Mirjam Dieterle auf dem Weg zum IUED Institut für Übersetzen und Dolmetschen der ZHAW

Sprache, Kultur und Technik im Bachelor Angewandte Sprachen – zukunftsorientiert und praxisnah

Mirjam Dieterle wollte unbedingt studieren. Ihren Beruf aufgeben wollte sie jedoch nicht. Auf der Suche nach einem praxisnahen Teilzeitstudium im Bereich der Sprachwissenschaft fand sie den Bachelor Angewandte Sprachen an der ZHAW. Hier kann sie Arbeit und Studium gewinnbringend miteinander verbinden. Mit seiner Bandbreite an Modulen erhält sie vertiefte Kenntnisse in den Bereichen Sprache, Kultur und Technik – und lernt, wie man in einer zunehmend digitalisierten Welt, erfolgreich zwischen Kulturen kommuniziert.

Studi-Redaktion*: Mirjam Dieterle, Studentin Bachelor Angewandte Sprachen

Ein Standbein in der Arbeitswelt war für mich schon immer wichtig und ist es heute noch. Berufserfahrung sammeln, selbstständig sein, das eigene Geld verdienen. Nach meiner KV-Lehre war ich mehrere Jahre in Vollzeit als Anwaltssekretärin tätig. Direktionsassistentin ist ein weiterer spannender Posten in meinem Lebenslauf, doch dann ist schon bald mal Schluss mit den Aufstiegsmöglichkeiten im kaufmännischen Bereich. Es folgte die Berufsmatura. Ich will etwas Neues. Etwas, das mich packt und begeistert. Etwas, wo ich eintauchen und mich vertiefen kann. Irgendetwas mit Sprachen, das ist klar. Praxisnah und zukunftsorientiert soll es auch sein. Aber, wo finde ich das? Ich weiss, ich will weiterkommen, ich will studieren. Wer bietet mir die passende Kombi? Einige Infoanlässe und dann ist klar: Die ZHAW! Besonders freut mich: Der Bachelor Angewandte Sprachen ist in Teilzeit möglich. Nach einem erfüllenden Assessmentjahr entschied ich mich für die Vertiefung Fachkommunikation und Informationsdesign (früher hiess sie Technikkommunikation).

Weshalb um alles in der Welt ein Sprachstudium mit technischer Vertiefung?

Mich fasziniert die Kombination. Synergien zwischen Sprache, Kultur und Technik finde ich äusserst spannend. Im Kernstudium steht der Aufbau von sprachlichem und linguistischem Wissen im Vordergrund. Hier kommen meine Liebe zu den Sprachen und meine Liebe zum Detail auf ihre Kosten. Zugleich bietet mir der Bachelor Angewandte Sprachen der ZHAW mit seinem breiten Spektrum an Modulen einen zukunftsorientierten Studiengang.

Studentin Bachelor Angewandte Sprachen

In der Vertiefung Fachkommunikation und Informationsdesign eigne ich mir neues, spannendes Wissen von der technischen Dokumentation, über das Produkthaftpflichtgesetz bis hin zur Visualisierung an. Durch die Digitalisierung nimmt die technische Komplexität von Produkten und Maschinen immer mehr zu und die Globalisierung treibt die gesetzlichen Anforderungen an die technische Dokumentation in die Höhe. Lokalisieren und Zielgruppen korrekt adressieren ist gefragt. Kulturelle Aspekte zu berücksichtigen, ist dabei enorm wichtig. Funktioniert meine Bedienungsanleitung und deren Bebilderung auch für den asiatischen Markt? Das sollte doch ganz leicht sein, oder etwa nicht?

Es geht um mehr als das auf den ersten Blick Sichtbare. Ein Architekt kann stolz sein Gebäude der ganzen Welt präsentieren. Es fällt auf. Es ist beständig. Aber die Arbeit an und mit Sprache? Kulturübergreifend zu vermitteln, ist gar nicht so einfach. Nicht einmal in der Technik, wo doch alles mathematisch belegbar ist. Wenn man kulturelle Unterschiede nicht berücksichtigt, kann das hohe Kosten, Reputationsverluste oder sogar rechtliche Folgen nach sich ziehen.

Sprachexpert:innen leisten einen entscheidenden Beitrag an die Gesellschaft und Wissenschaft, wenn auch nicht immer für alle gleich sichtbar, aber dennoch oft Match entscheidend.

Was bedeutet es, in der digitalisierten Welt Angewandte Sprachen zu studieren?

Sehr viel! Sprache geht mit Kultur und Geschichte einher. Oft wird mir die Frage gestellt: Braucht es euch Sprachprofis überhaupt noch? Verliert ihr den Wettbewerb Mensch gegen Maschine nicht sowieso?

Zugegeben, selbst die kleinen Sprachcomputer können immer mehr. Ich staune manchmal, wie einfach Maschinen Texte schreiben, übersetzen oder sogar Gespräche dolmetschen und dabei immer besser werden. Doch ersetzen können sie uns nicht, denn wenn es um mehr als den privaten Einsatz auf der Ferienreise geht, können Maschinen uns Menschen nicht das Wasser reichen. Auch wenn sie sprachlich schon sehr gut sind, können sie Emotionen und Situationen nicht erkennen, Fehlerquellen nicht vorhersehen oder eben kulturelle Unterschiede nicht berücksichtigen. Deshalb lernen wir im Studium, wie wir uns diese Programme zunutze machen und damit als Menschen dann noch besser kommunizieren.

Technik funktioniert doch überall gleich, und Bilder sind auch ohne Sprache verständlich.

Lokalisierung, d.h. die Anpassung von Texten und Bildern an die kulturellen Gegebenheiten der Zielkultur, ist in «meiner» Vertiefung ein zentraler Gesichtspunkt. Ich erinnere mich immer wieder gern an die Vorlesung «Visualisierung in der Technischen Kommunikation» bei Steffen-Peter Ballstaedt. In einer seiner Vorlesungen zeigte er uns ein Bild aus einer Bedienungsanleitung für Staubsauger: Ein Bild mit einem Schuh, der auf einen Schalter am Staubsauger tritt. Uns fiel nichts Merkwürdiges auf. Doch dann lernten wir, dass ein Strassenschuh für die japanische Zielkultur höchst unpassend ist. Für diesen Kulturraum musste das Bild und somit die gesamte Anleitung angepasst werden, da keine Strassenschuhe in der Wohnung geduldet werden.

Mirjam in der Aula des Departements Angewandte Linguistik, wo sie die Vorlesung besucht hat.

Ein weiteres Beispiel aus dem Unterricht: Wir lernen, wie wichtig Verpackungen sind. Ein Hersteller fiel bei seinen arabischen Kunden in Ungnade, weil er Probemuster in einer Schachtel versandte, auf der ein alkoholisches Getränk abgebildet war. Für die streng gläubigen muslimischen Kunden war das nicht akzeptabel und das Geschäft ging bachab.

Und dann die Emojis. Alle kennen sie. Alle setzen sie ein. Doch bedeutet ein Daumen hoch wirklich überall auf der Welt dasselbe? Was würde wohl ein Grieche zu dieser Geste sagen? Mehrdeutig ist auch das Emoji mit schnaubender Nase. Ursprünglich stand es für Triumph. Bei uns wird es hingegen als Zeichen für Wut benutzt. Ganz zu schweigen von der Farbsymbolik. Rot fassen wir für Gefahren auf, schwarz tragen wir zur Beerdigung, weiss ist selbstverständlich die passende Kleidung für die Braut. Doch das gilt nicht überall. Die Farbe Weiss ist in Asien und in buddhistisch geprägten Ländern die Farbe der Trauer. Hier ist Vorsicht geboten!

Gute Beispiele dafür, weshalb in der Vertiefung Fachkommunikation und Informationsdesign Visualisierung und Lokalisierung im Zusammenspiel und in der Praxis so wichtig sind. Interkulturelles Wissen und Verständnis brauchen wir aber nicht nur dort. Wie ging das nochmal mit den Abstandsregeln während der Corona-Pandemie? Messen wir wirklich alle mit gleicher Elle?

Andere Länder, andere Sitten: Wie war das nochmal mit der Distanz?

Als meine Eltern von einer Amerikareise zurückkamen, trug mein Vater einen «Tschäpper» mit der Aufschrift «I need my space» vom Kennedy Space Center der NASA. Ein witziges Sprachspiel aus dem Land der unbegrenzten Möglichkeiten, in dem die Strassen grundsätzlich breiter, die Autos protziger und – «the bigger the better» – die Burger einfach grösser sind. «I need my space» bekam für mich eine ganz neue Bedeutung, als ich mich in der Landeskunde mit den low and high context cultures USA und Japan oder den arabischen Staaten im Studium auseinandersetzen durfte. Dabei geht es vereinfacht gesagt darum, dass high context cultures eher indirekt oder nonverbal kommunizieren, während low context cultures wie die USA expliziter und direkter kommunizieren. Solche Zusammenhänge haben mich von Beginn weg in ihren Bann gezogen, denn sie helfen mir, die Welt mit ihren verschiedenen Kulturen – oder auch das nächste Beispiel – noch besser zu verstehen.

2005 ging ein Bild um die Welt, auf dem George W. Bush, der damalige US-amerikanische Präsident, Hand in Hand mit Abdullah von Saudi-Arabien durch einen Garten in Texas ging. Männer, die Händchen halten: Für die Texaner und uns Europäerinnen höchst irritierend! In Arabien hingegen ein Zeichen des Respekts und gelungener Geschäftsbeziehungen. Nicht nur bei internationalen Geschäftsbeziehungen prägt Kultur stark. Auch im Alltag ist unsere «personal bubble» entscheidend. Was für manche bereits als intime Zone gilt, ist für andere unanständig weit entfernt. Wie geht es euch beim Einkaufen jetzt am (vorläufigen) Ende der Corona-Pandemie? Trotz der Markierungen am Boden und den Symbolen auf den Plakaten: 1.5 Meter Abstand birgt Konfliktpotential.

Praxisnah und zukunftsorientiert: Was mir der Bachelor Angewandte Sprachen bringt

Durch Vereinheitlichungen von Markierungen oder durch die Vereinheitlichung von Sprachen, «English as a global language», werden interkulturelle Unterschiede nicht weichen. Die entscheidenden Fragen sind: Erkennen wir diese und wie gehen wir damit um? Was tun wir konkret, um verständlich zu sein und einander besser zu verstehen? Im Bachelor Angewandte Sprachen lernen wir, die heiklen Punkte zu erkennen, und bekommen Lösungsstrategien an die Hand, um erfolgreich zwischen Kulturen mündlich und schriftlich zu kommunizieren – mit unmittelbarem Bezug zur Praxis.

Sprache, Kultur und Technik: Die Vertiefung Fachkommunikation und Informationsdesign verbindet diese drei Bereiche miteinander – für mich optimal. Die unglaubliche Bandbreite an Modulen bereitet mir grosse Freude. Die vertiefte Auseinandersetzung mit interkulturellen Aspekten wie auch das prozess- und lösungsorientierte Denken sind im Berufsalltag gefragt und für gute internationale Geschäftsbeziehungen ausschlaggebend. Ich bin für das neu erworbene Wissen, welches ich weltweit beruflich, wie auch privat einsetzen kann, sehr dankbar. Und für mich ganz wichtig: Die Möglichkeit den Bachelor Angewandte Sprachen in Teilzeit zu studieren erlaubt mir, Studium und Beruf gut miteinander zu verbinden.


*Die Studi-Redaktion
In der Studi-Redaktion produzieren unsere Bachelorstudierende multimediale Beiträge für die Kommunikationskanäle des Departements Angewandte Linguistik der ZHAW. Sie sind in dieser Rolle Teil des departementalen Kommunikationsteams, bringen erworbene Kompetenzen aus dem Studium ein und lernen dabei die Redaktionsabläufe in einem Corporate Newsroom kennen.


Informationshinweis zur Ausbildung Fachkommunikation und Informationsdesign

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Im Bachelor Angewandte Sprachen bildet das IUED Institut für Übersetzen und Dolmetschen Sprachinteressierte zu Sprach- und Kommunikationsprofis aus, die sich souverän zwischen Sprachen, Kulturen und Domänen bewegen. Das Studium mit den Vertiefungen Mehrsprachige Kommunikation, Multimodale Kommunikation sowie Fachkommunikation und Informationsdesign (bisher: Technikkommunikation) qualifiziert für eine Tätigkeit im mehrsprachigen Projekt- oder Eventmanagement, in verschiedenartigen Übersetzungskontexten, im Informationsdesign oder in der Technischen Dokumentation.


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