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In der Welthauptstadt des Energiediskurses

von Prof. Dr. Peter Stücheli-Herlach, Professor für Organisationskommunikation und Öffentlichkeit und Natalie Schwarz, wissenschaftliche Assistentin, beide am IAM

So etwas gibt es selten: Während der Laufzeit eines dreijährigen Forschungsprojektes, findet eine Weltausstellung zum gleichen Thema statt. Genau das ist uns passiert. Kurz nachdem unser Projekt „Energiediskurse in der Schweiz“ seine Startphase hinter sich gebracht hatte, ist in Astana, der Hauptstadt von Kasachstan, die Expo 2017 eröffnet worden. Gewidmet ist sie dem Thema „Future Energy“.

Die Präsenz der akademischen Austauschorganisation „swissnex“ vor Ort und die Initiative von SwissUniversites sowie eines engagierten ZHAW-Teams bot uns eine einmalige Chance: Als Diskursforscher flogen wir nach Kasachstan, in die vorübergehende Welthauptstadt des Energiediskurses. Dort stellten wir erste Auszüge aus unseren Energiediskurs-Analysen zur Diskussion, sowohl am UNO-Forum für Nachhaltige Entwicklung, wie auch an einem internationalen Seminar an der örtlichen kasachischen Nasarbajev-Universität.

Und die Reise zeigt: Den Energiediskurs zu analysieren, ist heute ein lohnendes, aber auch nötiges Unterfangen. Dies aus zwei Gründen.

Erstens plädierten fast alle Kolleginnen und Kollegen der Schweizer Delegation am Beispiel von „Smart Cities“ für die Integration unterschiedlicher technologischer, wirtschaftlicher, rechtlicher und politisch-administrativer Zugänge, um die nachhaltige Entwicklung voranzubringen. Diese Integration sollte, so eine besonders prägnante Forderung, durch eine „intelligente Vernetzung“ (Vicente Carabias-Hütter, ZHAW) von Entscheidungsträgern aus Politik, Wirtschaft und Wissenschaft geleistet werden. Nichts ist naheliegender, als sprachliche Strukturen dieser Vernetzung zu untersuchen, und dabei den Voraussetzungen und Erfolgsbedingungen des energiepolitischen Wandels auf die Spur zu kommen! Welche Themen sind es, die Anspruchsgruppen interessieren? Wie bewerten und argumentieren sie ihre Positionen und die gemeinsamen Handlungsperspektiven? Genau solchen Fragen gehen wir mithilfe unseres Textkorpus nach (Swiss-Applied-Linguistics-Energy Discourses-Corpus).

Mit Diskursanalyse an einem Workshop der UNO: Ein Teil der SwissUniversities-Delegation mit Gast Reiner Keller (hinten, zweiter von rechts) und dem Leiter des Swiss Pavilion an der Expo 2017, Philipp Roesle (hinten, Mitte). (Bild Peter Marty)

Zweitens findet auf dem Expo-Gelände in Astana, eingerahmt durch Monumentalbauten der postsowjetischen Republik, ein eigentliches Festival des Energiediskurses statt. Auch die Schweiz ist mit einem Pavillon vertreten. Dutzende anderer Länder, internationaler Organisationen und Konzerne inszenieren ihre Energiestrategien in den buntesten Farben, schrillsten Tönen und eindrücklichsten Worten. Alles scheint da Richtung Nachhaltigkeit, Erneuerbarkeit, Effizienz und glückliche Zukunft zu gehen. Kinder spielen, Eltern entspannen sich inmitten der flimmernden Installationen und Videoshows; es ist ein eigentliches Festival des Energiediskurses. In Zusammenarbeit mit dem Kollegen Andrej Filchenko der Nazarbajev-Universität in Astana werden wir diese strategisch inszenierte Diskurslandschaft beispielhaft dokumentieren und kritisch reflektieren. So werden wir anschauliche „Show Cases“ für die Methoden und Erkenntnisse der Analyse des Energiediskurses mit nach Hause bringen.

Mit auf der Reise war Reiner Keller, der Begründer der wissenssoziologischen Diskursanalyse, dessen Arbeiten mit zu den Grundlagen für das Projekt „Energiediskurse“ gehören. Herzlichen Dank, Reiner und Andrej – und an das ganze Energiediskurse-Team für die Vorbereitung und Unterstützung zu Hause!

Flagge zeigen, einmal anders: Fassadenansicht des Swiss Pavilion an der Expo 2017 in Kasachstan. (Bild Peter Marty).

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