Wie bewährt sich ein Studiengang aus Sicht jener, die ihn Tag für Tag erleben, und was bringt er ihnen für die berufliche Praxis? Nachdem im ersten Beitrag zur Studiengangevaluation die Mitglieder des Peer-Review-Panels aus Hochschulen und Praxis zu Wort kamen, richtet sich der Blick nun auf Studierende und Absolvent:innen. Die Ergebnisse zeigen eine hohe Zufriedenheit mit der Lehre, relevante Kompetenzen sowie einen erfolgreichen Übergang ins Berufsfeld. Sie machen zugleich sichtbar, wo der Studiengang in den kommenden Jahren weiterentwickelt werden soll.
Autorin: Kyra Jetzer
Viele Erhebungen, ein klares Bild
Seit dem Start des BA Sprachliche Integration im Jahr 2020 wurde die Studierendenperspektive kontinuierlich erhoben. Allein die Auswertung der ersten fünf Jahre umfasst 174 Moduldurchführungen und 3’111 ausgefüllte Fragebögen. Hinzu kommen wiederholte Befragungen zu Curriculum, Leistungsnachweisen und Studienorganisation sowie strukturierte Einzel- und Gruppengespräche (sogenannte Echoräume).
Der Laufbahnmonitor erweitert diese Innensicht um die Erfahrungen beim Übergang ins Berufsleben: Befragt wurden 51 Studierende kurz vor dem Abschluss und 20 Absolvent:innen ein Jahr danach. Damit stützt sich die Evaluation nicht auf einzelne Stimmen, sondern auf quantitative und qualitative Ergebnisse aus unterschiedlichen Studienphasen und mehreren Jahrgängen.
Lehrqualität und Studienkultur überzeugen
In den fünf Lernbereichen Linguistik, Didaktik, Kontexte, Praxis und Wissenschaftliches Arbeiten bewerten die Studierenden die Module über drei grosse Evaluationsdurchführungen hinweg durchwegs hoch. In der dritten Durchführung liegen sämtliche Bereiche auf der Skala zur Modulzufriedenheit zwischen 25 und 27 von maximal 32 Punkten. Besonders positiv beurteilt werden die Inhalte, deren verständliche und anregende Vermittlung sowie die Förderung einer aktiven Auseinandersetzung mit dem Lernstoff.
Auch die Unterstützung durch die Studiengangleitung und die Dozierenden erreicht konstant hohe Werte. In den qualitativen Gesprächen heben Studierende das Engagement der Lehrenden, die Nähe zum Studiengangteam und den starken Praxisbezug hervor. So entsteht das Bild eines anspruchsvollen Studiums, in dem die Studierenden zugleich verlässlich begleitet werden und mit ihren Anliegen Gehör finden.
Praxis vom ersten bis zum letzten Semester
Die enge Verbindung von Studium und Berufsfeld ist ein Kernelement des BA Sprachliche Integration. Sechs aufeinander aufbauende Praxismodule führen von der Hospitation im ersten Semester über Unterrichtsassistenz, Unterrichtsprojekte und das Praxis- oder Auslandsemester bis zu Integrationsprojekten und zum Abschlusspraktikum. Die Studierenden arbeiten dabei mit Sprachschulen, Integrationsfachstellen, Hochschulen, Stiftungen und weiteren Institutionen zusammen. Sie sammeln nicht nur Unterrichtserfahrung, sondern erhalten auch Einblick in Projektarbeit, Coaching, Administration und Bildungsmanagement.
Gerade diese kontinuierliche Praxis erleben die Studierenden als besonderen Wert des Studiums. Sie können fachliches Wissen früh anwenden, unterschiedliche Tätigkeitsfelder kennenlernen und ein eigenes berufliches Netzwerk aufbauen. Die Wirkung zeigt sich nach dem Abschluss: Von den Absolvent:innen, die ein Jahr später Angaben zu ihrer Erwerbstätigkeit machten, arbeiteten 70,6 Prozent in der Sprachvermittlung; ebenso viele waren fest angestellt. Weitere Tätigkeiten fanden sich in der Integrationsförderung und im Bildungsmanagement.
Kompetenzen, die im Beruf gebraucht werden
Auch ihren Kompetenzerwerb beurteilen die Studierenden mehrheitlich positiv. Besonders sicher fühlen sie sich darin, interkulturellen Austausch zu fördern, im Team zu arbeiten, Aufgaben im Sprachvermittlungs- und Integrationsbereich zu erfassen und adressatengerecht zu bearbeiten, Lernprozesse zu planen sowie schriftlich und mündlich zu kommunizieren. Die Absolvent:innen bestätigen, dass die im Studium erworbenen Kompetenzen im Berufsalltag gefragt sind und das Studium zu ihrer fachlichen und beruflichen Entwicklung beigetragen hat.
Kurz vor Abschluss würden rund vier von fünf Befragten den Studiengang ohne oder mit nur geringen Einschränkungen weiterempfehlen. Ein ähnlich hoher Anteil sieht die eigenen Erwartungen an das Studium erfüllt. Für ein noch junges Studienangebot ist dies ein starkes Zeichen dafür, dass sein Profil bei den Studierenden ankommt und sich im Berufsfeld bewährt.
Grössere Module, weniger Leistungsnachweise, mehr Wahlmöglichkeiten
Die Evaluation benennt zugleich einen klaren Hauptkritikpunkt: Der Studiengang besteht heute aus vielen kleinen Modulen, die jeweils mit einem Leistungsnachweis abschliessen. Dadurch entsteht eine hohe Prüfungsdichte, die die Arbeitsbelastung verstärkt. Viele Studierende verbinden dies mit der Herausforderung, Studium, Beruf und Privatleben miteinander zu vereinbaren.
Ein erster wichtiger Schritt wurde mit der Einführung eines neuen Studienmodells bereits vollzogen: Der Bachelor kann heute im Fast, Medium oder Slow Track in drei, vier oder fünf Jahren absolviert und damit besser an unterschiedliche Lebenssituationen angepasst werden. Die geplante Curriculumsrevision nimmt nun auch die inhaltliche Struktur in den Blick. Vorgesehen sind grössere Module mit weniger Leistungsnachweisen sowie mehr Wahlmöglichkeiten. Dadurch soll das Studium übersichtlicher werden und den Studierenden mehr Raum geben, eigene Interessen und berufliche Perspektiven zu vertiefen, etwa in Sprachvermittlung, Sprachberatung und Coaching, Projektarbeit oder Bildungsmanagement.
Fazit: Ein Studiengang mit Wirkung und Entwicklungskraft
Die unterschiedlichen Erhebungen ergeben ein bemerkenswert übereinstimmendes Bild: Die Studierenden erleben den BA Sprachliche Integration als fachlich fundiert, praxisnah und engagiert begleitet. Die Absolvent:innen fassen im Berufsfeld Fuss und nutzen dort die erworbenen Kompetenzen. Gleichzeitig fliessen die Rückmeldungen zur Struktur des Studiums in eine konkrete Curriculumsrevision ein. So entwickelt sich der Studiengang gemeinsam mit seinen Studierenden und mit einem Berufsfeld weiter, das qualifizierte Fachpersonen dringend braucht.
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