Persönlich: Jan Rauch

Interview von Kathrin Fink, Redaktorin ZHAW Angewandte Psychologie

Jan, du bist am IAP für das Thema “Sportpsychologie” zuständig. Was macht ein Sportpsychologe?
Den „klassischen“ Sportpsychologen gibt es nicht, Sportpsychologie ist ein sehr vielfältiges Feld. Viele Sportpsychologen arbeiten in einem Eins-zu-eins-Setting mit Sportlern oder Teams im Bereich Mentale Stärke. Es gibt auch sportpsychologische Forschung, das machen wir  teilweise auch. Da untersuchen wir beispielsweise, welchen Nutzen  mentales Training hat . Und es gibt die Lehre, also Lehrgänge, in denen Menschen sportpsychologisches Wissen erlernen können. Hier am IAP zum Beispiel, leite ich den Kurs CAS Psychologisches & mentales Training im Sport. Der ist interessant für Coaches und Sportlehrer, aber auch für Sportler und Psychologen, die mentale Techniken erlernen und anderen vermitteln wollen. 

Im Rahmen der Kooperation mit  Zürich Marathon stellt Jan Rauch die Ergebnisse einer Studie vor.

Wer nimmt sportpsychologische Beratungen in Anspruch?
Profi-, Hobby- und viele Nachwuchssportler. Gerade in Sportarten, wo man viel Zeit zum Nachdenken hat – zum Beispiel beim Golf, Tennis oder Marathon -, steigt die Akzeptanz und die Erkenntnis, dass der Kopf die Leistung stark mitbeeinflusst. Viele Amateursportler haben schon einmal gemerkt, dass sie nicht nur wegen des Körpers, sondern auch wegen des Kopfs verloren oder gewonnen haben. Die Leute merken, dass es sich lohnt, in seine mentalen Kräfte zu investieren, statt noch einmal in einen neuen Schläger oder ein neues Shirt, das 3 Gramm leichter ist.

Mit was für Fragestellungen kommen die Leute zu dir?
Ein häufiges Problem ist: Ich schaffe es nicht oder nicht immer, das zu leisten, was ich eigentlich drauf habe, wenn es darauf ankommt. Das kann im Vorfeld spezieller Ereignisse, wie der WM oder einem Turnier sein, oder im Wettbewerb mit einem bestimmten Gegner, gegen den man immer Probleme hat.

Wie bist du auf den Beruf des Sportpsychologen gekommen?
Sport hat schon in meiner Familie eine grosse Rolle gespielt. Mein Vater war Sportjournalist, meine Mutter Sportphysiotherapeutin. Bei uns lief immer Sport im Fernsehen und als Kinder durften wir mit zu all den Sportanlässen. Ich habe auch selbst viel Sport getrieben, z.B. Tennis, Taekwondo und Unihockey. Als  dann das Psychologiestudium an der Universität Zürich langsam zu Ende ging, musste ich mich so langsam für eine Spezialisierung  entscheiden. Da dachte ich, ich könnte mein Hobby mit dem Beruf verbinden und ging Richtung Sportpsychologie. Damals gab es ganz neu ein Nachdiplomstudium in Sportpsychologie in Magglingen, das ich dann absolvierte. Zur gleichen Zeit habe ich in Sportpsychologie zum Thema «Intuitive Physik im Sport» an der Uni doktoriert.

Jan Rauch mit dem früheren Weltklasse-Läufer Bruno Lafranchi.

Die Sportpsychologie ist als wissenschaftliche Disziplin nicht so bekannt, ist sie etwas Neues?  Grundsätzlich ist die Sportpsychologie alt. Dass das Mentale Einfluss auf die Leistung hat, haben schon die Menschen in der Antike gewusst. Damals hat man sich beispielsweise mit Ritualen auf (Wett-)kämpfe vorbereitet. Die SASP (Swiss Association of Sport Psychology) gibt es auch schon seit ungefähr 50 Jahren. Ich würde daher nicht sagen, dass dieses Gebiet nicht bekannt ist, es ist einfach an den Schweizer Universitäten noch nicht in Lehrstühlen verankert. In anderen Ländern wie beispielsweise den USA oder Australien, wo der Sport einen viel höheren Stellenwert hat, ist auch die Disziplin der Sportpsychologe entsprechend bekannter.


Dr. Jan Rauch ist Psychologe FSP und am IAP Institut für Angewandte Psychologie als Dozent und Berater tätig. Er ist Studienleiter der Zertifikatslehrgänge CAS Psychologisches & mentales Training im Sport sowie CAS Teams erfolgreich steuern & begleiten und bietet sportpsychologische Beratungen im Einzel- und Teamsport an. Er ist ausserdem Vizepräsident der Swiss Association of Sport Psychology (SASP).


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