Mirjam Dieterle im Interview mit zwei Teilzeitstudentinnen aus dem Bachelor Angewandte Sprachen.

Studieren in Teilzeit – so gelingt es im Bachelor Angewandte Sprachen!

Den Alltag zwischen Beruf und Campus zu meistern erfordert organisatorisches Geschick, denn Arbeits- und Lerntage müssen präzise aufeinander abgestimmt werden. Kim Sager und Fabienne Bonetti studieren den Bachelor Angewandte Sprachen in Teilzeit. Für sie die richtige Entscheidung. Denn, so behalten sie einen Fuss im Berufsleben und zugleich können sie sich zu mehrsprachigen Kommunikationsprofis weiterentwickeln. Das schöne dabei: Beruf und Studium bereichern sich gegenseitig.

Studi-Redaktion*: Mirjam Dieterle, Studentin Bachelor Angewandte Sprachen

Kim Sager und Fabienne Bonetti sind berufstätige, junge Powerfrauen und studieren bewusst in Teilzeit. Ich durfte Kim und Fabienne befragen. In diesem Beitrag erfahrt ihr mehr über das Leben der beiden Studentinnen und weshalb sie sich für den Bachelor Angewandte Sprachen entschieden haben. Was fasziniert die beiden am Teilzeitstudium an der ZHAW? Was bewegt sie? Was arbeiten Kim und Fabienne neben dem Studium? Und vor allem: Wie halten sie die Balance zwischen Arbeit und Studium? Ich wünsche viel Spass beim Lesen!

Bachelorstudiengang Angewandte Sprachen Teilzeitstudentin Kim Sager
Teilzeitstudentin Kim Sager kann ihr Wissen aus dem Bachelor Angewandte Sprachen bei der Arbeit einbringen und erweitern.

Fröhlich, offen, mehrsprachig wortgewandt und pragmatisch – Kim Sager

Mit 16 Jahren zog sie zu Hause aus. 2015 schloss sie ihre KV-Lehre im Spital Frutigen ab. Mit 21 Jahren entschied sie sich, Polizistin zu werden. Aufnahmeprüfung. Gute Sprachkenntnisse ein Muss. Trotz guter Resultate eine Absage: „Leider sind Sie zu jung“. Aus der Traum. Was nun?
Kim begab sich auf eine Reise. Die Côte d’Azur versprach Abwechslung, der Strand von Antibes eine frische Meeresbrise. Der Sprachaufenthalt tat ihr gut und weckte ihre Leidenschaft für Sprachen immer mehr. So sehr, dass sie sich dazu entschied, in Saas-Fee im gleichen 5-Sterne-Hotel zu arbeiten wie ihre Kollegin, die sie auf der Busfahrt in Antibes kennengelernt hatte. Kim bewarb sich für die Sommersaison im herrlichen Bergpanorama.

Interkulturelle Beobachtungen am Arbeitsplatz

Studentin Bachelor Angewandte Sprachen

Saas-Fee beherbergt Tourist:innen aus aller Welt. Mehrsprachigkeit ist gefragt. Das Französisch kam ihr zugute. Sie konnte sich mit den Gästen besser und stilsicherer unterhalten als die meisten und versuchte sich mit den Kolleg:innen in deren Muttersprache, Portugiesisch, zu verständigen. Diese halfen ihr, unterstützten mit Gestik und Mimik. Und plötzlich verstand sie „vorzu“ immer mehr. Die Witze des Küchenteams, den Portier, die Hauswirtschaftsmitarbeitenden; es gelang besser und begann Spass zu machen. Die Freude an Sprachen verband. Vorurteile wurden durchbrochen. Freundschaften entstanden. Wehmütig schaute Kim dem Saisonende entgegen. Wie weiter?

Danach arbeitete Kim in der Hirslanden Klinik Bern als Rezeptionistin. Dort konnte sie von ihren Erfahrungen und Sprachkenntnissen ebenfalls Gebrauch machen. Ohne gute Fremdsprachenkenntnisse an der Rezeption, ohne Empathie und Feingefühl läuft nichts. Gute Sprachkenntnisse – das ausschlaggebende Plus auch für diesen Job!
Doch für Kim darf es nicht langweilig werden. Sie ist immer unterwegs und lässt niemanden im Stich. Es folgten mehrere Monate auf der Baustelle, Mithelfen beim Bau des Eigenheims ihres Bruders und bei einem Freund im Wallis. Mitanpacken für die Familie, selbstverständlich.

Der Weg ins Teilzeitstudium

Doch mit Sprachen arbeiten ist doch eigentlich das, was sie möchte. Ab an die Fachhochschule. Ohne Matura – no chance. Deshalb der Entscheid, die Berufsmatura in Vollzeit zu absolvieren. Aber was werden? Wohin sollte die Reise gehen?
Im zweiten Semester an der BMS (Berufsmaturitätsschule) war Kim am Rande der Verzweiflung. Was will ich nun? Sie war mit ihren Gedanken und Sorgen nicht allein. Eine Gruppe Mädels schloss sich zusammen. Sie erstellten Pro- und Kontralisten, diskutierten, debattierten und tauschten sich aus.
Sprachen. Immer wieder drang durch: Sprachen. Sprachen lernen. Sprachen können. Sprachen beherrschen. Doch wer bietet das an? Mal Googlen. Ja, da gibt es so einige Anbieter. Kim stiess auf die ZHAW. Ein breites Profil. Nicht nur Wörter und Grammatik. Wow – da lernt man ja so einiges. Das interessiert mich! Und in Teilzeit studieren ist sogar möglich!

Heute ist Kim 26 Jahre jung, studiert in Winterthur, wohnt und arbeitet in der Stadt Bern. Sie bereut ihren Entscheid bis heute nicht. Angewandte Sprachen an der ZHAW zu studieren, das Richtige für sie. Als Betriebsassistentin Administration ist Kim für das Schwellenmätteli, Restaurant & Eventfirma, tätig und hilft sonntags jeweils im Spital Interlaken bei der Patientenaufnahme für PCR-Tests aus.
Zeitlich ist sie bei der Arbeit sehr flexibel. So kann sie sich gut aufs Studium konzentrieren und zugleich findet das erworbene Wissen in der Praxis Anwendung. Kim kann ihre Mehrsprachigkeit täglich einbringen und erweitern. In der Corona-Pandemie wird so ziemlich jedes Wort auf die Goldwaage gelegt. Kim tauscht sich gerne mit Menschen aus aller Welt aus. Deshalb interessiert sie sich fürs Hauptstudium besonders für die Vertiefung Mehrsprachige Kommunikation. Diese legt den Fokus auf die mündliche Kommunikation, obwohl Kim die schriftliche Kommunikation ebenso für wichtig erachtet.
Und nein, Kim googelt nicht mehr. Kim recherchiert fürs Studium. Die ZHAW bietet als Fachhochschule nicht nur Wörtchen lernen und Grammatiken büffeln an. Textproduktion, Sprachkompetenzen, Landeskunde, Angewandte Linguistik in Sprachberufen, Lernbereiche in der Modulgruppe Kontextwissen u.v.m. Das Gesamtbild hat Kim bei der Entscheidung überzeugt und überzeugt sie jetzt auch in der Praxis.

Bachelorstudiengang Angewandte Sprachen Teilzeitstudentin Fabienne Bonetti
Fabienne Bonetti will professionell mehrsprachig kommunizieren.

Strukturiert, fokussiert und mit Leidenschaft fürs Fliegen – Fabienne Bonetti

Montagvormittag, Bahnhof Winterthur, Starbucks. Hier treffe ich Fabienne Bonetti, eine Frühaufsteherin. Sie beginnt ihre Lerntage jeweils bereits um halb 8 Uhr, manchmal auch schon früher. Als Teilzeitstudentin muss sie Arbeits- und Lerntage präzis aufeinander abstimmen. Sie koordiniert, was wann zu erledigen ist, plant genau, ob bei diesem oder jenem noch eine andere Person involviert, eine gewisse Vorbereitung nötig oder eine Recherche erforderlich ist. Deshalb will ich sie nicht warten lassen. Also aus dem Zug raus und direkt ins Starbucks: Hat WLan, ist nahe zur ZHAW und immer was los. Betrieb ist sich Fabienne als Flugbegleiterin gewohnt.

Nanu, aber wo ist nun die adrett gekleidete Frau mit den rot geschminkten Lippen und dem klassischen Flugbegleiterinnen-Foulard der Swiss? Ich kucke nochmal auf das Profilbild in WhatsApp, lasse meinen Blick erneut durchs Starbucks schweifen. Nun entdecke ich sie, absolut in casual! Fabienne trägt eine lässige Boyfriend-Jeans, den Laptop bereits auf ihrem Schoss. Sie wirkt sehr konzentriert. Vornübergebeugt und fleissig am Tippen. Kurz blickt sie von ihrem PC auf und begrüsst mich mit einem freundlichen „Hallo“. „Ich muss nur noch rasch was fertig machen.“. Ich durfte schmunzeln, schnappte mir einen Caramel Macchiato und setzte mich zu ihr.

Sprachaufenthalte weltweit: Reisefieber und die Faszination für Sprachen

Fabienne Bonetti studiert im Bachelor Angewandte Sprachen. Sie ist derzeit im Assessmentjahr, deshalb heisst es für sie: Vollgas geben. Doch wie fing alles an? Und weshalb Angewandte Sprachen in Teilzeit studieren?
Mit 14 Jahren reiste Fabienne alleine nach Amerika und verbrachte dort bei Freunden der Familie in Mission Viejo, im US-Bundestaat Kalifornien, einen einmonatigen Sprachaufenthalt. Zuhause sprach man entweder Englisch oder Spanisch. Fabienne lernte schnell, sich zu verständigen. Den zweiten Sprachaufenthalt während der Oberstufenschulzeit verbrachte sie in England. Sprachen faszinierten sie so sehr, dass sie sich dazu entschied, die KV-Lehre mit BMS I direkt bilingual in einer Immersionsklasse zu starten. Das KV Baden bot dies an: Wirtschaft und Mathematik beispielsweise wurden auf Englisch unterrichtet. Somit konnte sich Fabienne sehr viel neues Vokabular aneignen. Das FCE-Diplom gelang auf Anhieb. Später, nach einem weiteren Sprachaufenthalt in Montpellier, absolvierte Fabienne dann auch das DELF B1 und für die Abschlussprüfung dann das DELF B2. So hatte sie ihre Englisch- und Französisch-Kenntnisse auch mit Diplomen belegt.

Nach der KV-Lehre bewarb sich Fabienne als Flugbegleiterin, denn sie wollte ihre Sprachkenntnisse einsetzen, und wurde angenommen. Der Job als Flugbegleiterin hat es in sich. Eine Flugbegleiterin hat nicht nur gut auszusehen, sondern muss im Ernstfall rasch und wortgewandt handeln können. Für die sogenannten „Emergency Exit Briefings“, die Notfall-Briefings, ist nicht nur die Körpersprache entscheidend. Das heisst, sie muss die Fluggäste zugleich beruhigen und korrekt anleiten. Die Fluggäste selbst sollen dabei ohne Anstrengung, die Anweisungen verstehen und ihnen Folge leisten. Hierzu sind gute Sprachkenntnisse unabdingbar.

Von der Pandemie ins Teilzeitstudium

Doch ihr Glück währte nicht lange. Corona machte ihr einen Strich durch die Rechnung. Erst wurden Flüge gestrichen, dann Arbeitsstellen. Wo konnte sie nun Arbeit finden?
Fabienne nahm Kontakt zu ihrer früheren Lehrfirma in Würenlos auf, hatte Glück und konnte zurückkehren. Auch hier braucht sie ihre Sprachen. Doch ist das in einem kleineren Industriebetrieb und im kaufmännischen Bereich nicht ganz das Gleiche wie im Job als Flugbegleiterin. Also suchte Fabienne einen Ausgleich und fand ihn im Bachelor Angewandte Sprachen.
Mitte 2021 kam endlich der langersehnte, positive Bescheid der ZHAW. Fabienne durfte den Bachelorstudiengang Angewandte Sprachen an der ZHAW beginnen. Sie freute sich riesig! Ihr Ziel: Zur Sprachexpertin werden und professionell mehrsprachig kommunizieren. Denn, Sprachen haben ihr immer geholfen. Und alles, was mit Sprache zu tun hat, fasziniert sie. Fehler, die sich zwischenzeitlich eingeschlichen haben, kann Fabienne besser erkennen und ausmerzen, denn jetzt hat sie die Sprachen wieder täglich im Gebrauch, dank Studium.
Montag und Dienstag sind Fabiennes „Studientage“. Am Donnerstag ist Zeit fürs Selbststudium. Sie arbeitet zurzeit in einem 40-50%-Pensum, jeweils mittwochs und freitags, manchmal auch donnerstags. Als Teilzeitstudentin schätzt Fabienne an der ZHAW den guten Mix aus Präsenzveranstaltungen vor Ort im Plenum und Lernvideos, die sie zu Hause anschauen kann sehr. Diese Art von Lernen bereitet ihr Freude, erleichtert ihr jetzt in der Pandemie alles gut unter einen Hut zu bringen. Welche Vertiefung sie im Hauptstudium wählen soll, darüber ist sie sich noch nicht ganz schlüssig, aber das hat auch noch Zeit. Doch was Fabienne mit Bestimmtheit sagen kann: Die Anwendung der Sprachen ist entscheidend. Deshalb ist für sie eines klar: Der Bachelor Angewandte Sprachen in Teilzeit war, ist und bleibt für sie die richtige Entscheidung.


*Die Studi-Redaktion

In der Studi-Redaktion produzieren unsere Bachelorstudierenden multimediale Beiträge für die Kommunikationskanäle des Departements Angewandte Linguistik der ZHAW. Sie sind in dieser Rolle Teil des departementalen Kommunikationsteams, bringen erworbene Kompetenzen aus dem Studium ein und lernen dabei die Redaktionsabläufe in einem Corporate Newsroom kennen.


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Im Bachelor Angewandte Sprachen bildet das IUED Institut für Übersetzen und Dolmetschen Sprachinteressierte zu Sprach- und Kommunikationsprofis aus, die sich souverän zwischen Sprachen, Kulturen und Domänen bewegen. Das Studium mit den Vertiefungen Mehrsprachige Kommunikation, Multimodale Kommunikation sowie Fachkommunikation und Informationsdesign (bisher: Technikkommunikation) qualifiziert für eine Tätigkeit im mehrsprachigen Projekt- oder Eventmanagement, in verschiedenartigen Übersetzungskontexten, im Informationsdesign oder in der Technischen Dokumentation.


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