«Was brauche ich, damit es mir beim Arbeiten gut geht?»

Gesundheit fördern, Krankheiten vorbeugen und Mitarbeitende in herausfordernden Zeiten unterstützen – das sind die Aufgabengebiete von Beatrice Mühlberg. In unserer Rubrik «Persönlich» stellen wir Menschen und ihre Tätigkeiten an unserem Departement vor.

Interview: Gabriela Steinmann

Beatrice, du bist seit dem 1. August 2019 als «Verantwortliche für das betriebliche Gesundheitsmanagement und Diversity» am Departement Angewandte Psychologie der ZHAW tätig. Was gefällt dir an dieser Tätigkeit besonders?
Was ich am meisten schätze, ist, dass ich mit den Mitarbeitenden nun vermehrt zu tun habe und dass ich mir auch ausgiebiger Gedanken machen kann, was es braucht, damit wir gesund arbeiten können und damit es uns grundsätzlich gut geht.

Man könnte sagen, dass diese Stelle letztes Jahr an dich herangetragen wurde, als du in der Administration tätig warst. Was war ausschlaggebend, dass du dich für diese neue Herausforderung entschieden hast?
Für mich wurde es zunehmend interessant, mich selbst mit dem Thema Gesundheit am Arbeitsplatz auseinanderzusetzen. Ich fragte mich: «Was brauche ich, damit es mir beim Arbeiten gut geht?» Durch diese gedankliche Auseinandersetzung bin ich dann auf die Ausbildung zur Resilienztrainerin gestossen, die ich letztes Jahr begonnen und diesen Frühling mit dem «CAS Resilienztraining» abgeschlossen habe. Die Faszination für das Thema der persönlichen Stärken und Ressourcen wurde dann durch diese Ausbildung auch noch zusätzlich vertieft.

Wie kannst du nun das aus der Ausbildung erworbene Wissen in deine Arbeit einfliessen lassen?
Es gibt diverse Ansätze, die man nutzen kann. Resilienz ist ein wichtiges Thema in der Prävention und das ist auch in meiner Funktion das, was in erster Linie zählt. Es geht darum zu schauen, was die Mitarbeitenden überhaupt brauchen, um gesund zu bleiben und nicht erst zu reagieren, wenn sie schon krank sind. Selbstverständlich ist auch das Letztere ein wichtiger Bestandteil. Aber ich glaube schon, dass man vor allem in der Prävention einiges einfliessen lassen kann. Ausserdem bin ich überzeugt, dass uns ein gutes soziales Umfeld dabei hilft, gesund zu bleiben. Die soziale Isolation während dem Lockdown hat vielen Leuten bewusstgemacht, wie wichtig soziale Beziehungen für sie sind.

Was sind im Moment deine Hauptaufgaben im betrieblichen Gesundheitsmanagement?
Dieses Jahr steht unter dem Motto «gesund arbeiten». Das ist zwar grundsätzlich immer wichtig, speziell ist zurzeit aber, dass man gerade auch die Führungspersonen für dieses Thema sensibilisieren möchte. Während dem Lockdown haben wir bis zu den Sommerferien täglich eine virtuelle Bewegungs- und Begegnungspause angeboten. Dies wurde von den Mitarbeitenden sehr geschätzt. Nun prüfen wir gerade, ob und in welcher Form wir diese Pausen weiter anbieten können. Diese Kurzpausen sollen einerseits der körperlichen und geistigen Auflockerung dienen, andererseits aber auch das Miteinander über den Austausch pflegen.

Du warst früher einmal Gemeinderätin und «Vizeamman» in deiner Wohngemeinde. Was kannst du aus dieser damaligen Tätigkeit in deinen jetzigen Job einbringen?
Ich würde sagen, sicher einmal Durchsetzungskraft. Denn die Prozesse auf politischer Ebene sind sehr komplex und teilweise auch ziemlich träge. Man braucht daher immer wieder viel Überzeugungskraft, um etwas durchzusetzen. In der Gemeinde war ich zuständig für das Ressort «Soziales und Gesundheit». Dort ging es unter anderem darum, herauszufinden, was eine gesunde Bevölkerung braucht und wie der Erhalt der Gesundheit sichergestellt werden kann. Aus dieser Erfahrung kann ich sicher viel an Erfahrungswerten miteinbringen.

«Ich wollte herausfinden, warum ich diesen ausgeprägten Optimismus habe – und ich habe eine Antwort gefunden.»

Du hast eine ausgesprochen positive Lebenseinstellung. Woher kommt diese?
Diese Frage wurde mir bereits als Kind immer wieder gestellt, doch ich konnte sie nie beantworten. Das positive Lebensgefühl wollte ich schon immer allen in meinem Umfeld vermitteln. Dies hat mich unter anderem dazu bewogen, eine Ausbildung als Resilienztrainierin zu machen. Ich wollte herausfinden, warum ich diesen ausgeprägten Optimismus habe. Ich fragte mich, ob das einfach Glück sei, weil ich vielleicht am richtigen Tag geboren wurde oder woran es sonst liegen könnte. Im vergangenen Ausbildungsjahr habe ich dann tatsächlich eine Antwort darauf gefunden. Ich stellte nämlich fest, dass es unter anderem sehr wichtig ist, die verschiedenen inneren Ressourcen zu kennen und ich hatte schon immer ein sehr gutes Gespür dafür, was mir guttut und was ich brauche, um gesund zu sein sowie auch dafür, wo und wie ich wieder Energie tanken kann, wenn es mir mal nicht so gut geht.

Du hattest Anfang 20 eine ziemlich prägende Erfahrung gemacht, die dir schlagartig bewusstmachte, wie kostbar ein gesunder Körper ist. Möchtest du darüber etwas sagen?
Ja, das war für mich damals ein sehr herausforderndes Jahr. In dieser Zeit starb meine Mutter sehr jung und ich hatte im gleichen Jahr einen Gleitschirmunfall. Ich stürzte aus einer Höhe von 20 Metern ab. Das hatte zur Folge, dass ich über ein Jahr nicht mehr arbeiten konnte, mehrere Operationen und einen Aufenthalt in der Reha hatte. Das war für mich ein sehr prägendes Ereignis. Dort habe ich gelernt hinzuschauen, was ich brauche und Lösungen zu finden, um da herauszukommen und zu lernen, damit umzugehen. Ich habe seither chronische Schmerzen und kann aus diesem Grund nicht mehr hundertprozentig arbeiten. Auch hier musste ich wieder meinen eigenen Weg finden damit zu leben. Genau da sehe ich nun auch eine interessante Parallele zu meinem jetzigen Aufgabengebiet: Zu schauen, wie ich diejenigen Mitarbeitenden unterstützen kann, die ebenfalls aus einem krankheits- oder unfallbedingten Arbeitsunterbruch an den Arbeitsplatz zurückkehren. Ich finde es sehr wichtig, dass dieser Bereich der Reintegration gut aufgegleist wird und da glaube ich, aufgrund meiner eigenen Erfahrung, viel mitgeben zu können.

Das Wandern ist eine ihrer liebsten Freizeitaktivitäten: In den Sommerferien ist Beatrice drei Wochen lang auf der «Via Gottardo» von Koblenz nach Chiasso gewandert.

Womit beschäftigst du dich in deiner Freizeit gerne und regelmässig, um Energie zu tanken und zu regenerieren?
Für mich ist es sehr wichtig, dass ich einerseits draussen bin in der Natur, dass ich Sport mache. Dazu gehe ich sehr gerne in die Berge, aber auch in den Wald auf den Vitaparcours. Andererseits sind mir meine Familie, meine Freundinnen und Freunde sehr wichtig und daher pflege und geniesse ich mein soziales Umfeld auch sehr.

Was ist dein Lebensmotto, wenn du eins hast?
Hm, ja, das ist eine gute Frage. Mein Wahlspruch war schon immer: «Glück kann man selbst machen.» Es ist meine innerste Überzeugung, dass wir für unsere Lebensqualität und für unser Glück selbst verantwortlich sind und das ist etwas, was ich gerne auch weitervermitteln möchte.

Das ist auch genau das Themengebiet der Resilienz, auf das du dich jetzt mit der Ausbildung spezialisiert hast. Hast du zum Schluss noch einen besonderen Gesundheitstipp?
Mein Tipp ist, regelmässige Aktivität und Bewegung und dabei immer das zu tun, was Freude macht und bei dem das Bauchgefühl stimmt. Dabei auch zu spüren, was einem gerade guttut, sei es Joggen oder auch nur einen Spaziergang draussen in der Natur zu machen. Ich glaube, gerade die Natur gibt uns sehr viel Energie zurück.

Beatrice Mühlberg ist verantwortlich für das betriebliche Gesundheitsmanagement und Diversity am Departement Angewandte Psychologie.
Sie ist ausgebildete Resilienztrainerin.

Mehr zum Thema Resilienz im Blogbeitrag von Beatrice Mühlberg: https://blog.zhaw.ch/iap/2020/04/28/wo-steckt-denn-nun-unsere-resilienz/

Schlagwörter: Work-Life-Balance

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