Management im Gesundheitswesen

Digital Health Infografik: Sind die Schweizer Spitäler wirklich noch in den digitalen Kinderschuhen?

Angerer, A., Lienhard, S., Meierhof, L. (2020). Der Digitale Reifegrad Schweizer Spitäler. Infografik Winterthurer Institut für Gesundheitsökonomie und ZHAW Digital Health Lab.

Von Alfred Angerer und Laura Meierhof

Wie digital ist unser Spitalwesen? Eine von Alfred Angerer, Stefan Lienhard und Laura Meierhof in Zusammenarbeit mit dem ZHAW-Digital Health Lab publizierte Infografik gibt einen Überblick über den digitalen Reifegrad der Schweizer Kliniken und zeigt, dass die Digitalisierung in langsamen Schritten Einzug in die Schweizer Spitäler nimmt.

Grundlage dafür bildet die von Stefan Lienhard durchgeführte Umfrage, für welche er über 200 Führungskräfte der deutschschweizerischen Spitalwelt zur Digitalisierung in ihren Kliniken befragt hat. An den Ergebnissen lässt sich eindeutig erkennen, dass nahezu jeder der Befragten eine Digitalstrategie für die eigene Klinik als einen notwendigen nächsten Schritt empfindet, jedoch diese nur in gut jeder vierten Klinik der befragten Personen existiert. Wenn Wunsch und Realität so weit auseinanderliegen lässt das hoffen, dass schnell etwas passieren wird.

Licht und (viel) Schatten im Reifegrad

Unsere Infografik gibt einen Überblick über die schon heute eingesetzten Technologien in den Schweizer Spitälern. So arbeitet die Hälfte der Befragten in Kliniken, die schon Operationsroboter einsetzen. Andere Themen, wie der Einsatz künstlicher Intelligenz, sind kaum in Schweizer Spitälern zu finden. Wo die Kliniken noch gut abschneiden können ist in der Dimension IT-Professionalität – die grundsätzliche, notwendige Infrastruktur ist vorhanden. Andererseits wird aus den Befragungsergebnissen klar: Es reicht nicht, moderne IT zu haben. So zeigt sich beispielsweise noch ein grosses Verbesserungspotenzial im Bereich übergreifende Kommunikation, Wissensmanagement und mobiles Arbeiten. Wichtig zu beachten: Das sind Aufgabengebiete aus dem Bereich Organisationsgestaltung und nicht primär aus dem Bereich Technologie – diese darf nur ein Mittel zum Zweck sein.

Barrieren verstehen und Handlungsschritte ableiten

Dank der identifizierten Barrieren, die eine breitflächige Digitalisierung verhindern, haben wir Empfehlungen für die Spitäler abgeleitet. Zuerst einmal wäre es notwendig, dass die Spitalleitung aus der noch vagen Absicht «wir wollen digitaler werden» eine klare Vision erstellt, kommuniziert und daraus eine zielgerichtete Strategie ableitet. Digitalisierung ist kein Feierabendprojekt für eh schon gestresste Mitarbeitende. Deswegen müssen Personen dediziert, beauftragt und mit finanziellen Ressourcen ausgestattet werden, damit sie die Transformation aktiv gestalten können. Bewährt hat sich, diese Personen nicht direkt bei der IT anzugliedern, sonst werden sie vom täglichen operativen Geschäft erdrückt. Bei der Umsetzung darf man, wie immer bei Veränderungsprozessen, die weichen, kulturellen Faktoren nicht ausser Acht lassen. Digitale Transformation ist 20% Digitales und 80% Transformation.

Wenn es um die Medizintechnik und Pharmabranche geht, mischt die Schweiz an der Weltspitze mit. Unser Wunsch wäre es, dass auch in Sachen digitale Spitäler die Schweiz eine Vorreiterrolle übernimmt.

Hier geht’s zu unserer Infografik.

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Weiterführende Literatur zum Thema

Angerer, A., Russ, C., & Ultsch, S. (2019). Digital Health – Revolution oder Evolution? Strategische Optionen im Gesundheitswesen. Winterthurer Institut für Gesundheitsökonomie – ZHAW School of Management and Law. https://digitalcollection.zhaw.ch/handle/11475/18267

Angerer, A., Schmidt, R., Moll, C., Strunk, L. E., & Brügger, U. (2017). Digital Health – Die Zukunft des Schweizer Gesundheitswesens. Winterthurer Institut für Gesundheitsökonomie – ZHAW School of Management and Law.
https://digitalcollection.zhaw.ch/handle/11475/1458

Prof. Dr. Alfred Angerer ist Leiter der Fachstelle Management im Gesundheitswesen und im Vorstand des ZHAW Digital Health Labs.

Laura Meierhof ist wissenschaftliche Assistentin an der Fachstelle Management im Gesundheitswesen.

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