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Integrationsprozesse mitgestalten – Von der Schuhmacherin zur Studentin

Ein Studium stand eigentlich nicht auf ihrer beruflichen Agenda und doch fand Raissa Zimina sich unter den ersten Studierenden im neuen Bachelorstudiengang Sprachliche Integration der ZHAW wieder. Die gelernte Schuhmacherin kennt die Unterschiede in Integrationsprozessen und möchte lernen, diese aktiv mitzugestalten. In ihrer Studienwahl suchte sie vor allem eines: Praxis. In diesem Porträt erzählt die 25-Jährige, wie sie zu diesem Studium gekommen ist und wie vielfältig ihr erstes Semester war.

von Leandro De Mori, Student Bachelor Kommunikation, Mitglied der Studi-Redaktion*

«Dieser Studiengang hat mich einfach direkt überzeugt», sagt Raissa Zimina gleich zu Beginn unseres Gesprächs. Zurzeit studiert sie im zweiten Semester des Bachelor Sprachliche Integration und arbeitet nebenbei bei Greenpeace. Die 25-jährige Studentin ist sehr sprachaffin. Neben ihrer Muttersprache Russisch beherrscht Raissa die Sprachen Deutsch, Englisch und Französisch, im Studium sammelt sie nun erste Erfahrungen in der arabischen Sprache.

Raissa stammt ursprünglich aus dem Süden Russlands, aus Rostov-am-Don und kam Ende 2002 mit sieben Jahren in die Schweiz. Aktuell setzt sie sich neben ihrem Teilzeitstudium bei ihrer Arbeit bei Greenpeace intensiv mit dem Klimawandel auseinander. Auch in ihrer Freizeit engagiert sich Raissa für die Gemeinschaft. Vor sechs Jahren gründete sie mit ihrer Nachbarin den Verein ‚REBS‘, die RestEssBarSchaffhausen. Das Konzept dahinter: der Lebensmittelverschwendung entgegen zu wirken und Menschen in finanziellen Schwierigkeiten helfen. Ist Raissa gerade nicht mit einem sozialen Projekt beschäftigt, arbeitet sie ausserdem an eigenen Comedy-Projekten.

Die Unterschiede im Integrationsprozess erlebt

Für Raissa ist das Thema Integration seit ihrem Umzug in die Schweiz ein grosses Anliegen. Dabei bekam sie auch Geschichten von ihren Mitmenschen mit, die im Integrationsprozess vor viele Herausforderungen gestellt wurden. Anders als ihre Mutter fühlte sich Raissa direkt in der Schweiz integriert. Als Kind besuchte sie eine Integrationsklasse, bei der sie schnell Deutsch gelernt hat und in die hiesige Kultur eingegliedert wurde. Ihre Mutter war auf sich allein gestellt und musste sich vieles selbst beibringen.

Ausserdem fällt es der jungen Studentin leicht, Sprachen zu erlernen, wie sie selbst sagt: «Ich habe viel Glück, weil ich Sprachen so schnell aufnehme und lerne. Meine MitschülerInnen in der Integrationsklasse von damals hatten damit mehr Probleme als ich und haben ihre Muttersprache heute schon beinahe vergessen.» Dass Raissa in Russland eine Privatschule besuchen durfte, erleichterte ihr den Einstieg in der Schweiz ebenfalls, wie sie erzählt.  

Auch in der Berufslehre, die sie absolvierte, lief es für sie gut: «Mein Mitlehrling kam aus der Romandie. Ich hatte Glück, dass ich in die Deutschschweiz eingewandert bin, denn er musste sich vor Lehrbeginn erst noch mit der deutschen Sprache anfreunden. Dabei hat ihm niemand geholfen, er war ganz auf sich allein gestellt.» 

Vom Handwerk in den Vorlesungssaal

Die gelernte Schuhmacherin konnte sich bis kurz vor ihrem Studienbeginn gar nicht vorstellen, dass sie eines Tages studieren würde. Seit Studienbeginn im letzten September aber fühlt sie sich sehr wohl an der ZHAW. «Ich wollte etwas Praxisorientiertes machen», betont sie. Und genau das hat sie an der ZHAW gefunden: «In diesem Studiengang ist die Verbindung von der Theorie zur Praxis auf dem Arbeitsmarkt meiner Meinung nach optimal gegeben», sagt Raissa. «An der ZHAW kann ich bereits während dem Studium praxisorientierte Erfahrungen sammeln, die ich in meinem zukünftigen Berufsleben anwenden kann. Dies fehlte mir ein wenig bei anderen Studiengängen.»

Ausserdem waren es auch die Vielfältigkeit im Studiengang und die thematisch zukunftsorientierte Ausrichtung, die Raissa überzeugt haben. Sie lernt Sprachen, bekommt Einblicke in ein mögliches Arbeitsumfeld und kann sich mit fundiertem Wissen für nächste Schritte in ihrem Berufsleben wappnen. «Ohne das richtige Vorwissen und einer schulischen Ausbildung kommt man oft nicht weiter im Job. Ich bin dankbar, diese Chance zu haben und möchte sie an der ZHAW nutzen.»

Wenn Raissa ihre Ausbildung an der ZHAW abgeschlossen hat, möchte sie ihren Weg in der Erwachsenenbildung fortsetzen. Raissas Ziel ist es, sich für die Chancengleichheit einzusetzen. Es ist ihr wichtig, mit ihrem Job etwas zu einer faireren Gesellschaft beitragen zu können. «Mein Ziel ist es, anderen zu helfen, den schulischen Abschluss zu erreichen, den sie für eine erfolgreiche Zukunft brauchen.»

Breitgefächertes erstes Semester

Nach einem Semester Studienzeit kann die aufgestellte Studentin bereits ein positives Fazit ziehen: «Wir haben schon so viel gelernt im ersten halben Jahr. Es macht richtig Spass, hier zu studieren.» Die unterschiedlichen Kurse haben Raissa überzeugt. Sie lernt beispielsweise die lernpsychologischen Grundlagen kennen, hospitiert in der Praxiswelt der sprachlichen Integration oder lernt Arabisch als Kontrastsprache. «Genau diese Vielfältigkeit ist es, die das Studium so vollständig macht.»

Das erste Semester und die Prüfungsphase haben wir unterdessen hinter uns. Ich freue mich schon aufs nächste halbe Jahr und bin gespannt auf neue, spannende Module; vor allem auf den ersten Praxiseinsatz im Modul «Unterrichtsassistenz», der bei einem von rund 30 Praxispartnern der ZHAW stattfindet.


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*Die Studi-Redaktion

In der Studi-Redaktion produzieren Studierende aus dem Bachelor Kommunikation multimediale Beiträge für die Kommunikationskanäle des Departements Angewandte Linguistik der ZHAW. Sie sind in dieser Rolle Teil des departementalen Kommunikationsteams, bringen erworbene Kompetenzen aus dem Studium ein und lernen dabei die Redaktionsabläufe in einem Corporate Newsroom kennen.

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2 Kommentare

  1. Kave Kave

    Ich kenn Raissa und bin sehr stolz uf Sie. Sie laht sich nöd underkriege und luegt immer vorwärts. Sie isch eini vo de stärchste Persönlichkeite i min umfeld.

    • Raissa Raissa

      ♥️🙏 Nur em richtig Umfeld, Danke dir, Kave!

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