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«Bei Veränderungsprozessen spielt die Kommunikation eine entscheidende Rolle»

Ihr Herz schlägt für die interne Kommunikation und die digitale Transformation. Claudia Nef hat an der ZHAW den Master in Organisationskommunikation absolviert und sich anschliessend in ihrem Lieblingsbereich auch noch weitergebildet. Im Interview berichtet sie von beruflichen Herausforderungen, gibt einen Einblick in ihren Arbeitsalltag, und erklärt, wie ihr das Studium an der ZHAW zum beruflichen Erfolg verholfen hat.

Ein schriftliches Interview mit Claudia Nef, Leiterin Kommunikation und Marketing Hälg Group*, Absolventin der Master-Vertiefung Organisationskommunikation an der ZHAW,
Von Susanna Spörri, Kommunikationsverantwortliche IAM Institut für Angewandte Medienwissenschaft

Welches sind die wichtigsten Aufgaben in deiner aktuellen beruflichen Tätigkeit?

Zu meinen wichtigsten Aufgaben gehört die Begleitung von Veränderungsprozessen des Unternehmens, beispielsweise die Lancierung einer neuen Unternehmensstrategie oder die Einführung von Microsoft Teams. Ausserdem bin ich verantwortlich für die interne Kommunikation, das Bespielen der Kanäle sowie Orchestrieren der Inhalte und die Change Kommunikation der erwähnten Veränderungsprozesse. Als Leiterin Kommunikation und Marketing der Hälg Group ist bei mir auch die Umsetzung des Content Marketings auf allen Corporate-Kanälen inklusive das Reporting angesiedelt. Zusätzlich bin ich für die Redaktion unserer Corporate Publishing Produkte wie den Jahresbericht oder unser Mitarbeitenden-Magazin verantwortlich. Auch bin ich Mediensprecherin und führe zwei festangestellte Mitarbeitende und einen befristet angestellten Mitarbeitenden.

Welche Aufgaben magst du besonders gut und weshalb?

Mein Herzensthema ist die Begleitung von Veränderungsprozessen, von Transformationen. Bei solchen Prozessen hat die Kommunikation eine entscheidende Rolle. Oft ist sie Übersetzerin von komplexen Inhalten. Die Aufgabe der Kommunikation sehe ich darin, die Mitarbeitenden zu begleiten, zu befähigen und dort abzuholen, wo sie sind. Ich sehe mich als Sparringpartnerin für die Verantwortlichen von Projekten und Initiativen. Ich frage nach dem Warum und der Relevanz, damit wir dies auch den Mitarbeitenden vermitteln können. Die Relevanz der jeweiligen Themen je Zielgruppe herauszuarbeiten ist eine wichtige Aufgabe der Kommunikation. Der Einbezug der Zielgruppen ist – neben der reinen Kommunikation gewisser Inhalte – unheimlich wichtig und auch hier sehe ich es als die Aufgabe der Kommunikation, diesen Einbezug anzustossen. Mit dieser Art der Kommunikation bewege ich etwas, und das ist mir wichtig.

Worin bestehen die grössten Herausforderungen in deinem Job und wie meisterst Du diese?

Das ist eine gute Frage. Eine grosse Herausforderung ist die Vielfältigkeit der Hälg Group, welche im Bereich der Gebäudetechnik tätig ist: Wir sind eine Gruppe mit 22 Niederlassungen, mit neun verschiedenen Marken, fünf Geschäftsfeldern und unterschiedlichen Märkten und Segmenten. Diese Vielfältigkeit unter einen Hut im Sinne der Group zu bringen, ist eine grosse Herausforderung. Wir stehen oft im Zwiespalt, etwas spezifisch für eine Niederlassung oder für die gesamte Group tu tun – im ersten Fall betrifft es nur einen kleinen Teil der Gruppe, im zweiten Fall betrifft die Veränderung alle.

Eine zweite Herausforderung ist die Erreichbarkeit unserer Mitarbeitenden und die Relevanz unserer Group-Themen für sie: Rund die Hälfte unserer 1125 Mitarbeitenden haben keinen PC-Arbeitsplatz. Wir haben kein Group-Kommunikationsmittel, das wirklich alle Mitarbeitenden einfach und niederschwellig erreicht. Wir haben ein Intranet, die Inhalte darauf sind jedoch nicht zielgruppenspezifisch aufbereitet und erreichen deshalb unsere Mitarbeitenden nicht richtig. Der Content des Intranets würde zwar auf dem Smartphone zur Verfügung stehen, der Zugriff ist jedoch mühsam und die Inhalte dann eben auch nicht relevant. Deshalb machen sich nur die wenigsten die Mühe, vom Smartphone aus wirklich zuzugreifen. Mit der Einführung von Teams ist das sicherlich besser geworden, die einzelnen Abteilungen und Niederlassungen erreichen ihre Mitarbeitenden jetzt sehr einfach. Die Corporate-Themen haben wir jedoch bisher noch nicht auf die gleiche einfache Art und Weise zugänglich machen können.

Eine weitere Herausforderung sind unsere knappen personellen Ressourcen: Wir sind sehr wenige Mitarbeitende, gleichzeitig kümmern wir uns um das Marketing und die Kommunikation der ganzen Group und um die individuellen Wünsche der Mitarbeitenden.

Wie bist du zu deinem aktuellen Job gekommen?

Ich habe mit einem (ursprünglich befristeten) Praktikum begonnen. Dank meinem Engagement und meiner Leistung sowie den vielen Themen, die bei der Hälg Group aktuell sind, wurde ich weiterbeschäftigt. Die Beförderung zur Leiterin hat sich aufgrund mehrerer Faktoren ergeben. Einer davon war sicherlich auch mein Engagement für das Unternehmen.

Welche Tätigkeiten hast du unmittelbar nach dem Studium ausgeübt?

Unmittelbar nach dem Master in Organisationskommunikation (im Jahr 2018) an der ZHAW wurde ich zur «Projektleiterin Marketing und Kommunikation» der Hälg Group. In dieser Funktion habe ich organisatorische Veränderungen begleitet sowie Marketingkampagnen konzipiert und umgesetzt. Die Verankerung der Marketing- und Kommunikationsstrategie stand auf meiner Agenda. Die Redaktion des Jahresberichts, des Mitarbeitenden- und Kundenmagazins führte ich weiter. Ich habe das Rebranding des Unternehmens umgesetzt und kommunikativ begleitet. Auch habe ich unser Content Marketing auf allen Corporate-Kanälen, inklusive Reporting umgesetzt und war auch damals schon die Kontaktperson für Medien.

Hast du einen Rat für AbsolventInnen zum erfolgreichen Berufseinstieg nach dem Studium?

Es gibt sicherlich nicht den einzigen, pauschalen Rat. Ich würde sagen: Seid authentisch, offen und interessiert. Nach dem Studium sind wir GeneralistInnen. Das ist gut, denn wir können unser Wissen jetzt vertiefen. Vielleicht ist euch sogar schon klar, in welchem Bereich das sein soll. Dann «go for it»! Schaut euch Unternehmen an, die euch interessieren und schickt Initiativbewerbungen. Fragen stellen, auch Fragen nach der Haltung und den Werten eines Unternehmens sowie deren Bedeutung, erachte ich als wichtig. Kritisches Denken, Empathie, Kreativität, über den Tellerrand denken, vernetztes Denken und immer neues Lernen, das sind wichtige Skills. Zeigt sie!

Warum hast du am IAM den Master in Angewandter Linguistik in der Vertiefungsrichtung Organisationskommunikation absolviert?

Nach meinem Bachelor in Übersetzen war für mich klar, dass sich mein Master mehr mit Themen der Unternehmenskommunikation beschäftigen muss als mit den Bereichen Dolmetschen oder Übersetzen. Die Kombination zwischen Wirtschaft, Organisation und Kommunikation hat mich angesprochen.

Welche Kompetenzen aus dem Studium haben dir im Beruf bisher am meisten geholfen? Wieso diese?

Die Wichtigkeit und Rolle der Kommunikation im Unternehmen zu kennen. Die Transferarbeiten haben mir ebenfalls sehr geholfen. Und auch das wissenschaftliche Arbeiten: Analytisches Vorgehen, systematische Betrachtung, Erkenntnisse herausarbeiten und Schlüsse ziehen – und das alles in Worte fassen können ist sehr hilfreich.

Inwiefern hat dich das Studium am IAM auf deine berufliche Tätigkeit vorbereitet?

Ich erhielt einen vielseitigen Einblick in unterschiedliche Themen. Das wissenschaftliche Arbeiten und die Methoden helfen mir auch im beruflichen Alltag.

Inwiefern haben wir dich befähigt, die Berufs-Praxis zu reflektieren, weiterzudenken und zu verändern?

Sehr! ich weiss jedoch nicht, ob das nur dank euch so ist 😊 ich bin grundsätzlich ein Mensch, der stark reflektiert, sich neue Inputs holt und Dinge hinterfragt. Das genau analysieren, das stetige Fragen nach dem «Warum» … und zwar mehr als einmal – und das Beharren auf der Festlegung von klaren Zielen, die keine Massnahmen sind, habe ich sicherlich auch an der ZHAW gelernt.

Welche Kurse und Veranstaltungen waren rückblickend ein Highlight? Wieso diese?

Das Konzeptionsseminar, denn ein Konzept braucht es einfach immer wieder. Der Kurs «Organisational Communication in Specific Industries and Selected Issues» war ein spannender Einblick in Organisationen und Themen und hat mir den Horizont geöffnet, was mich interessiert oder für wen ich arbeiten möchte. Der Kurs «Intercultural and International Organisational Communication» war superspannend, weil diese Themen auch meine Interessen in Sachen menschliches Verhalten und dessen Gründe, ansprechen. Es geht um Kultur sowie um Unternehmenskultur, beides ist sehr wichtig im Arbeitsalltag. Und schliesslich meine Masterarbeit: Ich habe über die Rolle der Kommunikation in der digitalen Transformation geschrieben. Und bin immer noch überzeugt, dass die Kommunikation eine Schlüsselrolle hat. Deshalb habe ich im Anschluss an den Master auch noch den CAS Digitale Transformation und Kommunikation an der ZHAW absolviert. Mich mehrere Monate lang sehr konkret mit diesem Thema zu beschäftigen, hat mich weitergebracht. Einerseits Inhaltlich und andererseits weil ich gemerkt habe, dass ich für dieses Thema brenne.

Wie hast du die Stimmung unter den Studierenden während dem Studium erlebt? Was hat dir gut gefallen? Was weniger?

Wir hatten eine engagierte und vernetzte Klasse, die miteinander gut funktioniert hat. Wir waren sehr vielseitig: unterschiedliche berufliche Laufbahnen und Ausbildungen sowie ganz unterschiedliche Tätigkeiten während des Studiums. Das war sehr bereichernd. Die diversen Gruppenarbeiten haben immer wieder neue Konstellationen ergeben. Auch das hat uns gut getan und auf den Arbeitsalltag vorbereitet.

Stehst du noch in Kontakt mit ehemaligen Mitstudentinnen und -studenten?

Ja, das tue ich und das schätze ich sehr. Es ist weiterhin extrem spannend zu sehen, wie unterschiedlich wir tätig sind (unterschiedliche Arbeitgebende, Tätigkeiten, Schwerpunkte usw.).

Was möchtest du beruflich noch erreichen, welche Ziele hast du?

Ich will weiterhin neues Lernen, Gelerntes vertiefen oder verlernen. Weiterbildung ist mir wichtig, weshalb ich zur Zeit einen weiteren CAS absolviere und einen MAS in Betracht ziehe. In Bezug auf meine berufliche Entwicklung möchte ich gerne in einem international tätigen Unternehmen beziehungsweise im Ausland arbeiten. Dieses Unternehmen soll Wert auf die interne Kommunikation, auf ständige Weiterentwicklung sowie auf themenorientierte Zusammenarbeit legen.


* Die Hälg Group ist ein inhabergeführtes Familienunternehmen mit Sitz in St. Gallen. Sie ist in der Gebäudetechnik tätig: Planung, Installation und Service von Anlagen für Heizung, Lüftung, Klima, Kälte, Sanitär und Gebäudeautomation sowie Unterhalt und Betrieb ganzer Areale. So sorgen die rund 1125 Mitarbeitenden dafür, dass sich Menschen in Gebäuden wohlfühlen. Zur Hälg Group gehören 22 Standorte in der Schweiz.


Master Organisationskommunikation IAM ZHAW

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