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NEUE BERUFSPROFILE TEIL 2: ERGOTHERAPIE

Ergotherapeut, Ärztin, Pflegefachmann, Hebamme: Die Rollen innerhalb des Gesundheitswesens haben sich in der Vergangenheit immer wieder verschoben, vermischt und neuen Gegebenheiten angepasst. An welchem Punkt stehen wir heute? Wo werden starre Berufsbilder aufgelöst und neue Profile entwickelt – etwa um dem Fachkräftemangel entgegenzuwirken und die integrierte Versorgung zu fördern? In Teil zwei berichtet Claudia Meier, Ergotherapeutin und Eingliederungsberaterin, SVA Zürich.

AUFGEZEICHNET VON RITA ZIEGLER

Claudia Meier, Eingliederungsberaterin, SVA Zürich
Dipl. Ergotherapeutin, MAS in Arbeitsintegration

Die meisten Menschen setzen IV mit Rente gleich. Die braucht es manchmal auch. Aber in meiner Tätigkeit geht es darum, Personen mit gesundheitlichen Einschränkungen zurück an den Arbeitsplatz zu bringen oder besser noch: Sie dort zu halten. Um dies zu erreichen, stehe ich mit allen involvierten Akteuren in Kontakt: mit den Klienten, den Arbeitgebern, den Ärzten, oft auch mit der Krankentaggeldversicherung oder der Sozialhilfe. Gemeinsam schauen wir die Situation an. Wo genau liegt das Problem? Welche Massnahmen könnten helfen? Zu welchen Schritten ist der Arbeitgeber bereit? Es gibt auch Klientinnen und Klienten, die ihren Job bereits verloren haben. Dann geht es darum, eine geeignete Stelle zu finden oder gute Voraussetzungen dafür zu schaffen: mit einem Arbeitsversuch etwa, mit einem stufenweisen Wiedereinstieg oder mithilfe einer Weiterbildung.

Die Eingliederungsberaterinnen und -berater der SVA Zürich sind alles Quereinsteiger: Sie kommen aus der Sozialarbeit, aus der Pflege, aus den Human Resources, haben als RAV-Berater oder handwerklich-technisch gearbeitet. Was wir nebst Beratungskompetenzen alle brauchen, ist ein solides Wissen zu den Sozialversicherungen und zum Arbeitsmarkt. Denn wir müssen nebst den Bedürfnissen der Klienten auch die Perspektive der Arbeitgeber verstehen. Ich selbst arbeitete früher in der berufsorientierten Ergotherapie einer Rehaklinik. Das hat mir gut gefallen. Doch nach einiger Zeit reizte es mich, stärker ins reale Arbeitssetting einzutauchen. Die Möglichkeit, mit meinen Klienten und ihren Arbeitgebern die Bedingungen vor Ort anzuschauen und zu optimieren, schätze ich an meiner jetzigen Tätigkeit sehr. Auch die Schnittstellenfunktion finde ich spannend: Bei einem Round-Table-Gespräch alle Beteiligten ins Boot zu holen, Vorurteile abzubauen – davon gibt es einige – und gemeinsam Lösungen zu suchen: Das liegt mir. Der administrative Teil ist bei der Invalidenversicherung sicherlich nicht klein, aber gehört halt einfach dazu. Bei der SVA Zürich bewege ich mich in einem fixen gesetzlichen Rahmen und habe ein klar vorgegebenes Ziel: meine Klienten in den ersten Arbeitsmarkt zurückzubringen. Die klassische Ergotherapie funktioniert breiter. Sie interessiert sich für jede Art von Tätigkeit, die für die Klienten bedeutungsvoll ist. Das kann ein Beruf sein, aber auch ein Hobby, soziale Kontakte oder Hausarbeit.

Der Wechsel von der Rehabilitation in die Eingliederung gestaltete sich nicht einfach. Die Ergotherapie ist in diesem Feld noch wenig bekannt. Zudem wird die Therapie klassischerweise der Heilungsphase zugeordnet, die Eingliederung dem, was nachher kommt. Dennoch glaube ich, dass Ergotherapeutinnen und -therapeuten prädestiniert sind für diesen Bereich. Viele ergotherapeutische Fähigkeiten brauche ich tagtäglich: das medizinische Know-how, die ganzheitliche Sicht, das systemische Vorgehen oder die adressatengerechte Kommunikation mit diversen Akteuren. Dass ich einen MAS in Arbeitsintegration absolviert habe, hat mir sicher geholfen. Eine Weiterbildung spezifisch für Ergotherapeuten gab es damals noch nicht, anders als heute. Im CAS «Best Practice in Ergotherapie – Berufliche Integration» engagiere ich mich nun als Fachexpertin. Dass der ErgotherapeutInnen-Verband das Thema als Arbeitsfeld in seine Strategie aufgenommen hat, stärkt das berufliche Selbstverständnis ebenfalls. //

«Vitamin G», Seite 15-16


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