Der Bachelorstudiengang Sprachliche Integration wurde in einem umfassenden Verfahren durch Studierende, Absolvent:innen, Praxispartner sowie einem Peer-Review-Panel evaluiert. Die Einschätzungen aus Praxis und Wissenschaft wurden in einem Gutachten festgehalten. Das Ergebnis: Der Bachelor Sprachliche Integration ist ein Studiengang mit klaren Stärken, der gleichzeitig vor spannenden Weiterentwicklungen steht.
Autorin: Kyra Jetzer
Chapeau! Mit diesem Ausruf schliesst Sara Hägi-Mead von der Rheinland-Pfälzischen Technischen Universität ihr Gutachten zum BA Sprachliche Integration. Sie ist nicht allein mit ihrer Begeisterung: Sieben externe Expert:innen aus Hochschulen und Praxis haben im Rahmen eines Peer-Review-Panels den Studiengang evaluiert und kommen zu einem bemerkenswert einheitlichen Urteil. Ein Studiengang, der zur richtigen Zeit kam, eine echte Lücke füllt und mit grossem Herzblut geführt wird.
Ein Studiengang, der gebraucht wird
Alle Gutachter:innen sind sich einig, dass der BA Sprachliche Integration einen Bedarf adressiert, der in der Schweiz lange ungedeckt blieb. André Moeller, Head of Educational Programs bei der Deutschen Welle, hält fest, dass der Studiengang eine zentrale Lücke im schweizerischen Bildungssystem schliesst – und zwar die Verbindung von Sprachvermittlung (DaF/DaZ), Integrationsförderung sowie erwachsenenpädagogischen Qualifikationen. Nicola Würffel vom Herder-Institut der Universität Leipzig ergänzt, dass der einzige vergleichbare Studiengang in der Schweiz auf schulische Kontexte ausgerichtet ist. Somit bietet die ZHAW als einzige Hochschule eine wissenschaftlich fundierte Ausbildung für die Erwachsenenbildung an.
Was das konkret bedeutet, bringt Peter Wehrli, Rektor der Berufswahlschule Horgen, auf den Punkt: «Viele DaF-/DaZ-Lehrpersonen verfügen noch immer über eine minimale Ausbildung und können dank dieses Fachhochschulstudiums ihr Wissen nun sichern, vertiefen und in einen grösseren Zusammenhang stellen.»
Praxis von Anfang an – und mit Wirkung
Was alle Gutachter:innen besonders überzeugt, ist die konsequente Praxisorientierung. Sechs aufeinander aufbauende Praxismodule begleiten die Studierenden vom ersten Semester bis zum Studienabschluss – von der Hospitation über Unterrichtsassistenzen und ein Praxis- oder Auslandsemester bis hin zum Abschlusspraktikum. Moeller hebt hervor, dass diese Struktur eine frühzeitige Anbindung an den Arbeitsmarkt schaffe und durch ein breites Netzwerk an Institutionen eine hohe Employability ermögliche.
Die Zahlen bestätigen das: Jeweils mehr als zwei Drittel der gegen Schluss ihres Studiums befragten Studierenden geben an, bereits eine Stelle im anvisierten Wirkungskreis der Sprachvermittlung oder Integrationsförderung gefunden zu haben.

Eine andere Umfrage bei den Praxispartner-Institutionen zeigt, dass die Studierenden bereits während des Studiums in ihren Praktikumseinsätzen als kompetente Mitarbeitende betrachtet werden:

Abbildung 1: Praxispartner – Bewertung der Fachkompetenz der Praktikant:innen
Ein konkretes Beispiel liefert hierzu Wehrli aus eigener Erfahrung: Eine Absolventin und vormalige Praktikantin des Studiengangs entwickelte an der Berufswahlschule Horgen einen vollständigen DaF-/DaZ-Lehrplan und erwirkte erfolgreich die Akkreditierung durch die Fachstelle für Integration. «Ein sehr gelungenes Beispiel», schreibt Wehrli.
Lehrqualität, die ausgezeichnet wird
Ein weiteres Thema, das sich durch alle Gutachten zieht, ist die hohe Qualität der Lehre, zu der nicht zuletzt das Team-Teaching beiträgt, ein Lehrformat bei dem zwei Dozierende gemeinsam unterrichten. Luisa Valle, Fachleitung Didaktik bei ECAP, spricht von einem bedeutenden Qualitätsfaktor, der multiperspektivisches Lernen ermöglicht und den fachlichen Austausch im Kollegium fördere. HrisztalinaHrisztova-Gotthardt von der Geschäftsstelle fide ergänzt, dass diese Form der Zusammenarbeit trotz des grossen Initialaufwands sowohl von Studierenden als auch von Dozierenden als grosser Mehrwert eingeschätzt werde.
Dass diese Einschätzung nicht nur extern geteilt wird, zeigen drei aufeinanderfolgende studentische Lehrpreise der ZHAW (2021–2023) für Dozierende des Studiengangs. Hägi-Mead, die zusammen mit den anderen Mitgliedern des Review-Panels die Studierenden und Dozierenden vor Ort in Winterthur besuchte, betont die transparente und konstruktive Zusammenarbeit zwischen Studierenden und Dozierenden bei der Qualitätssicherung und Weiterentwicklung des Studiengangs.
Forschung als roter Faden
In den Gutachten der Fachexpert:innen wird auch der starke Forschungsbezug im Studiengang hervorgehoben. Moeller erwähnt hier die verschiedenen Module zum wissenschaftlichen Arbeiten, die Einbindung von Studierenden in laufende Projekte an den Forschungs- und Arbeitsbereichen des Instituts sowie die praxisorientierte Aktionsforschung im Studiengang. Valle ergänzt, dass dabei eine Haltung des kritischen Hinterfragens kultiviert werde, die nicht nur methodisch, sondern auch bildungspolitisch bedeutsam sei. Dank dieser Anbindung tragen die Absolvent:innen des Studiengangs die aktuellsten Entwicklungen der Forschung ins Praxisfeld hinaus und leisten so einen wesentlichen Beitrag zur seiner weiteren Professionalisierung.
Was noch wachsen kann
Neben den Stärken benennen die Gutachter:innen auch Herausforderungen. Am deutlichsten thematisiert wird die Kleinteilung der Module. 45 Module, viele davon mit nur 2 ECTS-Punkten, erzeugen laut Prusse einen beträchtlichen zeitlichen Aufwand für alle Beteiligten, nicht zuletzt aufgrund der hohen Anzahl Leistungsnachweise. Die Expert:innen schlagen verschiedene Alternativoptionen vor, die Richtung ist aber klar: von Komplexität hin zu mehr Übersichtlichkeit und weniger Prüfungsformaten.
Entwicklungspotenzial besteht laut den Fachexpert:innen auch in Bezug auf die Individualisierung und Wahlfreiheit im Studium. So wird angeregt, den vielfältigen beruflichen Profilen im Praxisfeld der sprachlichen Integration mittels Wahlpflichtmodulen, vor allem in den höheren Semestern des Studiums, noch besser gerecht zu werden.
Ein weiteres Thema ist die Sichtbarkeit im Arbeitsmarkt, eine bekannte Herausforderung bei einem so jungen Studiengang. So bemerkt Prusse, dass Absolvent:innen potenzielle Arbeitgebende immer noch ausführlich über ihre Ausbildung informieren müssten. Moeller empfiehlt eine gezielte Kommunikation des Berufsprofils, den Einbezug von Alumni als Multiplikator:innen sowie die stärkere Präsenz an Fachtagungen. Valle regt an, genau dort eine höhere Sichtbarkeit anzustreben, wo Anbieter:innen, Behörden und Akteure der Integrationsarbeit vertreten sind.
Fazit: Ein Studiengang mit Substanz
Was die sieben Gutachten übereinstimmend zeigen, ist ein Studiengang mit echter Substanz, der innovativ, praxisnah und gesellschaftlich relevant ist, und von einem Team getragen wird, das mit hohem Engagement und grosser Reflexionsbereitschaft arbeitet. Würffel bringt es auf den Punkt: «Der Studiengang erscheint als ein sehr durchdachtes und wirkungsvolles sowie wissenschaftlich fundiertes Ausbildungsinstrument, das die Ausbildungsziele, die es sich gesetzt hat, in beeindruckender Weise umsetzt und sehr gute Ergebnisse erzielt.»
Und das, findet Hägi-Mead, verdient ein klares: Chapeau.
Blogbeiträge aus dem Bachelorstudiengang Sprachliche Integration:
- Symbiose im Studium: Wie Praxispartner, Studierende und ZHAW zusammenwirken
- Sprache, Kultur, Stereotype: Integration beginnt im Kopf
- Alumna Saskia im Gespräch: Sprachliche Integration als Karriereweg
- Aus der Sprachbegeisterung wird ein Beruf: Ein Alumniporträt
- Slow, Medium oder Fast: Wie viel Flexibilität braucht dein Studium in Sprachlicher Integration?
- Mein Praktikum als Fachperson Sprachförderung
