
Als Markus Wepf sich für den MAS Managed Health Care einschrieb, rechnete er mit «Betriebswirtschaft light mit Bezug zum Gesundheitswesen»: ökonomische Grundbegriffe, etwas Kostenträgerrechnung, Buchhaltung mit Spitalbezug. Erhalten hat er weit mehr.
Sein Weg begann in der Pflege als Zweitausbildung. Es folgten mehrere Jahre in unterschiedlichen Funktionen innerhalb des Gesundheitswesens. Mit den neuen Formen der Spitalfinanzierung gewann das betriebswirtschaftliche Denken im medizinischen Umfeld zunehmend an Bedeutung. In seinem beruflichen Umfeld entstand deshalb der Bedarf nach einer Funktion, die medizinisches Fachwissen und praktische Erfahrung mit einem Verständnis für wirtschaftliche Zusammenhänge verbindet. Mehrere Disziplinen und Perspektiven miteinander zu verknüpfen, war damals ein neuer Gedanke. Passende Weiterbildungen dazu waren entsprechend rar. Der berufsbegleitende, modulare Aufbau des MAS liess sich gut zwischen Arbeit und Familie justieren, der Unterrichtsort lag zentral.
Die Einsicht, wie stark die verschiedenen Bereiche des Gesundheitswesens miteinander verbunden sind, war prägender als alle Finanzzahlen. Niemand kann etwas isoliert machen. Alles hängt in einem Netzwerk zusammen: eine Entscheidung an einer Stelle kann Auswirkungen an einem ganz anderen Ort haben.
Gleichzeitig zeigten die unterschiedlichen Dozierenden – teils hochspezialisierte Fachleute, teils Querschnittsdenkende – und die Mitstudierenden aus fast allen Bereichen des Gesundheitswesens dessen Vielfalt auf und verdeutlichten, wie gegensätzlich Perspektiven und Interessen sein können.
«Es war eine echte Horizonterweiterung zu der engeren Sicht, die man aus der eigenen Profession mitbringt.»
Vor allem aber setzte der MAS einen wichtigen Samen: Man ist nicht allein im Gesundheitswesen. Da sind andere Menschen und die sind Ressourcen! Lösungen lassen sich auch ausserhalb des eigenen Fachbereichs suchen.
Der MAS bot einen geschützten Raum, um genau das zu erleben: im gemeinsamen Austausch unterschiedliche Perspektiven kennenlernen, widersprechen, Ideen ausprobieren und kontrovers diskutieren. Ohne dass unmittelbar ein Entscheid, eine Verhandlung oder ein Projekt auf dem Spiel stand – wie es im Berufsalltag selten möglich ist.
2008 schloss Markus als einer der ersten Diplomierten den MAS ab. Heute bietet er diesen Raum, in dem Kontroversen erlaubt sind, selbst an: Als Dozent im Integrationsmodul «Medizin für Nichtmediziner» bringt er im Unterricht zu «Herausforderungen im medizinischen Alltag» unterschiedliche Professionen miteinander ins Gespräch. Erlebtes und Gelerntes auf diese Weise weitergeben zu können, schätzt er besonders.
Der Wandel vom eigenen Fachgebiet zum integrierten Denken: Nach 26 Jahren im selben Spital, unterstützt Markus die Koordination in den klinischen Bereichen. Er arbeitet nicht im Silo einer Fachdisziplin, sondern an Querschnittsthemen wie grosse Beschaffungen oder Projekte und Entwicklungen, bei denen alle mitreden. Dabei bringt er Menschen zusammen: aus Ärzteschaft, Pflege, Finanzen, Bau, Technik und weiteren Bereichen. Diese Auseinandersetzung mit Komplexität quer durch alle Gebiete empfindet er als erfrischend, ja sogar kreativ.
«Es ist ein extremes Privileg, in einem so komplexen System wirken zu dürfen, in dem man echte Effekte erzielen kann, die sonst nicht wären.»
Für Markus braucht es deshalb neben Fachwissen noch eine weitere Kompetenz: die Fähigkeit, Wissen miteinander zu verbinden. Nicht die vermeintlich fachlich beste Idee ist entscheidend. Sondern ob Menschen bereit sind, ihre eigene Perspektive zu öffnen, andere Sichtweisen einzubeziehen und miteinander zu tragfähigen Entscheidungen zu kommen.
«Es braucht nicht nur Fachexpertise, sondern auch Expertise im vernetzten Denken.»
Denn Möglichkeiten gibt es viele. Ob daraus etwas entsteht, entscheidet sich im Dialog.
Weiterbildung: MAS Managed Health Care