MEINUNG: LOBBYARBEIT IST NICHT KÜR, SONDERN PFLICHT!

PROF. DR. IRINA NAST, Professorin am Institut für Physiotherapie

Am zweiten Interprofessionellen Advanced Practice Symposium waren sich die Expertinnen und Experten aus Politik, Rechtswissenschaft, Versicherung und Praxis einig: Advanced Practice (AP) kann zur Verbesserung der Versorgungsqualität beitragen. Der Haken: Es fehlen angemessene Umsetzungsund Vergütungsrichtlinien.

Die AP-Rollen sind zwar gesetzlich nicht geregelt, deswegen aber nicht gesetzeswidrig. Die Ärzteschaft kann via Delegation oder Anordnung Aufgaben an Fachpersonen der Gesundheitsberufe übertragen. Die Grenzen der AP zeigen sich vor allem im Krankenversicherungsgesetz, in dem AP-Leistungen nicht als solche abgegolten werden können. Das heisst: Trotz ebenbürtiger Leistung und Bildung von Assistenzärztinnen und AP-Experten klafft ihre Vergütung weit auseinander.

Um diese Missstände zu beheben, schlug Christine Boldi, Expertin im Gesundheits- und Tarifrecht, vor, ein Bundesgesetz über die Ausbildung, Kompetenzen, Verantwortlichkeiten sowie die Abrechenbarkeit der Leistungen von AP-Expertinnen auszuarbeiten. Nationalrätin Barbara Gysi (SP SG) skizzierte drei weitere «Pisten», um die AP zu etablieren, allen voran den Experimentierartikel im ersten Kostendämpfungspaket. Grundsätzlich ist eine Reglementierung der AP aber auch auf kantonaler Ebene möglich: Die Waadt regelt Ausbildung, Kompetenzen und Verantwortlichkeiten in der Verordnung über die Ausübung der Gesundheitsberufe.

Aus Sicht der Kostenträger sollten neue Rollen im Gesundheitswesen allerdings möglichst keine Mehrkosten verursachen. Es ist also notwendig, mit starken Argumenten zur Kosteneffizienz von AP-Modellen aufzutrumpfen. Wir Angehörige der Fachhochschulen sollten es als unsere Aufgabe begreifen, den Berufsverbänden die bestehende Evidenz zur Kosteneffizienz der AP zu vermitteln – damit sie sie in die Politik einbringen können.

Die Message am Symposium war klar: Das Ziel, die AP zu etablieren, wird in Zusammenarbeit der involvierten Professionen und durch engagierte Lobbyarbeit der Stakeholder – Berufsverbände, Fachhochschulen sowie AP-Expertinnen und Experten – erreicht! //

Vitamin G, S. 5


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