Gesundheitsökonomische Forschung

Geringe Fallzahlen lassen an Behandlungsqualität zweifeln

Von Marion Schmidt und Prof. Dr. Simon Wieser

Das Schweizer Gesundheitssystem ist eines der teuersten der Welt. Die Bevölkerung hat Zugang zu einem grosszügigen Leistungsangebot, die Wartezeiten sind kurz und die Qualität der Behandlungen gilt allgemein als gut. Aber ist sie das wirklich? Geringe Fallzahlen in manchen Spitälern könnten einen negativen Effekt auf die Behandlungsqualität haben.

Continue Reading

Management im Gesundheitswesen

Insights Spitalbeschaffung – Das WIG veröffentlicht eine neue Studie zum Potenzial in der Schnittstelle zwischen Spitälern und Lieferanten

Von Tim Brand

Entscheidungssysteme der Spitäler in der Beschaffung sind von Intransparenz geprägt

Die Zusammenarbeit zwischen Lieferanten und Spitälern hängt in vielen Aspekten davon ab, wie die Lieferanten die Bedürfnisse und Vorlieben von Spitälern einschätzen. Dabei werden oft lang bewährte Annahmen für den Aufbau einer Kundenbeziehung zugrunde gelegt. Unterdessen haben sich jedoch die Entscheidungsstrukturen und Verantwortlichkeiten vieler Spitäler weiterentwickelt, um neuen Anforderungen des Gesundheitswesens, wie wachsendem Kostendruck und Ausschreibungspflichten gerecht zu werden. Da wundert es nicht, dass Beschaffungsprozesse des Spitals aus Sicht von Lieferanten immer häufiger als intransparent wahrgenommen werden. Diese Intransparenz steht einer effizienten Zusammenarbeit beider Akteure zunehmend im Wege.

Continue Reading

Allgemein

Hebamme warnt: «Zeugt keine Kinder über Ostern» – Was steckt dahinter?

Von Eva Hollenstein

Mit einer auf den ersten Blick kuriosen Warnung hat eine Hebamme aus Deutschland auf ihrer Facebook-Seite für Aufmerksamkeit gesorgt: Sie rät Paaren mit Kinderwunsch dringend davon ab, über die Osterfeiertage ein Kind zu zeugen. So käme das Baby nämlich um Weihnachten und Neujahr zur Welt – eine Zeit, in der viele Hebammen frei haben. Dann kann es durchaus vorkommen, dass Frauen vom Spital abgewiesen werden, weil alle Kreisssäle belegt, und keine Hebammen verfügbar sind.

So prekär wie in Deutschland ist die Situation hierzulande zum Glück nicht. Hochschwangere Frauen werden nur selten in ein anderes Spital geschickt. Trotzdem gestaltet sich die Suche nach einer Hebamme oft sehr schwierig, vor allem über die Sommermonate und um Weihnachten.

Continue Reading

Gesundheitspolitik

Politischer Kompromiss oder undemokratischer «Kuhhandel»?

Von Matthias Maurer

Das Parlament hat erneut eine Debatte über Sinn sowie Legalität der Verknüpfung der Unternehmenssteuerreform mit einer zusätzlichen AHV-Finanzierung geführt. Während die Verknüpfung für die einen – aufgrund der Wichtigkeit und Dringlichkeit – einen notwendigen Kompromiss darstellt, verurteilen die anderen diese als demokratieschädigenden «Kuhhandel».

Im Gesundheitswesen bahnt sich eine ähnliche Verknüpfung von zwei Themen an: Als Gegenleistung für die Unterstützung der einheitlichen Finanzierung von ambulanten und stationären Leistungen (auch bekannt unter dem Begriff ‘Monismus’) stellen die Kantone die Forderung, neben dem stationären neu auch den ambulanten Leistungsbereich steuern zu können (‘Zulassungssteuerung’).

Was ist von dieser politischen Verknüpfung der beiden Themen zu halten?

Continue Reading

Gesundheitsökonomische Forschung

Stärkung von HTA und gesundheitsökonomischen Evaluationen

Von Renato Mattli

Was bewirkt eine bestimmte medizinische Intervention beim Patienten und was kostet sie? Stellen Sie sich diese Frage auch immer öfter? Damit sind Sie nicht alleine. Fast täglich berichten die Medien über den Nutzen oder die Kosten von medizinischen Interventionen – von neuen, aber auch solchen, die bereits seit längerer Zeit angewendet werden.

Continue Reading

Versorgungsforschung

«Fehldiagnosen» bei Befragungen: Von Falschantworten und Lügen

Von Dr. Marc Höglinger

Medizinische Diagnose-Verfahren und wissenschaftliche Befragungen haben das gleiche Ziel: Beide sollen eine oder mehrere Eigenschaften einer Person korrekt bestimmen – mit möglichst wenig Fehldiagnosen bzw. Falschantworten. Die Forschung untersucht mit Validierungsstudien, wie gut das funktioniert.

Continue Reading

Gesundheitsökonomische Forschung

Kosteneinsparungen im Gesundheitswesen ohne an Qualität zu verlieren – wie geht das?

Von Zoe Brack

Beklagen Sie sich auch manchmal über Ihre hohen Krankenkassenprämien? Und wenn ja, haben Sie sich schon einmal Gedanken darüber gemacht, was Gründe für diese hohen Kosten sein könnten? Oder: Was könnte man tun, um den steigenden Kosten im Schweizer Gesundheitswesen entgegenzuwirken? Ist eine medizinische Behandlung überhaupt sinnvoll in einer bestimmten Situation oder verursacht sie nur unnötig Kosten oder schadet sogar der Gesundheit? Diese Frage möchte die Kampagne «aufgreifen und auf das Thema Fehl- und Überversorgung in der Medizin aufmerksam machen.

Continue Reading

Management im Gesundheitswesen

Zufriedenheit am Lebensende

 

Von Sarah Schmelzer

Zufriedenheitsberichte von Patientinnen und Patienten sind eine wichtige Informationsquelle für Gesundheitsdienstleister, aber auch Personen mit ähnlichen Krankheitsbildern. Dabei interessiert natürlich meistens, ob die Behandlung auch die gewünschte, positive Auswirkung auf die Gesundheit hatte. Doch wie sieht es dort aus, wo die Wiederherstellung der Gesundheit gar nicht das Ziel ist? Was soll in einem solchen Fall von Patientinnen und Patienten berichtet werden.

Mit diesen Fragen ist das Mobile Palliative Care Team (MPCT) aus Winterthur konfrontiert, welches Menschen mit unheilbaren, lebensbedrohlichen und/oder chronisch fortschreitenden Krankheiten zuhause betreut. Das MPCT will nun seine Patientinnen und Patienten wie auch deren Angehörigen zu ihrer Zufriedenheit mit dem MPCT befragen. Das Ziel der Befragung ist, zukünftig den Bedürfnissen der Patientinnen und Patienten noch gerechter zu werden.

Continue Reading

Weiterbildung

Der Quereinstieg ins Gesundheitswesen ist möglich

Von Esther Furrer

Die Chancen, in der Gesundheitsbranche Fuss fassen zu können, sind bei vielen Berufen und Vorbildungen intakt. Einrichtungen im Gesundheitswesen sollen lean, effizient und koordiniert aufgestellt sein. Trotzdem sollen sie medizinisch qualitativ hochstehend Leistungen erbringen. Dadurch haben Fach- und Führungskräfte aus nicht-medizinischen Wirtschaftsbereichen gute Eintrittschancen ins spannende Umfeld des Gesundheitswesens.

Seit vielen Jahren berate ich als Studienleitung für Weiterbildungen im Bereich Gesundheitsökonomie eine wachsende Anzahl von Interessierten, die die Annäherung ans Gesundheitswesens beabsichtigen. Sie tun dies, weil sie in soziale oder politische Funktionen avanciert sind und sich fortan mit Gesundheitsdossiers auseinandersetzen sollen. Oder sie sind schlicht persönlich hochmotiviert, in diese herausfordernde Branche überzutreten. Beide Gruppen wollen und müssen sich schnellstmöglich das nötige Rüstzeug beschaffen, um Gesundheitsfragen künftig evidenzbasiert beurteilen zu können.

Continue Reading

Gesundheitsökonomische Forschung

Mit gezielten Subventionen die Kosten von Mangelernährung reduzieren

Von Dr. Beatrice Brunner

Kinder entwickeln sich in den ersten 1000 Tagen extrem schnell. Um gesund zu bleiben, benötigen sie während dieser Zeit ausreichend Energie (Kalorien), Eiweiss und lebenswichtige Spurenelemente wie Eisen, Vitamin A und Iod. Wird der Körper damit über die Nahrung nicht ausreichend versorgt, wird die Entwicklung der Kinder nachhaltig beeinträchtigt. Unser Krankheitskostenmodell ermöglicht es, die gesellschaftlichen Kosten von Mangelernährung im Kindesalter zu quantifizieren und preisbasierte Interventionen zu evaluieren. Continue Reading