Patient:innen gestalten ihre Versorgung mit – wie Co-Creation of Care das System neu denkt

Von Dijana Vilic

Das Schweizer Gesundheitswesen steht unter Druck. Immer mehr ältere Menschen, steigende Zahlen chronischer Erkrankungen, wachsende Kosten und gleichzeitig ein spürbarer Fachkräftemangel. Was dabei oft übersehen wird: Hinter diesen strukturellen Herausforderungen steckt längst auch eine menschliche Krise. Patient:innen fühlen sich nicht immer ausreichend gehört oder einbezogen und Fachpersonen arbeiten häufig am Limit.

Genau hier setzt ein vom Schweizerischen Nationalfonds gefördertes Forschungsprojekt an, das wir in diesem Blog-Beitrag vorstellen und das uns in den kommenden Jahren intensiv begleiten wird: Toward human-centered healthcare: Understanding, measuring, and promoting Co-Creation of Care (CCC) as a mutually beneficial interaction between healthcare staff and patients.

Vom Behandeln zum gemeinsamen Gestalten

Ein vielversprechender Ansatz heisst Co-Creation of Care (CCC).
Im Zentrum steht eine menschenzentrierte Gesundheitsversorgung, die auf aktiver, partnerschaftlicher Zusammenarbeit zwischen Patient:innen und Gesundheitsfachpersonen basiert. Es geht um echte Interaktion: um Kommunikation auf Augenhöhe, um Beziehungsgestaltung und darum, gemeinsam Entscheidungen zu treffen. Beide Seiten werden dabei als gleichwertige Mitgestaltende verstanden und profitieren voneinander.

Das klingt selbstverständlich. Ist aber im oft hektischen Versorgungsalltag nicht immer die Realität.

Warum Co-Creation of Care jetzt entscheidend ist

In einer Zeit, in der Ressourcen knapper werden, kann eine menschzentrierte Versorgung mehr sein als ein «Nice-to-have». Sie kann den entscheidenden Unterschied machen.

  • Für Patient:innen kann CCC mehr Mitbestimmung, besseres Verständnis und oft auch bessere Behandlungsergebnisse bringen, geht jedoch auch mit einer aktiveren Rolle im Behandlungsprozess einher.
  • Für Fachpersonen kann eine gelingende Zusammenarbeit zu mehr Sinn, höherer Arbeitszufriedenheit und weniger Belastung führen.

Kurz gesagt: Unsere Hypothese ist, dass beide Seiten gewinnen, wenn die Interaktion gelingt.

Das Forschungsprojekt: Co-Cration of Care verstehen, messen und fördern

Das Projekt läuft über 3.5 Jahre und vereint Expertise aus verschiedenen Disziplinen. Im Zentrum steht die Frage, wie eine solche CCC in der täglichen Versorgung konkret gelebt wird und wie sie sich auf die Zufriedenheit und das Wohlbefinden aller Beteiligten auswirkt.

Ziel ist es, praxisnahe Empfehlungen zur systematischen Förderung von CCC zu entwickeln und damit zur Verbesserung von Arbeitsbedingungen, Patientenerfahrung und Versorgungsqualität beizutragen.

CCC liefert darauf keine einfache Antwort aber sie eröffnet einen neuen Blick auf die Versorgung als gemeinsames Projekt, menschlicher, wirksamer und zukunftsfähiger.

Und vielleicht beginnt genau hier der Wandel. Wir berichten hier laufend über neue Ergebnisse aus den verschiedene Arbeitspaketen.

Dijana Vilic ist wissenschaftliche Mitarbeiterin im Team Management im Gesundheitswesen am Winterthurer Institut für Gesundheitsökonomie an der ZHAW.


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