Von Fiona Fischer
Bei ChatGPT eine Frage eintippen, Sekunden später eine Antwort lesen: So sieht der Umgang mit Fachwissen heute meistens aus. Was dabei leicht untergeht, ist der Unterschied zwischen einer schnellen Auskunft und einem echten Verständnis, das ein Thema wirklich durchdringt. Und genau hier meldet sich ein Format zurück, das manche bereits abgeschrieben haben: das gedruckte Lehrbuch. Was ist das Geheimnis von Papier?

Mit der dritten, aktualisierten Auflage von «Management im Gesundheitswesen: Die Schweiz» legten Alfred Angerer und Florian Liberatore im Juli 2026 ein solches Lehrbuch vor. Ausgerechnet ein Werk aus Papier von den Autoren, die den Einsatz sinnvoller digitaler Technologien im Gesundheitswesen befürworten und erforschen! Das ist aber kein Widerspruch. Denn entscheidend ist nicht, möglichst digital zu sein, sondern für den jeweiligen Zweck das passende Format zu wählen.
Ein Lehrbuch, das die Schweizer Besonderheiten ernst nimmt
Der inhaltliche Kern ist in einem Satz gesagt: Managementmethoden lassen sich nicht ohne Weiteres von einem Gesundheitssystem auf ein anderes übertragen. Das Schweizer System unterscheidet sich in Struktur, Regulierung und im Zusammenspiel seiner Akteure deutlich von anderen. Das Buch bildet diese Besonderheiten konsequent ab, von den Spitälern über die Pharmabranche bis zu den Krankenversicherern. Statt den klassischen betriebswirtschaftlichen Funktionsbereichen zu folgen, ordnet es die Themen entlang des von den Autoren entwickelten ELS-Modells. ELS bezeichnet die Kernaufgaben eines Unternehmens: Entwickeln, Leisten und Steuern.
Die Neuauflage ist dabei mehr als eine Auffrischung. Neu hinzugekommen ist ein Gastkapitel von Synpulse zur Krankenversicherungsbranche. Die Rolle von Krankenversicherern hat sich vom reinen Kostenträger zunehmend zu jener eines Partners in neuen Versorgungsmodellen gewandelt.
Geschärft wurde zudem der Blick auf die Digitalisierung, verbunden mit einer klaren Einsicht: Digitalisierung macht gute Prozesse nicht überflüssig, sondern setzt sie voraus. Im Buch steht dafür die E.V.A.-Logik, wonach unnötige Prozesse zuerst eliminiert, die verbleibenden vereinfacht und erst danach automatisiert und digitalisiert werden. Ergänzt wird dies durch aktualisierte Kapitel zu Digital Health und zum Value-based-Healthcare-Management, das den Patientennutzen ins Zentrum der Steuerung rückt.
Warum das Papier den Unterschied macht
Bleibt die Frage nach dem Medium. Die Antwort auf das «Warum ein Buch» ist zunächst wenig wissenschaftlich: Wir mögen gedruckte Bücher, sie fühlen sich einfach gut an!
Wer eine rationalere Antwort erwartet, soll nicht enttäuscht werden: Es gibt auch gute Evidenz dafür, warum physische Bücher Sinn ergeben. Eine Metaanalyse, die Ergebnisse aus 54 Studien mit über 170’000 Teilnehmenden auswertet, kommt zu einem klaren Befund: Texte werden auf Papier im Durchschnitt etwas besser verstanden als am Bildschirm. Besonders deutlich zeigt sich dieser Effekt bei Sachtexten, also auch bei diesem Lehrbuch.
Eine mögliche Erklärung liegt in unserem Leseverhalten. Die Autoren diskutieren, dass Texte am Bildschirm häufiger eher oberflächlich gelesen werden, während die gedruckte Seite das ruhige, zusammenhängende Lesen begünstigen könnte. Für ein komplexes Fachthema, das nicht überflogen, sondern verstanden werden will, kann das einen Unterschied machen. Die gedruckte Ausgabe ist damit kein nostalgisches Zugeständnis, sondern eine bewusste Wahl.
Save the Date: Launch Event am 12. November
Möchtest du die Neuauflage und die Menschen dahinter kennenlernen? Dann hast du bald die Gelegenheit. Am 12. November 2026 um 17 Uhr feiern wir das Erscheinen der dritten Auflage mit einem Launch Event am DHC Bülach. Auf dem Programm stehen kurze Inputs der beiden Autoren und der Synpulse Gastautor:innen, eine offene Q&A-Session und im Anschluss ein Apéro, der Raum für Gespräche und Austausch lässt. Melde dich hier an. Wer nicht warten möchte, kann die dritte Auflage bereits jetzt hier bestellen.
Wir freuen uns, wenn du dabei bist!
Quelle: Delgado, P., Vargas, C., Ackerman, R. & Salmerón, L. (2018). Don’t throw away your printed books: A meta-analysis on the effects of reading media on reading comprehension. Educational Research Review, 25, S. 23-38.
Fiona Fischer ist wissenschaftliche Assistentin im Team Management im Gesundheitswesen am Winterthurer Institut für Gesundheitsökonomie an der ZHAW.