«Die ‘Winti Challenge’ ist auch für uns Forschende spannend»

Vor wenigen Tagen ist die sogenannte Winti Challenge gestartet. Ein spielerischer Ansatz soll Winterthurer:innen dazu motivieren, Klimatipps im eigenen Alltag anzuwenden. Evelyn Lobsiger-Kägi vom ZHAW-Institut für Nachhaltige Entwicklung begleitet das Projekt wissenschaftlich, um neue Erkenntnisse für die Forschung zu gewinnen.

Welche Rolle spielt die ZHAW an der Winti Challenge?

Evelyn Lobsiger-Kägi: Wir sind als wissenschaftliche Partnerin involviert, da dieses Projekt gut in unsere angewandte Forschungstätigkeit passt, die im Rahmen des Programms SWEET (SWiss Energy research for the Energy Transition) des Bundesamts für Energie gefördert wird. Ausgehend davon, dass die Energiewende nur gelingen kann, wenn sie von der Bevölkerung mitgetragen wird, wollen wir mehr über nachhaltige Lebensstile und Verhaltensänderungen herausfinden.

Warum eignet sich die Winti Challenge dafür?

Es handelt sich um ein real stattfindendes Projekt mit direkter Einbindung von Einwohner:innen. Es will das Bewusstsein für Klimaschutz steigern und aufzeigen, wie der persönliche Beitrag eine Wirkung haben kann. Dafür spielt auch die soziale Komponente eine wichtige Rolle. An der Winti Challenge kann man auch als Team teilnehmen und so die Wirkung und auch die Motivation steigern. Das Projekt wird von diversen Organisationen und Unternehmen unterstützt. Dadurch entsteht ein heterogenes, vielschichtiges Feld von Teilnehmenden, was für uns Forschende spannend ist.

Welche Erkenntnisse erhoffst du dir?

Wir haben einen Fragebogen entwickelt, den die Teilnehmenden jeweils am Anfang und am Ende der Challenge beantworten können. Wir wollen damit herausfinden, welchen Einfluss Projekte wie dieses auf Verhaltensänderungen nehmen und welche individuellen Entwicklungen stattgefunden haben. Wir versuchen, verschiedene Typen von nachhaltigen Lebensstilen zu identifizieren, um ähnliche Verhaltensmuster zu erkennen. Welche Lebenstypen sprechen auf welche Anreize, Themen und Motive an?

Lassen sich Menschen so leicht schubladisieren?

Natürlich ist jeder Mensch individuell und nicht alle lassen sich eindeutig einer Gruppe zuordnen. Aber beispielsweise lassen sich technikaffine Menschen gut gruppieren, die sich für Smart Homes und innovative Gadgets zum Energiesparen interessieren. Eine ganz andere Gruppe bilden zum Beispiel Menschen, die wenig konsumieren und möglichst einfach leben wollen. Solche Lebensstiltypen werden sich bei unseren Untersuchungen herauskristallisieren. Wir charakterisieren sie und finden heraus, für welche Arten von Verhaltensänderungen sie empfänglich sind und was es dazu braucht.

Über die Winti Challenge
Wer selbst an der Winti Challenge teilnehmen möchte, kann sich online registrieren oder die App installieren. Die laufende Challenge dreht sich rund ums Wohnen. Halbjährlich werden weitere Challenges in den Kategorien Ernährung, Mobilität und Konsum folgen. Wer als Einzelperson oder als Team die Klimatipps umsetzt, sammelt ClimatePoints und kann ClimateHero werden. Die Winti Challenge ist eine Initiative von MYBLUEPLANET und Winterthur Nachhaltig.

Hast du bereits ähnliche Projekte begleitet?

Ja, wir haben den Energiesparwettbewerb Social Power untersucht. Dort ging es auch um Challenges im eigenen Alltag, um Energie einzusparen. Wir haben damals festgestellt, dass viele Teilnehmende vor allem an den eigenen Verbrauchswerten interessiert waren. Um diese zu optimieren, entschieden sie sich aber mehrheitlich für technische Optimierungen als für Verhaltensänderungen. Das zeigt gut, wie schwierig es für uns Menschen ist, mit Routinen im Alltag zu brechen. Unsere Forschungsergebnisse sollen dabei helfen, nachhaltige Verhaltensänderungen hin zu einem klimafreundlicheren Leben zu bewirken.


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