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RÜSTZEUG FÜR NEUE ROLLE

Die Sandwichposition zwischen Pflegeteam und Ärzteschaft bedeutet eine Herausforderung. Ein neues CAS vermittelt nun Kompetenzen für Klinische Fachspezialistinnen und -spezialisten.

VON ANDREA SÖLDI

Seit zwei Jahren arbeiten am Kantonsspital Winterthur (KSW) sogenannte Klinische Fachspezialisten. Diese ausgebildeten Pflegefachpersonen sind mit Aufgaben betraut, die traditionell zum ärztlichen Bereich gehören: Sie leiten Visiten, schreiben Austrittsberichte, schätzen den Heilungsverlauf von Wunden ein und verordnen sogar einige Medikamente – bis anhin alles ohne spezielle Ausbildung. Nun bietet das Departement Gesundheit ab nächstem Jahr einen passenden Zertifikatslehrgang (CAS) an. «Wir wollen die Pflegefachleute befähigen, ihre neue Berufsrolle kompetent wahrzunehmen», sagt Studiengangleiterin Anita Manser.

PROBLEMBASIERTES LERNEN
Im einjährigen Lehrgang werden medizinische Grundlagen wie bildgebende Diagnostik, Endokrinologie, Diabetologie und Schmerzmanagement thematisiert. Zudem vertiefen die Teilnehmenden ihre kommunikativen Kompetenzen und befassen sich mit der korrekten Dokumentation des Krankheitsverlaufs sowie der Koordination vom Eintritt bis zum Austritt der Patienten. Weiter setzen sie sich mit betrieblichen, rechtlichen und finanziellen Aspekten auseinander. Die Inhalte würden hauptsächlich durch eigenständige Lernformen vermittelt, erklärt Anita Manser. Ausgehend von einem Problem im Arbeitsalltag erarbeiten die Studierenden selber Lösungen. Unter Anwesenheit von Experten präsentieren sie diese anschliessend im Plenum.

Die interprofessionelle Weiterbildung, die sich auch an Gesundheitsfachleute wie Physio- und Ergotherapeuten sowie Hebammen richtet, wurde in enger Zusammenarbeit mit dem KSW konzipiert. «Das neue Berufsbild wurde nicht am Schreibtisch entworfen, sondern entstand aus einem Bedarf in der Praxis heraus», betont Stefan Breitenstein. Der Chefarzt des Departements Chirurgie hat als erster Arzt am KSW damit begonnen, Pflegefachleuten mehr Aufgaben zu übertragen. Sein Bestreben ist es, Assistenzärzte von administrativen Arbeiten zu entlasten, damit sie mehr Zeit im Operationssaal verbringen und ihre Ausbildung verbessern können.

SEINE GRENZEN KENNEN
Klinische Fachspezialisten arbeiten stets im Tandem mit einer Ärztin oder einem Arzt, der nach wie vor die Verantwortung trägt. Die Definition ihrer Aufgaben und Kompetenzen wird laufend angepasst. «Am Anfang gab es einige Unsicherheiten, was unsere Rolle betrifft», sagt Michaela Schwarzfischer, die seit November 2015 als Klinische Fachspezialistin arbeitet. Nach zehn Jahren Erfahrung hatte die Pflegefachfrau mit Bachelorabschluss Lust auf etwas Neues. Nun ist sie dem Ärzteteam zugeteilt und kümmert sich um die Betreuung auf der Bettenstation. Aufgrund ihrer bisherigen Erfahrungen kenne sie die Abläufe auf einer Pflegeabteilung gut, sagt Schwarzfischer. «Das erweist sich als sehr wertvoll.» Wenn sie sich unsicher fühlt, etwa bei der Verordnung eines Medikaments, schaut sie in der Fachliteratur nach oder konsultiert einen Arzt. «Es ist wichtig, dass ich meine Grenzen kenne und einhalte», sagt sie.

Um der neuen Berufsrolle noch besser gewachsen zu sein, will Schwarzfischer im Februar mit dem CAS an der ZHAW beginnen. Einerseits möchte sie damit ihr medizinisches Fachwissen vertiefen – zum Beispiel für die Interpretation von Laborwerten oder die Auswertung von bildgebenden Verfahren. Anderseits erhofft sie sich mehr Sicherheit bei Aufgaben wie der Leitung von Visiten, der Teilnahme an Ärzterapporten und der Kommunikation mit dem Pflegeteam. Die motivierte Fachfrau ist überzeugt: «Die Weiterbildung bedeutet für mich eine einmalige Chance, mich beruflich weiterzuentwickeln.» //


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