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«Die direkte Reaktion des Publikums ist das Schönste» – Mein Beruf als Communications Manager

Filippa Heierli hat den Bachelorstudiengang Kommunikation absolviert und arbeitet heute als Communications Manager bei Siemens Schweiz. Welche Herausforderungen sie im Arbeitsalltag und insbesondere während der Corona-Pandemie erfolgreich meistert, weshalb sie ihren Beruf immer wieder wählen würde und welche Tipps sie für BerufseinsteigerInnen hat, erzählt sie im Interview.

Ein schriftliches Interview mit Filippa Heierli, Communications Manager, Siemens Schweiz, Bachelor in Kommunikation, Vertiefungsrichtung Organisationskommunikation, Abschluss 2014.Von Susanna Spörri, Kommunikationsverantwortliche IAM Institut für Angewandte Medienwissenschaft der ZHAW.

Susanna Spörri: Filippa, seit 2019 bist du als Communications Manager bei Siemens Schweiz verantwortlich für die interne Kommunikation. Welche Tätigkeiten gehören zu deinem Berufsalltag?

Filippa Heierli: Meine Tätigkeiten bei Siemens Schweiz sind ganz unterschiedlich und ich stehe jeden Tag mit sehr vielen verschiedenen Abteilungen in Kontakt. Alle Informationen, die irgendwie an unsere Mitarbeitenden gelangen müssen, laufen bei mir und meinen TeamkollegInnen zusammen. Wir stimmen uns dann auch mit der globalen Kommunikationsabteilung von Siemens mit Sitz in München ab, da gewisse Themen alle Mitarbeitenden weltweit betreffen. Diese Themen spielen wir dann über unterschiedliche Kanäle und mehrsprachig an die Mitarbeitenden aus, beispielsweise über klassische Newsletter oder Yammer, unser soziales Netzwerk, das wir weltweit bei Siemens nutzen.

Was gefällt dir an deinem Job und den dazugehörigen Tätigkeiten am besten?
Ich liebe es, dass mein Job so vielfältig ist und, dass ich täglich mit so vielen unterschiedlichen Personen zusammenarbeiten kann. Seit der Corona-Pandemie führen wir viel mehr Webcasts durch, da wir ein eigenes TV-Studio in Zug haben.

Webcasts ersetzen zwar keine Live-Events, wie beispielsweise Workshops oder Mitarbeiteranlässe, aber sie sind ein zusätzlicher Kanal, auf dem wir unsere Mitarbeitenden informieren können – und mit Q&A’s können sie sich sogar selbst einbringen. Das Vorbereiten und vor allem auch das Moderieren von Webcasts macht mir sehr viel Spass. Man muss sich da sehr mit dem jeweiligen Thema auseinandersetzen, und ich finde es immer wieder spannend, mich zu einem spezifischen Produkt oder Thema einzulesen – auch weil die Produktpalette von Siemens so divers ist. Ich lerne bei jedem Webcast wieder Neues dazu. Aber auch das Moderieren von Live-Events macht mir sehr viel Spass – besonders wenn diese intern sind. Das ist ein einzigartiges Gefühl, wenn man die Zuschauer sieht und vor allem auch spürt. Die direkte Reaktion des Publikums ist für mich das Schönste. Das ist für mich das beste Feedback, das ich bekommen kann.

Die Freude am Auftritt: Filippa Heierli während eines Mitarbeitendenanlasses bei Siemens Schweiz. Der Anlass fand im November 2019 vor der Corona-Krise statt.

Du hattest bis jetzt die Projektleitung für die Corona-Kommunikation bei Siemens Schweiz. Kannst du beschreiben, was das für dich bedeutet hat?
Dabei geht es um die Koordination der Krisenkommunikation zu Corona, um alle Siemens-Mitarbeitenden in der Schweiz zu informieren. Das sind rund 5300 Personen. Wir haben hier als eine Siemens-Einheit in der Schweiz, auch zusammen mit Siemens Energy und Siemens Healthineers, agiert, damit alle Mitarbeitenden die gleichen Informationen von einer zentralen Stelle erhalten. Die Zusammenarbeit mit den unterschiedlichen Abteilungen und dem Management war das A und O. Wir haben innerhalb von Siemens eine eigene Taskforce gebildet, in der alle für die Krisen relevanten Abteilungen vertreten waren. An regelmässigen Meetings haben wir dann jeweils entschieden, was die neusten Entwicklungen und Regelungen für Siemens bedeuten und wie wir diese an unsere Mitarbeitenden kommunizieren. Wir haben beispielsweise eigene Merkblätter und Schutzkonzepte für unsere Mitarbeitenden erstellt, die immer wieder angepasst oder erweitert werden mussten. Aktuelle Informationen haben wir über möglichst viele interne Kanäle gestreut, um so alle Mitarbeitenden zu erreichen. Zu Beginn der Pandemie haben wir beispielsweise auf Yammer ein tägliches Update mit den aktuellsten Informationen veröffentlicht, da sich innerhalb von 24 Stunden vieles verändern konnte.
Wir haben auch relativ früh eine Corona-Talk-Webcastserie eingeführt, die an alle Mitarbeitenden in der Schweiz live aus unserem TV-Studio gestreamt wurde. Dort hatten die Mitarbeitenden auch die Möglichkeit, spezifische Fragen ans Management oder an verschiedene Abteilungen zu stellen.
Es gab während der Pandemie sehr viele zusätzliche Aktionen, wie beispielsweise im Mai die Verteilung von Stoffschutzmasken an alle Mitarbeitenden in der Schweiz. Auch solche Aktionen mussten koordiniert und kommunikativ begleitet werden.

Welches war bisher für dich die grösste Herausforderung in der Corona-Kommunikation und wie hast du diese gemeistert?
Die grösste Herausforderung war und ist wirklich, dass sich innerhalb von 24 Stunden alles verändern konnte – wir standen permanent unter einem extremen Zeitdruck. Sobald jeweils die Bundesratsmedienkonferenz mit der Bekanntgabe der neuen Regelungen beendet war, mussten wir die Inhalte für Siemens Schweiz «übersetzen» und zusammentragen, was diese Veränderungen für uns bedeuten. Wir haben sehr früh auf eine regelmässige und vor allem transparente Kommunikation gesetzt. Beispielsweise haben wir teilweise auch Yammer-Posts veröffentlicht, dass wir an der Anpassung der internen Schutzmassnahmen arbeiten, wir momentan aber noch nichts kommunizieren können und uns aber so schnell wie möglich wieder melden. Diese schnelle und vor allem transparente Kommunikation kam bei den Mitarbeitenden sehr gut an, unsere Yammer-Gruppe hat einen regelrechten Boom erlebt während der Pandemie. Wir haben so auch eine Plattform zur Verfügung gestellt, auf der Fragen gestellt werden konnten und Unklarheiten direkt und offen angesprochen wurden. Die Posts in der Yammer-Gruppe mussten dann natürlich beobachtet und moderiert werden – das war ebenfalls fordernd und zeitintensiv, hat bei uns aber sehr gut funktioniert.

Ich war auch extrem froh, dass ich innerhalb unserer Kommunikationsabteilung so viel Unterstützung erhalten habe. Das hat die ganze Arbeit vereinfacht. Wir haben innerhalb unserer Kommunikationsabteilung ein «Corona-Team» bestehend aus vier Personen gebildet. Was mir während dieser Zeit fast am meisten geholfen hat, war dass wir eine super Stimmung und auch viel Humor in dieser Gruppe haben – trotz den schwierigen Umständen.

Hast du einen Rat für BerufseinsteigerInnen zur Karriereplanung nach dem Abschluss des Bachelorstudiengangs Kommunikation?
Habt Mut! Ich glaube, es ist in unserem Job sehr wichtig, dass man sich traut – auch wenn man etwas Ähnliches noch nie gemacht hat. Wenn ich auf meine bisherige Karriere zurückblicke, kommen mir als erstes immer die Projekte in den Sinn, bei denen ich zugesagt hatte, obwohl ich nicht ganz sicher war, was mich erwarten würde – und ich mich selbst ins kalte Wasser geworfen habe. Ich wurde beispielsweise bereits während meiner ersten Stelle nach Abschluss des Bachelorstudiengangs Kommunikation gefragt, ob ich ein internes Forum von Siemens Building Technologies in Island moderieren würde. Und obwohl ich noch nie eine Veranstaltung moderiert hatte, habe ich zugesagt. Ich war sehr nervös, weil ich nicht wusste, was auf mich zukommen wird. Aber ich habe so viel gelernt und auch neue Bekanntschaften geschlossen – und nachdem die Nervosität nach den ersten Minuten auf der Bühne verflossen war, war das für mich eine einmalige Erfahrung. Ich fand es nur schon grossartig, dass mir trotz meiner damals geringen Arbeitserfahrung diese Chance gegeben wurde – und das hat mir nachher dann auch ganz viele Türen geöffnet. «Learning by Doing» hat sich bei mir bis jetzt immer ausbezahlt. Ähnlich war es auch jetzt bei der Projektleitung zur Corona-Kommunikation. Die Kompetenzen, wie ich sie mir in den vergangenen acht Monaten in der Krisenkommunikation angeeignet habe, hätte mir kein Lehrbuch beibringen können.

Wie bist du eigentlich damals zu deinem aktuellen Job als Communications Manager bei Siemens Schweiz gekommen?
2016 habe ich einen Master an der Universität in Fribourg begonnen und mir war es wichtig, dass ich nebenbei weiterhin in einer Kommunikationsabteilung arbeite, um so einen Ausgleich zum Studentenalltag zu haben. Ich habe dann eine Teilzeit-Stelle in der Kommunikationsabteilung am globalen Hauptsitz von Siemens Smart Infrastructure in Zug bekommen. Nach dem Studium konnte ich im gleichen Team als Communications Manager bleiben und habe im Sommer 2019 in die Regionalgesellschaft von Siemens Schweiz in Zürich gewechselt.

Welche Kompetenzen aus dem Bachelorstudium am IAM haben dir im Beruf bisher am meisten geholfen? Wieso diese?
Die Praxisorientierung hat mich sehr gut auf meinen Beruf vorbereitet. Weil wir so viel schreiben, recherchieren, präsentieren etc. mussten, war der Berufsalltag nicht ganz neu im Vergleich zum Studentenalltag. Ich finde die Kombination von Theorie und Praxis super, denn wir mussten das Gelernte immer gleich anwenden. Das hilft sehr.

Welche Fächer waren rückblickend ein Highlight? Wieso diese?
Ein Highlight war sicher das Praxismodul «Auftreten und Präsentieren». Wir wurden da oft einfach ins kalte Wasser geworfen. Aber so habe ich gelernt, dass man flexibel sein muss. Auch fand ich die anderen Praxismodule immer super, da diese mir sehr viel für meinen Job gebracht haben. Einmal konnten wir sogar ein Konzept für einen realen Kunden entwickeln und mussten das Konzept nachher auch präsentieren. Solche Module haben mich sehr gut auf den Beruf vorbereitet.


Infobanner als Hinweis für den Studiengang Bachelor Kommunikation am Institut für Angewandte Medienwissenschaft IAM der ZHAW

Unsere Studierenden und die AbsolventInnen des Bachelorstudiengang Kommunikation erzählen:

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