tschumi hat den Bachelor Kommunikation an der ZHAW absolviert.

Vom Studenten zum Multimedia-Unternehmer

Fotograf, Videoproduzent, Drohnenpilot, Coach, Autor, Journalist und Gastdozent: Stefan Tschumi hat sich nach dem Bachelorstudiengang Kommunikation seinen Traum erfüllt und ein eigenes Multimedia-Unternehmen gegründet. Heute ist er beruflich nicht nur rund um den Globus erfolgreich unterwegs, sondern immer mal wieder auch zurück an der ZHAW, wo er sein Wissen und seine Erfahrungen im Bereich Fotografie und Video im Praxis-Unterricht an die Studierenden weitergibt.

Ein schriftliches Interview mit Stefan Tschumi, Absolvent Bachelorstudiengang Kommunikation 2014, Vertiefungsrichtung: Journalismus. Stefan ist Inhaber von tschumimedia.com und arbeitet als selbständiger Fotograf, Videoproduzent, Drohnenpilot, Coach, Autor, Journalist und Gastdozent u.a. auch für SRF und die ZHAW. Mit Fragen von Susanna Spörri, Kommunikationsverantwortliche des IAM Institut für Angewandte Medienwissenschaft der ZHAW.

Wie bist du zu deinem aktuellen Job gekommen?

Das kommt darauf an, zu welchem. Bei SRF hat alles bereits vor dem Studium mit einer E-Mail angefangen. Später habe ich ein Praktikum absolviert und so leiste ich bis heute Einsätze für SRF. Was die Fotografie und die Videoproduktion angeht, diese haben eher mich gefunden, als dass ich danach aktiv gesucht hätte. Angefangen hat es mit meiner Leidenschaft für Bilder. Ich habe mir Mentor:innen gesucht und mich ständig weitergebildet. Plötzlich kamen Produktionsanfragen von Unternehmen und dann nahm alles seinen Lauf. In der Folge gründete ich mein eigenes Unternehmen und bin seit da aktiv in diesen Bereichen tätig. Dazu habe ich eine riesige Leidenschaft fürs Reisen und bin daher sehr glücklich, dass ich die Fotografie, Videografie und das Reisen kombinieren kann. Das Wichtigste ist machen. Sich bewegen, niemals stehen bleiben. Dann kommt man automatisch zu grossartigen Jobs. Wobei ich den Ausdruck „Job“ unpassend finde. Es geht doch um so viel mehr.

Welche Tätigkeiten gehören zu deinem Berufsalltag?

Ganz verschiedene. Ich plane Videodrehs. Ich realisiere das Konzept, setze dieses dann aktiv an der Kamera um und schneide die Videos auch. Also von der Konzeption, über die Produktion bis hin zur Nachbearbeitung ist alles dabei. Ebenso im Bereich der Fotografie. Ich plane die Shootings, fotografiere selbst und bereite die Bilder auf. Teilweise realisiere ich Drohnenaufnahmen. Ich schreibe Artikel für Magazine, für deren Realisierung ich dokumentarisch arbeite. Zuletzt habe ich ein Buch zum Thema Reisefotografie geschrieben. Immer mal wieder bereite ich Präsentationen für Vorträge an Reise- und Fotografiemessen vor. Die Erstellung von Lehrmaterialien und die Planung und Realisierung von Workshops gehört ebenso zu meinen Tätigkeiten. Bei SRF habe ich die Journalistenrolle inne. Also Bildmaterial suchen, Texte verfassen, Beiträge vertonen. Als Reporter bin ich in Eishockeystadien unterwegs. Dazu kommt noch die ganze Business-Seite mit der Erstellung und der Pflege meiner Website. Offerten und Rechnungen schreiben, Mailkorrespondenzen führen und Telefonate abwickeln. Teilweise gibt es auch grosse Projekte, welche sich über Monate hinziehen und für deren Realisierung ich mehrere Monate im Ausland weile. Das erfordert dann einiges an Organisation. Dazu kommt der Unterricht, als Gastdozent bei der ZHAW, oder auch als Fotografie- und Videocoach in privaten Workshops, bei Unternehmen und Bildungsinstitutionen. Daneben berate und coache ich Unternehmen im Bereich Videoproduktionen und befähige die Mitarbeitenden, die sich ergebenden Möglichkeiten zu nutzen. Als Reiseleiter und Fotocoach begleite ich Fotografiereisen und bin dafür rund um den Globus unterwegs.

Was magst du besonders an deinem Job als Multimedia-Unternehmer und den dazugehörigen Tätigkeiten?

Haben wir so viele Zeilen zur Verfügung? 😉 Im Vordergrund steht sicherlich die Abwechslung. Jeder Tag ist anders. Dies erfordert stets wach zu sein und sich selbst weiterzuentwickeln. Die Tätigkeiten sind derart unterschiedlich, dass nie Langeweile aufkommt. Irgendwie bin ich fast schon süchtig nach neuen Impulsen, nach Eindrücken. Deshalb zieht es mich wohl auch so oft in ferne Länder. Für viele Menschen wäre meine Art zu arbeiten zu stressig. Für mich ist genau diese Abwechslung traumhaft. Dazu komme ich mit vielen tollen Menschen in Kontakt, mit welchen ich sonst womöglich nie gesprochen hätte. Nicht zu vergessen die Berufskolleg:innen. Bei SRF beispielsweise trifft man auf sehr viele wunderbare Menschen, welche mich immer wieder aufs Neue inspirieren. Gleiches gilt auch für alle anderen beruflichen Bereiche, in denen ich tätig bin. Ich denke beispielsweise auch an verschiedenen Unternehmen und die Menschen dort, mit denen ich eng zusammenarbeiten darf. Wir realisieren gemeinsam Projekte und haben eine gute Zeit. Spannend ist auch, was jeweils nach den Vorträgen an Messen passiert. Der Austausch mit den Menschen ist einfach wunderbar. Bilder sind Magie, in vielerlei Hinsicht. Mit meiner Arbeit liefere ich den Menschen etwas, das ihnen Freude bereitet, das ist wunderschön zu sehen. Als Dozent bringe ich Menschen in den Bereichen Fotografie und Video voran und helfe ihnen dabei, sich zu entfalten und Projekte zu realisieren, die bis dato als nicht möglich erschienen. Wenn Leute mir dann sagen, dass ihnen der Unterricht mit mir viel gebracht habe und sie echte Fortschritte gemacht hätten und ich dazu dann noch sehe, wie die Passion für das Bild in ihnen wächst, dann muss gar nicht viel mehr gesagt werden. Es kann keinen grösseren Lohn geben als das. Es ist also eine Anhäufung unterschiedlicher Aspekte. Für mich fühlt sich kein Tag wie Arbeit im klassischen Sinne an.

Welche Aufgaben stellen jeweils eine Herausforderung dar und wie meistert du diese?

Herausforderung ist so ein grosses Wort, nicht? Und in unserer Kultur dann meist auch noch negativ konnotiert. Ich glaube, letztendlich geht es darum, am Ball zu bleiben, sich weiterzuentwickeln – damit meine ich, in die eigene Weiterbildung zu investieren. Noch nie war es so einfach wie heute, sich Wissen anzueignen, sich mit Leuten auszutauschen und sich weiterzuentwickeln. Das Thema Animationen beispielsweise. Wenn Kunden plötzlich viel mehr Animationen möchten, dann kann dies für mich eine Herausforderung sein. Dann heisst es, die eigenen Skills abzuchecken und diese weiterzuentwickeln. Immer am Ball zu bleiben. Letztendlich aber auch, immer Spass haben. Ich gehe stets aus meiner eigenen Komfortzone hinaus und freue mich ab der Veränderung. Es ist auch eine Sache des Mindsets. Es gilt keine Angst zu haben. Eine Herausforderung bedeutet nur, dass man dabei ist, den nächsten Schritt zu wagen. Deshalb freue ich mich, wenn ich merke, dass da etwas Grösseres auf mich zukommt. Wer Herausforderungen als Chancen begreift, hat viel verstanden und den ersten Schritt zu deren Bewältigung bereits getan.

Kannst du uns eine Anekdote aus dem Studium erzählen, die dich geprägt hat/ dir in besonders in Erinnerung geblieben ist?

Da gibt es so einiges. Eine besonders hervorzuheben könnte den Eindruck vermitteln, dass andere für mich nicht so wichtig waren. Aber es ist natürlich naheliegend, dass alles, was mit dem Thema Fotografie und Video zu tun hatte, mich besonders gepackt hat und bei den Praxisarbeiten draussen die einen oder anderen besonderen Momente entstanden sind.
Und dann natürlich vieles, dass ich aus dem Unterricht mitnehmen konnte und mir bis heute hilft. Ich weiss noch, als wir in der Medienlinguistik das Thema Anthropologie hatten und Daniel Perrin von der armchair anthropology sprach. Mir war sofort klar, was ich erleben will. Ich möchte tun, sehen, erfahren. Das war ein Gamechanger für mich. Es macht einen unheimlichen Unterschied, ob man glaubt etwas zu wissen, weil man es gelesen hat, oder ob man etwas weiss, weil man es selbst erlebt hat.

Hast du einen Rat für Berufseinsteiger:innen zur Karriereplanung nach dem Studium?

Ja auf jeden Fall. Hört auf zu planen. Die aktuelle Zeit zeigt es sehr gut. Man kann Pläne machen. Diese werden aber sowieso über den Haufen geworfen. Wir leben in dynamischen Zeiten, voller Chancen. Vieles, was sich uns zukünftig eröffnen wird, können wir wohl noch gar nicht abschätzen. Durch Corona könnten sich ganze Systeme fundamental wandeln. Die Art und Weise wie wir arbeiten, könnte schon bald eine andere sein. Für mich gibt es beispielsweise keine unangebrachtere Frage in Vorstellungsgesprächen als: Wo sehen Sie sich in fünf Jahren? Wie soll dies ein Mensch beantworten können? Oder anders formuliert: Hoffentlich kann darauf niemand eine Antwort geben. Denn das Leben überrascht doch immer wieder aufs Neue. So wie ich heute arbeite, das hätte ich gar nicht so planen können. Das hat sich alles ergeben. Auf Grund verschiedener Faktoren. Das Leben ist da, um gelebt zu werden. Niemand sollte seine Zeit verschwenden. Man sollte Tätigkeiten finden, die einen interessieren und die wirklich Spass machen. Tätigkeiten, die einen erfüllen. Kleiner Tipp: Achtet darauf, wohin eure Zeit und euer Geld fliesst, das ist ein gutes Indiz dafür, was euch wirklich Freude bereitet. Und dann seid kreativ. Wenn ihr euch für Bergsteigen und Videos interessierst, fragt euch, wie ihr daraus mehr kreieren könntet. Worin seid ihr gut? Wann vergesst ihr alles um euch herum und die Zeit vergeht wie im Flug? Folgt eurem Herzen und hört auf euer Bauchgefühl. Es können hundert Berufsberater:innen und Karriereplaner:innen euren Weg kreuzen und versuchen, euch weiter zu bringen. Im Endeffekt könnt nur ihr selbst für euch entscheiden. Lebt nicht das Leben von anderen, lebt euer eigenes. Kreiert. Sucht euch Mentor:innen, Menschen, die genau da sind, wo ihr hin möchtet. Holt euch von diesen Menschen Ratschläge. Niemals aber von Menschen, welche weit weg von dort sind, wo ihr hin möchtet. Es hat einen Grund, warum Menschen dort sind, wo sie eben sind. Unter Umständen müsst ihr euch auf Widrigkeiten einstellen. Menschen könnten euch sagen, dass ihr dies tun und anderes lassen solltet. Schaut genau hin, auf wen ihr hören wollt. Und dann macht einfach. Probiert Dinge aus. So etwas wie „scheitern“ gibt es nicht. Orientiert euch an „FAIL“, dem First Approach In Learning. Bleibt in Bewegung. Werdet Macher:innen. Dann kommt alles von allein. Ihr braucht keine Karriereplanung. Das kommt alles als natürliches Resultat eures Tuns. Der schöne Nebeneffekt: So seid ihr als Mensch authentisch.

Würdest du etwas anders machen, wenn du nochmals zurück könntest?

Nein, warum auch? Jede Entscheidung war wichtig für meine Entwicklung. Dass gewisse Dinge funktionieren und andere nicht, ist völlig normal. Man lebt das Leben vorwärts, versteht es aber in der Retrospektive. Zudem haben wir so wenig Lebenszeit, dass wir diese nicht damit verschwenden sollten, darüber nachzudenken, was wir anders hätten machen sollen oder können. Was gewesen wäre, wenn. Leben im Konjunktiv. Es gilt zu machen und zu lernen.

Warum hast du am IAM den Bachelorstudiengang Kommunikation absolviert?

Weil es eine sehr praxisnahe Ausbildung ist. Es dozieren viele Gastdozent:innen auf den Campus, welche ihre Erfahrungen mitbringen und teilen. Zudem haben mich die Studienfächer angesprochen. Es ist eine unheimlich gute Grundbildung für die heutige, sehr dynamische Welt der Medien und der Kommunikation. Mir gefällt der Studienort Winterthur sehr gut. Das Paket als solches stimmt sehr gut.

Welche Kompetenzen aus dem Studium haben dir im Beruf bisher am meisten geholfen? Wieso diese?

Da gibt es ganz viele. Recherchetechniken beispielsweise. Die Grundlagen des Storytellings. Das brauche ich immer und immer wieder. Das Geschichtenerzählen generell ist sehr wichtig geworden in der heutigen Kommunikation. Dazu lernt man viel im Studium. Sprachen sind immer wichtig. Und natürlich das Wissen zum Mediensystem als solches. Ich habe gelernt, dem Umgang mit der Sprache mehr Beachtung zu schenken und mich selbst auf den Sprachgebrauch zu sensibilisieren. Zudem kann man während dem Studium auch schöne Erfahrungen im Bereich Teamwork sammeln. Dies sollte nie unterschätzt werden. Persönlich denke ich, dass die Zusammenarbeit zukünftig stetig wichtiger wird. Gemeinsam statt gegeneinander. So können wir mehr schaffen.

Inwiefern hat dich das Studium befähigt, die Berufspraxis zu reflektieren, weiterzudenken und zu verändern?

Ich denke, ein Studium allein vermag dies nicht zu tun. Das hat viel mit dem einzelnen Menschen zu tun. Das Studium kann Richtungen und Möglichkeiten dazu aufzeigen. Bedeutet, man lernt gewisse Techniken. Was man daraus macht, wird sich zeigen. Je mehr man aber Theorie und Praxis verbindet, desto mehr muss man zwangsläufig reflektieren. Es wird Momente geben, da kommt man ohne weiterzudenken nicht voran. Im Bachelorstudiengang Kommunikation wird ein holistischer Ansatz gelehrt, wenn man dafür offen ist.

Welche Inhalte aus der wissenschaftlichen Reflexion aus dem Studium und Erkenntnisse aus der Forschung helfen dir besonders im Berufsalltag?

Was mir vor allem geholfen hat, ist selbst wissenschaftlich zu arbeiten. Diese Denkweise kennenzulernen. Generell ist die Wissenschaft wichtig für unsere Entwicklung. Persönlich ist es auch der Umgang mit der Sprache. Oder auch der Bereich der Reportage, der Umgang mit Informationen. Ich schaue immer wieder mal in meine Unterlagen aus Studienzeiten und vergleiche, was damals galt und was heute state of the art ist. Da wird mir immer wieder klar, wie schnell sich doch vieles wandelt. Das Studium ist für mich eine super Grundlage, auf der ich aufbauen konnte.

Welche Fächer waren rückblickend ein Highlight? Wieso diese?

Allen voran die Fotografie bei Manuel Bauer und die Video-Module. Dazu die Medienlinguistik und Journalistik. Auch die Organisationskommunikation fand ich spannend. Die Fächer waren wie gemacht für mich. Aber auch die Krisenkommunikation war super. Mein Wissen von dort konnte ich auch schon im einen oder anderen Unternehmen miteinbringen. Auftrittskompetenz als weiteres Thema, dass mich begeistert hat. Letztendlich ist es die Kombination aus Grundinteresse meinerseits und spannender Wissensvermittlung seitens der Dozierenden. Besonders die Wahlpflichtfächer erlaubten mir, ganz viele Themenfelder genauer zu beleuchten und so das Studium auf meine Wünsche zuzuschneiden. Eine Möglichkeit, die ich sehr geschätzt habe.

Auf welche Fächer hättest du hingegen lieber verzichtet? Warum?

Im Nachhinein betrachtet, keines. Es gibt ein Grund, warum diese Fächer Einzug in einen Lehrplan halten. Mit Französisch habe ich mich schwergetan. Aber das lag rein an mir und meinen damaligen Fähigkeiten. Wenn man offen ist, kann man aber überall was mitnehmen. Und dafür ist das Studium doch auch da. So viel wie möglich zu profitieren und für sich und seine Zukunft mitzunehmen.

Wie hast du die Stimmung unter den Studierenden während dem Studium erlebt? Was hat dir gut gefallen? Was weniger?

Wir hatten eine gute Stimmung untereinander. Es sind teils sogar Freundschaften entstanden. Mit einigen Freunden von damals arbeite ich heute zusammen oder ich treffe sie immer wieder mal bei beruflichen Projekten. Letztendlich hat man zusammengespannt, sich geholfen, Spass gehabt. Es war eine gute Zeit. Manchmal sehr arbeitsintensiv, aber dennoch sehr gut.

Inwiefern hat dich das Studium am IAM auf deine Karriere vorbereitet?

Da ich neben dem Studium auch immer gearbeitet habe, lernte ich, viele Tasks parallel zu managen. Das kommt mir heute extrem zugute. Dazu kommen die vielen theoretischen und auch praktischen Grundlagen, auf denen ich aufbauen konnte, sei es im Bereich der Fotografie, aber auch bei der Videoproduktion. Sehr viele Arbeitstechniken habe ich aus dem Studium mit in die Berufswelt genommen. Ebenso Reflexionstechniken und die Feedbackkultur beispielsweise.

Wo siehst du dich in 10 Jahren?

Da bin ich 46. 😉


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