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Verantwortung übernehmen als Übersetzerin

Theresa Koim ist 28 Jahre alt, hat 2018 an der ZHAW den Master in Fachübersetzen abgeschlossen und bereits eine Sprachdienstleistungsgenossenschaft mitgegründet. Wie es dazu kam und welchen Rat sie BerufseinsteigerInnen mitgeben würde, erzählt sie uns im Interview.

von Mauro Werlen,  Redaktion Language matters

«Im Studium habe ich die richtigen Leute kennengelernt, wir haben uns zu acht zusammengetan und die Genossenschaft traduko gegründet.» Die Idee, selbstständig zu sein, war bei Theresa schon vor dem Master da: «Das war meine Grundvorstellung der Übersetzerin. Zudem wollte ich schon immer mein eigenes Ding machen, das passt also alles sehr gut zusammen».

Jeden Tag den Horizont erweitern

Theresas Berufsalltag besteht – neben dem Übersetzen – aus verschiedensten Tätigkeiten: «Projektmanagement, Kundenakquise, Organisatorisches in der Genossenschaft, Verträge neu aufsetzen, Ideen und Projekte weiterentwickeln – es wird nicht langweilig und ich lerne stets dazu.» Warum eine Genossenschaft? «Uns war es wichtig, flache Hierarchien zu haben, wir wollten alle gleichgestellt sein und eine nachhaltige Unternehmensform umsetzen.»

Die Zusammenarbeit im Team beschreibt Theresa als unkompliziert und kooperativ, die Auftragslage verbessere sich stetig. Relativ viele Aufträge kommen von NGOs, aber auch Übersetzungen im juristischen Bereich oder von Websites und Untertitelungsaufträge für Barrierefreie Kommunikation spielen eine Rolle. «Ganz davon leben können wir noch nicht», konstatiert sie, «wir sind jedoch auf einem guten Weg, uns zu etablieren.» Um ihre Grundbedürfnisse zu decken, arbeitet Theresa zu 40% in einer Anwaltskanzlei und befasst sich dort mit der anspruchsvollen Textproduktion für die AnwältInnen: «Ich kann dadurch in eine komplett neue Sprachwelt eintauchen und sehr viel mitnehmen. Zudem erlaubt mir diese Kombination viel Flexibilität und gibt mir die Möglichkeit, traduko nachhaltig aufzubauen.»

Der Umgang mit Sprache – ein wunderbar kreativer Prozess

Neben der Vielseitigkeit ihres Jobs reizt sie der Umgang mit der Sprache: «Man hat Material, von dem man ausgeht, und man wandelt es um in etwas Neues. Das ist ein wunderbar kreativer Prozess. Das penible Arbeiten ist manchmal etwas mühsam, aber das gehört zum Job», erzählt sie lachend. Und sie wurde im Studium sehr gut drauf vorbereitet. Auch andere Aspekte aus dem Studium begleiten sie im Berufsleben, sie denkt dabei vor allem an das Framing: «Die Art und Weise, wie wir Texte schreiben wirkt sich darauf aus, wie das Publikum sie rezipiert, mir wird das beim Übersetzen immer wieder deutlich.»

Studium mit Fokus auf die digitalisierte Arbeitswelt

Theresa kommt aus Deutschland und nach ihrem sozialen Jahr in Frankreich kam sie zunächst zu Besuch in die Schweiz – und blieb. 2017 nahm sie ihren Master in Angriff: «Nach meinem Bachelor in Romanistik an der Universität Bamberg wollte ich noch einen Masterabschuss machen. Und das Übersetzen hatte ich schon länger im Visier, daher fiel die Wahl sehr leicht.» Das Studium gestaltete sich anders als erwartet, viel verschulter als die Uni. Theresa sieht das aber auch als Vorteil, sie ist sehr zufrieden und konnte viel profitieren, vor allem auch in Bezug auf die Arbeitswelt: «Neue Technologien, die Relevanz maschineller Übersetzung und die Notwendigkeit von CAT-Tools: das alles wurde thematisiert, der Umgang damit diskutiert. Das ist enorm wichtig in diesem Berufsfeld.»

Ein Rat für alle EinsteigerInnen

Schon heute sei es so, dass die KundInnen immer weniger Geld für Sprachdienstleistungen ausgeben möchten, mit Machine Translation würde das auch in Zukunft nicht einfacher: «Als Übersetzerin muss man wirklich exakt und kontextorientiert arbeiten, nur so verleihen wir unserer Tätigkeit die nötige Seriosität und dadurch auch ihre Legimitation. Wir müssen den menschlichen Mehrwert ganz nach vorne rücken.» Zudem sei es wichtig, die Wahrnehmung des Berufsfeldes  weiter zu stärken – beispielsweise durch die Tätigkeit in Berufsverbänden oder Öffentlichkeitsarbeit. Schlussendlich zähle aber vor allem die gute Leistung und das Erkennen von Potenzialen: «Im Bereich der Barrierefreien Kommunikation beobachte ich eine Veränderung in der Gesellschaft, eine verstärkte Sensibilisierung. Das freut uns als Übersetzerinnen natürlich, die Bereiche überschneiden sich. Wenn wir gute Arbeit leisten, den Kundenkontakt pflegen, unseren Mehrwert als Sprachprofis aufzeigen und mit der Zeit gehen, dann hat unser Beruf meiner Meinung nach auch in Zukunft Bestand.»


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Im Master Fachübersetzen, einer Vertiefung des Masters Angewandte Linguistik, bildet das IUED Institut für Übersetzen und Dolmetschen der ZHAW ExpertInnen für die professionelle Sprachmittlung aus. Die Studierenden wählen zwischen den Schwerpunkten:

  • Fachtextübersetzen
  • Übersetzungsmanagement
  • Barrierefreie Kommunikation/Audiovisuelles Übersetzen

Übersetzungsmanagement und Barrierefreie Kommunikation/Audiovisuelles Übersetzen können mit zwei Studiensprachen, d.h. mit der Grundsprache und einer Fremdsprache, studiert werden (Sprachkombination AC), Fachtextübersetzen mit mindestens drei Studiensprachen (Sprachkombination ACC).

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