Zum Inhalt springen

Der Social-Media-Manager und die Liebe zu den Bergen

Er hat das geschafft, wovon viele träumen: Fabian Reichle hat seinen Beruf mit seinem Lieblingshobby kombiniert. Der begeisterte Alpinist und Absolvent des Bachelorstudiengangs Kommunikation arbeitet heute als Social-Media-Manager bei Bächli Bergsport. Wie ihm das gelungen ist, verrät er im Interview.

Ein Interview mit Fabian Reichle, Social Media Manager, Bächli Bergsport AG, Bachelor in Kommunikation, Vertiefungsrichtung Organisationskommunikation, Abschluss 2014.
Von Susanna Spörri, Kommunikationsverantwortliche IAM Institut für Angewandte Medienwissenschaft der ZHAW.

Susanna Spörri: Fabian, warum hast du dich damals für den Bachelorstudiengang Kommunikation entschieden?

Fabian Reichle: Da musste mich zuerst ein Laufbahnberater drauf bringen. Damals schrieb ich einen Blog, arbeitete aber als Webdesigner in einer Agentur. „Wäre Journalist nicht etwas für Sie?“, diese Frage meines Laufbahnberaters setzte sich in meinem Kopf fest und so führte das eine zum anderen.

Wie bist du zu deinem aktuellen Job als Social-Media-Manager der Bächli Bergsport AG gekommen?

Das war ein Glücksgriff. Ich hatte mich auf eine offene Stellenausschreibung beworben und es hat funktioniert. Allerdings wollte ich unbedingt für ein Unternehmen arbeiten, mit dem ich mich persönlich stark identifizieren kann. Das ist bei Bächli Bergsport der Fall, da ich meine Freizeit sehr gerne mit Bergsteigen, Klettern, Bouldern und mit Snowboarden verbringe. Es war also schon ein Rosinenpicken und kein blindes Bewerben.

Welche Kompetenzen aus dem Studium an der ZHAW haben dir in deinem Beruf als Social-Media-Manager bisher am meisten geholfen und warum diese?

Das Schreiben. Das Studium hat meinen Schreibstil enorm geschärft und mich gelehrt, Geschichten zu erkennen und diese spannend multimedial zu erzählen.

Am liebsten in den Bergen: Fabian beim Schreiben eines Eintrags in ein Gipfelbuch.

Inwiefern hat dich der Bachelor Kommunikation der ZHAW auf deine Karriere als Social-Media-Manager vorbereitet?

Entscheidend war die Praktikumserfahrung. Dort konnte ich ein solides Portfolio an Textarbeiten aufbauen. Dann ganz allgemein: Das strukturierte, kritische Denken und Handeln. Ich rutschte schnell in die Social-Media-Welt hinein, obwohl das Thema Social Media damals im Studium noch nicht eine so grosse Rolle gespielt hat wie es heute der Fall ist. Dennoch glaube ich, dass der Bachelorstudiengang Kommunikation viel dazu beigetragen hat, dass ich mich in eben dieser Social-Media-Welt schnell zurechtfand.

Welche Fächer waren rückblickend ein Highlight?

Einerseits Deutsch. Während dem Studium mochte ich es zwar gar nicht, denn das penible Grammatikverständnis war fordernd. Doch im Nachhinein hat es mir unglaublich viel gebracht. Andererseits das Praxisfach „Auftrittskompetenz“. Dessen Inhalte wie das Moderieren von Diskussionen und Präsentieren vor Publikum haben noch heute einen Nachhall und ich kann viel davon immer wieder bei Auftritten im Geschäftsumfeld anwenden.

Die Freude am Auftritt: Fabian Reichle während einer Präsentation an einer Hotel-Fachtagung.

Auf welche Fächer hättest du während dem Studium hingegen lieber verzichtet?

Auf Französisch. Nicht wegen der Sprache, aber wegen des Aufbaus – es war dann letztendlich viel Grammatik- und Vokabellernen. Die ganzen flankierenden Fächer wie Politik und Wirtschaft waren zwar spannend, aber standen vom Aufwand her nicht im Verhältnis zum Nutzen, denn in meinem Beruf als Social-Media-Manager brauche ich diese Inhalte weniger.

Wie hast du die Stimmung unter den Studierenden während des Studiums erlebt?

Der Studiengang war mit über hundert Studierenden gross, es bildeten sich jedoch schnell kleine Gruppen. Ich habe eigentlich nur positive Erinnerungen. Einzig die Studentenkultur an und für sich – besonders neben dem offiziellen Hochschulalltag – kam etwas zu kurz. Das behaupte ich, weil ich den direkten Vergleich aus einem Austauschsemester in den Niederlanden habe. Dort war das Studentenleben mit all seinen unbeschwerten Freiheiten integraler Bestandteil des täglichen Lebens. Utrecht ist eine echte Studentenstadt mit Studentenverbindungen, Partys und Uni-Traditionen. Das gibt es in Winterthur nicht in diesem Ausmass.

Wie müssen wir uns deinen Berufsalltag als Social-Media-Manager vorstellen?

Grundsätzlich dreht sich bei mir beruflich alles um Inhalte und Geschichten. Meine Gefässe dafür sind die Social-Media-Kanäle, Newsletter, der Blog und ein Markenbotschafter-Netzwerk. Ich suche nach Geschichten, Texten, Fotos und Videos rund um den Bergsport und versuche den Link zu den Produkten herzustellen, die Bächli Bergsport verkauft. Wenn wir also rund um das Thema Wandern kommunizieren, ist es mir ein Anliegen, in Tourenberichten von Bloggern nebst dem Erlebnis auch beispielsweise die neue Schuhkollektion oder einen besonderen Rucksack zu beleuchten. Letztendlich schreibe ich viel. Dazwischen gibt es aber auch immer wieder strategische Projekte wie zum Beispiel ein Online-Kommunikations-Konzept, für dessen Erstellung und Integration ich verantwortlich war.

Was gefällt dir besonders an deinem Job und den dazugehörigen Tätigkeiten?

Das konkrete Umsetzen von Geschichten. Ich mag das Resultatorientierte, am Schluss etwas „in den Händen zu haben“. Bei jedem Social-Media-Beitrag kann ich anschliessend bei der Analyse und im Reporting schauen, wie die Community darauf reagiert hat. Jeden Newsletter kann ich auf Klickzahlen prüfen, und sämtliche Blogbeiträge lassen sich nach effektiv lesenden Menschen beurteilen. Wenn alles richtig gemacht wurde, wirkt sich das positiv auf die Umsatzzahlen aus. Das ist schön.

Welche Aufgaben stellen für dich jeweils eine Herausforderung dar und wie meisterst du diese?

Bevor ich zur Bächli Bergsport AG kam, arbeitete ich etwas mehr als vier Jahre als Social-Media-Manager bei Schweiz Tourismus. Die Arbeit war ähnlich, sogar inhaltlich – das Setting jedoch ein komplett anderes: Mehr Budget, mehr Reichweite, andere Ziele, ein staatlich unterstütztes Unternehmen. Meine persönliche Herausforderung ist es, nun bei Bächli Bergsport mit weniger Budget kleinere Brötchen zu backen und gleichzeitig trotzdem Umsatz zu generieren.

Kannst du uns eine Geschichte aus deinem Berufsleben erzählen, die dir besonders in Erinnerung geblieben ist?

Ein prägendes Erlebnis war mein Start damals als Social-Media-Manager im April 2015 bei Schweiz Tourismus. In der Schweiz war professionelles Social Media Marketing gerade erst salonfähig geworden, und ich kam mit sehr wenig Erfahrung in ein Unternehmen, das im Gegensatz zu vielen anderen bereits Millionen von Fans und Follower auf Social Media um sich scharte und mit ihnen im Dialog stand. Das war enorm eindrücklich und mein Start einer spannenden Reise als Social-Media-Manager und die Welt des Online Contents.

Würdest du etwas anders machen, wenn du nochmals zurück könntest?

Für eine Zeit lang hatte ich bei Schweiz Tourismus eine Abteilungsleitung inne. Obschon ich ein geniales Team führte, war ich in der Position nicht glücklich. Mir fehlte der Bezug zur täglichen Arbeit „an der Front“. Könnte ich das Rad der Zeit zurückdrehen, wäre ich die neue Aufgabe anders angegangen oder hätte mir vorher überlegt, dass ich die Karriereleiter nicht nur nach oben klettern kann, sondern dass sich vielleicht auch hinter einer Abzweigung nach links oder rechts das grosse Glück verbirgt.

Schwindelfrei: Fabian Reichle bei einem seiner Berg-Hobbies, im Klettersteig der Daubenwand bei Leukerbad.

Hast du einen Rat für Berufseinsteiger zur Karriereplanung nach dem Kommunikationsstudium an der ZHAW?

Ja: Ich empfehle ihnen, sich ein Unternehmen zu suchen– und indirekt natürlich eine Stelle – wofür sie wirklich arbeiten wollen. So abgedroschen es auch klingen mag, ich bin felsenfest davon überzeugt, dass gute, glaubwürdige Kommunikation nur gemacht werden kann, wenn man zu hundert Prozent hinter dem Produkt oder der Dienstleistung stehen kann, die man gegen aussen vertritt.

Wo siehst du dich selbst in 10 Jahren?

Das lasse ich offen. Mich wird es dorthin ziehen, wo ich glücklich bin. Vielleicht bin ich noch bei Bächli Bergsport, vielleicht bin ich dann aber auch selbständig, vielleicht bin ich dann Lastwagenchauffeur in Südamerika. Wo genau mich mein Weg hinführt, das weiss ich nicht.



Unsere Studierenden und die AbsolventInnen des Bachelorstudiengang Kommunikation erzählen:

Der Beitrag hat dir gefallen? Dann kannst du ihn:

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.