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Ohne Kaffee im Home-Office – die ZHAW im Klimaduell

Seit Ende März liefert sich das ZHAW-Departement Life Sciences und Facility Management ein Klimaduell mit der deutschen Hochschule für nachhaltige Entwicklung Eberswalde (HNEE). Die beiden Hochschulen treten in verschiedenen Challenges gegeneinander und für das Klima an. Egal, welche Hochschule am Ende Siegerin ist, das Klima gewinnt sowieso. Ein Gastbeitrag von Sabine Frei, Marleen Jattke, David Koch und Matthias Stucki, Projektleiter:innen beim Klimaduell, Institut für Umwelt und Natürliche Ressourcen.

«Ohne Tier geht’s auch» oder «Mit dem Fahrrad unterwegs» und «Bleibt wach – auch ohne Kaffee!»: Die Challenges beim Klimaduell, das sich das ZHAW-Departement Life Scienes und Facility Management seit Ende März mit der deutschen Hochschule für nachhaltige Entwicklung Eberswalde (HNEE) liefert, haben nicht nur originelle Namen, sondern sind auch sehr wirkungsvoll. Die Wettbewerbe zielen darauf ab, dass die Teilnehmenden innerhalb eines festgelegten Zeitrahmens bestimmte Verhaltensweisen ändern. Dies geht auch im Home-Office, wie der Wettbewerb «Bleibt wach – auch ohne Kaffee!» zeigte. Hierbei galt es, mindestens eine Woche lang auf Kaffee zu verzichten. Insgesamt haben 81 Duellierende während maximal 40 Tagen keinen Kaffee getrunken. Im Home-Office, wo die Kaffeemaschine genauso nah ist, wie das eigene Bett, ist das eine beachtliche Leistung. Auf diese Weise konnten die ZHAW und die HNEE zusammen 195 Kilogramm CO2-Äquivalente einsparen. Die HNEE hat dabei mit 164 Kilogramm CO2-Äquivalente den Löwenanteil an nicht getrunkenem Kaffee für sich verbucht.

375 Teilnehmende

Seit dem Startevent Ende März sind verschiedene Challenges durchgeführt worden. Für sämtliche Wettbewerbe, die zu unterschiedlichen Zeiten starteten, konnte man sich auf der Klimaduellwebsite anmelden. Bis heute taten dies bereits 375 Personen.

Ob beim Waschen, Velofahren, oder Trinken – bei allen Challenges, die zu unterschiedlichen Zeiten starten, gilt es möglichst viel fürs Klima zu tun.

An der ZHAW erfunden

Dieses Klimaduell wurde von der ZHAW entwickelt. Um die Klima-Challenges definieren zu können, die besonders relevant und wirkungsvoll sind, mussten zunächst jene Bereiche des Hochschulbetriebs identifiziert werden, welche die grössten Verursacher von Treibhausgasemissionen sind. Das Projekt startete deshalb mit ökologische Hotspot-Analysen, basierend auf Ökobilanzen für den Campus Grüental der ZHAW und die Herausforderin HNEE. Als Grundlage dienten Verbrauchsdaten aus den Bereichen Energie, Abfälle, Abwasser und Papier sowie Umfragen zur Mobilität und Verkaufszahlen der Mensen. Die Daten zur Mobilität wurde mittels einer studentischen Semesterarbeit erhoben und ausgewertet. Das Ergebnis der Hotspot-Analyse zeigte, dass die grössten Verursacher von Treibhausgasemissionen an beiden Hochschulen die Bereiche Energie und Mobilität sind.

Evaluation nach jedem Wettbewerb

Auf der Grundlage der Hotspot-Analyse wurden Nachhaltigkeits-Challenges erarbeitet. Für jede Challenge wurde eine Messgrösse festgelegt, um die eingesparten Treibhausgasemissionen evaluieren zu können. Nach jeder Challenge müssen die Teilnehmenden Umfragebogen ausfüllen, anhand derer die Einsparungen pro Challenge berechnet werden. Dies hilft einerseits die tatsächlichen Einsparungen zu berechnen, gleichzeitig auch die Wirksamkeit des Klimaduells an sich zu beurteilen und nicht zuletzt, das eigene Handeln zu reflektieren.

Gestartet wurde das Klima-Duell mit einem Online-Event, an dem sich rund 175 Studierende und Mitarbeitende der beiden Hochschulen beteiligten. Als einer der Gastredner verdeutlichte der Klimaforscher am Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung Professor Stefan Rahmstorf in seinem Vortrag zur Klimakrise die Dringlichkeit zum Handeln. Mit Peter Wohlleben (Autor), Eckart von Hirschhausen (Fernsehmoderator, Arzt und Schriftsteller) und Professor Urs Hilber (Leiter ZHAW-Departement Life Sciences und Facility Management und ZHAW-Beauftragter für Nachhaltige Entwicklung) richteten weitere namhafte Gastredner engagierte Videobotschaften an die Teilnehmenden des Klimaduells. In zahlreichen interaktiven Workshops, welche sowohl von Studierenden und Mitarbeitenden der beiden Hochschulen, aber auch von externen Organisationen (zum Beispiel von Students for Future) angeboten wurden, ging es um Themen wie Achtsamkeit, Ernährungssysteme oder Klimagerechtigkeit.

Einer wird ganz sicher gewinnen

Aktuell führt die ZHAW beim Klima-Duell mit acht gewonnenen Challenges gegenüber vier Siegen der HNEE. Zwei weitere Challenges stehen noch aus, bis am Mittwoch, 19. Mai 2021, das Klimaduell-Finale stattfindet. Dort werden die Gewinner:innen gefeiert, die gesamten Einsparungen betrachtet, Ausblicke in die Zukunft gewagt und Preise verlost. Wer diesem Happening beiwohnen will, hat die Möglichkeit via Zoom. Ob nun die ZHAW oder die Duell-Gegnerinnen und -Gegner aus Deutschland gewinnen, am Ende gewinnt das Klima.

Und das ist bitter nötig, wie der heutige Tag zeigt: Wenn nämlich alle Menschen auf der Welt so leben würden wie wir, wäre heute der Earth Overshoot Day. Das geht aus den ökologischen Fussabdruckberechnungen hervor, die von der Footprint Data Foundation, York University und Global Footprint Network veröffentlicht wurden.

Vom 1. Januar bis zum 11. Mai haben wir, die Einwohner:innen der Schweiz, pro Person so viel von der Natur verbraucht, wie der Planet pro Person im ganzen Jahr erneuert. Eine Verschiebung des Datums (#MoveTheDate) des Overshoot Days ist möglich, wenn wir unter anderem unsere Infrastrukturen anpassen und unsere Prozesse und Lebensweisen weitaus ressourceneffizienter gestalten. Hoffen wir, dass Klimaduell kann diesbezüglich viele Menschen motivieren und inspirieren.

4 Kommentare

  1. Matt Matt

    Congratulation for the concept! I think it is important to focus on challenges where alternatives are proposed (bicycle instead of car, mug instead of plastic bottle, etc.). In that sense the coffee challenge is unfortunately for me a bad example…

    • Hier gibt es Alternativen wie Schwarztee oder Grüntee. Produkte wie Kaffee, Wein und Schokolade haben im Anbau/der Herstellung hohe Umweltauswirkungen, daher ist es gut, wenn man sich bewusst ist, dass es sich dabei um Luxusprodukte handelt, die man nicht in Übermengen konsumieren sollte. Natürlich muss man deswegen nicht komplett auf diese Produkte verzichten.

  2. Marcus Bosshard Marcus Bosshard

    Tolle Idee!
    Die Veränderung individueller Handlungsweisen hilft, den Mut nicht zu verlieren und sie hilft aufzuzeigen, dass ein weniger Klimaschädliches Leben möglich wäre.
    In Bezug auf die Wirksamkeit ist jedoch nicht das individuelle Verhalten ausschlaggebend, sondern das Gesamtsystem.
    Was hilft mehr? Selber mehr Hülsenfrüchte statt Tierfleisch zu essen oder die Subventionen für die Tierhaltung zu reduzieren und die staatliche Werbung für Pro-Viande zu stoppen?
    Die Behauptung, dass individuelles Verhalten entscheidend sei ist ein bewusster Trick der jeweiligen Lobbies, die Verantwortung von den Firmen und der Politik auf das Individuum umzulenken.
    Beispiele:
    – „Der ökologische Fussabdruck“ wurde von BP im Jahr 2004 mit 250 Mio US-Dollar beworben, damit sich jeder individuell verantwortlich fühlt.
    – Die PET-Sammlung in der Schweiz dient nur der Verhinderung eines Pfandes auf PET-Flaschen, welches viel wirksamer wäre.
    – Flugticketabgabe beschliessen, die SWISS aber mit Milliarden zu unterstützen
    – Ein Energielaben einführen, anstatt ineffiziente Produkte einfach zu verbieten

    • Wir sind auch der Überzeugung, dass sich auch auf gesellschaftlich-politischer Ebene vieles ändern muss. Aber vielleicht ist man als umweltbewusste Person nicht damit zufriedenen darauf zu warten bis die Politik handelt, sondern man möchte gerne auch selbst agieren. Ein verändertes Konsumverhalten der Individuen führt nämlich im besten Fall auch zu einem Umdenken in Unternehmen bzw. bei Herstellern und der Politik.
      Wir müssen uns auf jeden Fall weiterhin für das Klima entscheiden – nicht nur beim Einkaufen, sondern als Gesellschaft.

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