Nachdem sich das Spital Laufen als unwirtschaftlich erwiesen hatte, wurde es im Rahmen eines politischen Kompromisses zu einem Gesundheitszentrum «geschrumpft». Nun zeigt sich: Auch dieses deckt seine Kosten nicht. Laufen steht exemplarisch für die Frage, wie viel Ineffizienz der Volkswille erträgt.

Das Laufental kennt man in der Nordwestschweiz für die omnipräsenten Skisäcke von Karrer Sport, im Rest der Schweiz für Ricola. Politisch ist es so etwas wie das Scheidungskind der Jurafrage. Als der Kanton Jura 1979 unabhängig wurde, wollte das deutschsprachige Laufental nicht mit und wurde zur bernischen Exklave. Anschliessen sollte es sich dann dem Kanton Baselland, doch der Weg dorthin war steinig: 1983 lehnten die Laufentaler den Kantonswechsel klar ab. Erst als illegale Berner Zahlungen an die Gegner aufflogen, ordnete das Bundesgericht eine Wiederholung an, 1989 sagten knappe 51,7% Ja.
Ein teures Versprechen
Der Laufentalvertrag, der den Wechsel regelte, hielt fest, dass der «Fortbestand des Spitals Laufen dauernd gewährleistet» werde. Diese Zusage hielt bis 2020, als der Kanton das Spital schliessen wollte. Entsprechend gross war der Aufschrei: Rote Linien wurden beschworen und alte Wunden schienen sich wieder zu öffnen. Schliesslich einigte man sich darauf, aus dem Spital ein Gesundheitszentrum zu machen, mit einem rund um die Uhr geöffneten Walk-in-Notfall, vergleichbar mit einer Permanence für die Grundversorgung und weniger komplexe Notfälle. Bei schwereren medizinischen Problemen und für stationäre Behandlungen gingen die Leute ohnehin schon länger in grössere Spitäler ausserhalb des Laufentals. In Städten lässt sich ein Permanence-Betrieb bis 22 Uhr dank hoher Fallzahlen meist kostendeckend führen. Auf dem Land, und so auch in Laufen, fehlen dafür die Fallzahlen, und die durchgehende Nachtbereitschaft verteuert das Angebot zusätzlich. Dazu kommt, dass die Zielgruppe für nächtliche Notfälle in einer Permanence sehr klein ist: Entweder müssen diese ohnehin ins Spital oder sie können auch bis zum nächsten Tag warten.
Eine rote Linie auf Zeit
Die Laufentaler Lösung basierte auf einem politischen Kompromiss, war aber dennoch defizitär. Das 24/7-Versprechen war nötig, um nach der Spitalschliessung Vertrauen zurückzugewinnen. Ökonomisch war es aber von Anfang an schwer zu rechtfertigen. Im Mai 2026 holte die Realität das Versprechen ein. Der Regierungsrat will den Walk-in künftig nur noch von 8 bis 22 Uhr finanzieren. Die vorberatende Kommission beantragt sogar eine Schliessung um 20 Uhr und will ausserdem die Ausgaben um rund ein Drittel kürzen. Damit fällt Laufens nächste «rote Linie» nach gut fünf Jahren der durchgehenden Versorgung.
Der Fall Laufen steht für eine Frage, die viele Kantone beschäftigen dürfte: Wollen wir teure 24/7-Strukturen flächendeckend vorhalten oder organisieren wir die Nacht anders, etwa mit telefonischer Triage und starkem Rettungsdienst? Beides zugleich, rund um die Uhr, günstig und überall, gibt es nicht. Demokratische Entscheide dürfen unvernünftig sein, solange alle wissen, wofür sie zahlen. Manchmal korrigieren sie sich aber, wenn der Nutzen sichtbar wird und die Rechnung auf dem Tisch liegt.
Christoph Thommen ist wissenschaftlicher Mitarbeiter und Dozent und Co-Leitung im Team Gesundheitsökonomische Forschung am Winterthurer Institut für Gesundheitsökonomie, ZHAW.