Studium Sprachliche Integration: Wie Sprache zur beruflichen Perspektive wurde

Autorin: Kyra Jetzer

Bevor Nadja sich mit Migrationsgeschichte, interkultureller Kommunikation und Sprachmanagement beschäftigte, arbeitete sie bei der ZKB. Sie absolvierte dort ihre KV-Lehre und blieb anschliessend noch zwei Jahre in der Kundenbetreuung. Ein strukturierter Arbeitsalltag, klare Abläufe, viel Kontakt mit Kund:innen.

Nach dieser Phase wollte sie bewusst etwas anderes sehen. Sie ging auf Reisen, sieben Monate lang. In Thailand entschied sie sich dann, die Sprache zu lernen. «Dort habe ich gemerkt, wie spannend das Zusammenspiel von Sprache und Kultur ist und wie fest mich die Vermittlung faszinierte», sagt sie.

Zurück in der Schweiz begann sie zu recherchieren. Sie suchte nach einem Studium, das genau dieses Zusammenspiel von Sprache, Kultur und gesellschaftlichen Fragen verbindet. 2019 existierte der Bachelorstudiengang Sprachliche Integration noch nicht. Erst ein Jahr später stiess sie darauf – und wusste sofort: Das ist es.

Ein Studium, das Perspektiven öffnet

Besonders in Erinnerung geblieben sind ihr jene Module, die weniger didaktisch geprägt waren, sondern gesellschaftliche Zusammenhänge ins Zentrum stellten – etwa zu Migrationsgeschichte- und recht oder Sprachenpolitik.

Ein Höhepunkt war aber das Praktikum am Goethe-Institut in Bangkok: Sie organisierte Konversationskurse auf Deutsch, unterstützte Programme, bei denen Studierende aus Deutschland an thailändischen Schulen unterrichteten und half, Sprach- und Austauschprojekte mitzugestalten. «Das war eine unglaublich prägende Zeit», erinnert sie sich.

Neben der fachlichen Tiefe nimmt sie aus dem Studium vor allem eines mit: die Fähigkeit, kritisch zu denken und offen zu bleiben. «Man begegnet so vielen unterschiedlichen Menschen und Perspektiven. Da muss man flexibel sein, schnell reagieren können. Dieses ‚quick on your feet‘ sein – das war besonders wertvoll.»

Der Schritt in die Forschung

Ein weiteres Schlüsselerlebnis war ihre Bachelorarbeit. Sie schrieb ihre Arbeit im Rahmen eines Projekts von Patrick Studer aus der Professur Sprachenmanagement und Globalisierung. Die Idee, die Ergebnisse vielleicht sogar in einem Journal zu veröffentlichen, machte Forschung plötzlich greifbar.

Nach dem Abschluss arbeitete Nadja zunächst ein Jahr im HR einer globalen Firma. Sie wollte Einblicke ins Diversity Management gewinnen – auch mit Blick auf den späteren Master in Language and Diversity Management. Doch die Faszination für Forschung blieb.

Heute arbeitet sie als wissenschaftliche Mitarbeiterin an der ZHAW und ihr Arbeitsalltag ist vielseitig und dynamisch: An manchen Tagen koordiniert sie Konferenzbeiträge oder tauscht sich mit Forschenden aus, an anderen konzipiert sie konkrete Massnahmen auf Basis von Studienergebnissen.

In einem Projekt beschäftigte sich die Absolventin mit sogenannten First-Generation-Studierenden – also Studierenden, deren Eltern keinen Hochschulabschluss haben. Nach Fokusgruppen mit Betroffenen geht es nun darum, konkrete Unterstützungsangebote zu entwickeln, etwa ein Buddy-Programm. In einem anderen Projekt wird untersucht, wie Fachunterricht auf Englisch funktioniert, wenn Studierende – und auch oft Dozierende – Englisch nicht als Erstsprache sprechen. Aus den Forschungsergebnissen entwickelt ihr Team aktuell ein E-Learning-Angebot.

«Ich finde es besonders schön, wenn Erkenntnisse nicht nur auf Papier bleiben, sondern wirklich umgesetzt werden», sagt sie. «Wenn Forschung etwas im Alltag von Menschen verändert.»

Sprache als Schlüssel zur Teilhabe

Warum ist eine Ausbildung im Bereich Sprachliche Integration wichtig? Für Nadja ist die Antwort klar: «Durch Sprache wird nicht nur kommuniziert. Sie ist Teil unserer Identität.»

Wer schon einmal an einem Ort war, ohne die Sprache zu verstehen, kennt dieses Gefühl der Hilflosigkeit. Sprache schafft Zugehörigkeit – oder schliesst aus. Sie ermöglicht Selbstständigkeit und gesellschaftliche Teilhabe. Genau deshalb lohnt sich die Auseinandersetzung mit ihr.

Würde sie das Studium nochmals wählen? Mit dem Wissen, dass sie ihren Weg weiter in Richtung Master und Forschung gehen kann: ja. Vor allem, weil es ihr gezeigt hat, was sie interessiert. Weil es Türen geöffnet hat, von denen sie vorher nicht wusste, dass es sie gibt.

Ein Rat an heutige Studierende

Ihr wichtigster Rat klingt pragmatisch: Möglichst viele Erfahrungen ausserhalb des Hörsaals zu sammeln. Nicht zwingend nur beruflich, sondern auch persönlich. «Das Berufsfeld ist unglaublich breit. Es hilft, früh herauszufinden, was einen reizt – und vielleicht auch, was nicht.»


Blogbeiträge aus dem Bachelorstudiengang Sprachliche Integration:


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