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GEWUSST WIE: BEI EINEM HERZSTILLSTAND RICHTIG REANIMIEREN

Es kann jedem passieren: Die Bürokollegin bricht plötzlich zusammen, man wird Zeuge eines Verkehrsunfalls oder trifft auf eine Person, die regungslos am Boden liegt. Nun ist schnelles Handeln gefragt, sagt Intermediate-Care-Pflegefachmann Stefan Engler*.

Der Nothelferkurs liegt bei vielen wohl eine Weile zurück, die Strassenverkehrsämter überlegen gar, ihn abzuschaffen. Doch nicht nur im Verkehr lässt sich Leben retten, wenn vor dem Eintreffen der Sanität die richtigen Massnahmen ergriffen werden. Zeit also für einen Mini-Refresher.
In einer Notsituation gilt es, sich zuerst einen Überblick zu verschaffen und sicherzustellen, dass den Beteiligten keine weiteren Gefahren drohen. Erst danach richtet sich der Fokus auf den Verunfallten. Zeigt er keine Reaktion und auch keine normale Atmung, ist schnellstmöglich Hilfe anzufordern: bei anderen Passanten und bei der Sanität über die Nummer 144.

Von der Herzdruckmassage …
Damit der Sauerstoffmangel nicht zu Schäden an lebenswichtigen Organen führt, müssen Hilfeleistende sofort mit der Herzdruckmassage beginnen. Dazu legt man einen Handballen auf die Mitte des Brustkorbs (Thorax) des Patienten, die andere darüber. Mit gestreckten Armen wird der Thorax fünf bis sechs Zentimeter komprimiert, in schnellem Tempo, das heisst 100 bis 120 Mal pro Minute. Wichtig ist, dass der Brustkorb vor jeder neuen Kompression vollständig entlastet wird.

… zur Beatmung und zurück
Nach 30 Kompressionen sind zwei Atemstösse fällig (Verhältnis 30:2). Die Beatmung gelingt Laien am effizientesten mit einer Beatmungsmaske, die sich vorsorglich in jedem Sanitätsgeschäft kaufen lässt. Ohne Hilfsmittel kann sie Mund zu Mund oder Mund zu Nase erfolgen. Mit einem Blick in den Mundraum wird sichergestellt, dass die Atemwege frei sind. SindFremdkörper wie verschobene Zahnprothesen oder Speisereste sichtbar, müssen diese entfernt werden. Anschliessend wird der Kopf des Betroffenen zurückgeneigt und die Beatmung kann starten. Sobald sich der Brustkorb des Patienten hebt, wird der Atemstoss abgebrochen und so eine passive Ausatmung ermöglicht. Es folgt ein zweiter Beatmungsstoss, danach erneut 30 Thoraxkompressionen. Ist die Beatmung nicht erfolgreich oder für die Helfenden unzumutbar, liegt der Fokus auf der korrekten kontinuierlichen Herzdruckmassage. Diese sollte keinesfalls länger als neun Sekunden unterbrochen werden.

Umgang mit Defibrillatoren
An öffentlichen Orten sind oft AEDs, automatische externe Defibrillatoren, zu finden. Sie können den Erfolg einer Reanimation massgeblich beeinflussen, ersetzen Herzdruckmassage und Beatmung aber nicht. Nach Anbringen der Klebeelektroden auf dem entblössten Oberkörper analysiert ein AED automatisch das Elektrokardiogramm (EKG). Ist aufgrund dieser Auswertung eine Schockabgabe nötig, weist das Gerät die Helfenden via Sprachmeldung darauf hin. Wichtig ist, dass den Anweisungen des AED genau Folge geleistet wird. Zum Beispiel darf bei einer Schockabgabe niemand den Patienten berühren. Sind die Rettungskräfte schliesslich vor Ort, leiten sie weitere Massnahmen ein und bereiten den Patienten für die Verlegung ins Spital vor.

* Stefan Engler unterrichtet an der ZHAW zum Thema Pflege von Menschen in akut kritischen Situationen und ist Abteilungsleiter Wachsaal am Institut für Anästhesiologie des Kantonsspitals Winterthur.

«Vitamin G», Seite 34


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