«Ich bin jeden Tag 10 Stunden in Online-Konferenzen»

Berufsberatung, Coaching, Weiterbildung – alles aus dem Homeoffice?
IAP-Leiter Christoph Negri beantwortet 5 Fragen zur aktuellen Situation.

Interview: Kathrin Fink

Was sind momentan die besonderen Herausforderungen an einen Weiterbildungsbetrieb?
Wir als IAP sind stark von unseren Kundinnen und Kunden und Weiterbildungsteilnehmenden abhängig. Dadurch sind wir nahe an der Wirtschaft und müssen schnell und zielgerichtet kommunizieren können. Wir mussten uns genau überlegen, wann sagen wir was und wie.
Die andere Herausforderung war, unser gesamtes Weiterbildungsangebot (60 Studiengänge, über 100 Kurse) innerhalb einer Woche auf virtuelles Lernen umzustellen. Unsere zwei Experten für E-Learning, Luka Peters und Sabine Rödiger, haben sofort ein Notfallkit zusammengestellt, dass alle Dozierenden auf die Umstellung von Präsenz zu Online vorbereiten sollte. Tools wie Microsoft Teams oder Zoom wurden genau erklärt.

Wie sind die ersten Tage verlaufen?
Als bekannt wurde, dass Schulen geschlossen werden, war das auch für uns ein klares Zeichen zum Handeln. Wir haben eine IAP-Taskforce mit einem Kernteam und zwei Subgruppen gebildet. Zuerst wurden Massnahmen nur für einen kurzen Zeitraum bis 4. April diskutiert, doch uns war intern schnell klar, dass wir bis im Sommer online unterwegs sein werden. Ab dann begann ein reger Austausch in den zwei Taskforce-Subgruppen für Kommunikation und E-Learning und im gesamten IAP. Wir haben ergänzend dazu mit grossen virtuellen Konferenzen den Austausch gefördert und den Zusammenhalt unterstützt
Die Mitarbeitenden haben sich mit viel Engagement und Freude an die neuen Aufgaben gemacht. Es hat mich wirklich sehr beeindruckt, mit wieviel Mut sie Neues ausprobierten.

Durch Microsoft Teams ist das Team nie weit weg.

«Die schwierigen Anteile des immer-zuhause-seins fallen nun ins Gewicht.»

Wo gibt es Probleme? Was bereitet dir Sorgen?
Nun wir kommen jetzt langsam in die Phase, in der Mitarbeitende (und auch Kunden) an ihre Grenzen stossen. Am Anfang der Homeoffice-Zeit herrschte Aufbruchstimmung und die Leute waren voller Engagement und Kreativität, um ihre Kurse neu zu gestalten. Doch langsam, nach ein paar Wochen, fallen die schwierigen Anteile des immer-zuhause-seins vermehrt ins Gewicht. Viele Mitarbeitende haben Kinder und müssen neben ihren Tätigkeiten als Beratende und Dozierende ihre Kinder beim Homeschooling unterstützen und Freizeitaktivitäten auf die Beine stellen.
Wir sind daher bestrebt, alle Menschen, die Mühe haben, zu unterstützen und zu stabilisieren. Seit kurzem gibt es eine Krisen-Hotline für interne und externe Hilfesuchende.

Wo siehst du Chancen der Situation?
Auf jeden Fall im Ausbau unserer digitalen Skills. Ich war die letzten Tage und Wochen jeden Tag mindestens 10 Stunden in Online-Konferenzen – das ist eine grosse Umstellung. Ganz neu ist das Thema für uns aber nicht, da wir seit vier Jahren das Projekt «IAP goes digital» haben und eigentlich gut aufgestellt sind. Seit Beginn der Krise sind wir am IAP vor allem auf Microsoft Teams aktiv. So können wir gut auf Distanz aus dem Homeoffice arbeiten, beraten und unsere Weiterbildungsangebote durchführen.

«Gewisse Berufsgruppen dürfen nicht mehr an Weiterbildungen teilnehmen.»

Wie sieht die Zukunft am IAP aus?
Wir können alle unsere Weiterbildungskurse online aufrechterhalten. Bis Ende Juli finden an der ZHAW sicher keine Präsenzveranstaltungen statt.
Wir erwarten, dass bei den neuen Kursen ab Mai einzelne Teilnehmende nicht erscheinen können, weil wir viele Leute aus dem Gesundheitswesen und anderen systemrelevanten Branchen haben. Teilweise dürfen diese Berufsgruppen gar nicht mehr an Weiterbildungen teilnehmen, weil sie all ihre Kräfte für den Job brauchen.
Bei den Dienstleistungen gibt es vereinzelt Abmeldungen und Verschiebungen von Unternehmen. Wir haben aber auch laufend neue Kunden, die ganz bewusst in der jetzigen Zeit Online-Angebote wünschen.  Die Einzelberatungen sind dagegen wenig von Änderungen betroffen, da es schon vor der Corona-Zeit diverse digitale Angebote gab bzw. viele Beratungen, Coachings und Therapien nur zu zweit stattfinden.

Prof. Dr. Christoph Negri ist Institutsleiter am IAP Institut für Angewandte Psychologie.


Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.