Aktivierung bildet einen der Schwerpunkte des Bibliotheksbestands Angewandte Gerontologie. Die grosse Sammlung an Aktivierungsspielen wurde nun vollständig von der Hochschulbibliothek für die Ausleihe aufbereitet (aus systemtechnischen Gründen ist die Ausleihe der anderen physischen Medien aus dem Alt-Bestand zurzeit nicht möglich). Wir haben die Aktivierungsexpertin Vera Uetz gefragt, wie und welche Spiele im Alltag älterer Menschen am besten verwendet werden.


Vera Uetz ist Leiterin Aktivierung bei Serata in Thalwil, Co-Leiterin des Fachbereichs Gerontopraxis bei GERONTOLOGIE.CH und diplomierte Gerontologin FH.
Foto: Michael Buholzer


Vera Uetz, welche Spiele eignen sich für den Einsatz mit älteren Personen in der Aktivierung oder auch zuhause?

Auf der einen Seite gibt es Spiele, die eher didaktischer Natur sind und bei denen somit die Begleitung von Fachpersonen von Vorteil ist. Oft geht es darum, miteinander ins Gespräch zu kommen. Es handelt sich dabei weitgehend um sogenannte Erinnerungsspiele bzw. biografische Spiele wie z.B. «Vertellekes».

Auf der anderen Seite gibt es «Selbstläufer». Spiele, die mit oder ohne professionelle Begleitung, im Heim oder zusammen mit Angehörigen zuhause gespielt werden können: klassische Gesellschaftsspiele, die seit jeher bekannt sind oder in abgewandelter Form existieren, beispielsweise Memory, Domino oder Schwarzer Peter. Solche Spiele können auch Angehörigen beim Besuch im Heim helfen, spielerisch in Kontakt zu kommen, gerade wenn dies über die Sprache kaum möglich ist.

Nach meiner Erfahrung sind viele ältere Menschen auch offen für neue, altersunabhängige Spiele. Bei vielen in unserer Abteilung sind z.B. komplexere Dominos wie Triominos, das Kartenspiel Skipo oder Brändi Dog, eine Variante von Eile mit Weile, sehr beliebt. Nicht zu vergessen sind Quiz: Da gibt es mittlerweile eine grosse Menge zu den verschiedensten Themen und mit verschiedensten Schwierigkeitsgraden.

Gibt es auch Risiken oder Barrieren, die zu beachten sind?

Bei Spielen mit Memory muss darauf geachtet werden, dass die Karten nicht zu klein und auch für Personen mit einer Sehbehinderung geeignet sind. Taktile Spiele sind ebenfalls interessant. Beispiele dafür sind «Tactil-Domino» oder «Drück-Memory». Weniger geeignet ist etwa das Mikado wegen der Verletzungsgefahr.

Im Heim finden auch immer heterogene Gruppen zusammen. So können je nach Situation auch Personen mit mittelschwerer Demenz ins Spiel einbezogen werden. Hierfür eignen sich eher bekannte Spiele wie Jassen oder Eile mit Weile. Trotzdem ist ab und zu eine Moderation vonnöten, wenn etwa aufgrund von zu grossem Wettbewerbsdruck oder kognitiv unterschiedlichen Fähigkeiten Spannungen auftreten.

Wichtig ist zudem, Stigmatisierungen zu verhindern. An Demenz erkrankte Menschen können sich von einer Aktivität abwenden, wenn sie mit Spielen oder auch Büchern, die für sie konzipiert und als solche gekennzeichnet sind, konfrontiert werden. Es gibt jedoch viele Aktivierungsspiele, an denen Personen unabhängig vom Alter und von der körperlichen oder geistigen Verfassung gemeinsam Spass haben.

Haben Sie ein persönliches Lieblingsspiel?

Ich persönlich mag «Haarnadel und Poschettli» sehr, ein in der Schweiz als Arbeitsinstrument konzipiertes Spiel, das die Teilnehmenden auf Reisen in die Vergangenheit mitnimmt. Gerne spiele ich im Heim auch beim «Eile mit Weile» mit. Privat bevorzuge ich Triominos oder Yatzi.

Ich empfehle auf jeden Fall, verschiedene Spiele selber kennenzulernen und auszuprobieren. Der Bibliotheksbestand der ZHAW bietet dafür eine ausgezeichnete Möglichkeit.

Entdecken Sie unsere Sammlung an Aktivierungsspielen!

Ein Beitrag von Dieter Sulzer - gerontologie.hsb@zhaw.ch.

Quelle Titelbild: www.colourbox.com