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KNICK IM SOMMER

Ein falscher Tritt, ein Sturz oder ein allzu intensives Training – schon signalisiert ein stechender Schmerz, dass der Knöchel verstaucht ist. Wie man in einer solchen Situation am besten reagiert, verrät Sportphysiotherapeut und ZHAW-Dozent Arjen van Duijn.

Der Sommer steht vor der Tür und damit die Zeit der Grümpelturniere, der Volksläufe und: der Verstauchungen. Dabei werden bei einer unkontrollierten Bewegung, einem Zusammenstoss oder einem Sturz die Bänder überdehnt und, wenn es dumm läuft, verletzt. Ein stechender Schmerz, das Sprunggelenk schwillt an, es bildet sich ein Bluterguss. Was nun?

Kühlen, einbinden, hochlagern
Als akute schmerzlindernde Massnahme empfiehlt es sich, die betroffene Stelle zu kühlen: mit Eis und in Intervallen von einer Minute. Das heisst eine Minute kühlen, eine Minute pausieren. Der Vorgang wird 15 bis 20 Mal wiederholt. Kontrovers diskutiert werden in der Literatur kontinuierliche Eisapplikationen von 15 Minuten und länger. Diese könnten auch einen kontraproduktiven Effekt haben.

Nebst dem Kühlen ist Einbinden mit wenig Zug auf der Bandage und Hochlagern angesagt. Damit schützt man die verletzte Stelle, verbessert den Blutrückfluss und unterstützt das Abschwellen. In den kommenden zwei, drei Tagen sollte man sich mit Aktivitäten zurückhalten. Allerdings ist es sinnvoll, das Gelenk alle paar Stunden sanft zu bewegen oder mit satt eingebundenem Fuss einige Schritte zu gehen, um so die Blutzirkulation in Schwung zu halten. Die Strecke muss aber kurz bleiben und die Schwellung darf dadurch nicht zunehmen.

Verstauchungen sind meist recht harmlos und verheilen in vielen Fällen von selbst. Dennoch ist es möglich, dass sich hinter Schwellung und Schmerz unangenehme Komplikationen verbergen. Dazu zählen Knochenbrüche oder Bänderrisse, die nicht von selbst verheilen und eine Operation nötig machen. Manchmal ist auch der Knorpel oder der Knochen unter dem Knorpel verletzt.

Wann ist ein Arztbesuch fällig?
Für Laien, aber auch für Physiotherapeuten sind solche Komplikationen schwer festzustellen. Ihr effektives Ausmass zeigt sich erst in einer radiologischen Untersuchung durch den Arzt. Ein Arztbesuch ist unter anderem dann angezeigt, wenn

  • das Gelenk in keiner Weise belastet
    werden kann,
  • Waden-/Schienbein und Knöchel
    schmerzen, wenn sie berührt werden,
  • nach mehreren Tagen keine
    Besserung eintritt,
  • Zweifel und Unsicherheit
    bestehen oder
  • der Fuss schon mehrmals
    verstaucht wurde.

Bänder und Kapseln haben grundsätzlich ein gutes Heilungspotenzial und geschwächte Stellen lassen sich über die Muskulatur kompensieren. Beim Wiedereinstieg in sportliche Freizeitaktivitäten ist es allerdings empfehlenswert, den Fuss zu schützen und zu stützen: mit Verband oder Tape, mit einfachen Übungen für die Fussmuskulatur und – was für alle gleichermassen gilt – mit gutem Schuhwerk.

Neuen Verletzungen vorbeugen
Eine abgeheilte Verletzung ist immer auch eine Schwachstelle mit Potenzial für Nachfolgeverletzungen. Diese gilt es zu vermeiden, denn sie können zu Instabilität im Gelenk führen. Bei wiederholten Verstauchungen ist unter Umständen Physiotherapie angezeigt, um die Stabilität des Fussgelenks mit Koordinations- und Kraftübungen gezielt zu trainieren. Bei chronischer Instabilität, die ungefähr zehn Prozent der Fälle betrifft, ist eine Operation nötig.

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