Studentin im Bachelor Sprachliche Integration sitzt im freien und erzählt über ihr Studium

So sieht sprachliche Integration in der Praxis aus

Jasmin Hirt studiert im 3. Semester im Bachelor Sprachliche Integration an der ZHAW. Wie man sprachliche Hürden erfolgreich überwindet, lernt sie in der Theorie, die sie dann im Praxis-Unterricht direkt anwenden kann. Wir haben ihr dabei einen Morgen lang über die Schulter geschaut.

von Anna Uebelhart, Studentin Bachelorstudiengang Kommunikation, 5. Semester, am IAM Institut für Angewandte Medienwissenschaft der ZHAW, Mitglied der Studi-Redaktion*

Jasmin Hirt ist in eine angeregte Diskussion mit ihren Teamkolleginnen vertieft. Vor ihr liegt ein grosses Blatt Papier, auf dem sie aufzeichnet, was sie mit ihrer Gruppe bespricht. Die Studierenden müssen Lösungen für sprachliche Herausforderungen finden. Das ist ein wichtiger Schwerpunkt im Bachelor Sprachliche Integration.

Es ist die letzte Präsenzveranstaltung in diesem Semester. Jasmin Hirt besucht heute eine Vorlesung zum Thema «Wirkungsorientierung in Bildungsprojekten» im Modul Projektentwicklung und -management.

Trotz der aktuell geltenden Maskenpflicht und der angespannten pandemischen Lage, herrscht gute Stimmung unter den Studierenden. Sie sind froh, dass der Unterricht vor Ort stattfinden kann. «Gerade bei Praxismodulen sind Präsenzveranstaltungen wichtig, weil wir oft interaktive Übungen machen», erklärt Jasmin.

Probleme lösen wie in der Berufspraxis

Vor dem interaktiven Teil startet Dozentin Duygu Dogru die Vorlesung im Plenum mit einem kurzen Theorie-Input. Sie erklärt, inwiefern Wirkungsorientierung für die Berufspraxis wichtig ist. Wirkungen beschreibt sie als «Veränderungen, die bei bestimmten Zielgruppen, deren Lebensumfeld oder bei der Gesellschaft erreicht werden können». Mit solchen Wirkungen müssen sich die Studierenden heute genauer auseinandersetzen. Sie haben in Gruppen einen Fall zu sprachlicher Integration erhalten, für den sie Wirkungsziele erarbeiten und die Herausforderungen mithilfe eines Problem- und Lösungsbaumes visualisieren.

Jasmin setzt sich mit ihrer Projektgruppe zusammen. Sie studiert seit September 2020 an der ZHAW. Kurz vor Studienstart ist damals ein Blogporträt von ihr erschienen. Darin wird ihre Motivation für das Studium deutlich: Sie möchte verhindern, dass Menschen aufgrund fehlender Sprachkenntnisse ausgegrenzt werden.

Sprachliche Integration in der Anwendung

Darum geht es auch bei einem Fall, den die vier Studierenden erhalten haben. Konkret lautet er, dass Berufsschülerinnen und -schüler Defizite in der deutschen und in der englischen Sprache aufweisen. Nun soll die 4er-Gruppe mögliche Probleme identifizieren und im Anschluss Lösungen finden, um den Unterricht in der Berufsschule für alle Beteiligten zu ermöglichen. Sprachliche Integration eben.

Mit Stift und Papier zeichnet Jasmin einen Baum auf ein weisses A3-Plakat. Mithilfe dieser Methode soll die Gruppe nun die Probleme aufzeichnen. Diese lauten zum Beispiel: «Schülerinnen und Schüler haben ungenügende Kompetenzen im bilingualen Fachunterricht», «Lehrpersonen können den sprachlichen Ansprüchen nicht gerecht werden» oder «Weiterbildungsangebote für bilingualen Unterricht fehlen». Zu diesen Problemen diskutiert Jasmin mit ihren Mitstudierenden mögliche Lösungsansätze, wie das Schaffen von Weiterbildungsangeboten und das Stärken der Sprachkompetenz.

Zum Schluss, als alle Diskussionen verstummt und alle Plakate voll sind, präsentieren die Gruppen ihre Ergebnisse. Dozentin Duygu Dogru zeigt sich zufrieden mit der geleisteten Arbeit und entlässt die Studierenden in die Mittagspause. Die Ergebnisse werden die Studierenden am Nachmittag in einem Bericht ausformulieren.

Praxis als wichtiger Teil des Studiums

Der heutige Praxis-Unterricht ist neben Linguistik, Didaktik, Kontexte und wissenschaftliches Arbeiten einer von fünf Fachbereichen des Bachelor Sprachliche Integration. Die Praxisorientierung im Studium findet Jasmin sinnvoll. So könne man das theoretische Wissen direkt mit der Praxis verknüpfen. «Und ganz ehrlich, es macht auch einfach mehr Spass», fügt sie hinzu.

Ihr Tipp für Studienganginteressierte ist eine offene Einstellung: «Durch die vielseitigen Module kann man im Laufe des Studiums herauszufinden, für welches Gebiet man sich am meisten interessiert», sagt Jasmin. Es seien zwar viele der Inhalte im Studiengang Sprachliche Integration auf das Unterrichten ausgelegt, wofür sich Jasmin für ihre berufliche Laufbahn am meisten interessiert, doch es gäbe auch viele weitere Möglichkeiten im Anschluss an das Studium. Dazu gehören unter anderem das Leiten von Sprachkursen im In- und Ausland, Sprachberatung im Migrationsbereich oder die Entwicklung von Lehr- und Lernmaterialien.


*Die Studi-Redaktion

In der Studi-Redaktion produzieren Studierende im Bachelorstudiengang Kommunikation multimediale Beiträge für die Kommunikationskanäle des Departements Angewandte Linguistik der ZHAW. Sie sind in dieser Rolle Teil des departementalen Kommunikationsteams, bringen erworbene Kompetenzen aus dem Studium ein und lernen dabei die Redaktionsabläufe in einem Corporate Newsroom kennen.


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