Dauerläufer in der Natur

Lernen als Dauerlauf: Strategien für eine bessere Fitness

Text: Sibille Etling

Bild: Photo by Jenny Hill on Unsplash

Unsere heutige Arbeitswelt verändert sich stetig. Die Komplexität nimmt zu, die Ungewissheiten auch. Arbeitnehmer:innen und Organisationen sind gefordert, flexibel zu bleiben und sich den Herausforderungen zu stellen.

Neues zu lernen und Kompetenzen zukunftsfähig weiterzuentwickeln, wird zum Dauerlauf für individuelle und institutionelle Erfolge.

Selbstreflexion, Offenheit für Veränderungen und interdisziplinäres Denken sind dabei – laut der neusten IAP Studie zum Thema «Lernen in der Arbeitswelt 4.0» – erfolgskritisch für organisationales Lernen im digitalen Wandel. Laut IAP Dozent Jürg Gabathuler spielt zudem eine wirksame Lernumgebung und -kultur am Arbeitsplatz eine entscheidende Rolle. Er bezieht sich dabei auf das «Konzept der psychologischen Sicherheit». Das heisst, über welchen Spielraum verfügen Arbeitnehmer:innen Neues auszuprobieren, welche Fehler dürfen gemacht werden und wie wird mit diesen im Arbeitskontext umgegangen. Soweit zunächst zu den Grundvoraussetzungen, um Lernen in der Arbeitswelt 4.0 zu ermöglichen.

Aber wie, wann und wo wird im heutigen Arbeitskontext eigentlich konkret gelernt? Diesen Fragen geht die IAP-Studie – in der Fach- und Führungspersonen in der Schweiz zum Thema Lernen in der Arbeitswelt befragt wurden – nach. Sie ergründet darüber hinaus, wie sich Lernen durch die Digitalisierung verändert sowie verändern wird. Denn neben den Inhalten (Was man lernt?) ist auch die Frage der Didaktik (Wie man lernt?) nicht unwesentlich fürs Durchhalten auf längeren Strecken.

Wann, wo und wie wird heute gelernt?

Derzeit sind traditionelle Lernformen wie interne Präsenzseminare (91 Prozent) oder Learning-on-the-Job (90 Prozent) in Unternehmen und Weiterbildungsinstitutionen weiterhin vorherrschend. Nach der zukünftigen Entwicklung von Lernformen in fünf Jahren gefragt, erwarten jedoch 45 Prozent eine Abnahme von Präsenzkursen. Digitale Formate wie webbasierte Trainings (75 Prozent) und Lernvideos (72 Prozent) befinden sich weiterhin im Aufwind und sind Teil des heutigen Lernangebots. Neuere Lerntechnologien hingegen wie Virtual (6 Prozent) oder Augmented (4 Prozent) Reality werden, Stand heute, noch kaum eingesetzt.

Die befragten Fach- und Führungspersonen gaben darüber hinaus an, für ihre aktuelle oder zukünftige Position eher von zu Hause aus (65 Prozent) zu lernen als am Arbeitsplatz (53 Prozent). Dies erfolgt dabei häufig/öfters allein und selbstgesteuert (87 Prozent).

Dass wir im Homeoffice und hybrid Arbeiten können, haben die meisten von uns in den letzten zweieinhalb Pandemiejahren bewiesen. Aber auch Lernen mit Blended-Learning-Konzepten rückt weiter in den Fokus und gewinnt an Bedeutung. Dies bekräftigen die befragten Fach- und Führungskräfte der IAP-Studie mit 67 Prozent.

Wie funktionieren Blended-Learning-Konzepte?

Diese fügen unter didaktisch fundierten Gesichtspunkten Formate und somit Vorteile aus beiden Welten – Präsenz und Digital – zusammen:

Digitale Lernmodule ermöglichen einen hohen Grad an Flexibilität und Autonomie: Lernende können in ihrem eigenen Tempo lernen, können bekannte Inhalte auslassen oder komplexere Inhalte noch einmal wiederholen. Sie können selbst entscheiden, wann, wo und wie lange sie lernen.

Präsenzveranstaltungen ermöglichen persönlichen Erfahrungsaustausch, die Anwendung des Gelernten, das Klären offener Fragen und gegenseitiges Feedback. Die Verbindlichkeit steigt.

Die Mischung ist hierbei ganz entscheidend: Einzelne Präsenz- und Online-Elemente müssen didaktisch sinnvoll kombiniert und miteinander verzahnt werden, so dass durch die Zusammenstellung von Wissensvermittlung, Interaktion, Feedbackschlaufen, Diskussion und Transferaufgaben für die Lernenden die optimale Lernerfahrung entsteht. Kleine, aber signifikant positive Effekte auf den Lernerfolg belegt auch die Metastudie “Effects of flipping the classroom on learning outcomes and satisfaction: A meta-analysis” von van Alten, Phielix, Janssen und Kester (2019). Man schafft für die Lernenden individuell angepasste Lernstrukturen und fördert somit die Lernfitness.

Lernen wird somit vielfältiger und bunter. Neue Lerntechnologien eröffnen neue Möglichkeiten, die besonders in der sinnvollen Kombination mit etablierten analogen und digitalen Lernformen einen echten Mehrwert für das Lernen bringen können.

Weitere Informationen:

Weitere Ergebnisse der Studie finden Sie im Factsheet auf unserer Webseite. Der ganze Studienbericht folgt dann Anfang 2023.

CAS Blended Learning – Der CAS richtet sich an Personen, die Präsenzkurse in Blended Learning überführen möchten bzw. neue Lernangebote als Blended Learning konzipieren und durchführen möchten. Ziel des CAS ist es, dass die Teilnehmenden eigene Blended Learning Arrangements konzipieren, gestalten und durchführen können. Die nächste Durchführung startet am 12. Januar 2023. Weitere Informationen finden Sie auf der Seite des CAS Blended Learing.


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