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Ein CAS zur integrativen Sprachförderung in der Berufsbildung – bilingual und szenariobasiert

Das Zentrum für Berufs- und Erwachsenenbildung (PHZH) und das Institute of Language Competence (ZHAW) haben den neuen Lehrgang CAS Sprachförderung in der Berufsbildung lanciert. Wie wichtig es ist, dass sich Lehrpersonen unter anderem in den Bereichen Deutsch als Fremd- und Zweitsprache, Sprachcoaching und bilingualer Fachunterricht weiterentwickeln und warum dieser CAS einen Mehrwert für Lernende in unserem mehrsprachigen, international vernetzten Arbeitsumfeld bietet – darauf antworten die Co-Leiterinnen Tamara De Vito und Daniela Fernando im Interview.

von Stefanie Krüsi, Kommunikationsverantwortliche ILC Institut of Language Competence

Im Herbst 2021 startet erstmals der neue CAS Sprachförderung in der Berufsbildung. Was waren die Beweggründe für die Lancierung dieses Lehrgangs?

Daniela Fernando (ZHAW): In diesem Lehrgang stellen wir die Vermittlung von Sprach- und Kommunikationskompetenzen in der beruflichen Bildung ins Zentrum. Wir geben Lehrpersonen das Rüstzeug für sprachbewussten und sprachsensiblen Unterricht in die Hand. Dies, um schlussendlich die Lernenden in ihrer beruflichen Handlungskompetenz und Weiterentwicklung zu stärken und sie auf ein mehrsprachiges, international vernetztes Arbeitsumfeld vorzubereiten.

Tamara De Vito (PHZH): Damit die Berufsfachschule für junge Menschen weiterhin attraktiv bleibt, muss sie sich den aktuellen Situationen und somit auch der sprachlichen Situation der Lernenden anpassen. Als eine Antwort darauf ist dieser Lehrgang zu verstehen. Es ist ein Weiterbildungsangebot, das interessierte Lehrpersonen dabei unterstützt, die Lernenden unterschiedlicher Fachbereiche sprachlich ideal zu fördern.

Dieser CAS ist eine Kooperation zwischen dem Institute of Language Competence ILC (ZHAW) und dem Zentrum für Berufs- und Erwachsenenbildung ZBE (PH Zürich). Wie ist es zu dieser Zusammenarbeit gekommen?

Daniela Fernando: Die kooperierenden Partnerinstitutionen in diesem CAS bringen ihre Expertise in den Bereichen Deutsch als Fremd- und Zweitsprache, szenariobasierter Unterricht, Sprachcoaching, bilingualer Fachunterricht und Mehrsprachigkeitsdidaktik ein. Die Zusammenarbeit in diesen Arbeits- und Forschungsbereichen besteht schon länger. Jetzt wird sie durch den gemeinsamen CAS intensiviert.

Die Co-Leitung des CAS Sprachförderung in der Berufsbildung: Tamara De Vito, PH Zürich (links) und Daniela Fernando, ZHAW.

Welche Lücken soll dieser Lehrgang schliessen?

Tamara De Vito: Mit Blick auf die zunehmende Heterogenität der Bevölkerung und auf die sich ohnehin ändernde Rolle der Lehrpersonen wird in diesem CAS-Lehrgang neu das Sprachcoaching – als gezielt anzuwendende Methode – verwendet, erlebt und geübt. Solche Coaching- und Beratungsprozesse trainieren und reflektieren wir situationsbezogen mit den Teilnehmenden.

Daniela Fernando: Dieser CAS greift zwei Schwerpunkte der Sprachförderung auf, welche die Unterrichtspraxis in Berufsfachschulen widerspiegelt. Zum einen ist das der bilinguale Fachunterricht (vornehmlich Deutsch-Englisch) und zum anderen der szenariobasierte Sprach- und Fachunterricht in der Erst- und Zweitsprache Deutsch. Didaktisch überschneiden sich diese zwei Schwerpunkte eng, sodass der Lehrgang diese Synergien bewusst thematisiert und nutzt.

Wie ist der Lehrgang aufgebaut?

Daniela Fernando: Der Lehrgang umfasst 4 Module à 3 ECTS-Punkte. Modul 3 ist ein Wahlpflichtmodul, in dem der Schwerpunkt «bilingualer Fachunterricht» (Modul 3a) oder «szenariobasierter Unterricht» (Modul 3b) gewählt werden kann. Zentral für beide Schwerpunkte sind Coaching- und Beratungsprozesse.

An wen richtet sich der CAS-Lehrgang und welche beruflichen Perspektiven haben die AbsolventInnen?

Tamara De Vito: Der CAS richtet sich an Lehrpersonen, die sich für die Förderung der Sprach- und Kommunikationskompetenzen von Lernenden in der Berufsbildung qualifizieren wollen. Mögliche Einsatzbereiche sind bilingualer Fachunterricht sowie die Sprachförderung im allgemeinen Fachunterricht und in Förderkursen. Die Teilnehmenden lernen einerseits sprachgewandte Lernende zu fördern, indem der Fachunterricht teilweise auf Englisch durchgeführt wird. Andererseits vermitteln wir Strategien zur integrativen Förderung in der Bildungssprache für Lernende auf tieferen Niveaus in der Unterrichtssprache Deutsch.

Welche Herausforderungen stellten sich euch in der Konzeption und Entwicklung des neuen CAS?

Tamara De Vito: Die unterschiedlichen Kulturen der beiden Hochschulen waren zunächst eine Herausforderung, mittel- sowie langfristig sind sie aber definitiv ein Gewinn. Für mich als Sprachexpertin bedeutet die Zusammenarbeit mit weiteren Sprachexpertinnen und -experten Neuland, da ich sonst weitgehend in Teams arbeite, die aus interdisziplinärer Sicht das Lernen thematisieren. Es ist ein interessanter Perspektivenwechsel. 

Daniela Fernando: Ich habe den Entwicklungsprozess als sehr bereichernd erlebt, da wir durch die Kooperation unsere institutsinternen Perspektiven und Prozesse hinterfragt und erweitert haben. Eine Herausforderung war es, die unterschiedlichen Expertinnen und Experten inhaltlich und terminlich unter einen Hut zu bringen.

Was wünscht ihr euch für die erste Durchführung des Lehrgangs im Herbst 2021?

Daniela Fernando: Ich wünsche mir einen gelungenen Lehrgangsstart mit vielen motivierten Teilnehmenden und, dass wir Präsenzphasen mit digitalen Unterrichtssequenzen verbinden können. Den pandemiebedingten Digitalisierungsschub in der Bildung werden wir nutzen, um unseren CAS flexibler auszurichten. So sind grenzüberschreitende Kooperationen in einzelnen Modulen, wie zum Beispiel mit dem NILE-Institut in Norwich (UK), viel schneller und effizienter realisierbar.

Tamara De Vito: Mein Anliegen ist es, dass die Lehrpersonen von diesem neuen Lehrgang profitieren, Ideen für ihren Unterricht erhalten und diese zusammen in Lerngruppen selbst entwickeln.

Was möchtet ihr zum Schluss noch loswerden?

Daniela Fernando: CAS Sprachförderung in der Berufsbildung – be part of it!

Tamara De Vito: Genau! Wie bili-Lehrpersonen (bili = bilingualer Fachunterricht) zu sagen pflegen: Just go for it!



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