Das Buch neu entdecken – eine Ausstellung lädt dazu ein

Trouvaillen, Kuriositäten sowie ästhetisch und inhaltlich bemerkenswerte Bücher erzählen von Geschichte und Gegenwart der Winterthurer Bibliotheksbestände und laden dazu ein, das Medium Buch neu zu entdecken.

«Das Buch ist wie der Löffel, der Hammer, das Rad oder die Schere: Sind diese Dinge erst einmal erfunden, lässt sich Besseres nicht mehr machen.» Mit diesem Vergleich brachte Umberto Eco die Beständigkeit des Buches auf den Punkt. Tatsächlich hat das gedruckte Buch zahlreiche technische Umbrüche überstanden. Gleichzeitig hat die Digitalisierung unsere Art, Informationen zu speichern, zu suchen und zu nutzen grundlegend verändert.

Auch die ZHAW Hochschulbibliothek spiegelt diese Entwicklung wider: Neben rund 172’000 gedruckten Büchern stehen heute 386’000 E-Books und 95’000 elektronische Zeitschriften zur Verfügung. Zählt man die darin enthaltenen Artikel und weitere digitale Quellen hinzu, wird deutlich, wie stark sich Wissen in den digitalen Raum verlagert hat.

Kulturtechnik Buch

Gerade weil digitale Informationen allgegenwärtig geworden sind, lohnt sich ein neuer Blick auf das Buch. Es steht für eine Kulturtechnik, die eng mit Bildung, Konzentration und vertieftem Verständnis verbunden ist. Darüber hinaus ist das Buch weit mehr als ein Informationsträger. Es besitzt eine materielle Gestalt, die man betrachten, anfassen, erleben – ja sogar riechen kann. Papier, Einband, Format und Drucktechnik erzählen oft ihre eigene Geschichte.

Zeitzeugen aus den Beständen

Die Ausstellung führt durch die Geschichte der Bibliothek und der Hochschule. Zu sehen sind beispielsweise historische Drucke aus den Sammlungen der heutigen ZHAW School of Engineering, deren Wurzeln bis zum 1874 gegründeten Technikum Winterthur zurückreichen.

Dass das gedruckte Buch aber auch anhaltende Bedeutung besitzt, wird im Bestand des Architektur-Departements besonders augenfällig, dessen Anteil an gedruckten Neuerwerbungen gross bleibt. Anders als viele digitale Publikationsformen nutzt das Architekturbuch seine Materialität bewusst: Grossformate, besondere Papierarten, aufwendige Bildstrecken oder ungewöhnliche Proportionen unterstützen die Vermittlung räumlicher Qualitäten.

Die Hochschule im Spiegel ihrer Bücher

Von Technik und Architektur über Gesundheit und Wirtschaft bis hin zu Recht, Politik und Linguistik: Die ausgestellten Bücher veranschaulichen die thematische Breite der ZHAW und ihrer Vorgängerinstitutionen. Zugleich dokumentieren sie, wie sich die Ästhetik des Buches im Laufe der Jahrzehnte verändert hat.

Die Ausstellung lädt dazu ein, bewusst zu stöbern, zu vergleichen und zu entdecken. Sie zeigt das Buch als Wissensspeicher, Erinnerungsmedium, Gebrauchsgegenstand und Kunstwerk. Vor allem aber erinnert sie daran, dass gedruckte Bücher auch im digitalen Zeitalter nichts von ihrer Faszination verloren haben und weiterhin ihren Platz haben.

Die Wörter der englischen Sprache lassen sich selbst in den drei Bänden des „Oxford Englisch dictionary“ nur unterbringen, wenn die Schrift mikrographisch verkleinert wird und mit einer Lupe, die bei dieser Publikation auch mitgeliefert wird, gelesen werden kann. Eine Loseblatt-Sammlung mit Werken von Le Corbusier und ein Geburts-Atlas für die Hebammen-Ausbildung ergänzen den Ausstellungsbereich.

Auffällige Farben, Broschüren im Schuber, Werke von Wissenschaftsikonen und debattenauslösende Schriften: Die Vielfalt auch neuerer Print-Bücher im Bibliotheksbestand ist augenscheinlich.

Reich gestaltete Titelbilder, detaillierte technische Illustrationen und farbenprächtige Architekturbilder prägen den historischen Teil der Ausstellung.

Ein Buch, das so gross ist, dass es kaum auf einem Pult Platz findet und deshalb zusammen mit einem eigens dafür entworfenen Ständer herausgegeben wurde. Der kürzlich verstorbene Künstler David Hockney (1937-2026) hat für dieses monumentale Buchobjekt die Auswahl, Anordnung und farbliche Wiedergabe seiner Werke selbst begleitet.


Ein Beitrag von Dieter Sulzer. 

Titelbild und Fotografien: von Dieter Sulzer

Wo nicht anders genannt, steht dieses Werk unter Lizenz CC BY 4.0 ZHAW, Hochschulbibliothek (Stand 20.10.26).
Schlagwörter: Ausstellung, Bücher, Winterthur

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