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Meine Online-Sprachschule in Kolumbien – ein Traum wird wahr

Vom Bachelorstudium Angewandte Sprachen an der ZHAW zur Online-Sprachschule für Spanisch in Kolumbien. Absolventin Alessia Kramer hat ihren Traumberuf am anderen Ende der Welt zur Wirklichkeit gemacht. In diesem Bericht erzählt sie von der Zeit nach dem Studium, ersten Arbeitserfahrungen als DaF-Lehrerin im Ausland und warum gerade das Coronavirus den Startschuss für ihre eigene Sprachschule markiert.

von Alessia Kramer, Absolventin Bachelor Angewandte Sprachen und Gründerin der Online-Sprachschule Macondo

Bereits 2015 war ich nach Kolumbien gereist, um Spanisch für das Bachelorstudium zu lernen. Kolumbien hatte mich mit seiner spektakulären und diversen Landschaft in den Bann gezogen. KolumbianerInnen sind sehr herzliche und gastfreundliche Menschen und haben eine Lebensfreude, die ansteckt. Ich hatte mich damals sehr wohl gefühlt und wollte Land und Leute besser kennenlernen. Nach meinem Bachelorstudium in Angewandte Sprachen stand mir die Welt offen und ich wusste nicht, was ich mit meiner neu gewonnenen Freiheit anfangen sollte. Also entschied ich mich nach dem erfolgreichen Bachelorabschluss, nach Kolumbien auszuwandern.

Meine ersten Unterrichtserfahrungen

Ich machte zuerst ein Praktikum in Cartagena an der Casa Cultural Colombo Alemana und arbeitete noch drei weitere Monate als Deutschlehrerin dort. Viele junge Leute in Kolumbien lernen Deutsch, weil sie in Deutschland studieren und arbeiten möchten. Nach einem halben Jahr zog ich nach Bogotá und begann eine neue Stelle am Sprachinstitut als Lehrerin für DaF (Deutsch als Fremdsprache). Die Arbeitsmöglichkeiten in der Hauptstadt sind vielfältiger, denn hier wollen mehr Menschen Deutsch lernen, folglich gibt es hier mehr Arbeit für SprachlehrerInnen als in der Karibik. Ausserdem sind die SchülerInnen sehr motiviert und diszipliniert. Mit meiner gesammelten Arbeitserfahrung und den aus dem Studium erworbenen Kenntnissen konnte ich direkt am Sprachinstitut beginnen, ohne eine Weiterbildung im Bereich DaF-Unterricht zu absolvieren (Seit Herbst 2020 bildet das Departement auch Fachpersonen für Deutsch als Fremd-/Zweitsprache aus; Hinweis der Red.).

Als Muttersprachlerin unterrichte ich vor allem die höheren Niveaus von B1 bis C1 und spreche mit den SchülerInnen Deutsch. Allerdings helfen meine Spanischkenntnisse, wenn sie nach Übersetzungen fragen, oder ein Konzept auf Deutsch nicht verstehen. Im Bachelor Angewandte Sprachen habe ich neben Deutsch, Englisch und Französisch auch Spanisch studiert. Deshalb kenne ich die Strukturen des Spanischen und kann Parallelen ziehen, was für Erklärungen sehr hilfreich sein kann.

Quarantäne in Kolumbien

Die Regierung Kolumbiens entschied nach den ersten Coronafällen im Frühling 2020 relativ schnell, die ganze Bevölkerung unter Quarantäne zu stellen. Die Situation in Kolumbien war sehr angespannt, weil die Krankenhäuser nicht über die notwendige Infrastruktur verfügen. Viele Leute sind verzweifelt, weil sie ohne Arbeit kein Geld haben, um Nahrungsmittel zu kaufen und die Unterstützung der Regierung nicht ausreicht. Als die ersten Rückholflüge in die Schweiz starteten, war nicht absehbar, dass die Quarantäne noch so lange andauern sollte. Für mich war damals klar, ich wollte in meinem Zuhause in Bogotá bleiben. Ich war erst kurz vorher umgezogen und wollte mein neues Zuhause nicht schon wieder verlassen. Da allerdings keine Besserung in Aussicht war, flog ich mit einem der letzten Rückholflüge Ende Juni dann doch zurück in die Schweiz.

Eine neue Idee entsteht: Meine Online-Sprachschule

Eingesperrt in meinem Zuhause und in der ewigen Langeweile der Quarantäne in Kolumbien kam mir die Idee, meinen Traum einer eigenen Sprachschule schon jetzt umzusetzen. Diese Idee hatte sich schon lange in meinem Kopf festgesetzt, doch der richtige Zeitpunkt war noch nicht gekommen. Erst wollte ich mehr Arbeitserfahrung sammeln. Die Idee mit der Onlineschule war mir gekommen, als mich ein Freund aus der Schweiz dann fragte, ob ich ihm nicht Spanischunterricht geben könnte. Auf der ganzen Welt sitzen die Menschen Zuhause fest und alles findet über das Internet statt. Warum also nicht eine Onlineschule gründen, habe ich mich gefragt.

Die Konkurrenz im Onlinemarkt ist gross, doch unser Plus ist, dass wir nicht nur Spanisch unterrichten, sondern auch die Kultur Kolumbiens weitergeben. Um dies zu erreichen, habe ich mich mit einer kolumbianischen Arbeitskollegin zusammengeschlossen, sodass wir Unterricht mit Muttersprachlern anbieten können. Ihre Aufgabe ist, den Unterrichtsplan zu erstellen und die Klassen zu unterrichten und ich bin für die Verwaltung und Vermarktung zuständig. Dies war absolutes Neuland für mich, sodass ich mich zuerst mit dem Thema Homepage gestalten auseinandersetzen musste. Gesagt, getan! Innerhalb von zwei Wochen war unsere Website fertig gestaltet und bereits öffentlich. Bei dem ganzen Projekt kamen mir verschiedene Fertigkeiten, die ich mir während des Studiums angeeignet hatte, zugute wie zum Beispiel Projektmanagement, um den Überblick nicht zu verlieren, Social-Media-Kommunikation und Marketing, um einen Plan zu entwerfen und erfolgreich Werbung zu machen.

Ende April schalteten wir unsere Homepage auf und begannen auf Instagram und Facebook dafür Werbung zu machen. Schritt für Schritt vergrössern wir unsere Reichweite und bauen über Social Media (Instagram) eine Beziehung zu unseren Followern auf. Wir geben unserer Community Tipps für Spanisch, vermitteln aber auch kulturelle Werte wie typisch kolumbianische Begriffe oder Tipps zu Musik und Literatur aus Kolumbien. Der Unterricht findet über die Plattformen Zoom oder Google Meet statt, wo die Lehrpersonen und SchülerInnen live miteinander sprechen können und es die Möglichkeit gibt, Videos zu zeigen oder Audios abzuspielen sowie Notizen zu machen.

Alessia Kramer im Instagram-Post für die Community zum Spanischlernen

Der Onlineunterricht bietet neue Möglichkeiten. Früher hätte man sich nie denken können, Unterricht von einer Muttersprachlerin auf der anderen Seite der Welt zu erhalten. Doch dank den digitalen Tools können wir auch über das Internet eine gute Beziehung aufbauen und den Unterricht dynamisch und unterhaltsam gestalten.

Der Reiz Kolumbiens im Online-Unterricht

Kolumbien hat eine atemberaubende und vielfältige Natur, ausserdem ist die Bevölkerung sehr herzlich und gastfreundlich. Wir vermitteln dieses Lebensgefühl über unsere kolumbianischen Lehrpersonen, ihre Ausstrahlung, lockere Art und Lebensfreude auch im Onlineunterricht. Unser Zielpublikum sind vor allem Leute, die nicht nur an der Sprache interessiert sind, sondern auch an der Kultur. Wir bieten Unterricht für alle Niveaus von A1 bis C2, speziell fokussiert auf Spanisch fürs Reisen, das Studium und für den Beruf. Wir hoffen, dass unsere SchülerInnen nach dem Coronavirus nach Kolumbien reisen und wir ihnen vor Ort Unterricht sowie kulturelle Aktivitäten – wie zum Beispiel das Kochen typischer kolumbianischer Gerichte wie Ajiaco und Arepas – oder Touren in verschiedene Regionen Kolumbiens anbieten können. Wenn ich nach dem Lockdown wieder nach Kolumbien zurückkehre, arbeite ich erstmal weiter am Sprachinstitut, bis Macondo erfolgreich genug ist, um davon leben zu können. Solange man nicht nach Lateinamerika reisen kann, ist vielleicht auch das Interesse daran, Spanisch zu lernen, nicht so gross. Wir sind aber sehr motiviert, allen (zukünftig) Interessierten einen Einblick in die Kultur Kolumbiens und die Sprache Spanisch zu geben und hoffen, dass wir sie schon bald persönlich kennenlernen dürfen.


Informationshinweis zur Ausbildung zum International-Account-Manager/in an der ZHAW

Im Bachelor Angewandte Sprachen bildet das IUED Institut für Übersetzen und Dolmetschen Sprachinteressierte zu Sprach- und Kommunikationsprofis aus, die sich souverän zwischen Sprachen, Kulturen und Domänen bewegen können. Das Studium qualifiziert für eine Tätigkeit im mehrsprachigen Projekt-, Event- und Informationsmanagement, in verschiedenartigen Übersetzungskontexten oder in der Technikkommunikation an der Schnittstelle zwischen Mensch und Technik.

Seit dem Herbstsemester 2020 bietet das ILC Institute of Language Competence am Departement Angewandte Linguistik mit dem Bachelor Sprachliche Integration – Deutsch als Fremd- und Zweitsprache auch eine Ausbildung für Fachpersonen im Bereich Deutsch als Fremd- oder Zweitsprache (DaF/DaZ) an. Ausserdem können am ILC verschiedene Weiterbildungen im Bereich DaF/DaZ absolviert werden.


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