Gesundheitsökonomische Forschung

Reform des Risikoausgleichs – Steigen die Prämien der Jäger nach guten Risiken?

Von Michael Stucki

In der obligatorischen Krankenversicherung zahlt jeder Versicherte bei einer Krankenkasse in einer Prämienregion für ein bestimmtes Versicherungsmodell und eine Franchisestufe die gleiche (Kopf-)Prämie. Diese hängt also nicht vom Alter, dem Geschlecht, oder dem Krankheitsrisiko ab. Mittels Risikoausgleich zwischen den Krankenversicherern werden Kassen mit vielen schlechten Risiken in der Grundversicherung für ihre Zusatzaufwände entschädigt. Letztes Jahr wurde der Risikoausgleich verfeinert. Wie haben die Krankenkassen darauf reagiert? Haben Versicherer mit tendenziell guten Risiken die Prämien überdurchschnittlich erhöht? Continue Reading

Versorgungsforschung

Nationales Forschungsprogramm «Gesundheitsversorgung» – NFP74

Von Prof. Dr. Klaus Eichler

Der Schweizerische Nationalfonds führt seit 2015 das Nationale Forschungsprogramm «Gesundheitsversorgung» (NFP74) durch. In diesem Programm werden seit 2017 Forschungsvorhaben aus der Versorgungsforschung gefördert, die das Wissen um die Gesundheitsversorgung der Schweizer Bevölkerung erweitern werden und bestehende Forschungslücken füllen sollen. Continue Reading

Management im Gesundheitswesen

Design Thinking oder wie man mit einem Bierzelt Neubauprobleme löst

Von Prof. Dr. Alfred Angerer

Das Projekt am Landeskrankenhaus Graz war sehr ehrgeizig. Ein Neubau stand an, eine Notfallambulanz für Kinder sollte komplett neu geplant und errichtet werden. Wer sich jemals mit Bau im Spital beschäftigt hat weiss, wie unglaublich kompliziert das sein kann. In Graz wurde die Komplexität noch gesteigert, indem die neue Ambulanz gemeinsam von zwei bisher getrennten Abteilungen betrieben werden sollte. Zu den baulichen Herausforderungen kommen nun also auch eine Menge menschliche und die Organisationsstruktur betreffende Fragen hinzu. Eigentlich die idealen Zutaten für ein katastrophales Projekt. Doch das Projekt wurde ein grosser Erfolg, die Prozesse im Neubau sind nun effizienter, die Patientenwartezeit stark reduziert, die Mitarbeitenden glücklich. Das Geheimnis des Erfolgs? Ein Bierzelt! Continue Reading

Expertenmeinung

Sparpotenziale in der Psychiatrie

Von Cassandra Waech
Ein Interview mit Dr. med. Benjamin Dubno, Chefarzt / Stv. Ärztlicher Direktor, ipw und Dozent Integrationsmodul Medizin für Nichtmediziner

Immer mehr Menschen leiden im Verlauf ihres Lebens an einer psychischen Erkrankung. Eine kürzlich erschienene Studie des Winterthurer Instituts für Gesundheitsökonomie WIG, ZHAW zeigte, dass die Kosten für psychische Störungen mit 6.857  Mrd. CHF (entspricht 10.6 Prozent der gesamten Gesundheitskosten) aussergewöhnlich hoch sind. Die meisten Patienten werden ambulant oder tagesklinisch und damit kostengünstig betreut, weit weniger Patienten werden stationär therapiert. Dennoch fallen gemäss Sonntagszeitung 60 Prozent der Kosten in der Psychiatrie im stationären Bereich an. Gemäss Aussage von Prof. Dr. Simon Wieser, Institutsleiter am WIG, gäbe es grosses Sparpotenzial, wenn die Therapien in der Psychiatrie vermehrt ambulant erfolgen könnten. Eine Expertenmeinung aus der Praxis über mögliche Sparpotenziale in der Psychiatrie im nachfolgenden Interview mit Dr. med. Benjamin Dubno. Continue Reading

Gesundheitsökonomische Forschung

Wer finanziert welche Gesundheitsleistungen?

Von Michael Stucki und Maria-Eleni Syleouni

Wie hoch waren die gesamten Gesundheitsausgaben in der Schweiz im Jahr 2016 und wie werden sie finanziert? Das Bundesamt für Statistik hat im April provisorische Zahlen dazu veröffentlicht. Mit insgesamt 80.7 Mrd. Franken bzw. durchschnittlich 803 Franken pro Person und Monat sowie einem Anteil von 12.2% am Bruttoinlandprodukt erreichten die Ausgaben einen neuen Höchstwert. Continue Reading

Versorgungsforschung

Switzerland «Zero Points»? Choosing Wisely (Kanada und USA) versus Smarter Medicine (Schweiz)

Von Flurina Meier

Ein Highlight des diesjährigen «International Forum for Quality and Safety in Healthcare» war die Präsentation von Dr. med. Wendy Levinson, Chair von Choosing Wisely Kanada. Choosing Wisely ist eine Initiative aus den USA, welche versucht, überflüssige und möglicherweise sogar schädliche Behandlungen im Gesundheitswesen zu vermeiden oder zumindest zu verringern. Erreicht wird dieses Ziel mit bottom-up erstellten Listen von unnötigen oder gar schädlichen Behandlungen, welche zukünftig vermieden werden sollen. Die Listen sind absichtlich kurz gehalten – sie beinhalten meist ca. 5 Empfehlungen – und die Empfehlungen sind einfach und evidenzbasiert. Erstellt werden die Listen von medizinischen Fachgesellschaften oder Fachgesellschaften anderer Berufsgruppen aus dem Gesundheitswesen. In der Schweiz kennt man diese Bewegung auch unter dem Namen Smarter Medicine. Continue Reading

Management im Gesundheitswesen

Das neu entwickelte Zertifizierungsverfahren „Swiss Care Excellence Certificate“ ermöglicht Pflege-Organisationen das Sichtbarmachen guter Pflege

Von Eva Hollenstein

Im Rahmen eines KTI-Projektes wurde das bestehende Verfahren für die Zertifizierung des Qualitätsmanagement-Systems in der Pflege der Concret AG weiterentwickelt. Projektpartner waren das Winterthurer Institut für Gesundheitsökonomie und der Fachbereich Gesundheit der Berner Fachhochschule.

Das Verfahren regt die Reflexion organisationsinterner Prozesse und Arbeitsweisen an, bietet Anreize zur kontinuierlichen Weiterentwicklung und ermöglicht das Sichtbarmachen der Pflege Excellence. Continue Reading

Gesundheitspolitik

Die Ruhe vor dem Sturm

Von Matthias Maurer

Die Entwicklung der Kosten im Gesundheitswesen und damit auch der Anstieg der Prämien in der Obligatorischen Krankenpflegeversicherung werden derzeit von Behörden, Parteien und Medien mit grosser Sorge kommentiert. Es scheint einen Konsens zu geben, dass nun «endlich etwas getan werden müsse» – etwas mit Substanz und nachhaltiger Wirkung und nicht blosse Kosmetik. So hat auch der Bundesrat am 28. März 2018 ein Kostendämpfungsprogramm verabschiedet. Dieses erste Paket enthält konkrete Massnahmen, die möglichst bald umgesetzt werden sollen (www.bag.admin.ch/bag/de/home/aktuell/news/news-28-03-2018.html).

Was ist von diesem Massnahmen-Paket zu halten? Continue Reading

Weiterbildung

Ressourcen- und Stressmanagement: Ansatzpunkte aus individueller und Unternehmenssicht mit Gültigkeit auch für Mitarbeitende im Gesundheitswesen

Von Sandra Kohler, Dozentin CAS Personalführung im Gesundheitswesen, Geschäftsführerin Kohler & Partner

Aussagen wie «Ich bin gestresst» oder «Ich habe mega Stress und fühle mich erschöpft» sind in der Businesswelt und speziell auch in Einrichtungen des Gesundheitswesens an der Tagesordnung – unabhängig der Unternehmensgrösse und beruflichen Position. Der bewusste Umgang mit den eigenen Ressourcen wird deshalb zum strategischen Erfolgsfaktor. Ressourcen- und Stressmanagement gelingen primär, wenn die damit verbundene Selbstverantwortung wahrgenommen wird. Selbstverständlich gilt es in Unternehmen allgemein und insbesondere bei Akteuren im Gesundheitswesen zusätzlich, die einer Führungstätigkeit obliegende Fremdverantwortung wahrzunehmen. Dabei stellt sich interdisziplinär die Frage, welche Stressoren wie reduziert werden können und was am Arbeitsplatz ermöglicht wird, damit Mitarbeitende genügend Freiräume haben, um ihre Ressourcen zu stärken und so langfristig motiviert und gesund erhalten bleiben. Die Umsetzung der vorgenommenen Massnahmen liegt wiederum in der Selbstverantwortung jedes einzelnen. Wo setzen Sie ab morgen an? Continue Reading

Gesundheitsökonomische Forschung

Steigende Gesundheitskosten: Die Preise sind unschuldig

Von Michael Stucki und Prof. Dr. Simon Wieser

Die steigenden Gesundheitskosten sind ein Dauerbrenner in Politik und Medien. Als mögliche Kostentreiber werden etwa neue teure Behandlungen, die Alterung der Gesellschaft und die Überbehandlung von Patienten genannt. Wie gross der Beitrag dieser und anderer möglicher Kostentreiber ist, ist aber weitgehend unklar.

Klar – aber vielleicht noch nicht allen bekannt – ist hingegen, dass steigende Preise beim Kostenwachstum keine Rolle spielen. Die Gesundheitsausgaben ergeben sich aus der Multiplikation der Mengen der genutzten Gesundheitsleistungen mit ihren jeweiligen Preisen. Und diese Preise sind in den letzten zehn Jahren nicht gestiegen. Im Gegenteil. Continue Reading