Seit November 2020 gibt es an der ZHAW-Bibliothek die Möglichkeit, jeden Donnerstag über Mittag eine Beratung zum Schreiben wissenschaftlicher Texte zu buchen via Moodle. Die Beratung dauert maximal 20 Minuten, ist kostenlos und steht Studierenden aller Departemente der ZHAW offen.

Aller Anfang ist schwer – wie beginne ich eine wissenschaftliche Arbeit?

Viele Studierende tun sich schwer damit, einen Einstieg ins wissenschaftliche Schreiben zu finden. Otto Kruse bietet dazu Einstiegshilfen in seinem Buch «Keine Angst vor dem leeren Blatt: Ohne Schreibblockaden durchs Studium».

Schreiben ist keine Zauberei

Für uns ist klar, wissenschaftliches Schreiben ist ein Handwerk und kann erlernt werden wie jedes andere Handwerk. «Es ist noch kein Meister vom Himmel gefallen» gilt auch hier – und «Übung macht den Meister/die Meisterin». Und da sind wir bereits mitten im Thema: Jede Fachdisziplin hat ihre Regeln und Vorbilder. Wissenschaftliche Artikel in der eigenen Disziplin zu lesen, ist daher ein guter Einstieg – und dann heisst es üben, üben, üben.

Wissenschaftlich zu schreiben muss ebenso gelernt und geübt werden wie die vielfältigen Aspekte des Studienfaches selbst. Wenn zentrale Elemente wissenschaftlichen Schreibens bekannt sind, nimmt das auch die Angst vor dem leeren Blatt.

Was ist das Besondere am wissenschaftlichen Schreiben?

Wissenschaftssprache ist bemüht um eine möglichst genaue und objektive Darstellung. Wichtige Merkmale sind Generalisierbarkeit, Objektivität und intersubjektive Nachvollziehbarkeit, die in wissenschaftliche Sprache zu übersetzen sind. So haben sich beispielsweise drei zentrale Merkmale herausgebildet, die als «Tabus» zusammengefasst werden können (Kretzenbacher 1995: 26-35): das «Ich-Tabu», das «Metaphern-Tabu» und das «Erzähltabu». Was steckt dahinter?

Wissenschaftliches Schreiben kurz gefasst: die drei «Tabus»

Das «Ich-Tabu»
Das sogenannte «Ich-Tabu» besagt, dass es in einem wissenschaftlichen Text um den differenzierten Umgang mit der eigenen Position geht. Im Mittelpunkt sollte nicht die schreibende Person stehen, sondern im Zentrum steht ganz klar der Gegenstand des wissenschaftlichen Interesses. Alle Aussagen sollten demnach intersubjektiv nachvollziehbar und begründet getroffen werden. Konkret bedeutet dies, beispielweise auf eine gehäufte Verwendung der Personalpronomen «ich» und «wir» zu verzichten, also möglichst keine Sprecherbezeichnung zu verwenden. Eine Selbstreferenz in wissenschaftlichen Texten ist jedoch nicht grundsätzlich verboten, sondern sollte da verwendet werden, wo sie sinnvoll und angemessen ist, also beispielsweise in Einleitungen oder Zusammenfassungen. Es ist daher ratsam, sich bei den Betreuungspersonen zu erkundigen, wie streng das «Ich-Tabu» jeweils gehandhabt wird.

Das «Metaphern-Tabu»
Das «Metaphern-Tabu» ist relativ selbsterklärend: In wissenschaftlichen Texten sollten möglichst keine Metaphern, also Sprachbilder und bildhafte Übertragungen, verwendet werden, da es ja insbesondere auf eindeutige und möglichst unmissverständliche Formulierungen ankommt. Neben bildhafter Sprache («ein Stern am Wissenschaftshimmel») sollten auch Floskeln («im Endeffekt», «ein Stück weit»), Füllwörter und Redewendungen («Kommt Zeit, kommt Rat.») vermieden werden.

Das «Erzähltabu»
Das dritte sogenannte «Erzähltabu» besagt, dass in wissenschaftlichen Texten Sachverhalte dargestellt oder referiert, aber nicht erzählt werden sollten. Im Vordergrund stehen also die Darstellung und Analyse des Sachverhalts. Beim wissenschaftlichen Schreiben kommt es darauf an, nüchtern, sachlich, nachvollziehbar und strukturiert zu schreiben, während beim Erzählen Spannung aufgebaut wird, Ausschmückungen, Vorausdeutungen oder Rückblenden vorkommen.

Natürlich ist es damit allein nicht getan. Es empfiehlt sich in jeder Hinsicht, Literatur über wissenschaftliches Schreiben zu lesen sowie möglichst viele Texte zu schreiben und somit zu üben! Hier ein paar Literaturtipps zum Thema:

Writing is rewriting – Austausch in Schreibgruppen oder der Gang zur Schreibberatung

Schreiben ist ein Prozess. Die eigenen Entwürfe zu bearbeiten, also Textrevisionen anzufertigen, ist ein Grundprinzip des Schreibprozesses. Dazu brauchen Schreibende Rückmeldung und Anregungen von Leserinnen und Lesern, denn mit einem eigenen Text ist man häufig so vertraut, dass man ihn nicht mehr mit fremden Augen wahrnehmen kann.

Auch das Überarbeiten wissenschaftlicher Texte ist ein Prozess: zuerst muss man erkennen, was überhaupt überarbeitet werden sollte, dann überlegen, wie man es lösen könnte und schliesslich entscheiden, mit welchen Mitteln und Methoden die Revisionen umgesetzt werden könnten. Der Austausch in Schreibgruppen, das Dozierenden- und Peerfeedback sind gute Möglichkeiten, Hinweise zum Überarbeiten des eigenen Textes zu erhalten. Oder komm doch einfach donnerstags in die Schreibberatung an der Hochschulbibliothek oder am 18. März an unsere virtuelle Schreibnacht!

Ein Gastbeitrag von Simone Karras und Renate Kummer