Das Kompetenzzentrum zu Open Educational Recources (OER) gibt in einer 3-teiligen Blogserie praxisorientierte Tipps für Lehre & Studium. Kontakt: Nicole Krüger, Yvonne Klein und Salome Nesme, oer.hsb@zhaw.ch

1. Teil: Finden frei nutzbarer Bilder

Haben Sie schon mal ein Bild benutzt, um Ihre PowerPoint-Präsentation, Ihre Website oder vielleicht auch Ihren Blogbeitrag ansprechender zu gestalten?
Wenn Sie diese Frage mit einem deutlichen JA beantworten können, dann sollten Sie unbedingt weiterlesen!

Kostenlos = Frei = Offen?

Im Internet finden Sie schnell und leicht Fotos und Grafiken und können diese ziemlich unkompliziert in Ihre eigenen Materialien einbinden. Dem Können steht also nichts im Wege, aber wie steht es eigentlich um das Dürfen?

Fotos, Bilder, Grafiken oder andere Abbildungen aus dem Internet sind grundsätzlich urheberrechtlich geschützt. Um sie auf einer Konferenz oder im Internet öffentlich zu zeigen, muss die Urheberin / der Urheber eine Zustimmung geben.

Nutzen Sie das Bild einfach so, begehen Sie unter Umständen eine Urheberrechtsverletzung und riskieren eventuell eine Abmahnung. Dies kann zur Folge haben, dass Sie ein Bussgeld bezahlen müssen. Das Urheberrechtsgesetz (URG) sieht einige Ausnahmen vor, welche den Gebrauch von urheberrechtlich geschütztem Material unter bestimmten Umständen erlauben. Eine Ausnahme bildet die Verwendung zu Unterrichtszwecken im Klassenzimmer. Diese Ausnahme gilt aber bereits nicht mehr, wenn Sie einen offenen Moodle-Kurs für die ganze Hochschule anbieten, MOOCs erstellen oder eine Webinar-Aufzeichnung im Internet bereitstellen.

Die Lösung: Bilder unter offenen Lizenzen!

Damit Sie nicht Gefahr laufen, gegen das Urheberrecht zu verstossen, empfehlen wir die Nutzung offen lizenzierter Materialien. Hierfür hat die gemeinnützige Organisation Creative Commons (CC) unterschiedliche Lizenzen entwickelt, die einen guten Kompromiss aus Einfachheit und Rechtssicherheit bieten, und die sich weltweit als Standard für offene Lizenzen durchgesetzt haben.

CC-Lizenzen sind offene Lizenzen, mit denen Urheber*innen pauschal die Erlaubnis geben, Bilder zu verbreiten. Allerdings unter bestimmten Auflagen – z.B. der

  • Urhebernennung (CC-BY),
  • keine kommerzielle Verwendung (CC-BY-NC),
  • keine Veränderung, No Derivatives (CC-BY-ND) oder
  • Verbreitung unter gleichen Bedingungen, Share Alike (CC-BY-SA)

Für Open Educational Resources (OER), also in der Lehre eingesetzte offene Unterrichtsmaterialien aber auch für Bilder oder Publikationen, werden diese Creative-Commons Lizenzen oft verwendet.

OER sind laut der Definition der UNESCO (2012) „[…] Lehr-, Lern- und Forschungsressourcen in Form jeden Mediums, digital oder anderweitig, die gemeinfrei sind oder unter einer offenen Lizenz veröffentlicht wurden, welche den kostenlosen Zugang sowie die kostenlose Nutzung, Bearbeitung und Weiterverbreitung durch Andere ohne oder mit geringfügigen Einschränkungen erlaubt.“

Wenn Sie selbst Bilder oder Materialien im Internet veröffentlichen, können auch Sie offene Lizenzen vergeben und festlegen, unter welchen Bedingungen andere Ihre Werke nutzen und verbreiten können.

Wo finde ich offen lizenzierte Bilder?

Wir haben Ihnen unsere Top 3 Fundorte zusammengestellt:

1. Wikimedia Commons
Wikimedia ist eine gemeinnützige Organisation, die die Arbeit an Wikipedia und anderen Projekte unterstützt und koordiniert. Die Plattform bietet Ihnen eine Sammlung von Fotos und Grafiken sowie auch Videos und Audios, die unter freien Lizenzen stehen. Die Werke stammen meist von Freiwilligen, die ihre eigenen Schöpfungen zur Verfügung stellen. Sie haben Zugang auf eine übergrosse Themenvielfalt an Fotos und Abbildungen. Die Qualität ist überwiegend gut. Die Lizenzen sind deutlich erkennbar. Auch für unerfahrenere Nutzer*innen ist die Kennzeichnung dank Vorschlägen für die korrekte Lizenzangabe recht einfach.

2. Flickr
Flickr ist eine Fotoplattform, die es Nutzer*innen erlaubt ihre Fotos mit anderen zu teilen. Sie finden auf Flickr vielfältige und qualitativ sehr unterschiedliche Fotos, von laienhaft bis professionell. Eine gefilterte Suche nach Lizenztypen ist möglich. Des Weiteren werden verschiedene Auflösungen eines Fotos zum Download angeboten. Die wichtigen Lizenzhinweise sind auf Flickr deutlich angebracht, so dass es leicht ist, sich zu orientieren und die Kennzeichnung korrekt zu übernehmen.

3. CC-Search
Mit der Suchmaschine von Creative-Commons wird eine gezielte Suche und direkte Filterung nach CC-lizenzierten Werken im Web – wobei sich die CC-Suchmaschine zunächst auf digitale Fotos und Bilder von rund 20 unterschiedlichen Anbietern beschränkt, wie Flickr, Rawpixel, Deviant Art sowie mehrere Museen aus aller Welt. Gleichwohl sollen in diesen Quellen laut Creative Commons über 300 Millionen CC-lizenzierte und freigegebene Werke durchsuchbar sein. Die Suchergebnisse präsentiert CC Search direkt mit Voransichten, sie lassen sich nach Lizenzart, Quelle und weiteren Kriterien filtern. Zudem kann man die Dateien sofort und mitsamt Lizenzhinweisen herunterladen.

Weiterführende Informationen zum vollständigen Funktionsumfang der CC-Search finden Sie in diesem Artikel von iRights.info der Informationsplattform zum Urheberrecht und weiteren Rechtsgebieten. Das schweizerische Kompetenzzentrum in Digitalem Recht CC Digital Law stellt unter Schulungen auch aufgezeichnete Webinare, Merkblätter zu Creative-Commons zur Verfügung

Bei Google verwenden Sie die erweiterte Suchfunktion, die umfangreiche Filtermöglichkeiten bietet! In dieser erweiterten Suche ist unter anderem das Filtern nach Lizenztypen möglich. Bitte prüfen Sie die Lizenz vor einer Weiterverwendung direkt bei der Fundstelle.

Haben Sie ein geeignetes Bild unter einer offenen Lizenz gefunden, empfehlen wir Ihnen das Werk nach der TULLU-Regel zu zitieren: Titel, Urheber, Lizenz, Link, Ursprungsort. Wie das genau gemacht wird, erfahren Sie im nächsten Blogbeitrag.

Das Kompetenz- & Informationszentrum zu Open Educational Resources (OER) gibt in der 3-teiligen Blogserie „Schon gehOERt? Es gibt frei nutzbare Unterrichtsmaterialien!“ praxisorientiere Tipps für Lehre & Studium.

Ein Beitrag von Nicole Krüger und Salome Nesme - oer.hsb@zhaw.ch