Management im Gesundheitswesen

PROMs in der Hausarztpraxis

Quelle: Colourbox

Irene Kobler und Johanna Stahl

Wie erfreulich wäre es doch, wenn man Sie bei Ihrem nächsten Hausarztbesuch auch einmal nach Ihrer Perspektive fragen würde… Danach zum Beispiel, wie Sie selbst Ihre Gesundheit oder Ihre Lebensqualität einschätzen. Ganz sicher gibt es die eine Hausärztin oder den anderen Hausarzt, die/der dies schon in der Konsultation erfragt. Doch fehlt es in der Grundversorgung bisher an einer systematischen Einbindung solcher patientengerichteten Indikatoren auf eine praktische, einfache und kostengünstige Art. Dieser Herausforderungen haben wir uns gemeinsam mit der EQUAM Stiftung angenommen. In einem durch Innosuisse geförderten Projekt haben wir ein Angebot entwickelt, welches Patient-reported Outcome Measures (kurz PROMs) in die Hausarztpraxis bringen soll.

Der Kern dieses Projektes ist ein kurzer, validierter Fragebogen (VR-12). Dieser erfasst die gesundheitsbezogene Lebensqualität von Patientinnen und Patienten und deren Entwicklung über die Zeit in zwölf Fragen und kann in die ärztliche Behandlung miteinbezogen werden. Zudem werden systematisch ein paar Angaben zum Lebensstil und zu den Behandlungspräferenzen abgefragt. Zu einem späteren Zeitpunkt soll auch die Möglichkeit für die EQUAM Stiftung bestehen, weitere PROM-Instrumente in ihr Angebot aufzunehmen.

Was sind PROMs? PROMs liefern wichtige Informationen zum Gesundheitszustand von Patientinnen und Patienten. Zudem zeigen sie Auswirkungen von Interventionen und Behandlungen aus Sicht der Patientinnen und Patienten auf. Werden PROMs in den medizinischen Alltag integriert und damit systematisch erfasst, unterstützen sie dabei die Ausrichtung der medizinischen Versorgung auf die Präferenzen der Patientinnen und Patienten. Zudem kann Mithilfe von aggregierten PROM-Daten unter anderem die Effektivität unterschiedlicher Behandlungsmethoden evaluiert werden (Hostettler et al. 2018).

Mehr Patientenzentrierung durch PROMs

Theorie und wissenschaftliche Erkenntnisse zeigen, dass der routinemässige Einsatz von PROMs unter anderem die Arzt-Patienten-Kommunikation stärkt und langfristig mehr Wert in der Gesundheitsversorgung schafft. Darüber hinaus zeigen verschiedene Studien, dass das Patientenmanagement verbessert und die Behandlungsqualität gesteigert werden kann (z.B. Rotenstein et al. 2017). In der Forschung werden PROMs bereits seit vielen Jahren eingesetzt. Ihr routinemässiger Einsatz in der Schweiz wird zudem seit ein paar Jahren von prominenten Akteurinnen und Akteuren gefordert. Beispiele hierfür sind die FMH Ärzteschaft und ein Bericht zur Verbesserung der Qualität und Patientensicherheit, der im Auftrag des Bundesamtes für Gesundheit verfasst wurde. In der stationären Versorgung haben PROMs bereits vor einigen Jahren Einzug in der Schweiz gehalten (bspw. Universitätsspital Basel). In Hausarztpraxen dagegen wurden sie bisher nur temporär für Forschungszwecke eingesetzt.

Aktueller Stand des Angebots

Genau hier setzt unser Projekt «PROMs in der Hausarztpraxis» an. Im Rahmen des Projektes haben wir in den vergangenen Monaten ein Angebot gemeinsam für die und mit der EQUAM Stiftung entwickelt. Dieses umfasst die folgenden Aspekte:

  1. Patientinnen und Patienten beantworten den validierten Fragebogen (VR-12) im Wartezimmer mit einem speziell dafür eingerichteten Tablet oder Ihrem Smartphone.
  2. Hausärztinnen und Hausärzte rufen die aktuellen (und vergangenen) Antworten der jeweiligen Patientinnen und Patienten live auf einem webbasierten Dashboard ab und beziehen sie in die Konsultation mit ein. Dies jedoch unter der Voraussetzung, dass die jeweilige Patientin oder der jeweilige Patient dazu im Voraus explizit seine Einwilligung gegeben hat.
  3. Neben der Nutzung der Daten auf Patientenebene ist zudem eine aggregierte Auswertung der anonymen Patientenantworten auf Praxisebene möglich. Auch hierfür muss eine explizite Einwilligung der Teilnehmenden vorliegen.

Pilotprojekt – «Funktioniert dies wirklich? Ist es praktikabel? Bringt es einen Mehrwert?»

Aktuell wird das Angebot in zwei Hausarztpraxen über einen Zeitraum von rund sechs Wochen pilotiert. Damit verfolgen wir das Ziel, es nach Abschluss des Projektes im besten Fall in das Angebot der EQUAM Stiftung aufzunehmen und/oder wichtige Erkenntnisse zur Anpassung zu gewinnen. So soll ermittelt werden, ob das Angebot in der Praxis pragmatisch und nutzenbringend für Patientinnen und Patienten sowie für ihre Hausärztinnen und Hausärzte eingesetzt werden kann. Gerne möchten wir damit auch einen wichtigen Beitrag zur Diskussion rund um das Thema PROMs in der schweizerischen Gesundheitspolitik leisten.

Irene Kobler ist wissenschaftliche Mitarbeiterin im Team Management im Gesundheitswesen am WIG.

Johanna Stahl ist wissenschaftliche Assistentin im Team Management im Gesundheitswesen am WIG.

Literatur:

Hostettler S, Kraft E, Bosshart Ch. Patient-reported outcome measures: Die Patientensicht zählt. Grundlagenpapier der DDQ/SAQM. Schweiz Ärzteztg. 2018;99(40):1348-1352. 

Rotenstein, L. S., Huckman, R. S., & Wagle, N. W. (2017). Making Patients and Doctors Happier — The Potential of Patient-Reported Outcomes. New England Journal of Medicine377(14), 1309–1312. https://doi.org/10.1056/NEJMp1707537 

Weitere Blog-Beiträge zum Thema PROMs:

Discussion

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.