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Wenn künftige Entrepreneurs Sprachbarrieren überwinden müssen

Welche Lese- und Schreibkompetenzen braucht es, um ein kleines Unternehmen zu gründen und zu führen? Welche Textsorten und -muster werden in diesem Zusammenhang verwendet? Was zeichnet in diesem Kontext einen «guten» Text aus? Das Projekt «Literacy for Entrepreneurship» hat am Institute of Language Competence diese bisher noch wenig erforschten Fragen untersucht und Empfehlungen für die Praxis formuliert. 

von Lisa Gubler, Mitarbeiterin Leitung Weiterbildung am ILC Institute of Language Competence

Selbständigkeit erfordert mehr als nur Fachwissen

Wenn Berufsleute sich selbstständig machen, brauchen sie nicht nur Geschäftssinn und fachliches Know-how, sondern auch kommunikative Kompetenzen. Sie müssen schwierige rechtliche Texte verstehen, mit Kunden, Lieferanten, Behörden und Kreditinstituten schriftlich kommunizieren oder für ihre Produkte im Web und auf Social Media werben können. Insbesondere für Berufsleute mit Migrationshintergrund ist eine Firmengründung deshalb eine wahre Herausforderung. Das Projekt Literacy for Entrepreneurship hat untersucht, welche Lese- und Schreibkompetenzen für die Gründung eines Klein(st)unternehmens wichtig sind.

Unterschiedliche Datenquellen

Zunächst sammelte das Forschungsteam unter der Leitung von Prof. Dr. Liana Konstantinidou ausreichend Daten, welche aus drei verschiedenen Quellen stammten. Hierfür wurden Interviews mit Schweizer Kleinunternehmern und Vertretern von kantonalen und nationalen Berufsverbänden, Fachstellen und Vereinen zur Start-Up-Unterstützung geführt. Zudem führten die Forschenden eine Online-Befragung mit Klein(st)unternehmerInnen durch. Als letzte und sehr ausführliche Datenquelle wurde eine Sammlung von Texten – ein sogenanntes Korpus – erstellt. Die Forschenden analysierten die Daten digital und liessen die Qualität der vorliegenden Texte von ExpertInnen beurteilen.

Eine Vielfalt an Textsorten

Ein besonderes Augenmerk legte das Forschungsteam auf die relevanten Textsorten im Kontext von Entrepreneurship. Während einer Unternehmensgründung sind dies hauptsächlich Verträge, Informationstexte, Mails und Briefe von und an Behörden und Finanzinstitute. Sobald das Unternehmen gegründet ist, kommen jedoch andere Textsorten zum Einsatz: Korrespondenz mit Behörden und Finanzinstituten, Kunden und Lieferanten sowie Mitarbeitenden, Offerten an Kunden. Oftmals erhalten Berufsfachleute Unterstützung im Umgang mit schriftlichen Texten, meist durch das persönliche Umfeld, seltener auch durch BeraterInnen oder durch Textvorlagen auf Webseiten.

Didaktische Szenarien und sprachliche Übungen

Die Ergebnisse zeigen: die sprachlichen Handlungen im Kontext von Entrepreneurship sind komplex und anspruchsvoll. Dennoch werden angehende Entrepreneurs wenig und nur unsystematisch sprachlich unterstützt. Daher sollen Enterpreneurship-bezogene kommunikative Kompetenzen in der beruflichen Bildung, höheren Fachbildung sowie in Entrepreneurship-Programmen und Coachings gezielt gefördert werden. Hierfür eignen sich authentische didaktische Szenarien aus dem Unternehmensumfeld, und wenn nötig zielführende sprachliche Übungen. Auf diese Weise können Entrepreneurs künftig ihre sprachlichen Ressourcen aufbauen und optimieren. Zugleich werden auf dem Weg zur Unternehmensgründung sprachliche Barrieren abgebaut. 


Mehr zu den Forschungsprojekten am ILC Institute of Language Competence: Arztrechnungen laienverständlich übersetzt

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