Schlafstörungen in den Wechseljahren: häufig, belastend und zu wenig im Fokus

Quelle: Adobe Stock

Von Cécile Grobet

Schlecht schlafen, morgens erschöpft aufwachen, tagsüber nicht richtig funktionieren. Das kennen viele Frauen vor und während der Menopause. Doch wie gross ist die tatsächliche Belastung? Und was bedeutet das für das Gesundheitssystem?

Fast jede zweite Frau betroffen

Eine aktuelle Studie im Fachjournal Menopause (Soares et al., 2026) hat genau das hat genau das in einer sehr grossen internationalen Studie untersucht. Daten von fast 50’000 Frauen aus den USA und fünf europäischen Ländern (Deutschland, Frankreich, Italien, Spanien, Vereinigtes Königreich) wurden ausgewertet, darunter sowohl Frauen in der Perimenopause, also vor der letzten Menstruation, als auch in der Postmenopause. Das Ergebnis ist deutlich: Über die Hälfte der Frauen berichtete von Schlafstörungen, unabhängig davon, ob sie gleichzeitig unter Symptomen wie Hitzewallungen oder Nachtschweiss litten. Das ist deshalb wichtig, weil Schlafstörungen und Hitzewallungen häufig in einem Atemzug genannt werden. Die Studie zeigt jedoch, dass Schlafprobleme oft auch dann auftreten, wenn keine Hitzewallungen vorhanden sind, und dass sie eigenständige, erhebliche Auswirkungen haben.

Lebensqualität und psychische Gesundheit leiden deutlich

Die Studie zeigt, dass Frauen mit Schlafstörungen eine schlechtere Lebensqualität hatten und häufiger unter depressiven Symptomen und Angst litten als Frauen ohne Schlafstörungen. Frauen mit Schlafstörungen schnitten dabei sogar schlechter ab als Frauen mit Hitzewallungen. Bemerkenswert sind auch die Ergebnisse für perimenopausale Frauen. Gerade in dieser frühen Phase fielen die Depressions- und Angstscores durchgehend schlechter aus als bei postmenopausalen Frauen, und die Symptome sind am wenigsten eindeutig zuzuordnen.

Eine Versorgungslücke, die schon bei der Erkennung beginnt

Das Daran-Denken fehlt, besonders in der Perimenopause. Frauen in der Perimenopause befinden sich in einer diagnostischen Grauzone. Die Symptome sind diffus und die Hormonumstellung ist als Ursache von Schlafstörungen noch wenig auf dem Radar. Dabei zeigt die Studie, dass bereits in dieser frühen Phase über die Hälfte der Frauen schlecht schläft.

Das zeigt auch ein Blick in die mediX-Guideline zu Schlafstörungen, eine Referenzen für Hausärztinnen und Hausärzte in der Schweiz. Schlafstörungen im Kontext der Wechseljahre tauchen dort nicht als eigenständiges Thema auf. Menopause wird lediglich als Risikofaktor für Schlafapnoe erwähnt, was nicht dem Bild entspricht, das die vorliegende Studie zeichnet.

Spezifische Behandlungsoptionen fehlen ebenfalls. Es gibt aktuell keine Medikamente, die spezifisch für menopausale Schlafstörungen zugelassen sind. Solche ungedeckten Bedarfe sind in der Gesundheitsökonomie ein wichtiges Signal: Sie zeigen auf, dass weitere Forschung nötig ist und dass das Thema mehr gesundheitspolitische Aufmerksamkeit verdient. Schlafstörungen haben zudem nicht nur einen Einfluss auf die Lebensqualität, sondern auch auf die Arbeitsfähigkeit und die Produktivität. Solche Folgekosten können mit gesundheitsökonomischen Methoden sichtbar gemacht werden.

Fazit

Schlafstörungen vor und während der Menopause sind häufig und belastend und sie treten unabhängig von Hitzewallungen auf. Sie betreffen Frauen schon lange bevor die Wechseljahre klar erkennbar sind. Eine bessere Erkennung, angefangen bei der gezielten Anamnese in der Hausarzt- und gynäkologischen Praxis, wäre ein erster, wichtiger Schritt.

Cécile Grobet ist wissenschaftliche Mitarbeiterin und Co-Leitung im Team HTA und gesundheitsökonomische Evaluationen am Winterthurer Institut für Gesundheitsökonomie (WIG), ZHAW.

Referenzen

Soares CN, Briggs P, Dinkel-Keuthage C et al. The burden of sleep disturbances on quality of life and mental well-being in nearly 50,000 perimenopausal and postmenopausal women with and without concurrent vasomotor symptoms from the United States and Europe. Menopause 2026;33:261–269. DOI: 10.1097/GME.0000000000002654

Chmiel C, Beise U. Guideline Schlafstörungen. mediX schweiz, zuletzt revidiert 05/2022. Verfügbar unter: https://www.medix.ch/wissen/guidelines/schlafstoerungen/


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