Forschungsdaten fallen in verschiedenen wissenschaftlichen Disziplinen in immer grösserem Umfang an. Forschungsförderer wie der Schweizerische Nationalfonds (SNF) erwarten von Gesuchstellenden eine Planung zum Umgang mit Forschungsdaten über deren gesamten Lebenszyklus. Nicht nur Publikationen, sondern auch Forschungsdaten sollen zur Nachnutzung und Replikation für die Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden. Die Hochschulbibliothek hat in einem ersten Kurs für Mitarbeitende der ZHAW einen Überblick über den Stand der Thematik vermittelt. Mit den Teilnehmenden wurde zudem der konkrete Informations- und Supportbedarf für folgende Veranstaltungen und für eine adäquate Unterstützung durch die Hochschulbibliothek und weitere Akteure an der ZHAW diskutiert.

Klärungsbedarf auf unterschiedlichen Ebenen

Am 6. Juni 2018 führte die Hochschulbibliothek (HSB) im Auftrag des Ressorts Forschung & Entwicklung zum ersten Mal den Kurs „Forschungsdatenmanagement“ im Rahmen des Fortbildungsprogramms für ZHAW-Mitarbeitende durch. Insgesamt 13 Mitarbeitende aus fünf Departementen sowie der Hochschulbibliothek erhielten während zwei Stunden einen Überblick über das komplexe Thema. Bereits einige Wochen vor dem Kurs wurde der ZHAW-Leitfaden zu Open Research Data und Datenmanagementplänen durch das Ressort Forschung & Entwicklung publiziert. Der Leitfaden gibt einen Überblick und Wegleitung zu den Vorgaben von Forschungsförderern zur Veröffentlichung von Forschungsdaten und Datenmanagementplänen. Wie eine Umfrage unter den Forschenden der ZHAW (Rüeger, 2017) gezeigt hat, gibt es auch darüber hinaus Klärungsbedarf: Forschende sehen sich mit technischen Unwägbarkeiten und Urheberrechts- und Datenschutzthemen konfrontiert. Als ausschlaggebend für die Kursanmeldung wurden Fragen nach einer effizienten Gestaltung der Ablage, nach dem Umgang mit vertraulichen Daten und Möglichkeiten des Data Sharings genannt.

Digital preservation (Jørgen Stamp, CC BY 2.5 DK)

Worum ging’s genau?

Der Kurs wurde von den beiden HSB-Mitarbeitenden Katrin Rüeger (Dienste & Entwicklung) und Pascal Gutknecht (Standort Zürich) konzipiert und durchgeführt. Im Vorfeld wurden Fragen und Rückmeldungen der Teilnehmenden eingeholt. Auf dieser Basis wurde der Kurs in zwei Teile gegliedert: In einem ersten Input-Teil wurde ein allgemeiner Überblick zum Stand des Forschungsdatenmanagements (FDM) gegeben. Anschliessend wurde in einem zweiten Teil über weiteren Unterstützungsbedarf für ein adäquates Forschungsdatenmanagement an der ZHAW diskutiert.

Ein „Rundumschlag“ − und handfeste Tipps

Warum sollte man sich mit dem Thema FDM eigentlich als Forschende/Forschender befassen? Mit einem adäquaten Datenmanagement und einer Aufbereitung und Publikation der eigenen Daten nach den FAIR Data Principles kann die Glaubwürdigkeit und Effizienz der eigenen Forschung bzw. der Wissenschaft generell gesteigert werden.

FAIR Data Principles (FOSTER, CC0)

Zudem stellen der Schweizerische Nationalfonds (SNF) und das EU-Forschungsprogramm Horizon 2020 klare Anforderungen an die Forschenden. Was bei der Ausarbeitung eines Datenmanagementplans (DMP) für ein Forschungsprojekt beachtet werden muss und welche Checklisten, Guidelines und Templates dabei hilfreich sein können, wurde daher vertieft im Kurs behandelt. Ebenso wurde über Ablagemöglichkeiten von Forschungsdaten an der ZHAW gesprochen und dabei auf verschiedene Metadatenstandards und archivtaugliche Formate eingegangen. Als generische Repositorien wurden Zenodo und Figshare gegenübergestellt und ein Einblick in fachspezifische Repositorien auf der Plattform re3data gegeben.

Offene Fragen und Verbesserungsvorschläge

In einem zweiten Teil wurden offene Fragen der Kursteilnehmenden aufgenommen und diskutiert. Die Anwesenden waren sich darüber einig, dass ein Bedarf an rechtlichen Informationen besteht. Neben Fragen des Datenschutzes wurde auch die Frage diskutiert, wem denn nun die Forschungsdaten gehören und dementsprechend welche Creative-Commons-Lizenz für die Veröffentlichung zu wählen sei. Für rechtliche Fragen könnte allenfalls ein Merkblatt, wie es in Deutschland erstellt wurde (Leibniz Universität Hannover & Technische Informationsbibliothek, 2018), auch für die schweizerischen Belange Abhilfe schaffen.

Weiter wurde diskutiert, welche Daten und Schritte des Forschungsprozesses veröffentlicht und dokumentiert werden sollen und welche nicht, bzw. welches die konkreten Forderungen der Forschungsförderer hinsichtlich dieser Frage sind. Wie ist mit dem Spannungsverhältnis von Veröffentlichungspflicht einerseits und Vertragsverpflichtung mit Praxispartnern andererseits umzugehen? Und welche Argumentation für einen Verzicht auf Veröffentlichung von Daten bietet sich gegenüber Verlagen oder Forschungsförderern an, wenn eine Veröffentlichung nicht im Sinne der Organisation ist? Einigkeit bestand im Teilnehmerkreis darüber, dass hier erst einschlägige Erfahrungen an der ZHAW gesammelt werden müssen, bevor gültige Aussagen gemacht werden können.

Als Vorschlag zur Weiterentwicklung unseres Kursangebots wurde der Wunsch nach einer Bewertung der vorgestellten Hilfsmittel und Tools, sowie nach Bereitstellung von Musterbeispielen, etwa für die Erstellung eines Datenmanagementplans, geäussert. Zudem wurde angemerkt, dass eine disziplinspezifische Behandlung des Themas sinnvoll wäre, um unterschiedlichen Voraussetzungen und Bedingungen der Departemente und wissenschaftlichen Disziplinen gerecht zu werden.

Wie geht es weiter?

Im Kurs wurde auch auf das Projekt «Data Life-Cycle Management» (DLCM) im Programm P-5 «Wissenschaftliche Information» von Swissuniversities eingegangen, welches Lösungen für das FDM in der Schweiz entwickelt. Seit wenigen Tagen ist klar: Die ZHAW wird sich unter Federführung des Ressorts Forschung & Entwicklung in der 2. Phase des Projektes DLCM beteiligen, welches u.a. den Aufbau eines zentralen Forschungsdatenrepositoriums zum Ziel hat. Ebenfalls wird die ZHAW im Projekt openRDM.swiss mitwirken, welches eine nationale Plattform für das aktive Datenmanagement mit Funktionalitäten von Electronic Lab Notebooks (ELN) und Laboratory Information Management Systems (LIMS) erstellen wird.

Die Hochschulbibliothek wird ihr Schulungsangebot natürlich weiterentwickeln. Der nächste allgemeine Kurs im Rahmen des Fortbildungsprogramms für Mitarbeitende der ZHAW wird um die neusten Entwicklungen im FDM ergänzt und soweit als möglich um oben genannte Inhalte erweitert.

Haben Sie weitere Vorschläge, Hinweise und Ideen, dann nutzen Sie gern die Kommentar-Funktion! Sind Sie daran interessiert mehr zu erfahren? Dann melden Sie sich für den nächsten Kurs am 05.09.2018 in der Hochschulbibliothek Winterthur an! Hier geht’s zur Kursanmeldung: Anmeldung zum Kurs Forschungsdatenmanagement

Literatur

Gutknecht, P. & Rüeger, K. (2018). Forschungsdatenmanagement. Folien des Kurses (Moodle, ZHAW-intern)

Leibniz Universität Hannover & Technische Informationsbibliothek. (2018). FAQs zu rechtlichen Aspekten im Umgang mit Forschungsdaten. Zenodo. DOI:10.5281/zenodo.1173546

Rüeger, K. (2017). Erarbeitung eines Konzepts zum Forschungsdatenmanagement an der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften (ZHAW). Abschlussarbeit, MAS Bibliotheks- und Informationswissenschaften, Universität Zürich. Unveröffentlicht.

Ein Beitrag von Katrin Rüeger, Pascal Gutknecht und Kathi Woitas.