Die Rolle des Esels in der Gesundheitsökonomie

Bildquelle: https://esels.eu/

von Dr. Szilvia Altwicker-Hámori

Was hat ein Esel mit Gesundheitsökonomie zu tun? Auf den ersten Blick wenig. Doch hinter dem Kürzel ESELS (European Society for Empirical Legal Studies) verbirgt sich eine europäische wissenschaftliche Gesellschaft, die sich der Förderung empirischer Rechtsforschung widmet. Und diese hat mehr mit Gesundheitsökonomie gemeinsam, als man zunächst vermuten würde.

Was ist empirische Rechtsforschung?

Die empirische Rechtsforschung (Empirical Legal Studies) untersucht, wie Recht in der Praxis funktioniert. Dazu nutzt sie quantitative und qualitative Forschungsmethoden, beispielsweise statistische Datenanalysen, Interviews und Befragungen. Sie zeichnet sich durch ihre methodische Vielfalt und interdisziplinäre Ausrichtung aus und verbindet rechtswissenschaftliche Fragestellungen mit Ansätzen aus anderen Disziplinen.

Gerade im Gesundheitsbereich bietet die empirische Rechtsforschung vielfältige Möglichkeiten. Sie untersucht beispielsweise, wie Recht in Kliniken, Behörden und Gerichten umgesetzt wird, welche Faktoren gerichtliche Entscheidungen beeinflussen und welche Rolle medizinische Evidenz dabei spielt. Dabei ergänzen sich Ansätze aus Rechtswissenschaft, Gesundheitsökonomie, Sozialwissenschaften und Data Science.

Eine neue Working Group für empirische Forschung im Gesundheitsrecht

Vor Kurzem haben Dr. Farrah Raza und ich innerhalb von ESELS die Working Group on Empirical Studies in Healthcare Law gegründet.

Die Initiative soll den interdisziplinären Austausch fördern und Forschende mit unterschiedlichen fachlichen und methodischen Hintergründen zusammenbringen. Die Working Group konzentriert sich auf zwei thematische Schwerpunkte:

  • Mental Health, Capacity, and Consent (Leitung: Dr. Farrah Raza)
  • Medical Evidence, Judicial Decision-Making and Social Protection (Leitung: Dr. Szilvia Altwicker-Hámori)

Weitere Informationen zur neuen Working Group finden sich auf der ESELS-Website und im ESELS-Newsletter.

Empirische Rechtsforschung an der Schnittstelle von Gesundheit und Recht: Ein Beispiel

Wie qualitative und quantitative Forschungsmethoden zur Untersuchung von Fragestellungen an der Schnittstelle von Gesundheit und Recht eingesetzt werden können, zeigt ein laufendes, im Rahmen von SNF/Innosuisse BRIDGE Discovery gefördertes Forschungsprojekt des WIG und der Universität Zürich. Das Projekt untersucht die Qualität polydisziplinärer medizinischer Gutachten aus der Perspektive des Sozialversicherungsgerichts des Kantons Zürich. Das interdisziplinäre Projektteam vereint Forschende aus Rechtswissenschaft, Gesundheitsökonomie, Data Science, Medizin, Pflege und Physiotherapie.

Mehr dazu im WIG-Blogbeitrag zum SNF-BRIDGE-Discovery-Projekt.

Mitmachen und vernetzen

Mit der neuen Working Group möchten wir ein internationales, interdisziplinäres Forschungsnetzwerk aufbauen. Geplant sind regelmässige Treffen zum Austausch über Forschungsfragen, Methoden und laufende Projekte sowie gemeinsame Forschungs- und Konferenzaktivitäten.

Ein erster Schwerpunkt ist die Vorbereitung eines interdisziplinären Expertenpanels für die kommende ESELS-Jahreskonferenz. Informationen zu den bisherigen ESELS-Konferenzen finden sich auf der ESELS-Website.

Interesse an empirischer Rechtsforschung? ESELS bietet eine Plattform für den internationalen und interdisziplinären wissenschaftlichen Austausch. Interessierte können sich über die ESELS-Website für eine Mitgliedschaft anmelden und dabei auch ihr Interesse an einer Working Group angeben.

Dr. Szilvia Altwicker-Hámori ist Dozentin im Team Versorgungsforschung am Winterthurer Institut für Gesundheitsökonomie ZHAW.


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