Welchen Einfluss hat der Anschlag auf die Redaktion von Charlie Hebdo auf die Journalistenausbildung am IAM?

Die tragischen Ereignisse des 7. Januar in Paris sind verständlicherweise seit Tagen das grosse Medienthema. Beim Ausleuchten der verschiedenen Perspektiven wurde das IAM angefragt, inwiefern die Anschläge auf die Redaktion von Charlie Hebdo Konsequenzen für die Journalistenausbildung haben und ob wir Studierende dazu ermuntern, an Gedenkmärschen oder ähnlichen Aktionen teilzunehmen.

von Daniel Perrin, Institutsleiter IAM; Vinzenz Wyss, Professor für Journalistik; Helga Kessler, Leiterin Berufspraxis; Guido Keel, Geschäftsführer IAM

Die Morde in Paris sind schockierend. Die Meinungsfreiheit als zentraler Eckpfeiler der westlichen Gesellschaft und des Journalismus sind dadurch aber in keiner Weise in Frage gestellt. Was die Form der Anteilnahme von Studierenden betrifft, überlassen wir es deshalb den Studierenden selbst, auf die von ihnen als angemessen empfundene Art zu reagieren. Gedenkmärsche, Twitter-Aktionen oder andere Formen des sozialen Protests können helfen, das Geschehene zu verarbeiten.

Müssen wir aufgrund der tragischen Ereignisse in Paris die Journalismus-Ausbildung am IAM anpassen? – Nein. Journalistin oder Journalist zu sein, bedeutet, Verantwortung zu übernehmen. Medienschaffende sind von der Gesellschaft mit bestimmten Rechten ausgestattet, damit sie ihren Aufgaben nachkommen können. Ihre Meinungs- und Kommentarfreiheit ist geschützt. Damit verbunden sind aber auch Pflichten, die sie wahrzunehmen haben. An diesen Tatsachen hat der Anschlag in Paris nichts geändert.

Am IAM sensibilisieren wir unsere Studierenden seit Angbeginn für diese Verantwortung. Journalistisch tätig zu sein, bedeutet unter anderem, verschiedene gesellschaftliche Grundprinzipien gegeneinander abzuwägen, denn keines dieser Prinzipien greift absolut. Neben der Kommentarfreiheit gibt es auch die Prinzipien, die Privatsphäre zu schützen und die Menschenwürde zu wahren. Das sind zunächst unklare Grössen, die es zu verhandeln gilt.

Wann ist die Menschenwürde verletzt? Wann sind Grenzen des Anstands und der Respektlosigkeit überschritten? Darauf gibt es keine einfachen Antworten. Wie mit diesen Fragen in der Praxis umgegangen werden soll, wie die richtige Abstimmung in journalistischen Berichten, Kommentaren, satirischen Beiträgen oder Social Media-Posts, angesichts des jeweils aktuellen öffentlichen Diskurses, gelingt, das lernten die Studierenden am IAM bisher, und sie werden es auch in Zukunft lernen.

Eines ist aber auch klar: Die getöteten Satiriker in Paris wurden nicht Opfer einer falschen Abwägung von Meinungsfreiheit und anderen Grundwerten. Sie sind Opfer einer in keiner Art zu legitimierenden, sinnlosen Gewalt, die ihre Ursachen anderswo hat als in der Publikation von Zeichnungen. Auch deshalb sehen wir keinen Bedarf, etwas an unserer Ausbildung zu ändern. Weil wir an den Journalismus und an die JournalistInnen nach Paris keine anderen Ansprüche stellen, als wir es vorher getan haben.


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