Zum Inhalt springen

Menschliche Übersetzung für das High-End-Segment

Wer war nicht selbst schon froh um Unterstützung durch Google Translate und Konsorten? Menschliche ÜbersetzerInnen ersetzen die Tools aber noch lange nicht. Nicole Carnal, selbst Übersetzerin, zeichnet ein neues Bild des Übersetzens und erklärt, warum Fachübersetzen ein Master mit Zukunft ist.

von Christa Stocker, Leiterin Wissenschaftskommunikation & 
Leiterin Kommunikation IUED Institut für Übersetzen und Dolmetschen, Dozentin für Angewandte Linguistik

Was hat St. Galler Stickerei mit Übersetzen zu tun? Nicole Carnal zieht Parallelen zwischen dem heutigen Wandel in der Übersetzungsindustrie und der Textilbranche in der Ostschweiz: «Durch die Industrialisierung sind die Webstühle aus den Stuben der einfachen Menschen verschwunden. Die Massenware konnte billiger und besser in Fabriken gefertigt werden.» Jedoch sei die Textilindustrie deshalb nicht verschwunden. Sie habe sich nur verändert. «Heute werden in der Ostschweiz exklusive Stoffe, Spitzen und Stickereien produziert, die sich durch Design und Individualität auszeichnen. Hierfür sind menschliche Fähigkeiten wie Flexibilität, Kreativität und ein Sinn für Ästhetik ausschlaggebend.»

Ähnlich verhalte es sich beim Übersetzen. «Menschliche ÜbersetzerInnen braucht es überall dort, wo sprachliche Präzision, Kreativität und auch Ästhetik eine Rolle spielen», sagt Carnal, «sozusagen für das High-End-Übersetzen». Sobald ein Text eine strategische oder gesundheitsrelevante Komponente besitzt oder juristische oder finanzielle Konsequenzen haben kann, reicht eine maschinelle Übersetzung nicht mehr aus. Auch professionelle ÜbersetzerInnen nutzen die vorhandenen Tools. Richtig eingesetzt, nehmen sie ihnen die langweilige Routinearbeit ab und erlauben ihnen, in weniger Zeit mehr Text zu übersetzen. Nur menschliche ÜbersetzerInnen könnten jedoch die Textaussage und das Textverständnis sichern. «Sie kennen die Textkonventionen, die in verschiedenen Sprachen unterschiedlich sind, und steuern mit den Feinheiten der Sprache die Textbedeutung und -wirkung in die gewünschte Richtung.» Auch können sie stärker eingreifen, wenn es das Vorwissen der Zielleser nötig macht und z.B. die Informationsdichte durch zusätzliche Erklärungen verringern.

Fachübersetzen: Ein moderner Beruf mit Zukunft

«Der Beruf des Übersetzers hat sich», so Carnal, «zu einem sehr modernen Beruf gewandelt: ÜbersetzerInnen arbeiten oft im Team zusammen – auch mit Menschen aus anderen Fachbereichen. Sie nutzen neueste Technologien und sind auch an der audiovisuellen Aufbereitung von Texten beteiligt.» Als Fachpersonen für die mehrsprachige Kommunikation hätten sie oft auch beratende Funktion oder organisierten als ÜbersetzungsmanagerInnen die mehrsprachige Dokumentation eines Unternehmens. Innersprachlich eröffnet sich professionellen SprachmittlerInnen zudem ein neues Arbeitsfeld in der Barrierefreien Kommunikation – für Menschen mit Seh- oder Hörbehinderungen oder mit geringen Kenntnissen der Ortssprache.

Neue Schwerpunkte im Master Fachübersetzen

Diese Entwicklungen in der Sprachindustrie ebenso wie die neuen Möglichkeiten der Sprachtechnologie nimmt der Master am Departement Angewandte Linguistik auf. Ab Frühlingssemester 2020 können die Master-Studierenden in Fachübersetzen zwischen drei Schwerpunkten wählen: Fachtextübersetzen, Übersetzungsmanagement oder Barrierefreie Kommunikation/Audiovisuelles Übersetzen. In den Schwerpunkten Übersetzungsmanagement und Barrierefreie Kommunikation/Audiovisuelles Übersetzen ist das Studium mit nur einer Übersetzungsversion, d.h. nur einer Fremdsprache möglich. Mit dieser Neuausrichtung ermöglicht das IUED den Studierenden eine noch gezieltere Spezialisierung für das dynamische Feld der professionellen Sprachmittlung.


Nicole Carnal leitet die Mastervertiefung Fachübersetzen am Departement Angewandte Linguistik und arbeitet als freischaffende Übersetzerin (mit Schwerpunkt Urheberrecht, Marketing und PR sowie Politik) in den Sprachversionen Französisch – Deutsch und Englisch – Deutsch.

Master Fachübersetzen mit den neuen Studien-Schwerpunkten

  • Fachtextübersetzen
  • Übersetzungsmanagement*
  • Barrierefreie Kommunikation/Audiovisuelles Übersetzen*

*Studium mit einer Übersetzungsversion C-A möglich (eine der beiden Arbeitssprachen ist zwingend Deutsch oder Englisch)

Studienstart: Frühlingssemester 2020
Anmeldung bis Ende April 2019 möglich.

Für weitere Informationen: www.zhaw.ch/linguistik/master.

Der Beitrag hat dir gefallen? Dann kannst du ihn:

Sei der Erste der einen Kommentar abgibt

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.